Die Päpste und die beiden Weltkriege
Die öffentliche Ringvorlesung „Segen oder Sprengstoff?“ ist in diesem Sommersemester auf große Resonanz gestoßen. An elf Terminen beleuchtete sie die die Rolle des Christentums in Zeiten von Krieg und Gewalt. Am 14. Juli beschließt der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf die Reihe mit dem Thema „Der gescheiterte Frieden? Die Päpste und die beiden Weltkriege“.
Wie wurde aus einer Kirche, deren Päpste über Jahrhunderte Kreuzzüge ausriefen, Kriege legitimierten und als Herrscher des Kirchenstaats selbst Krieg führten, eine Institution, die heute weltweit als Anwältin des Friedens wahrgenommen wird? Der Erste Weltkrieg markierte einen entscheidenden Wendepunkt. Während Millionen Katholiken auf beiden Seiten der Fronten für „Gott, König und Vaterland“ kämpften, stellte Papst Benedikt XV. die überkommene Lehre vom „Gerechten Krieg“ grundlegend infrage.

Der Vortrag von Hubert Wolf zeichnet diesen tiefgreifenden Wandel anhand der Pontifikate Benedikts XV., Pius' XI. und Pius' XII. nach. Auf der Grundlage vatikanischer Quellen wird gezeigt, wie die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs das Selbstverständnis des Papsttums nachhaltig veränderten und den Weg zu einer neuen katholischen Friedensethik ebneten.
Abschließend richtet sich der Blick auf die Zeit seit Paul VI. Wie verhielten sich die Päpste angesichts des Vietnamkriegs, des Irakkriegs oder der Kriege unserer Gegenwart? Welche Rolle spielten sie als Vermittler, als moralische Autoritäten und als Kritiker militärischer Gewalt? Und steht die traditionelle Lehre vom „Gerechten Krieg“ heute noch im Einklang mit dem päpstlichen Einsatz für den Frieden – oder zeichnet sich unter Franziskus und Leo XIV. ein grundlegender Wandel der katholischen Friedenslehre ab?
Die Veranstaltung am Fachbereich Katholische Theologie der Universität Münster findet um 18.00 Uhr im Raum KTh I an der Johannisstraße 8-10 statt.

Studierende ziehen positives Fazit
Die Ringvorlesung geht auf studentische Initiative zurück. Die Idee hatten die Studierenden Lena Almeroth, Linus Richter und Cosima Spieß.
„Wir freuen uns, dass die Veranstaltung von den unterschiedlichsten Statusgruppen wahrgenommen wurde. Es waren Professorinnen und Professoren, Mitarbeitende und Studierende da. Und schön war, dass einige immer wieder kamen und sich so auch eine gute Diskussionskultur etabliert hat“, fasst Linus Richter seine Erfahrungen mit dieser ersten studentischen Ringvorlesung zusammen. „Wir haben viele neue Einblicke und Gedanken zu unserem Thema bekommen. Ein besonderer Gewinn war auch der freie Austausch am Ende der Veranstaltungen.“
Alle Themen und Termine der Reihe finden sich hier.
Die Vorlesungen wurden aufgezeichnet und können demnächst im TheoPodcast nachgehört werden.
