Arbeitskreis Gemeinschafts- und Nachhaltigkeitsforschung

Der Arbeitskreis Gemeinschafts- und Nachhaltigkeitsforschung wurde im Wintersemester 2013/2014 am Institut für Soziologie ins Leben gerufen um bisher verstreute Forschungs- und Lehraktivitäten zu bündeln und weiter auszubauen.

1. Gemeinschafts- und sozialökologische Sozialisationsforschung: Seit 2001 werden am Lehrstuhl von Professor Dr. Matthias Grundmann Vorlesungen, Seminare, Lehrforschungsprojekte und Abschlussarbeiten zum Thema Gemeinschaftsforschung durchgeführt. Anknüpfend an soziologische, sozialpsychologische und sozialgeographische Theorien standen hierbei aktuelle Prozesse der Gemeinschaftsbildung in modernen, individualisierten Gesellschaften im Zentrum. Durch teilnehmende Beobachtung und im Dialog mit den Gemeinschaften wurden diese in ihrer Entwicklung zum einen durch wissenschaftliche Reflexionen unterstützt. Anderseits wurden gesellschaftliche Innovationspotentiale dieser Gemeinschaften für eine zukunftsfähige, sozial-ökologische Entwicklung und die Transformation individualistischer, wachstumsbasierter Gesellschaften hin zu sozial-ökologischen Lebensräumen im ländlichen und urbanen Raum herausarbeitet. Auf diese Weise wurde die gesellschaftspolitische Bedeutung der sozialen Gemeinschaftsbewegung für globale und regionale Entwicklungen aufgezeigt, indem das Transformationswissen dieser Pioniere (der sozial-ökologischen Transformation) ins wissenschaftliche Feld eingespielt wurde.

2. Stadt- und Regionalforschung: Eine zweite Forschungslinie, die seit über 30 Jahren von apl. Prof. Dieter Hoffmeister begleitet wurde, richtet ihren Schwerpunkt auf regionale Sozialstrukturen. Durch Studien, Lehrforschungsprojekte und Seminare zum Gemeinschaftserleben in kommunalen Lebenszusammenhängen (Armut, Integration, Kriegskindheiten, Eliten, Nachhaltigkeit) hat sich gezeigt, dass regionale Lebensverhältnisse in hohem Maße von den „Aktivierungspotenzialen“ in der Bevölkerung abhängen. Insbesondere für die Beantwortung der Frage nach der Etablierung nachhaltiger regionaler Lebensformen spielen daher Zusammenhänge zwischen sozialpolitischem Gemeinsinn und gemeinsamen sozial-ökologischen Handeln sowie der kooperativen Vernetzung von lokalen Akteur*innen für die Umsetzung nachhaltiger Lebenspraktiken im urbanen Raum eine entscheidende Rolle.

3. Inter- und transdisziplinäre sozial-ökologische Transformationsforschung: Um diesen Bereich stärker ins Zentrum der Forschungsaktivitäten zu stellen, wurden die beiden Schwerpunkte zusammengeführt, um den ökologischen Aspekt (Stichwort: starke Nachhaltigkeit) stärker mit den sozialen Dimensionen hin zu einer genuinen sozial-ökologischen Transformationsforschung zu verknüpften. Hierzu wurde seit der Gründung des Arbeitskreises einerseits der Kontakt zu weiteren  Forschungsdisziplinen ausgebaut (Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Landschaftsökologie, Geoinformatik, Humangeografie), um den interdisziplinären Charakter der Forschung weiter zu stärken. Andererseits wird ein enger Kontakt  mit den Communitys unterschiedlicher sozialer Bewegungen und der Stadtverwaltung gepflegt und stetig weiter ausgebaut, um transdisziplinäre Perspektiven in der Forschung und Lehre zu stärken.

Die Schwerpunkte des Arbeitskreises liegen in folgenden Wissenschaftsgebieten:

  • Nachhaltigkeitsforschung
  • Gemeinschaftsforschung
  • Umweltsoziologie
  • Stadt- und Regionalforschung
  • Utopieforschung
  • Protest- und Bewegungsforschung

Die neueren Aktivitäten, Projekte und Kooperationen des Arbeitskreises seit dem Jahr 2013 werden im Folgenden überblicksartig skizziert, um Interessierten einen konkreteren Einblick in unsere Tätigkeiten zu ermöglichen.

