Neues Buch befeuert Debatte ums Zölibat

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© C.H.Beck

Prof. Dr. Hubert Wolf hat ein Buch mit 16 Thesen zum Thema „Zölibat“ veröffentlicht und damit rege Diskussionen ausgelöst. Der Kirchenhistoriker kommt zu dem Ergebnis, dass einer Abschaffung des Pflichtzölibats weder biblische noch dogmatische Hindernisse entgegenstehen. „In der Geschichte der Kirche sprachen zwar immer wieder gute und weniger gute Argumente für den Pflichtzölibat, heute können diese aber nicht mehr überzeugen.“

Hubert Wolf hat seine Thesen unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Rundschau und im Mittagsmagazin des ZDF vertreten. Auch zahlreiche weitere Medien berichteten ausführlich (Pressespiegel). In der Spiegel-Bestsellerliste (Nr. 31/2019) stieg das Buch auf Platz 8 in der Kategorie „Paperback Sachbuch“ ein.

Hintergrund der neu entflammten Debatte um das Zölibat ist auch die für Oktober geplante Synode „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“, zu der Bischöfe und Ordensleute aus den Regenwaldgebieten Südamerikas im Vatikan zusammenkommen werden. Für das Amazonasgebiet, wo der Priestermangel besonders ausgeprägt ist, wird die Weihe „bewährter Männer“ erwogen, die auch verheiratet sein können. Außerdem wird die Synode darüber sprechen, „welche Art von offiziellem Amt der Frau übertragen werden kann“, wie es im offiziellen Vorbereitungsdokument heißt.

Die Thesen Wolfs nehmen darauf Bezug: Überraschenderweise gibt es, wie der Kirchenhistoriker zeigt, auch in der katholischen Kirche schon lange verheiratete Priester, die sich bewährt haben. Gegen den Pflichtzölibat spreche nicht nur der Priestermangel, sondern auch die hohe Wahrscheinlichkeit, dass er einen Risikofaktor für sexuellen Missbrauch darstellt. Zudem hänge er eng mit dem Zentralismus und den strengen Hierarchien der katholischen Kirche zusammen, den eigentlichen Ursachen vieler Krisen. „Der Verzicht auf Ehe und Familie macht Priester zu leicht kontrollierbaren Figuren auf dem kirchlichen Schachbrett.“ Der Kirchenhistoriker stellt daher klar: Wer wirklich eine Reform der katholischen Kirche anstrebt, der muss nicht nur den Pflichtzölibat, sondern das klerikale System als solches infrage stellen. „Es geht dann auch um das Verhältnis von Klerikern und Laien, die Gleichberechtigung der Frau, die Sexualmoral und die Rechtskultur der katholischen Kirche.“


Hubert Wolfs Buch „Zölibat. 16 Thesen“ ist als Paperback im Münchener Verlag C.H.Beck erschienen. Es kostet 14,95 Euro.