Trauer um Prof. em. Dr. Karl Hecker


Das Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde trauert um


Prof. em. Dr. Karl Hecker,


der am 22. April 2017 im Alter von 83 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben ist. Karl Hecker war von 1977 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1998 Professor für Altorientalistik am Altorientalischen Seminar der Universität Münster, dessen Leitung er zugleich innehatte.
Nach dem Studium der Fächer Klassische Philologie, Assyriologie und Islamkunde an den Universitäten Freiburg, Kairo und Basel wurde er 1961 in Freiburg/Br. bei Oluf Krückmann mit einer Arbeit über „Die Sprache der altassyrischen Texte aus Kappadokien“ promoviert. Die daraus erwachsene „Grammatik der Kültepe-Texte“ (1968) gilt auch heute noch als Standardwerk zum sog. altassyrischen Dialekt des Akkadischen, einer semitischen Keilschriftsprache des Alten Orients. 1970 habilitierte sich Karl Hecker mit der Schrift „Untersuchungen zur akkadischen Epik“. Im Jahr 1977 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Altorientalistik an der Universität Münster.
Karl Hecker war ein international anerkannter Spezialist auf dem Gebiet der Keilschriftforschung, dessen Arbeiten insbesondere zur altassyrischen keilschriftlichen Textüberlieferung und zu der sich damit verbindenden Geschichte und Struktur des internationalen Handels zwischen Assyrien und Kleinasien im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. nach wie vor einen gewichtigen Stellenwert im Rahmen der Erforschung der altorientalischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte einnehmen. Dies gilt auch für seine Forschungen zu formalen und inhaltlichen Problemen der babylonisch-assyrischen Literaturüberlieferung im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. Unter der Leitung von Karl Hecker fand 1985 in Münster der 32. Weltkongress für Altorientalistik (Rencontre Assyriologique Internationale) zum Thema „Keilschriftliche Literaturen“ statt.
Während seiner über zwanzigjährigen Tätigkeit als Hochschullehrer an der Universität Münster hat er sich immer wieder verantwortlich in der akademischen Selbstverwaltung betätigt: So war er 1978/79 Dekan des Fachbereichs „Alte und Außereuropäische Sprachen und Kulturen“ und in den Jahren 1982 bis 1984 Prodekan der Philosophischen Fakultät. Von 1986 bis 1992 stand er zudem dem Fachausschuss „Orientalistik“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vor.
Karl Hecker hatte auch nach seiner Emeritierung weiterhin maßgebliche Forschungsbeiträge zu verschiedenen altorientalistischen Themenfeldern publiziert und war bis zuletzt wissenschaftlich aktiv. So verantwortete er u.a. als Fachherausgeber und Autor die Übersetzungen akkadischer Texte aus Mesopotamien in der Reihe „Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Neue Folge“, war Mitherausgeber der Serie „SANTAG. Arbeiten und Untersuchungen zur Keilschriftkunde“ und bereitete die Publikation der altassyrischen Texte aus Assur im Rahmen des DFG-geförderten Projekts „Aufarbeitung der Ergebnisse der Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur in den Jahren 1903-1914“ vor. Zudem war er Mitglied der türkischen Kommission zur Publikation der altassyrischen Texte von Kültepe in Ankara.
Das Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde wird Karl Hecker ein ehrendes Andenken bewahren.

Hans Neumann
Geschäftsführender Direktor