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"Ohne gemeinsames Haus kein gemeinsames Institut"

Germanisten ziehen im Stein-Haus zusammen
Bauarbeiten im Stein-Haus

Noch regieren die Handwerker im Stein-Haus. Doch die ersten Arbeitsgruppen der Germanisten sind bereits in das ehemalige Gymnasium am Hindenburg-Platz eingezogen.

Foto: jri

"Ich freue mich aufs Stein-Haus!" Auch wenn es in den vergangenen Wochen in dem ehemaligen Gymnasium am Hindenburgplatz mitunter drunter und drüber ging, Prof. Eric Achermann weiß als Geschäftsführender Direktor des Germanistischen Instituts, wie wichtig es ist, die an vier Standorten verstreuten Germanisten und die dazu gehörenden Bibliotheken endlich in einem Haus zu vereinen. Insgesamt rund 7000 Studierende, 250 Mitarbeiter – darunter 14 Professoren – werden bis zum Wintersemester in das frisch renovierte Gebäude ziehen. Den Anfang hat die Abteilung Didaktik der deutschen Sprache und Literatur gemacht, in der Woche nach Pfingsten ist die Abteilung Literatur des Mittelalters nachgezogen. Damit bekommen die Germanisten nicht nur mehr Platz, der Umzug ist auch ein Bekenntnis zu einem "nun endlich vereinten Institut", wie Achermann sagt.

Noch wird eifrig gehämmert im Stein-Haus, mancher Gang ist noch von Leitern und Gerüsten versperrt. Aber das nimmt Achermann im Hinblick auf künftige Vorteile gerne in Kauf: "Ohne gemeinsames Haus gibt es kein gemeinsames Institut." Die Vertreter der einzelnen Disziplinen hätten sich bislang meist nur bei Sitzungen getroffen. "Da war kein Zusammenarbeiten. Gerade darauf freuen wir uns jetzt am meisten." Erst einige Jahre ist es her, dass die einzelnen germanistischen Institute zu einem Institut vereint wurden, doch die verschiedenen Standorte – unter anderem im Fürstenberghaus, an der Johannisstraße, am Leonardo-Campus und an der Robert-Koch-Straße – verhinderten eine straffe und einheitliche Organisation. "Künftig werden die einzelnen Abteilungen hauptsächlich der Realisierung unseres Studienauftrags dienen", verspricht Achermann. "Die einzige bedeutsame organisatorische Einheit wird das Institut sein."

"Mit dieser Mischung von neuen und erfahrenen Leuten können wir den Neuanfang schaffen."


Der Zeitpunkt für diese grundlegenden Veränderungen ist günstig. In den vergangenen fünf Jahren sind fast an die Hälfte der Professorenstellen neu besetzt worden. "Mit dieser Mischung von neuen Leuten und erfahrenen Hochschuldozenten können wir den Neuanfang schaffen",  erhofft sich der Frühneuzeitler. Im Rahmen der neuen Studienstrukturen um Bachelor- und Masterabschlüsse haben sich die Germanisten ein neues Leitbild gegeben. "Wir verstehen uns – was die Studierendenzahlen betrifft – als das größte deutsche germanistische Institut. Als solches versuchen wir in der Lehre nach Möglichkeit alle Bereiche der Germanistik abzudecken", so Achermann. Gleichzeitig hat das Institut drei Schwerpunkte entwickelt: "Literatur – Kultur – Medien", "Lesen – Schreiben" und "Sprachvariation – Interaktion - Grammatik". Sowohl der generalisierende Anspruch als auch die Schwerpunktbildung spiegeln sich in den neu geschaffenen Master-Studiengängen wider. Mag die Germanistik einigen auch als optimale Vorbereitung für studierte Taxifahrer vorkommen, von "verhungerten Germanisten hat man noch nichts gehört", ist Achermann zuversichtlich. "Aus den Studierenden, die was werden wollen, wird auch was." So werde auch die unter rein ökonomischem Gesichtspunkt hohe Bedeutung der Germanistik für die oft berufene moderne Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsindustrie von vielen unterschätzt.

Um die Studierenden optimal auszubilden, ist die Zusammenarbeit aller Bereiche und Disziplinen notwendig. Und dies lässt sich am ehesten erreichen, wenn die Kollegen sich auch räumlich nahe sind und nicht in einem anderen Stadtteil sitzen. Noch vor Beginn des Wintersemesters sollen die Literaturwissenschaftler aus dem Fürstenberghaus als letzte große Abteilung ins Stein-Haus ziehen. Die Bibliotheken mit zusammen an die 175.000 Büchern werden allerdings erst in anderthalb Jahren vollständig umgezogen sein, wenn die ehemalige Turnhalle des Stein-Gymnasiums umgebaut und ein Erweiterungsbau fertig gestellt sein wird. Bis dahin bleiben die Bibliotheken an den alten Standorten, Studierende und Lehrende werden pendeln müssen.

bn