Ulrike Weichert

Ulrike Weichert

Philosophisches Seminar

Lebenslauf:

1980 geboren in Hildesheim
2000 Studium des Fachs Chemie an der HU und FU Berlin
2002 European Research Scholar bei Procter&Gamble im Analytic Research Department Pescara, Italien
2002-2004 Studentische Mitarbeiterin im Berliner KommunikationsFORUM e.V.
2003 Studium des Fachs Medienberatung am Institut für Sprache und Kommunikation an der TU Berlin
2004 Abschluss Bachelor-Chemie (gut) an der FU Berlin
Bachelorarbeit: Synthese und Charakterisierung selbstorganisierender Moleküle auf Basis von Oligophenylenamiden
2006 Redaktionsleitung bei Inworld Productions
2006 Ehrenamtliche Mitarbeit im Institut Das Technische Bild des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik
2007 Abschluss Diplom-Medienberatung (sehr gut) an der TU Berlin (Diplomarbeit: Vergleich Platons Politeia mit Vilém Flussers Ins Universum der technischen Bilder in Bezug auf ihren medientechnischen Bruch)
2007 Redaktionsleitung und Consulting bei F/I/R/D
2007 Beginn des Dissertationsprojekts bei Prof. Dr. Norbert Bolz, Berlin
seit 2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Exzellenzclusters
2009 Associate der Stiftung neue verantwortung im Projekt „Parteien mit Zukunft“
2010 Kollegiatin im Forschungskolleg Gesellschaft und Kontingenz, Berlin

Promotionsprojekt

Von der Geschichte zur Natur – Die Politische Hermeneutik von Leo Strauss

Was ist Politische Hermeneutik? Mein Forschungsprojekt konzentriert sich auf das Spannungsverhältnis zwischen Autor, dem Medium Schrift und den Rezipienten. Mit dem Aufkommen der Schriftlichkeit löst sich die Wissensvermittlung von der Ort- und Zeitgebundenheit einer vornehmlich mündlich konzipierten, dialogisch und psychagogisch wirkenden Übermittlung von Wissensinhalten. Die Problematik einer vorwiegend schriftlichen vermittelten Wissensübertragung mündet in der Antizipation des Autors auf die Unvollkommenheit der Rezipienten, den Sinn seines Textes so zu begreifen, wie es der Autor beabsichtigt hat. Der schriftlich fixierte Text steht für sich, kann vervielfältigt werden und steht dadurch jedem, der lesen kann, zur Verfügung.

Der Autor verzichtet durch die Verschriftlichung seiner Gedanken auf die Möglichkeit, situations- und adressatengerecht zu sprechen und seine Ideen dem Rezipientenkreis entsprechend zu vermitteln. Das Schriftstück als solches kann sich den Leser nicht aussuchen. Für philosophische Autoren stellt sich dadurch zugleich das Problem, dass ihre Texte in die Hände von Menschen geraten, die mit ihren politischen oder religiösen Implikationen nicht einverstanden sind. Deshalb müssen sie sich um eine Form der schriftlichen Darlegung bemühen, die die Gefahren einer eindeutig feindseligen Interpretation minimieren. In politischer Hinsicht birgt eine offene Kritik der normativen Ordnung und der Regelung menschlich-sozialen Zusammenlebens die Gefahr, als politischer Unruhestifter oder Revolutionär die persönlich hohen Kosten einer Verfolgung und Ausgrenzung aus der Gemeinschaft tragen zu müssen. Daher muss der Autor versuchen, durch eine Variation aus Form und Inhalt einen ihm eindeutig zuzuordnenden Standpunkt durch verschiedene Positionen und Gegenargumente zu vermeiden.

Meine Forschungen beschäftigen sich mit der analytischen Beschreibung und exemplarischen Untersuchung der Politischen Hermeneutik. Mir geht es vor allem darum zu zeigen, warum und wie sich eine textimmanente esoterische (nach innen gerichtete) Kodierung entwickelte, und wie sie aus dem Konflikt zwischen normativen Ordnungsbegründungen im Spannungsfeld von Politik, Religion und Philosophie hervorging und -geht. Diese Kodierung kann exemplarisch die Möglichkeit des Umgangs mit widersprüchlichen Normen aufzeigen.

Anhand von Platons politisch-philosophischem Werk Politeia wird mein Forschungsprojekt zeigen, welchen heuristischen und erkenntnistheoretischen Mehrwert die politisch-hermeneutische Lesart gegenüber einer traditionellen Interpretation des Werkes aufzeigen kann. Mein Projekt setzt sich hierbei vor allem mit dem hermeneutischen Paradigma der Tübinger Schule in Bezug auf Platons „ungeschriebene Lehre“ auseinander. Die Politische Hermeneutik kann sich nach diesen Befunden als eine Methode der Lesart von politisch-philosophischen Texten erweisen, die sich auch vor der Schriftkritik im Phaidros bewährt.

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Politische Philosophie
  • Medienwissenschaft
  • Antike Philosophie

Beteiligung am Exzellenzcluster:

Publikationen:

Herausgeberwerke:

  • Christian Hengstermann, Ulrike Weichert (Hgg.): Anne Conways "Principia philosophiae" - Materialismuskritik und Alleinheits-Spekulation im neuzeitlichen England. LIT-Verlag (Pontes: Bd. 52), Berlin, Münster, Wien 2012.

Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden:

  • Anne Conway. Eine Philosophin des 17. Jahrhunderts. In: Hengstermann/Weichert (Hgg.): Anne Conways "Principia philosophiae" - Materialismuskritik und Alleinheits-Spekulation im neuzeitlichen England. Berlin, Münster, Wien 2012, 41-65.
  • Actio vitalis. Anne Conways Metaphysik der lebendigen Bewegung. In: Hengstermann/Weichert (Hgg.): Anne Conways "Principia philosophiae" - Materialismuskritik und Alleinheits-Spekulation im neuzeitlichen England. Berlin, Münster, Wien 2012, 151-170.
  • Erforscht die Schriften! Origeneische Hermeneutik in George Rusts Letter of Resolution. In: Fürst, Alfons/Hengstermann, Christian (Hgg.): Autonomie und Menschenwürde. Origenes in der Philosophie der Neuzeit, Aschendorff, Münster 2012, 199-221.
  • Der unvollkommene „Vorgriff auf Vollkommenheit“: Die Auseinandersetzung Hans-Georg Gadamers mit Leo Strauss. In: Kasten, Madeleine (Hg.) u.a.: Hermeneutics and the Humanities: Dialogues with Hans-Georg Gadamer, Leiden University Press, Leiden 2012, 78-116.
  • Coping with contingency – Mass media as a functional equivalent to religion? In: Bulletin of VIII MSSR Conference: Religion and Media, Moskau 2011, 321-332.

Kleine Beiträge/Tagungsberichte:


Kontakt

Ulrike Weichert
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Prof. Dr. Ludwig Siep Philosophisches Seminar Domplatz 20-22 Zimmer 202
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Fax: +49 251 83-24458

Betreuer

Prof. Dr. Norbert Bolz Technische Universität Berlin Institut für Sprache und Kommunikation, Fachgebiet Medienwissenschaft Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Tel.: +49 30 314-22992
Fax: +49 30 314-26346

Mentorin

Dr. habil. Christel Gärtner

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