Abschied nach zwölf prägenden Jahren
Nach zwölf Jahren am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte hat Dr. Michael Pfister am 1. Oktober 2026 den Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Katholischen Privatuniversität Linz übernommen. "Ich bin sehr dankbar für meine Zeit in Münster, die mich sehr geprägt und mir viele Perspektiven eröffnet hat", sagte er bei seiner Abschiedsfeier im Kreis der Kolleginnen und Kollegen. Zugleich freue er sich auf seine neue Aufgabe. "Ich bin mir sicher, dass die vielfältigen Kontakte bestehen bleiben und sich die eine oder andere Gelegenheit zum Austausch und zur Kooperation ergeben wird."

Michael Pfister betonte außerdem, er habe in den verschiedenen Forschungsprojekten am Seminar viele Erfahrungen gesammelt und durch die Formate der Wissenschaftskommunikation "über den Tellerrand" hinausgeschaut. "Unvergesslich sind insbesondere die Forschungsaufenthalte mit dem Team des Seminars in Rom, vor allem anlässlich der Öffnung der Archivbestände aus dem Pontifikat Pius’ XII. im März 2020." Er nehme aber auch viele Erinnerungen an die Studierenden mit, die er im Laufe der Jahre vom Proseminar bis zur Master- oder Magisterarbeit begleitet habe.
Prof. Dr. Hubert Wolf, Betreuer der Dissertation und der Habilitation von Michael Pfister, stellte die Zahl zwölf und ihr häufiges Auftauchen in der Kirchengeschichte in den Mittelpunkt seiner Dankesrede. "Es ist immer wieder schwer, einen Mitarbeitenden nach so langer Zeit ziehen zu lassen, auch wenn die Übernahme einer Professur das Ziel der akademischen Karriere mit Promotion und Habilitation darstellt", sagte er. "Es fällt mir nicht leicht, mir den 4. Stock am Domplatz ohne Michael Pfister vorzustellen." Für den Start in Linz wünschte er seinem frisch berufenen Kollegen alles Gute.
Michael Pfister war ab 2014 zunächst Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt "Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli 1917–1929". Anschließend arbeitete er am Lehrstuhl des Seminars und im Forschungsprojekt "Kritische Online-Edition zur Entstehung von heiligen Texten durch lehramtliche Entscheidungen der katholischen Kirche" im Münsteraner Exzellenzcluster "Religion und Politik". 2020 promovierte er im Fach Theologie zum Thema "'Ein Mann der Bibel!' – Augustin Bea SJ (1881–1968) als Exeget und Rektor des Päpstlichen Bibelinstituts in den 1930er und 1940er Jahren". Ab Oktober 2021 war er Akademischer Rat am SMNKG, zu seinen Aufgaben gehörte auch die Koordination des Teilprojekts "Aufbruch oder Zusammenbruch? Die katholische Theologie und die Studentenbewegung von 1968" im Rahmen der Forschungsgruppe "Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland. Semantiken, Praktiken, Emotionen in der westdeutschen Gesellschaft 1965–1989/90".
Zu Michael Pfisters Forschungsschwerpunkten zählen die Theologiegeschichte und die Politik des Heiligen Stuhls im 20. Jahrhundert, die katholische Kirche in der Weimarer Republik und im "Dritten Reich", die Ökumene und der jüdisch-christliche Dialog vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil sowie die Spiritualitäts- und Frömmigkeitsgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne. Die Arbeit an seinem bereits weit fortgeschrittenen Habilitationsprojekt wird er in Linz fortsetzen. Es trägt den Titel "Geistliche Räte im Bistum Freising und im Herzogtum Bayern und die Römische Konzilskongregation als Institutionen der Kirchenreform an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert".
Die Katholische Privatuniversität Linz ist die älteste der "Hohen Schulen" der Stadt mit insgesamt gut 400 Studierenden. In den Vorgängerinstitutionen wurde schon ab 1672 Theologie betrieben. Neben einer Theologischen Fakultät umfasst die Universität inzwischen auch eine Fakultät für Philosophie und Kunstwissenschaft.
Weitere Links zu dieser Meldung
- Katholische Privatuniversität Linz
- Dissertation: Ein Mann der Bibel. Augustin Bea SJ (1881-1968) als Exeget und Rektor des Päpstlichen Bibelinstituts in den 1930er und 1940er Jahren
- Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli 1917–1929
- Forschungsgruppe "Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland"
- Teilprojekt "Kritische Online-Edition zur Entstehung von heiligen Texten"
