70 Gäste sind bei sommerlichen Temperaturen zum Festakt in den Hörsaal KTh I gekommen.
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Fakultät würdigt Jürgen Werbick: Festakt zum 80. Geburtstag

In einer freudigen und vertrauten Stimmung hat die Fakultät am 29. Mai den 80. Geburtstag von Prof. em. Dr. Jürgen Werbick gefeiert. Er war von 1994 bis 2011 Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Zahlreiche Gäste kamen zum Festakt in den Hörsaal KTh I.

Prof. em. Dr. Jürgen Werbick.
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Dekan Prof. Dr. Oliver Dyma ging in seinen Begrüßungsworten auf den unermüdlichen Einsatz Jürgen Werbicks in der Lehre und in der Betreuung von Studierenden ein – und präsentierte dabei auch freudige Anekdoten über den Jubilar, die sich in den Archiven des Dekanats fanden.

Jürgen Werbick wurde am 28.4.1994 zum Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster ernannt und trat damit die Nachfolge von Prof. Dr. Johann Baptist Metz an. Die Feierlichkeiten wurden von Jürgen Werbicks Nachfolger am Seminar, Prof. Dr. Dr. Bernhard Nitsche, ausgerichtet. Er stellte die Grundzüge des Verständnisses von Fundamentaltheologie bei Jürgen Werbick dar, entlang seiner jüngeren Publikation „Theologie denken. Beiträge zu einer Neuformatierung der Fundamentaltheologie“.

Im Zentrum des Festaktes standen zwei Impulsvorträge von Prof. Dr. Julia Enxing, Professorin für Fundamentaltheologie an der Ruhr-Universität Bochum und Prof. Dr. Ansgar Kreutzer, Professor für Systematische Theologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

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Rechenschaft von der Hoffnung des Glaubens geben

Julia Enxing fragte in ihrem Vortrag nach der grundlegenden Aufgabe der Fundamentaltheologie, Rechenschaft von der Hoffnung des Glaubens zu geben angesichts einer tief verwundeten gegenwärtigen Welt im Anthropozän – in der etwa die Klimakrise bereits unwiderrufbare Schäden verursacht hat oder die Abschottungspolitik von Staaten des globalen Nordens extreme Gewalt gegen unzählige Menschen auf der Flucht hervorbringt. Dabei stellte sie die Frage nach einer Hoffnung, die keine billige Hoffnung ist: Einer Hoffnung, die den Schmerz ernst nimmt, ihn nicht einfach auf Gott abwälzt und dennoch auf eine Verwandlung der Welt setzt, in der wir als Ko-Kreaturen im Lebensverbund stehen und tief von gegenseitigen Verletzungen betroffen sind. Diese Hoffnung weiß, dass das, was ist, nicht alles sein kann, und setzt auf eine geteilte, ko-kreatürliche Handlungsmacht im Kraftfeld des angebrochenen Reiches Gottes.

Auf gesellschaftliche Krisen mit Menschenfreundlichkeit reagieren

Ansgar Kreutzer machte in seinem Vortrag zentrale Motive der Theologie Jürgen Werbicks als ein „Theologisches Glossar der Gegenwart“ lesbar. An vier Begriffen – „kritische Korrelation“, „Solidarität“, „Gnade“ und „selbstloser Dienst“ – entfaltete Kreutzer dieses Programm exemplarisch. Dabei erschien Theologie als Versuch, auf gesellschaftliche Krisen nicht mit Rückzug oder identitärer Verhärtung zu reagieren, sondern mit einer Praxis der Menschenfreundlichkeit. Gegen die Logik des „unternehmerischen Selbst“ stellte Kreutzer mit Jürgen Werbick die Idee der Gnade als Erfahrung geschenkter Aufmerksamkeit und Anerkennung; gegen Tendenzen libertären Autoritarismus die Notwendigkeit von Solidarität; gegen kirchliche Abschottung das Leitbild eines selbstlosen Dienstes, dessen Kriterium Gottes Menschenfreundlichkeit ist.

Viele Kolleginnen und Kollegen, Weggefährten und Freunde beglückwünschten den Jubilar.
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Theologie unter dem Zeichen des angebrochenen Reiches Gottes

Jürgen Werbick selbst beendete den Vortragsteil mit einem anhaltenden Plädoyer für eine Theologie, die tief an dem Gott festhält, dessen Ehre der lebendige Mensch ist. Diese Theologie steht unter dem Zeichen des angebrochenen Reiches Gottes, auch wenn sie dessen Alternativen nicht ohne Weiteres ausformulieren kann. Es ist eine Theologie, die einerseits den Widerspruch gegenüber dem formuliert, was dem Reich Gottes widerspricht oder das Reich Gottes identitär verstellt: eine Theologie des „so nicht!“. Zugleich hütet sie sich davor, in ihren Worten übergriffig zu werden – gegenüber den Menschen wie gegenüber Gott – und muss sich stets die Frage gefallen lassen: „Warum redest du so?“ Es ist eine Theologie, die nicht genau bestimmt, was das Reich Gottes ist, die aber dessen anderes Wie aufzeigt – im Sinne der Rede Jesu.

Anschließend übergaben HonProf. Dr. Martin Rohner (Osnabrück) Dr. Siegfried Kleymann (Münster) und JunProf. Dr. Stefan Walser (Bonn) dem Jubilar die Schrift „Vom Anfang, der nicht aufhört anzufangen. Stationen verheißungsvollen Glaubens“, die anlässlich des Geburtstags Texte versammelt, die im Laufe von fünfzig Jahren für die Zeitschrift „Prediger und Katechet“ entstanden sind.

Die rege Beteiligung und die Atmosphäre voller Dankbarkeit zeugten von der großen Bereicherung, die Jürgen Werbick für das Leben der Fakultät, aber auch für den persönlichen und geistlichen Weg vieler Anwesender gewesen ist und bleibt – als „Theologe der Menschenfreundlichkeit und menschenfreundlicher Theologe“, wie Ansgar Kreutzer ihn am Ende seines Vortrags bezeichnete.