Aktuelle Projekte

  • Soziologie und Nachhaltigkeit

    Die kostenlose digitale Schriftenreihe Soziologie und Nachhaltigkeit – Beiträge zur sozial-ökologischen Transformationsforschung (SuN) wurde im Januar 2015 vom Arbeitskreis ins Leben gerufen, um soziologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven in der Nachhaltigkeitsforschung zu bündeln und zu fördern. Der Schwerpunkt der SuN liegt dabei auf einer stärkeren Verankerung und Verknüpfung sozialwissenschaftlicher Forschungstraditionen mit aktuellen Entwicklungen des Nachhaltigkeitsdiskurses. Die Schriftenreihe richtet sich primär an Sozial-, Human- und Geisteswissenschafler/-innen, die zur Nachhaltigkeitsproblematik forschen und lehren, aber auch an interessierte Praktiker/-innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft.

  • Digitale Nachhaltigkeitskarte

    Die digitale Nachhaltigkeitskarte Münster wurde in Kooperation mit dem Institut für Geo-Informatik der WWU entwickelt. Auf ihr sollen die vielfältigen Initiativen und Projekte aus dem Themenkomplex Nachhaltigkeit in Münster gesammelt und gebündelt werden. Auf diese Weise sollen die vorhandenen Aktivitäten in Münster sichtbar gemacht und neue Initiativen unterstützt werden. Die Karte lebt dabei von der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Sie soll auf der einen Seite informieren, auf der anderen Seite aber auch Interessierten und Engagierten die Möglichkeit geben, selbst Initiativen zu bewerben und Vorschläge für eine nachhaltigere Gestaltung Münsters einzubringen.

  • Tagung „Höher, weiter, schneller?“

    Am 19. und 20. September 2013 veranstaltete der Arbeitskreis zusammen mit der Stadt Münster die Tagung Höher, weiter, schneller? Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Stadtentwicklung am Beispiel der Stadt Münster. Die Zukunftsfähigkeit der Stadt wurde hier gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Bürgerschaft und Wissenschaft erörtert. Die Tagung thematisierte dabei mit Blick auf die Stadt Münster einige zentrale Krisenszenarien, aber auch Handlungsstrategien, mit denen möglichen Fehlentwicklungen begegnet werden können. Eine wichtige Rolle spielte dabei die gesellschaftliche Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger. In vier Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten wurden Zielfiguren erarbeitet, die auf die Zukunftsfestigkeit der Stadt Münster ausgerichtet sind. Zusammenfassung der Ergebnisse der Tagung

  • Tag Der Nachhaltigkeit 2015

    Tag der Nachhaltigkeit

    Aus der Tagung „Höher, schneller, weiter?“ ist eine Initiative hervorgegangen, die sich das Ziel gesetzt hat, das Leitbild der Nachhaltigkeit stärker in der städtischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu verankern. Als erste Aktion veranstaltete diese Initiative am 27.06.2015 einen Tag der Nachhaltigkeit in Münster. Auf ihm wurde die Vielfalt der Nachhaltigkeitsbewegung sichtbar gemacht, Möglichkeit des Dialogs und der Vernetzung für alle geschaffen, die sich bereits mit der Thematik beschäftigen. Mit vielfältigen Aktionen, Ständen und Veranstaltungen wurden Passanten informiert und motiviert selbst aktiv zu werden. Durch diesen Tag wurde ein starker Impuls in Richtung Nachhaltigkeit in die Stadtkultur gesendet. Weitere Aktivitäten der Initiative sind bereits in Planung.

