Hintergründe
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An dieser Stelle können Sie einen tieferen Einblick in das Forschungsprojekt KILA gewinnen und sich näher mit den zentralen Hintergründen beschäftigen:

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    Fragestellung und Zielsetzung des Projekts

    Nachdem der Fokus des DiAnA-Projekts auf der digitalen Ansprache gering literalisierter Erwachsener lag, also die Gewinnung von Teilnehmenden in den Blick genommen hat, widmet sich das Projekt KILA dem aktuell gesamtgesellschaftlich so bedeutsamen Themenfeld der Künstlichen Intelligenz und setzt es in Bezug zur Zielgruppe gering literalisierter Erwachsener. KILA möchte aus einer alltagsorientierten Perspektive heraus Muster und Logiken der Nutzung von KI innerhalb dieser spezifischen Gruppe erfassen, um daraus Konsequenzen für die Professionalisierung pädagogisch Tätiger im Feld abzuleiten und Erwachsene mit Lese- und Schreibproblemen so zielgruppengerecht im Kontext von KI unterstützen zu können. Ziel ist somit, Nutzungsweisen von KI innerhalb der Zielgruppe zu erfassen und zu verstehen, beispielsweise im Hinblick auf spezifisches Nutzungsverhalten, Nutzungsprobleme oder Risikobewertung. Aus diesen Erkenntnissen sollen Implikationen für die Alphabetisierungs- und Grundbildungspraxis abgeleitet werden, die in ein Professionalisierungskonzept zum Thema KI für Kursleitende überführt werden.

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    Die Zielgruppe der gering literalisierten Erwachsenen

    Gering literalisierte Erwachsene, Lese- und Schreibprobleme, Alphabetisierung und Grundbildung – was genau steckt eigentlich hinter diesen Begriffen?

    Laut der aktuellen LEO-Studie können 6,2 Millionen erwachsene Menschen in Deutschland nicht ausreichend gut lesen und schreiben (vgl. Grotlüschen et al. 2019, S. 5). So können alltägliche schriftsprachliche Aufgaben, wie das Lesen von Arbeitsanweisungen, das Schreiben einer E-Mail oder das Unterstützen bei den Hausaufgaben der Kinder, schnell zur Herausforderung werden. Diese Menschen werden als gering literalisiert bezeichnet – sie können maximal bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben und sind in ihrem Alltag und ihrer selbstständigen Teilhabe daher häufig eingeschränkt (vgl. ebd., S. 4).

    Früher wurden diese Menschen häufig als funktionale Analphabet*innen bezeichnet; dieser Begriff wird zunehmend nicht mehr verwendet, da er u.a. den Mangel an Kompetenzen fokussiert und als stigmatisierend wahrgenommen werden kann (vgl. ebd., S. 4f.). Die Idee einer geringen Literalität hingegen löst sich von einer rein kulturtechnischen Betrachtung von Lesen und Schreiben und rückt im Sinne eines Verständnisses von Literalität als soziale Praxis die subjektiven Ressourcen, Bedeutungen und Funktionen von Literalität in den Mittelpunkt und berücksichtigt gleichzeitig mit ihr verbundene Machtstrukturen und Ungleichheitsverhältnisse (vgl. bspw. ebd.; Pabst & Zeuner 2021, S. 83; Abraham & Linde 2018, S. 1300).

    Die Alphabetisierung und Grundbildung ist im Hinblick auf ihre Entstehung in den 1970er Jahren ein recht junges Feld der Erwachsenenbildung (vgl. Pabst 2025, S. 57). Während die Alphabetisierung die Vermittlung und den Erwerb von Schriftsprachkompetenzen selbst fokussiert, nimmt die Grundbildung hier eine breitere Perspektive ein und verschreibt sich einer anwendungs- und lebensweltbezogenen Förderung von Literalität, die davon ausgeht, dass Lesen und Schreiben allein heutzutage nicht mehr ausreichend sind, um an allen Bereichen des alltäglichen Lebens selbstbestimmt teilhaben zu können – so wird die Förderung von Schriftsprache hier u.a. in den Kontext politischer oder gesundheitsbezogener Grundbildung gerückt (vgl. bspw. Kultusministerkonferenz 2016, S. 3; Riekmann & Schemann 2023, S. 42; Grotlüschen 2018, S. 1275; Mania & Tröster 2018, S. 12ff.).


