Vor der roten Linie

Ein Studientag zum Spannungsfeld von Theologie und Biographie

Mittwoch, 24.06.2026
9:00–18:00 Uhr | KTh I

© JJ

Theologie ist in vielfältigen Weisen mit Biographie verknüpft. Denn theologisches Nachdenken, auch wissenschaftliches, findet nicht im biographiefreien Raum statt: Persönliche Erfahrungen, Sichtweisen, Sprachen schreiben sich in die theologische Arbeit ein und prägen sie bewusst oder unbewusst. Glaubensinhalte, kirchliche Normen, theologische Argumentationen fordern persönlich heraus, stoßen individuelle Reflexionen und Positionierungen an. Themenperspektiven und Arbeitsinteressen speisen sich nicht nur aus Diskurskonstellationen im Forschungsbereich, sondern auch aus persönlichem Engagement und Faszination für ein Thema. Lebenspraxis und -erfahrung insgesamt ist ein theologischer Ort und verleiht theologischer Arbeit Dynamik, Tiefe und Esprit.

Zugleich ist die Beziehung zwischen Theologie und Biographie auch vielfältig problematisch, etwa wenn die persönliche, biographisch gewachsene Meinung an die Stelle von nachvollziehbaren Argumenten und transparenter Diskussion tritt. Wenn in Lehrveranstaltungen oder im Religionsunterricht Bezüge zur individuellen Biographie von Lernenden hergestellt und Korrelation als Teil von Leistungsnachweisen gefordert wird, kann Druck entstehen, etwas Persönliches von sich preisgeben zu müssen. Der Bezug zur Biographie gewinnt dann etwas ungewollt Übergriffiges. Brisante theologische Themen mit emotionaler Wucht berühren biographische Erfahrungen und können emotional erschüttern und triggern; im Umgang mit und Auffangen von emotionalen Reaktionen ist nicht jede:r geschult oder versiert. Und auch wer freiwillig etwas Biographisches oder Persönliches in einem theologischen Arbeits- oder Forschungskontext einfließen lässt, zeigt öffentlich etwas von sich und geht das Risiko ein, sich verletzlich zu machen.

Die Verknüpfung von Theologie und Biographie in theologischer Arbeit ist komplex und ambivalent: Sie bietet Chancen und Potentiale für qualitätsvolles, engagiertes Forschen, Lehren und Lernen – sie kann vulnerant sein und ist mit spezifischen Problematiken und Herausforderungen verbunden, in epistemischer, psychosozialer und didaktischer Hinsicht.

Der Studientag hat die vielfältigen Beziehungen zwischen Theologie und Biographie zum Thema. Er lädt die Studierenden, Lehrenden und Forschenden der Fakultät zur gemeinsamen Reflexion und Austausch über das Spannungsfeld von Theologie und Biographie. In welchen Formen entstehen Beziehungen zwischen Theologie und Biographischem? Was macht gelungene Bezugnahmen aus, in epistemischer, methodischer, didaktischer, psychosozialer Hinsicht? Worin bestehen Problematiken und vulnerante Dynamiken? Welche Aufmerksamkeit braucht es und welche Werkzeuge gibt es im Umgang damit?

Programm

9:00–9:30 Uhr

Beginn des Studientages

9:30–11:00 Uhr

Theoretische Perspektiven: Kurzvorträge und Q&A

  • Didaktik und Religionspädagogik
    Guido Hunze
  • Sozialtheoretische Perspektive
    Claudius Bachmann
  • Epistemisch-methodologische Perspektive
    Thomas Hanke

11:00–11:30 Uhr

Pause

11:30–12:00 Uhr

Gruppengespräch

12:00–12:30 Uhr

Plenargespräch

12:30–13:30 Uhr

Mittagspause

13:30–14:30 Uhr

Workshops | 1. Runde

  • Hochschuldidaktik
    N.N.
  • Kirchenrecht, Nihil obstat, Missio canonica
    Regina Elsner, Paul Klostermann
  • Wenn Theologie persönlich wird: Grenzen und Chancen persönlicher Erfahrungen im universitären Kontext
    Julia van der Linde

14:30–14:45 Uhr

Pause

14:45–15:45 Uhr

Workshops | 2. Runde 

  • Bibel und Biographie
    Aliyah El Mansy
  • Psychosoziale Zugänge
    Hermann Backhaus

15:45–16 Uhr

Pause

16:00–16:45 Uhr

Bündelung Ergebnisse

16:45 Uhr–17:30 Uhr

Gespräche in den Statusgruppen

17:30–8:00 Uhr

Dank, Ausblick, Abschluss

Ab 18:00 Uhr

Grillen, gemütlicher Ausklang