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Millionen für Münster

Zwei neue SFB zu Angst und Nanowissenschaft

Mehr als zwölf Millionen Euro gehen in den kommenden vier Jahren an  zwei neue Sonderforschungsbereiche (SFB), bei denen Wissensachftler der WWU die Federführung haben. Bewilligt wurde der erste deutsch-chinesische Sonderforschungsbereich aus dem Bereich der Nanotechnologie und ein transregionaler SFB zum Thema "Angst". Insgesamt werden acht neue Sonderforschungsbereiche gegründet.

Gefördert werden ab dem 1. Juli 2008 ein gemeinsam von den Universitäten Münster, Würzburg, Hamburg und Mainz getragener Transregio-Sonderforschungsbereich zum Thema "Furcht, Angst und Angsterkrankungen". Designierter Sprecher ist Prof. Hans-Christian Pape vom Institut für Physiologie der WWU. Ebenfalls bewilligt wurde das nanowissenschaftliche Projekt "Multilevel Molecular Assemblies – Structure, Dynamics and Functions". Sprecher sind Prof. Harald Fuchs aus Münster und Prof.  Zhang Xi aus Peking. 

Rektorin Prof. Ursula Nelles bezeichnete es als großen Erfolg der WWU, innerhalb weniger Wochen von der DFG mehrere wichtige und hochdotierte Forschungsprojekte mit "internationaler Strahlkraft" bewilligt zu bekommen. In der Summe übertreffe dies sogar den Erfolg der WWU in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, bei der Münster im vergangenen Jahr ein Exzellenzcluster zum Thema "Religion und Politik" zugesprochen erhielt. 

Bei dem neuen SFB/Transregio 58 "Furcht, Angst und Angsterkrankungen" stehen Furcht und Angst, zwei wesentliche, stammesgeschichtlich alte Emotionen im Mittelpunkt. Diese Emotionen treten beim Menschen immer häufiger in Form von unverhältnismäßigen, krankhaften Angstzuständen wie Panikstörungen oder Phobien auf. Etwa 25 Prozent der Bevölkerung entwickeln im Verlauf des Lebens eine behandlungsbedürftige Angststörung, und jeder siebte Deutsche war beziehungsweise ist wegen Angstsymptomen in Behandlung. Dabei schätzen bislang nur 26 Prozent aller behandelten Patienten die Therapie als dauerhaft erfolgreich ein.

Langfristig sollen konkrete Risikoprofile entwickelt werden.

Gemeinsam mit Kollegen aus Hamburg, Mainz und Würzburg wollen die münsterschen Forscher die Entstehung dieser Emotionen und ihre krankhaften Entgleisungen auf einer breiten und übergreifenden Basis vom Gen über die Zelle und die "Nervenzellschaltkreise" bis zum Verhalten untersuchen. Beteiligt sind Molekularbiologen, Genetiker, Neurophysiologen, Psychologen und Psychiater. Durch ein verbessertes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen sollen langfristig konkrete Risikoprofile für Angsterkrankungen entwickelt werden, die wiederum den Weg für neue, individuell zugeschnittene Therapieformen bereiten. Mit dem neuen SFB/Transregio 61 "Multilevel Molecular Assemblies – Structure, Dynamics and Functions" wird internationale Kooperation in der Wissenschaft auf eine ganz neue Basis gestellt. Die Entwicklung neuartiger nanostrukturierter Materialien ist in China ein besonderer Schwerpunkt der Forschungen im Bereich der Nanotechnologie. Bereits im April 2001 wurde das Deutsch-Chinesische Zentrum für Nanowissenschaften in Münster  eröffnet.

Im Rahmen des ersten chinesisch-deutschen SFB/Transregio erforschen Wissenschaftler aus Physik, Chemie und Biologie in Peking und Münster gemeinsam die Eigenschaften und Funktionen molekularer Aggregate auf der Nanometer-Skala. Inspiriert ist dieser Forschungsansatz von biologischen Systemen und deren faszinierenden Eigenschaften in der Organisation von Strukturen. Basierend auf einer gemeinsamen Vereinbarung mit der chinesischen Förderorganisation National Science Foundation of China (NSFC) werden die chinesischen Gruppen von der NSFC gefördert, die Münsteraner im Gegenzug von der DFG mit 5,5 Millionen Euro.

Sonderforschungsbereiche sind langfristig angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen, in denen Wissenschaftler im Rahmen eines fächerübergreifenden, teilweise auch hochschulübergreifenden Forschungsprogramms zusammenarbeiten. Die Zahl der Sonderforschungsbereiche, die in Deutschland als Nachweis besonderer Forschungsexzellenz gelten und erheblich zum Profil einer Hochschule beitragen, erhöht sich damit an der WWU von acht auf zehn. 

nf/bn