    Literatur:

    • Abraham, Ellen & Linde, Andrea (2018): Alphabetisierung/Grundbildung als Aufgabengebiet der Erwachsenenbildung. In: Rudolf Tippelt & Aiga v. Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung (6. Aufl.). Wiesbaden: Springer Fachmedien. S. 1297-1320.
    • Grotlüschen, Anke (2018): Grundbildung von Erwachsenen. In: Rudolf Tippelt & Bernhard Schmidt-Hertha (Hrsg.): Handbuch Bildungsforschung. Wiesbaden: Springer Reference Sozialwissenschaften. S. 1261-1278.
    • Grotlüschen, Anke; Buddeberg, Klaus; Dutz, Gregor; Heilmann, Lisanne & Stammer, Christopher (2019): LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität. Pressebroschüre. Hamburg.
    • Kulturministerkonferenz (2016): Grundsatzpapier zur Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Den funktionalen Analphabetismus in Deutschland verringern und das Grundbildungsniveau erhöhen. Zuletzt abgerufen am 14.09.2026. Online verfügbar unter: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2016/2016_10_06-Grundsaetze-Nationale-Dekade.pdf
    • Mania, Ewelina & Tröster, Monika (2018): Inhaltsbereiche der Grundbildung: Stand und Herausforderungen. In: Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (Hrsg.): Grundbildung lebensnah gestalten. Fallbeispiele aus den regionalen Grundbildungszentren in Niedersachsen. Bielefeld: wbv Media. S. 11-21.
    • Pabst, Antje & Zeuner, Christine (2021): Betrachtungen zu Literalität und Numeralität als soziale Praxis. In: Anke Grotlüschen (Hrsg.): Alphabetisierung und Grundbildung von Erwachsenen. Zeitschrift für Pädagogik. 67. Beiheft. Weinheim und Basel: Beltz Juventa. S. 68-87.
    • Pabst, Antje (2025): Literalität als soziale Praxis – eine erweiterte Perspektive auf Anwendung, Aneignung und Vermittlung von Schriftsprache. In: Christopfer Wimmer & Georg Tafner (Hrsg.): Grundbildung und Habitus. Theorie – Methode – Praxis. Wiesbaden: SpringerVS. S. 53-80.
    • Riekmann, Wibke & Schemann, Ronit G. (2023): Ein gelingenderes Leben gestalten. Eine kritische Betrachtung der Verwobenheit von Sozialer Arbeit und Grundbildung anhand der Konzepte Lebensweltorientierung und Gender. In: Antje Pabst & Natalie Pape (Hrsg.): Neue Wege und Begegnungen in der Grundbildung und Grundbildungsforschung. Eine Zwischenbilanz aus Forschung und Praxis. Bielefeld: wbv. S. 41-58.
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    (Generative) KI

    Künstliche Intelligenz (KI) ist aus dem aktuellen öffentlichen und medialen Diskurs nicht mehr wegzudenken. KI wird von Menschen als Werkzeug für verschiedenste Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen des alltäglichen Lebens eingesetzt – das Spektrum reicht dabei von informativen Recherchen und Zusammenfassungen über das Erstellen von Videos und Bildern bis hin zu medizinischer Diagnostik und personalisierten Kaufempfehlungen auf Online-Plattformen.

    Konkret handelt es sich bei Künstlicher Intelligenz um computergestützte Anwendungen, die in ihrer Komplexität Mustern menschlicher Denkprozesse ähneln und Aufgaben ausführen, die typischerweise menschliche Intelligenz erfordern (vgl. Buck 2025, S. 25). Dazu gehören beispielsweise Mustererkennungen, Sprachverarbeitungen, Problemlösungen und Entscheidungsfindungen (vgl. Schindler 2025, S. 48).

    Auch, wenn es manchmal den Anschein erweckt, kann KI dabei nicht „denken“ wie ein Mensch, sondern berechnet auf der Grundlage von großen Datenmengen Muster und Zusammenhänge, wodurch Ergebnisse im Sinne von statistischen Wahrscheinlichkeiten für die jeweilige Aufgabe abgeleitet werden (vgl. Buck 2025, S. 26).

