Eisele setzte sich in seiner Vorlesung mit dem Theologen und Schriftsteller Arnold Stadler auseinander, der die Vertreter der historisch-kritischen Forschung als "Metzger" tituliert, die die biblischen Texte "zerlegen und nie wieder zusammensetzen". Auf der Suche nach dem "authentischen Jesus" bliebe nicht viel übrig. "Bei authentisch schalte ich ab", so Stadler, und: "Es dauert, bis man von diesen Informationen geheilt ist."

Wilfried Eisele stellte den theologischen Nutzen der historisch-kritischen Methode dagegen. "Das ist auch Schutz vor Missbrauch der Texte", betonte er und bezweifelte, dass das "Zusammensetzen" nicht gelingen könnte. "Nach der genauen Analyse kommt die zweite Naivität", sagte er. "Die genaue Analyse inspiriert die geistliche Schriftlesung, Gebet und Verkündigung".

Anhand konkreter Beispiele wie "Goethe, Sarrazin und der Koran" oder "Aristophanes und Sokrates" und "Lukas" legte er da, welchen Nutzen Rück-Frage nach der "Geschichte hinter den Geschichten" haben kann. "Lukas wollte den bereits vorhandenen Geschichten von Anfang an nachgehen. Dieses historische Anliegen ist Aufgabe jeder Generation." Eine interessante Aufgabe zudem, die ihn auch persönlich antreibt: "Es ist einfach die Lust zu wissen, in welcher Welt Jesus lebte."

 

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Wilfried Eisele wurde 1971 in Saulgau (Landkreis Sigmaringen) geboren. Nach dem Abitur und dem Besuch des Theologischen Vorseminars Ambrosianum in Ehingen (Donau) studierte er 1992-2000 Katholische Theologie und Philosophie in Tübingen, Jerusalem und Paris. Im Jahr 2002 promovierte er im Fach Katholische Theologie mit einer Arbeit zum Thema "Ein unerschütterliches Reich. Die mittelplatonische Umformung des Parusiegedankens im Hebräerbrief". Im selben Jahr wurde in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Priester geweiht und arbeitete zwei Jahre lang als Vikar in Aalen.

2004 nahm Wilfried Eisele ein Habilitationsstudium auf. 2006-2007 war er außerdem Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, 2007-2008 stellvertretender Studiendekan im Theologischen Studienjahr Jerusalem an der Abtei Dormitio B.M.V., 2008-2010 Dozent für Hebräisch und Griechisch am Ambrosianum in Ehingen und Tübingen.

Im Jahr 2010 habilitierte Wilfried Eisele im Fach Neues Testament mit einer Arbeit zum Thema "Welcher Thomas? Studien zur Text- und Überlieferungsgeschichte des Thomasevangeliums" und übernahm eine Lehrstuhlvertretung an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Nach einer Professur im Fach Neutestamentliche Wissenschaften an der Universität Chur, wurde er zum 1. Juli 2011 zum Professor für Zeit- und Religionsgeschichte des Neuen Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU Münster berufen.