Projekt „Im Dienste der Götter und des Königs – Politische, ökonomische und soziale Interaktion im Bereich kultisch-religiöser Institutionen in Mesopotamien im ausgehenden 3. und und frühen 2. Jt. v. Chr.“


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Im Rahmen des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ an der Universität Münster wird in der Zeit von 2014 bis 2017 das inhaltlich von der Altorientalistik am Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde verantwortete und unter Leitung von Prof. Dr. Hans Neumann stehende Projekt „Im Dienste der Götter und des Königs – Politische, ökonomische und soziale Interaktion im Bereich kultisch-religiöser Institutionen in Mesopotamien im ausgehenden 3. Und und frühen 2. Jt. v. Chr.“ (A2-25) gefördert. Gegenstand des Projekts sind die internen und externen Verflechtungen und Kooperationen der kultisch-religiösen Institutionen Mesopotamiens (Tempel mit ihren jeweiligen Produktions-, Versorgungs- und Verteilungshaushalten) wie auch der sie tragenden Kräfte (Priester, Verwaltungspersonal und Arbeitskräfte im Bereich der Dienstleistung und Produktion) unter dem Gesichtspunkt ihres Verhältnisses zu den politisch-administrativen Strukturen (Königtum und Palast). Geographisch und zeitlich konzentrieren sich die Untersuchungen dabei auf Südmesopotamien (Babylonien) in der Periode der sog. Ur III-Zeit (21. Jh. v. Chr.) und in der nachfolgenden altbabylonischen Epoche in der ersten Hälfte des 2. Jt. v. Chr. Schwerpunktmäßig geht es einmal um die Bedeutung der Tempel und ihrer Priesterschaft als Legitimationsträger politischer Herrschaft, nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt ihrer Rolle als ökonomische Basis altorientalischen Königtums in jener Zeit. Der zweite Schwerpunkt beinhaltet die Frage nach den sozialen Grundlagen, die den Tempel bzw. die Priester in die Lage versetzten, ihre politisch-ökonomischen und kultisch-religiösen Aufgaben im Rahmen der altorientalischen Gesellschaftsverhältnisse in der Ur III- und altbabylonischen Zeit zu verwirklichen. Hierbei geht es vornehmlich um Untersuchungen zur Inanspruchnahme unfreier Arbeitskraft seitens der Tempelhaushalte und der Priester(familien) unter quantitativem wie auch qualitativem (berufliche Qualifikation, Einbindung in religiös-kultische Aufgaben, Schreibertätigkeit) Aspekt. Rolle und Funktion der Tempel und ihrer Haushalte (Einrichtungen und Personal) mit dem gesellschaftlich-ideologischen Bezug auf das Königtum als politische Institution werden diachron vergleichend untersucht, um Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den entsprechenden Strukturen wie auch bei den jeweiligen Handlungs- und Wirkungsmechanismen ausmachen zu können. Bei den anzustellenden Untersuchungen wird von einem historischen Bedingungsgefüge verschiedener, wechselseitig aufeinander wirkender Faktoren religiös-ideologischen, ökonomischen und politisch-sozialen Charakters ausgegangen, um ein möglichst komplexes Bild von interner Struktur, gesellschaftlicher Funktion und ideologisch-politischer Wirkung der kultisch-religiösen Institutionen im Rahmen der altorientalischen Gesellschaftsgeschichte in jener Zeit zu gewinnen.

Teilprojekt „Institutionelle Sklaverei – Die Inanspruchnahme unfreier Arbeit in den kultisch-religiösen und politisch-administrativen Institutionen der altbabylonischen Zeit“ (Arbeitstitel; Christin Möllenbeck)
Der Frage nach den sozialen Grundlagen, die den Tempel bzw. die Priester in die Lage versetzten, ihre politisch-ökonomischen und kultisch-religiösen Aufgaben zu verwirklichen, soll im Rahmen einer umfassenden Fallstudie (Dissertation) zu den altbabylonischen Verhältnissen nachgegangen werden. Hier geht es um das Problem der Inanspruchnahme vornehmlich unfreier Arbeit im Bereich der kultisch-religiösen Institutionen (Tempel, ‘Kloster’) und – damit im Zusammenhang – in den Priesterfamilien sowie im Palastbereich (mit den jeweiligen Überschneidungen). Dabei sollen vergleichend die verschiedenen institutionellen und Familien-Archive (mit den notwendigen prosopographischen Beobachtungen in Hinblick auf die Briefe) aus Nord- und Südbabylonien und dem Dijala-Gebiet sowie Susa in Elam unter der eingangs notierten sozialhistorischen Fragestellung mit den entsprechenden juristischen Implikationen ausgewertet werden. Mit Blick auf die Bedeutung der Sklavenarbeit im Tempelbereich sowie in den Priesterhaushalten für das Funktionieren der kultisch-religiösen Bereiche sind – soweit möglich – die einzelnen Aufgabengebiete zu ermitteln und gegeneinander abzugrenzen, auch unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses von Produktions- und Dienstleistungsarbeit und intellektueller Tätigkeit.

Das Projekt ist Teil der Arbeitsplattform "Differenzierung und Entdifferenzierung" (E) und der Koordinierten Projektgruppe "Religiöse Einflüsse auf wirtschaftliche Ordnungen und Handlungen" des Exzellenzclusters.

Projektleitung: Prof. Dr. Hans Neumann
Wissenschaftliche Mitarbeit: Christin Möllenbeck M.A.
Wissenschaftliche Hilfskraft: Carlos Langa-Morales M.A., M.Ed.


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