    Generative KI bezeichnet eine Sonderform Künstlicher Intelligenz, bei der neue Inhalte erstellt und kreiert werden, wie Bilder, Musik oder Texte (vgl. Wecke 2024, S. 6). Dabei greift die KI immer auf einen Daten-Pool menschlich kreierter Inhalte zurück, auf deren Basis sie neue generiert; entsprechend zeigen die neu generierten Inhalte Ähnlichkeiten zu menschlichen auf, stellen aber keine Kopien dieser dar (vgl. Schindler 2025, S.49).

    Wenngleich KI viele Potenziale bietet und unseren Alltag erleichtern und unterstützen kann, birgt sie auch gewisse (neuartige) Risiken und Gefahren, beispielweise im Hinblick auf das Erzeugen und Verbreiten falscher Informationen (vgl. Meitinger & Gasteiger 2026, S. 11). KI-Systeme lernen aus verschiedenen Datensätzen, die nicht immer wissenschaftlicher Natur sind – entsprechend zweifelhaft ist manchmal die Vertrauenswürdigkeit. Auch ist der Prozess zwischen Input und Output nicht immer nachvollziehbar und wird deshalb teilweise als Blackbox, oder zumindest Greybox bezeichnet (vgl. Buck 2025, S. 41). Wird eine KI beispielsweise mit Daten gefüttert, die Pferde als grüne Tiere beschreiben, wird auch die KI dieses Bild übernehmen, weitertragen und als gegeben darstellen. Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass KI-Systeme nie neutral sind, sondern meinungsbezogene Tendenzen übernehmen, die in den erlernten Datenmengen abgebildet wurden. Dies birgt bei generativen KI-Modellen zum Beispiel das Risiko, dass Stereotype oder politische Meinungen weitergetragen werden (vgl. ebd., S. 42). So wurden einige der generativen KI-Modelle mit Texten trainiert, die u.a. aus Internettexten wie Forenbeiträgen stammen. Die dort enthaltenen Muster erzeugen teilweise Bilder, die sexistisch, rassistisch oder homophob sein können (vgl. ebd.). Somit erfordert eine konstruktive, reflektierte Nutzung von KI „ein gewisses Maß an kritischem Denken und Medienkompetenz“ (Meitinger & Gasteiger 2026, S. 11), um in der Lage zu sein, KI-generierte Inhalte einzuordnen und zu überprüfen, statt sie unhinterfragt zu übernehmen.

    Im Hinblick auf die Zielgruppe der gering literalisierten Erwachsenen scheinen einerseits die Potenziale von KI vielversprechend für die Gestaltung des schriftsprachlichen Alltags – das Vorlesen oder Zusammenfassen eines behördlichen Briefes sowie die Suche nach der richtigen Buslinie können so erleichtert werden. Andererseits stellen sich auch Fragen nach „kritisch-hinterfragenden digitalen Grundkompetenzen“ (Buddeberg & Grotlüschen 2020, S. 215) von Menschen mit Lese- und Schreibproblemen, wie es in der aktuellen LEO-Studie formuliert wird. An diesem potenziellen Spannungsfeld setzt KILA an und möchte ein Konzept entwickeln, das Kursleitende in der Alphabetisierung und Grundbildung dabei unterstützt, gering literalisierte Menschen im kritisch-reflexiven Umgang mit KI zu begleiten.


    Literatur:

    • Buck, Isabella (2025): Wissenschaftliches Schreiben mit KI. 1. Aufl. Tübingen: UVK Verlag.
    • Buddeberg, Klaus & Grotlüschen, Anke (2020): Literalität, digitale Praktiken und Grundkompetenzen. In: Anke Grotlüschen & Klaus Buddeberg (Hrsg.): LEO 2018. Leben mit geringer Literalität. Bielefeld: wbv. S. 197-225.
    • Meitinger, Thomas Heinz & Gasteiger, Philipp (2026): Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Innovationen und Rechtsschutz. Berlin: Springer Vieweg.
    • Schindler, Julia (2025): Glossar. Begriffe und Konzepte im Kontext von Künstlicher Intelligenz in der Bildung. In: Magazin erwachsenenbildung.at. 55. S. 47-65.
    • Wecke, Bernhard (2024): Wachstum durch den Einsatz von Generativer KI. Funktionsweise und Anwendungsgebiete im Marketing. Wiesbaden: Springer Gabler.