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Studierende sprengten Sitzung des Senats

Bei Diskussion um mögliche Studiengebühren keinen Kompromiss gefunden



Machten es sich vor dem Rektorbüro bequem: Rund 50 protestierende Studenten besetzten die Flure im Südflügel des Schlosses.

Foto: Peter Grewer


Es war ein langes Ringen um einen Kompromiss, doch letztendlich kam es zu keinem Ergebnis: Als zum zweiten Mal ein Antrag der Studierenden zum Thema Studiengebühren mit elf gegen zehn Stimmen am Abend des 17. Mai im Senat abgelehnt wurde, wurden die ohnehin schon lautstarken Proteste der rund 600 Studierenden noch lauter, so dass Senatsvorsitzender Prof. Udo Schmälzle die Sitzung kurzerhand beendete. Dabei ging es nur um ein einziges Wort. Die studentischen Senatoren forderten die Einsetzung einer Kommission zur "Identifizierung von Maßnahmen zur Steigerung der Qualität der Lehre, die ohne die Erhebung von Studiengebühren möglich sind", die Professoren dagegen hatten den Wortlaut "... die auch ohne Studiengebühren möglich sind" vorgeschlagen.

Die Professoren waren also nicht ganz so radikal in der Ablehnung von Studiengebühren wie viele Studierende, aber versuchten doch, auf die Sorgen der studentischen Vertreter einzugehen. Der Mediziner Prof. Georg Peters brachte es auf den Punkt: "Ich kann verstehen, dass die Studierenden mit allen Mitteln versuchen, Gebühren zu verhindern. Aber wenn ich eine so schwer wiegende Entscheidung treffen muss, dann will ich alle Optionen kennen." Und das bedeute, dass sich die Universität mittelfristig mit Studiengebühren beschäftigen müsse, wenn viele andere Hochschulen im Land sie einführen.

Besetzer standen vor verschlossenen Türen

Deshalb hatte das Rektorat ursprünglich dem Senat vorgeschlagen, noch nicht, wie nach dem Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz möglich, zum Wintersemester Studiengebühren einzuführen, dafür aber zwei Senatskommissionen mit der Prüfung zu beauftragen, in welcher Höhe und mit welchen Mitteln Studiengebühren eingeführt werden könnten, um die Qualität der Lehre an der Uni Münster zu verbessern. Nach langer, gut dreieinhalbstündiger Sitzung, die immer wieder von Rufen, Sirenen, Trillerpfeifen, Gesängen und platzenden Luftballons unterbrochen wurde, schien dann endlich der Kompromiss gefunden, doch die Studierenden lehnten es grundsätzlich ab, über Studiengebühren zu diskutieren.

Während der Senat ohne Beschluss auseinander ging – wie der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) bereits vor der Sitzung angekündigt hatte –, besetzten rund 50 Studierende den Südflügel des Schlosses, wo unter anderem auch die Räume des Rektorbüros liegen. Das war abgeschlossen, aber die Besetzer machten es sich bei Flaschenbier und Grillwürstchen in den Fluren und auf dem Schlossvorplatz bequem. Zwischenzeitlich wurde den im Südflügel arbeitenden Verwaltungsmitarbeitern der Zugang verwehrt. Nach zwölf Tagen, am 29. Mai räumten die Besetzer die Flure, so dass nicht nur der Rektor wieder arbeiten konnte, sondern auch die blockierten Hörsäle S1 und S2 für Vorlesungen wieder zur Verfügung standen. Zwei große tagungen hatten in der Zwischenzeit ins Hörsaalgebäude Hindenburgplatz verlegt werden müssen, da auch die Aula im Schloss blockiert worden war.

Landesweit waren in den vergangenen Wochen Senatssitzungen gesprengt und Rektorate besetzt worden, so zum Beispiel in Bielefeld, Köln, Duisburg, Bochum und Siegen. Die Proteste der Studierenden richten sich gegen die Möglichkeit, pro Semester bis zu 500 Euro Studiengebühren einzuführen. Anders als in Münster, wo sich Hochschulleitung und Senat stets ablehnend gegen die Gebührenpläne geäußert hatten – so auch die künftige Rektorin –, begrüßen einige Hochschulen in Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit zur Erschließung neuer Finanzquellen. Bei aller Ablehnung müsse man allerdings auch rational argumentieren, so Rektor Prof. Jürgen Schmidt: "Wir müssen die Bedürfnisse der Studierenden und die Bedürfnisse der Universität diskutieren. Es kann keine reine Lösung geben, deshalb müssen wir überlegen, wie wir die Interessengegensätze für alle verträglich ausgleichen können."

bn