Studierende sprengten Sitzung des Senats
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Machten es sich vor dem Rektorbüro bequem: Rund 50 protestierende
Studenten besetzten die Flure im Südflügel des
Schlosses. Foto: Peter Grewer |
Die Professoren waren also nicht ganz so radikal in der Ablehnung von Studiengebühren wie viele Studierende, aber versuchten doch, auf die Sorgen der studentischen Vertreter einzugehen. Der Mediziner Prof. Georg Peters brachte es auf den Punkt: "Ich kann verstehen, dass die Studierenden mit allen Mitteln versuchen, Gebühren zu verhindern. Aber wenn ich eine so schwer wiegende Entscheidung treffen muss, dann will ich alle Optionen kennen." Und das bedeute, dass sich die Universität mittelfristig mit Studiengebühren beschäftigen müsse, wenn viele andere Hochschulen im Land sie einführen.
Besetzer standen vor verschlossenen Türen
Deshalb hatte das Rektorat ursprünglich dem Senat vorgeschlagen, noch nicht, wie nach dem Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz möglich, zum Wintersemester Studiengebühren einzuführen, dafür aber zwei Senatskommissionen mit der Prüfung zu beauftragen, in welcher Höhe und mit welchen Mitteln Studiengebühren eingeführt werden könnten, um die Qualität der Lehre an der Uni Münster zu verbessern. Nach langer, gut dreieinhalbstündiger Sitzung, die immer wieder von Rufen, Sirenen, Trillerpfeifen, Gesängen und platzenden Luftballons unterbrochen wurde, schien dann endlich der Kompromiss gefunden, doch die Studierenden lehnten es grundsätzlich ab, über Studiengebühren zu diskutieren.
Während der Senat ohne Beschluss auseinander ging – wie der Allgemeine
Studierenden-Ausschuss (AStA) bereits vor der Sitzung angekündigt hatte
–, besetzten rund 50 Studierende den Südflügel des Schlosses, wo unter
anderem auch die Räume des Rektorbüros liegen. Das war abgeschlossen,
aber die Besetzer machten es sich bei Flaschenbier und Grillwürstchen
in den Fluren und auf dem Schlossvorplatz bequem. Zwischenzeitlich wurde den im Südflügel arbeitenden Verwaltungsmitarbeitern der Zugang verwehrt. Nach zwölf Tagen, am 29. Mai räumten die Besetzer die Flure, so dass nicht nur der Rektor wieder arbeiten konnte, sondern auch die blockierten Hörsäle S1 und S2 für Vorlesungen wieder zur Verfügung standen. Zwei große tagungen hatten in der Zwischenzeit ins Hörsaalgebäude Hindenburgplatz verlegt werden müssen, da auch die Aula im Schloss blockiert worden war.
Landesweit waren in den vergangenen Wochen Senatssitzungen gesprengt
und Rektorate besetzt worden, so zum Beispiel in Bielefeld, Köln,
Duisburg, Bochum und Siegen. Die Proteste der Studierenden richten sich
gegen die Möglichkeit, pro Semester bis zu 500 Euro Studiengebühren
einzuführen. Anders als in Münster, wo sich Hochschulleitung und Senat
stets ablehnend gegen die Gebührenpläne geäußert hatten – so auch die
künftige Rektorin –, begrüßen einige Hochschulen in Nordrhein-Westfalen
die Möglichkeit zur Erschließung neuer Finanzquellen. Bei aller
Ablehnung müsse man allerdings auch rational argumentieren, so
Rektor Prof. Jürgen Schmidt: "Wir müssen die Bedürfnisse der
Studierenden und die Bedürfnisse der Universität diskutieren. Es kann
keine reine Lösung geben, deshalb müssen wir überlegen, wie wir die
Interessengegensätze für alle verträglich ausgleichen können."
bn