  • Begleitforschung Tag der Nachhaltigkeit

    Neben der direkten Beteiligung am Tag der Nachhaltigkeit unterstützt der Arbeitskreis die Initiative mittels einer Begleitforschung, die die bisherigen Prozesse analysiert, Hemmnisse und Potentiale aufzeigt und so zur Etablierung und Weiterentwicklung der Initiative beitragen soll. Mit der Forschung soll einerseits das generierte Wissen und die Erfahrungen der Aktivisten in der Organisation für den wissenschaftlichen Diskurs nutzbar gemacht werden. Zum anderen ist es das Ziel, der Initiative ihr eigenes Handeln durch eine kritisch-reflexive Forschung nach innen zu spiegeln, um auf diese Weise Diskussions- und Reflexionsprozesse zu unterstützen.

  • Logo

    Homepage-Projekt gemeinsam-nachhaltig.uni-muenster.de

    Die Homepage gemeinsam-nachhaltig.uni-muenster.de dient als Schnittstelle, um die Ergebnisse der Forschung des Arbeitskreises sowie der Lehre am Institut niedrigschwellig in die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die Website dokumentiert Forschungsergebnisse, Lehre, Publikationen und die Projekte des Arbeitskreises. Es finden sich zudem zahlreiche Informationen zu den Themen Gemeinschaft und sozial-ökologische Transformation im lokalen Bereich in Münster. Der Blog auf der Startseite informiert zudem über aktuelle Veranstaltungen und Informationen rund um die Themen Nachhaltigkeit und Transition.

  • Transition-Wiki

    Das Transition-Wiki ist ein Teilprojekt Homepageprojektes und zielt auf die Aktivierung und Vernetzung des Wissens zwischen Wissenschaft und Aktivisten aus der Nachhaltigkeitsbewegung. Es liefert einen Überblick über Themen, die bei der Transformation der Gesellschaft eine Rolle spielen. Wichtige Begriffe werden erläutert, Personen und Initiativen vorgestellt und Visionen, Konzepte und Perspektiven auf veränderte soziale Strukturen aufgezeigt. In einem speziell auf die Münster ausgerichteten Segment werden zahlreiche lokale Initiativen Netzwerke und Berichte zusammengefasst, die einen Einblick in nachhaltige Transformationsbemühungen in Münster bieten.

  • Das Umweltbewusstsein und Umwelthandeln von Wissensarbeiter*innen

    Im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes wurden im Mai/Juni 2014 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WWU Münster mithilfe eines standarisierten Onlinefragebogens zu ihrem persönlichen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln befragt. Ziel der Untersuchung ist es, die klassische umweltsoziologische Fragestellung nach dem Ausmaß und dem Grund für die Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln anhand der relevanten Gruppe der Wissensarbeiter*innen zu revitalisieren. Die Ergebnisse des Projektes werden zurzeit verschriftlicht.

  • Gesellschaft von unten?!

    Seit dem Wintersemester 2013/14 werden im Rahmen studentischer Forschungsprojekte zivilgesellschaftliche Initiativen und Projekte aus Münster in Bezug auf ihre interne Organisation, die Motivation ihrer Mitglieder und vor allem die Prozesse des internen Strukturwandels hin untersucht. Im Fokus stehen dabei die Gruppenbildungs- und Verstetigungsprozesse, die sich in den mikrosozialen Räumen entwickeln sowie die Fragen, inwieweit sich dabei von speziellen „grassroot“ Prozessen einer „Gesellschaft von unten“ sprechen lässt und wie sie sich diese Formen lokaler Mikro-Organisation von verfestigten zivilgesellschaftlichen Organisationsformen unterscheiden.

  • Nachhaltigkeitspotentiale von Studierenden und Normalbürgern

    Ein Lehrforschungsprojekt erforschte im Zeitraum von 2011 bis 2014 das Nachhaltigkeitsbewusstsein und Nachhaltigkeitshandeln der Studierenden in Münster im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung. Es ging dabei der Frage nach, ob die Studierenden als Pioniere des Wandels begriffen werden können, die als „Speerspitze“ der Nachhaltigkeitsbewegung jene Werte und Praktiken kultivieren, die für eine sozial-ökologische Transition eine wesentliche Bedingung darstellen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden 2014 im Lit Verlag unter der Titel Nachhaltigkeit in Münster – Studierende und Normalbürger: Ressourcen für eine Nachhaltige Stadtentwicklung publiziert.