Podcast zu Pius IX.

Pius IX. (Portrait von George Peter Alexander Healy, 1871)
© gemeinfrei (Wikimedia commons)

Warum ist der Papst unfehlbar? Über diese Frage diskutiert Prof. Hubert Wolf mit der Philosophin und Moderatorin Dr. Rebekka Reinhard im Podcast der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (wbg). Grundlage des Gesprächs ist das Buch "Der Unfehlbare" über Pius IX., der von 1846 bis 1878 Papst war. Darin erzählt der Kirchenhistoriker die spannende Lebensgeschichte von Giovanni Maria Mastai-Ferretti, der vom kränkelnden jungen Adligen aus der Provinz zum mächtigsten und am längsten amtierenden Papst der Geschichte wurde.

Hubert Wolf zeigt: Pius IX. hat den Katholizismus, der zu seiner Zeit immer noch unter den Folgen der Französischen Revolution litt, vor 150 Jahren quasi neu erfunden. Die gesamte Weltkirche richtete er streng auf Rom aus, im Namen von "neu erfundenen" Traditionen. Pius IX. verkündete das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, schottete die Kirche mit dem "Syllabus errorum" von Demokratie und Moderne ab und ließ sich auf dem Ersten Vatikanischen Konzil für unfehlbar erklären. Geschickt verschleierte er, dass diese Entscheidungen tatsächlich mit althergebrachten Traditionen brachen – und sorgte dafür, dass aus lebendiger Tradition Traditionalismus wurde: "Die Tradition bin ich", sagte Pius IX. Die Folgen prägen die katholische Kirche bis heute.

Das neueste Buch von Hubert Wolf wurde in den Medien ausführlich und positiv besprochen. In der Spiegel-Bestsellerliste schaffte es "Der Unfehlbare" bis in die Top 20, die Literarische Welt, WDR 5, Neue Züricher Zeitung und Österreich 1 wählten es zu einem der zehn "Bücher des Monats September". Im Gespräch mit Rebekka Reinhard spricht Hubert Wolf außerdem über sein Selbstverständnis als Kirchenhistoriker und seine Erfahrungen in der Corona-Krise. Der wbg-Podcast ist unter anderem auch auf Youtube und Spotify zu finden.


Hubert Wolfs Buch "Der Unfehlbare. Pius IX. und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert" ist im Münchener Verlag C.H.Beck erschienen. Es kostet 28 Euro. Auf der Homepage des Verlags sind unter anderem eine Leseprobe und das Inhaltsverzeichnis verfügbar.