Kirche neu erleben
74.000 Menschen haben dieses Jahr den 104. Deutschen Katholikentag besucht. Fünf Tage lang verwandelte sich Würzburg in einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der Diskussion. Celine Holz, Studentin an unserer Fakultät, war dabei und berichtet von ihren Erfahrungen.

Mit dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ hat der Katholikentag in Würzburg seinem Anspruch nicht nur auf Plakaten Ausdruck verliehen – die Stimmung der Stadt machte dieses Motto spürbar. Überall Menschen mit Programmheften und gelben Motto-Schals, volle Straßenbahnen und an Cafés der einladende Satz: „Hab Mut, komm rein!“. Genau diese Offenheit prägte die Atmosphäre des 104. Katholikentags vom 13. bis 17. Mai 2026.
Für mich war es bereits der dritte Katholikentag nach Stuttgart 2022 und Erfurt 2024 – und doch fühlte sich Würzburg noch einmal anders an. Während Stuttgart vor allem durch die Größe der Stadt beeindruckte und Erfurt durch seine besondere Diaspora-Situation geprägt war, entstand in Würzburg das Gefühl, dass tatsächlich die ganze Stadt Teil des Katholikentags geworden war. Die Wege zwischen den Veranstaltungen wurden selbst zu Orten der Begegnung und die Stadt wirkte wie ein einziges Festival-Gelände.
Dass ich auffallend viele Veranstaltungen mit Münsteraner Beteiligung besucht habe, blieb im Freundeskreis nicht unkommentiert. „Für dich hätte der Katholikentag auch auf der Wiese vorm KTH stattfinden können“, hieß es scherzhaft. Ganz falsch ist das vielleicht nicht: So besuchte ich unter anderem das World-Café mit Michelle Becka, das große Podium mit Marianne Heimbach-Steins, die Debatte mit Regina Elsner sowie eine Fishbowl mit Mara Klein. Lediglich die Veranstaltungen von Christian Bauer und Dorothea Sattler ließen sich zeitlich nicht mehr unterbringen.

Theologie aus anderer Perspektive wahrnehmen
Diese Veranstaltungen gehörten für mich allerdings zu den interessantesten Erfahrungen des Katholikentags. Die Dozent:innen und Wissenschaftler:innen des eigenen Studienortes außerhalb des universitären Kontexts zu erleben, eröffnet noch einmal eine andere Perspektive. Themen, die sonst im KTH II diskutiert werden, begegnen hier plötzlich mitten in gesellschaftlichen Debatten und im Austausch mit Menschen ganz unterschiedlicher Hintergründe. Besonders in Erinnerung bleibt mir deshalb auch der von Regina Elsner gestaltete Abendsegen auf dem Marktplatz. Zwischen Musik und Gesprächen entstand mitten auf dem Platz ein ruhiger, gemeinsamer Abendausklang.
Der Katholikentag lebt für mich aber auch davon, nicht im eigenen theologischen Umfeld zu bleiben. Deshalb wollte ich die Tage in Würzburg auch bewusst nutzen, um über den Münsteraner Tellerrand hinauszuschauen.


Besonders spannend fand ich den christlich-muslimischen Dialog „Heilige Hashtags und toxische Trends – Religion und Religiosität in der Welt von Social Media“. Fragen nach digitaler Religiosität und zeitgenössischen Glaubenspraktiken beschäftigen mich aktuell auch im Studium, etwa im Modulkurs „Doing Bible“ bei Christian Bauer und Wolfgang Grünstäudl. Umso interessanter war es zu sehen, wie intensiv diese Themen auch außerhalb universitärer Zusammenhänge diskutiert werden.
Gerade darin liegt für mich die besondere Stärke des Katholikentags: Er verbindet akademische Theologie mit gelebter Praxis und schafft Räume, in denen Menschen unterschiedlichster Hintergründe miteinander ins Gespräch kommen. Für einige Tage entsteht so eine Form von Kirche, die nicht nur diskutiert wird, sondern sichtbar und erfahrbar wird.
Ich freue mich auf den 105. Katholikentag in Paderborn!
Text und Fotos: Celine Holz
Viele weitere Wissenschaftler:innen der Universität Münster waren in Würzburg dabei:
https://www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=15399
https://www.uni-muenster.de/FB2/aktuelles/oekumene/katholikentag_2026.html
