Sechs Freundinnen sollt ihr sein
Zehn Jahre nach Einführung des Frauenstudiums blieben die Studentinnen noch weit gehend unter sich.
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Man mag es kaum glauben, aber 1990 war die heutige Rektorin Prof. Ursula Nelles die erste Frau, die sich am Fachbereich Rechtswissenschaft habilitierte – 70 Jahre, nachdem das Habilitationsrecht für Frauen in Preußen eingeführt worden war, 37 Jahre, nachdem sich die erste Frau dann tatsächlich an der WWU habilitierte. Die Geschichte des Frauenstudiums an der Universität Münster wird in diesem Jahr 100 Jahre alt, doch noch liegt der Anteil der Professorinnen deutlich unter dem der Männer.
Die ersten Studentinnen vor 100 Jahren waren eine Sensation und von vielen Männern nicht gern gesehen. "In den alten Berichten und Briefen wird vieles glatt gebügelt, man war wohl froh, dass man überhaupt zugelassen wurde", berichtet Universitätsarchivarin Dr. Sabine Happ, die derzeit mit einer Gruppe Studentinnen und Teilnehmerinnen des Studiums im Alter eine große Ausstellung im Stadtmuseum vorbereitet, die am 19. Oktober pünktlich zum Jubiläum eröffnet werden soll. Inzwischen sichten sie im dritten Semester die Materialmassen, um Blöcke über die Studiensituation, die Berufswege und die politischen Aktivitäten zusammen zu stellen.
Die ersten Frauen durften studieren, weil man erkannt hatte, dass man in einigen Berufen auch Frauen brauchte, zum Beispiel als Lehrerinnen oder Ärztinnen. Meist waren es junge Frauen aus dem gehobenen Bürgertum. Sechs waren es insgesamt, die sich 1908 einschrieben.
Bereits 1902 hatte der Senat der Universität Frauen als Gasthörerinnen zugelassen. Von diesem Angebot machten erst 1905 vier Frauen Gebrauch – sehr spät, in anderen deutschen Städten studierten da schon längst die ersten Frauen. "Das mag am katholischen Milieu gelegen haben", vermutet Happ. Dagegen schon sehr bald gründeten die Akademikerinnen ihre eigenen Verbindungen. "Sie hatten wohl das Bedürfnis, sich zusammenzuschließen", nimmt Happ an. Nicht alle Fächer wurden sofort von Frauen belegt. Da das Richteramt nur Männern offenstand, gab es keine Berufsaussichten für Juristinnen, so dass sich Frauen erst ab dem Wintersemester 1916/17 dort einschrieben. Katholische Theologie wurde 1935 und 1937 jeweils von einer Frau belegt und fand erst nach dem zweiten Weltkrieg stärkeren Zulauf.
Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, versuchten sie zuerst, die Frauen aus den Hochschulen herauszudrängen. Aber schon bald förderten sie wegen des akuten Akademikermangels das Frauenstudium. Als dann die Männer im Krieg starben, wurden die Frauen erst recht gebraucht. Seitdem steigt die Zahl der Frauen kontinuierlich an, inzwischen haben sie mit 53,35 Prozent in diesem Wintersemester sogar die Männer überholt. Immerhin findet sich inzwischen in jedem Fachbereich mindestens eine Professorin – als Nelles 1994 an das Institut für Kriminalwissenschaften zurück kehrte, war sie damit auch die erste Professorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.
bn