Faulhaber-Tagebuch 1939: Weiterhin Unterstützung für Hitler

Michael Kardinal Faulhaber
© EAM

Lediglich zwei Einträge widmet Michael von Faulhaber dem fehlgeschlagenen Attentat auf Adolf Hitler am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller. Der Münchener Kardinal erwähnt zwar die "furchtbare Verwüstung" und die sieben Toten. Ein Bedauern über das Missglücken des Attentats auf Hitler sucht man jedoch vergebens. Stattdessen bekundet er, wie sogar der Papst, sein Beileid in einem Telegramm und nennt das Attentat ein "verabscheuungswürdiges Verbrechen". Das zeigen die Einträge des Jahrgangs 1939 der Faulhaber-Tagebücher, die das Team des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und des Seminars für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Universität Münster jetzt online veröffentlicht hat. Die Dokumente ergänzen auf der Seite www.faulhaber-edition.de die Jahrgänge 1911 bis 1919, 1933 bis 1938 und 1945 bis 1948, die schon länger online zugänglich sind.

Die Tagebücher deuten darauf hin, dass Faulhaber weiterhin dem außenpolitischen Kurs Hitlers beipflichtet. Bereits im Herbst 1938 hatte er ein "Friedenstelegramm" der deutschen Kardinäle an Adolf Hitler angeregt, um den Reichskanzler zu seiner "Friedenstat" zu beglückwünschen, während er sich zum Bruch des Münchener Abkommens – der Annektierung der "Rest-Tschechei" im März 1939 – ausschweigt, genau wie zum Nichtangriffspakt zwischen Nazi-Deutschland mit der kommunistischen UdSSR. Den Beginn des Weltkriegs und den Einmarsch der deutschen Truppen in Polen kommentiert er lapidar mit den Worten: "In dieser Zeit Einmarsch in Polen."

Trotz der positiven Haltung zu Hitler wirft die Attacke des nationalsozialistischen Mobs auf das Erzbischöfliche Palais in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1938 seinen Schatten auf das Jahr 1939. Die Schutzmaßnahmen am Gebäude werden auf Anweisung Faulhabers weiter verstärkt. Am 3. und 4. Januar erfolgt der Einbau zentnerschwerer Eisentüren auf dem Balkon. Wenige Tage nach dem Tod von Papst Pius XI. am 10. Februar reist der Kardinal zum Konklave nach Rom und kehrt erst Mitte März nach München zurück.

Über das Jahr hinweg plagen den inzwischen Siebzigjährigen zudem massive gesundheitliche Probleme, sodass er es am 2. Oktober für erwähnenswert hält zu schreiben: "Heute zum ersten Mal ohne Einspritzungen." Erst am 3. November kann er "nach etwa fünf Monaten" wieder "eine kirchliche Funktion außerhalb des Hauses" ausüben, wie es im Tagebuch heißt.

© Faulhaber-Projekt

Informationen zur Faulhaber-Edition:

Mehr als 40 Jahre lang hielt Faulhaber in seinen Tagebüchern jeden Tag seine Begegnungen mit Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten fest. Diese Quelle wird im Projekt "Kritische Online-Edition der Tagebücher von Michael Kardinal von Faulhaber (1911-1952)" wissenschaftlich aufbereitet und im Internet unter www.faulhaber-edition.de veröffentlicht. Die Einträge müssen dafür zunächst aus der Kurzschrift Gabelsberger übertragen werden, die heute nur noch wenige Experten entziffern können.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das auf zwölf Jahre angelegte Vorhaben seit dem 1. Januar 2014. Im Projekt arbeiten Historikerinnen und Historiker, Theologen und ein Informatiker interdisziplinär zusammen. Geleitet wird es von dem Historiker Prof. Andreas Wirsching vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und dem Kirchenhistoriker Prof. Hubert Wolf von der Universität Münster. Kooperationspartner ist das Erzbischöfliche Archiv München, in dem die Tagebücher verwahrt werden.

Die Edition wird insbesondere neue Beiträge zum Verhältnis von Religion und Politik und zum Umgang der katholischen Kirche mit totalitären Ideologien ermöglichen. Gleiches gilt für innovative Forschungen zur Theologie- und Kulturgeschichte, etwa mit Blick auf personelle Netzwerke, Frömmigkeitsformen, Kriegsdeutungen, Emotionen und Geschlechterrollen im Katholizismus oder die Beziehungen zu anderen Glaubensgemeinschaften.