Lebenslauf:
| 1978 | geb. in Augsburg |
| 1999-2007 | Studium der Vergleichenden Religionswissenschaft, Islamkunde und Politikwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen |
| 2007 | Magisterabschluss; Thema der Magisterarbeit: „Das Märtyrerkonzept im interreligiösen Vergleich“ |
| 2002-2006 | Studentische Hilfskraft am Institut für Spätmittelalter und Reformation der Universität Tübingen, Abteilung Luther-Register (Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften) |
| Seit August 2008 | Doktorandin im Graduiertenkolleg des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ an der WWU Münster |
Promotionsprojekt
Alte Sprache in neuem Gewand? Die Wiederkehr und Transformation des Märtyrerbegriffes in den Nationalismen der Moderne am Beispiel Palästina und Sri Lanka
Die Verwendung des Märtyrerbegriffes in einigen nationalistischen Bewegungen bildet eines der bemerkenswertesten Beispiele für den Transfer von ursprünglich religiöser Terminologie in moderne politische Kontexte. Der Märtyrerbegriff ersetzt dabei Begriffe wie „Held“ oder „Opfer“, die traditionell in Verbindung mit politischen Kämpfen verwendet wurden. Dabei ist erstaunlich, dass die Renaissance des Martyriums sowohl in Palästina als auch auf Sri Lanka von Organisationen eingeleitet wurde, die sich selbst explizit als säkular oder gar linksgerichtet verstanden bzw. verstehen. In dieser Arbeit soll der Nutzen des Märtyrerkonzepts für nationalistische Bewegungen untersucht und die Umdeutungen illustriert werden, die vorgenommen wurden, um Glaubensinhalte, Rituale und Narrative modernen politischen Kontexten anzupassen.
Methodisch wird in dieser Arbeit eine Kombination verschiedener theoretischer Ansätze angestrebt, um ein besseres Verständnis der Rolle des Martyriums in modernen politischen Bewegungen und der Propagandamechanismen, welche zur Zielerreichung eingesetzt werden, zu erhalten. Diese angestrebten Ziele – so lautet eine Hypothese, die im Laufe der Arbeit geprüft werden soll – sind strukturell vergleichbar mit den traditionell religiösen Kontexten, in welchen die verschiedenen Märtyrerkonzepte entstanden. Daher wird sich der erste Teil der Untersuchung auf diesen religiösen Kontext konzentrieren, um die soziologische Rolle des Märtyrers in religiösen Gemeinschaften bzw. die Glaubensinhalte und Narrative, in welchen das Martyrium als besonders beispielhafte Handlung propagiert wird, einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Während der erste Teil der Arbeit methodisch auf Ansätzen aufbaut, die typischerweise innerhalb der Religionssoziologie und Kulturwissenschaften Verwendung finden, wird im zweiten Teil, in welchem die Fallstudien untersucht werden sollen, auf Ansätze zurückgegriffen werden, die gewöhnlich unter dem Stichwort „Social Movement Theory“ zusammengefasst werden. Dabei wird ein Schwerpunkt auf die Analyse derjenigen Mechanismen gelegt werden, welche die betreffenden Organisationen verwenden, um den nationalistischen Diskurs zu gestalten und zu lenken (Framing). In beiden Fallstudien spielt das Martyrium eine bedeutende Rolle im „Framing- Prozess“, und zwar in der Wahl der Strategie im Kampf mit dem Gegner, in der Konstruktion von Identität, in der Stärkung sozialer Kohäsion und in der Werbung neuer Anhänger.
Ein Vergleich zwischen nationalistischen Bewegungen in Palästina und Sri Lanka bietet sich insofern an, als die betreffenden Organisationen in einem vergleichbaren politischen Kontext operieren. Zudem zeigen sich erstaunliche Ähnlichkeiten in der Rolle des Martyriums im „Framing-Prozess“ und bezüglich der verwendeten Symbole, Glaubensvorstellungen und Narrative, obwohl die Organisationen in unterschiedliche kulturelle Kontexte eingebettet sind und daher auf verschiedene religiöse Traditionen zurückgreifen.
Arbeits- und Interessenschwerpunkte:
- Geschichte und Glaubensinhalte der drei großen monotheistischen Religionen
- Verhältnis von Religion und Politik
- Interreligiöser Dialog
- Märtyrervorstellungen
Funktion innerhalb des Clusters/Beteiligung an Projekten/Arbeitsgruppen:
- Mitglied der Arbeitsgruppe Konflikte im Spannungsfeld von Religion und Politik
- Mitglied der Arbeitsgruppe Bildung, Entwicklung und Rezeption von Feindbildern
- Assoziiertes Mitglied der Arbeitsgruppe Vermischung von Religionen
- Mitglied der Arbeitsgruppe Emische und etische Perspektiven auf Religion und Politik
Publikationen:
Sammelband:
- Fürst, Alfons/Harutyunyan, Harutyun/Schrage, Eva-Maria/Voigt, Verena (Hrsg.): Von Ketzern und Terroristen: Interdisziplinäre Studien zur Konstruktion und Rezeption von Feindbildern. Münster: Aschendorff (im Druck).
Aufsätze:
- Zionistischer Kolonialist vs. palästinensischer Terrorist: Feindbilder im Israel-Palästina-Konflikt. In: Fürst, Alfons/Harutyunyan, Harutyun/Schrage, Eva-Maria/Voigt, Verena (Hrsg.): Von Ketzern und Terroristen: Interdisziplinäre Studien zur Konstruktion und Rezeption von Feindbildern. Münster: Aschendorff (im Druck).
- Identität durch Territorialkonflikt. In: Robert, Rüdiger/Schlicht, Daniela/Saleem, Shazia (Hrsg.): Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten - Studien zum Verhältnis von Staat und Religion. Münster u.a.: Waxmann, 2010.
- Nationalismus und religiöse Sprache - Die Verwendung des Märtyrerbegriffes in der LTTE. In: Gabriel, Karl/Spieß, Christian/Winkler, Katja (Hrsg.): Religion - Gewalt - Terrorismus. Religionssoziologische und ethische Analysen. Paderborn u.a.: Schöningh, 2010.
- Schulbücher im Konflikt: Der Streit um anti-israelische Inhalte in palästinensischen Schulbüchern. In: Djurović, Arsen/Matthes, Eva (Hrsg.): Freund- und Feindbilder in Schulbüchern. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 2010.
Kontakt
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Betreuer
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