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Lobbying mit Leidenschaft

Oliver Panzer kümmert sich um die Einwerbung von EU-Drittmitteln
Geld und Erfahrung mit EU-Drittmitteln

Nicht nur Geld, auch internationale Erfahrung lockt beim EU-Rahmenprogramm

Fast 500 Millionen Menschen leben in der Europäischen Union, 22 Amts- und Arbeitssprachen gibt es, inzwischen besteht der Staatenverbund aus 27 Mitgliedsstaaten. Gemeinsam erwirtschaften sie das größte Bruttoinlandsprodukt der Welt. Doch die Europäische Union ist nicht nur Marktmacht, auch in der Forschung liegt sie an der Weltspitze. Mit dazu beigetragen haben die Europäischen Forschungsrahmenprogramme. Derzeit läuft das siebte, in dessen Rahmen insgesamt 40 Milliarden Euro über sieben Jahre ausgeschüttet werden. Um etwas von diesem gewaltigen Kuchen abzubekommen, hat die WWU die "European Research Services GmbH" gegründet, an der sie 88 Prozent hält. Die restlichen zwölf Prozent hat Geschäftsführer Oliver Panzer übernommen.

Der 36-Jährige kennt sowohl die Uni Münster als auch die Europäische Kommission aus dem Effeff: Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter bei dem Physiker Prof. Harald Fuchs, als er für drei Jahre nach Brüssel abgestellt wurde. "In Deutschland gibt es viele Beratungseinrichtungen zur Europäischen Forschungsförderung, aber die wenigsten haben EU-interne Erfahrung, wie ich sie bekommen habe", meint Panzer. Als "abgeordneter nationaler Sachverständiger" hat er Projekte betreut, Ausschreibungen formuliert und Begutachtungen moderiert. "Für alles gibt es Richtlinien, aber erstens ist es einem Wissenschaftler kaum zuzumuten, die alle zu kennen. Außerdem werden sie in der Regel auch von jedem Direktorat etwas anders ausgelegt", erklärt Panzer.  

Allein in der Generaldirektion Forschung arbeiten über 2000 Menschen aus den verschiedensten Ländern. "Einen Konsens herzustellen ist eine große diplomatische Leistung, aber da dort fachlich sehr gute Leute arbeiten, läuft die Diskussion auf einem sehr hohen Niveau", so Panzer. Er sieht seine Aufgabe darin, die Wissenschaftler sehr früh bei der Antragsstellung zu unterstützen und dann kontinuierlich zu begleiten. "Komplizierter aber als die Antragstellung ist die Koordination eines Projekts. Denn der Trend geht eindeutig hin zu Großprojekten, an denen viele Partner aus verschiedenen Ländern beteiligt sind. Und da ist die Abstimmung schwierig." Im Schnitt, so Untersuchungen, gehen rund 14 Prozent der bewilligten Gelder für Koordinationstätigkeiten drauf. Panzer verspricht, dass er als geübter Wissenschaftsmanager nur drei bis fünf Prozent für Managementaufgaben ausgibt. "Ich will den Wissenschaftlern gewissermaßen 'Seelenfrieden bescheren', damit sie in Ruhe forschen können und sich nicht um die spezifischen Besonderheiten des EU-Projektmanagements kümmern müssen", erläutert Panzer sein Selbstverständnis. Für Mitglieder der WWU ist der Beratungsservice kostenlos, bei komplexen Projekten kommt die GmbH als einer der Partner mit ins Boot und wird ebenso wie die wissenschaftlichen Partner finanziell beteiligt.

"Die Kommission ist offen für Anregungen."

Neben den handfesten Servicediensten, die die GmbH nicht nur Professoren der Uni, sondern auch Externen anbietet, betreibt Panzer ein drittes Feld mit Leidenschaft: das Lobbying. "Ideen können noch so gut sein, wenn sie nicht zum problemorientierten Ansatz der Europäischen Kommission passen, haben sie keine Chance. Aber die Kommission ist offen für Anregungen", weiß Panzer aus Erfahrung. "Wir müssen deutlicher machen, wofür wir uns interessieren und wo wir glaubhaft zu Problemlösungen beitragen können."

"Wir müssen gezielt die jungen Kandidaten aufbauen und ihnen eigene Publikationen ermöglichen."

An der WWU kommen derzeit weniger als zehn Prozent der Drittmittel von der Europäischen Union. Doch die EU-Förderung ist nicht allein des Geldes wegen interessant, wirbt Panzer. "In einem EU-Projekt ist man typischerweise 'gezwungen', mit Wissenschaftlern – auch aus der Industrie – über Kulturgrenzen und Fachgrenzen hinweg zu arbeiten. Das ist sehr gut für die eigene Kreativität." Deshalb lohne der Aufwand eines EU-Antrags, auch wenn die EU im Schnitt nur 15 Prozent der Anträge fördert. "Da sind allerdings auch Anträge dabei, die aus dem Ärmel geschüttelt wurden und von vornherein keine Chance auf Förderung haben. Für die WWU ist mein Ziel, einen von drei Anträgen durch zu bekommen." 

Derzeit erarbeitet Panzer Strategien, um nicht nur die großen, grenzüberschreitenden Projekte einzuwerben. "Zum Beispiel gibt es eine neue Spitzen-Förderung. Führende Wissenschaftler oder junge Talente können hier für ihr Projekt bis 2,5 Millionen Euro persönliche Förderung bekommen", erzählt Panzer. "Der Wettbewerb ist allerdings extrem, vor allem für die jungen Kandidaten. Die müssen wir gezielt aufbauen und ihnen beispielsweise eigenständige Publikationen ermöglichen." Gerade in diesem Bereich hätten auch Geistes- und Sozialwissenschaftler, die im ansonsten eher technisch-anwendungsorientierten Rahmenprogramm zu kurz kommen, eine Chance.

bn

Kontakt: European Research Services GmbH,  Oliver Panzer, Tel.: 8330340, E-Mail: oliver.panzer@european-research-services.eu