Merle Marie Schütte

Merle Marie Schütte

Historisches Seminar

Lebenslauf:

1982 Geboren in Hannover
2002-2007 Studium der Geschichte und Germanistik an der Leibniz-Universität Hannover und der National University of Ireland, Maynooth (NUIM)
April bis Oktober 2006 Studentische Hilfskraft im Bereich Neuere Geschichte
April 2006 bis Juni 2007 Studentische Hilfskraft im Bereich Mittelalterliche Geschichte
Dezember 2007 Abschluss des Ersten Staatsexamens für das Lehramt an Gymnasien, Thema der Examensarbeit: "Studien zum Bild des Dritten Kreuzzuges und seiner Teilnehmer in mittelalterlichen christlichen und muslimischen Zeugnissen"; im Anschluss: Vorarbeiten zur Aufnahme eines Promotionsprojekts
Seit Februar 2009 Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Graduiertenschule des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne" an der WWU Münster

Promotionsprojekt

„Konsens, Kompromiss, Konflikt"
Königlich-fürstliche Beratungen im Spiegel historiographischer und literarischer Quellen (ca. 1150-1200)


Beratung war ein ebenso alltäglicher wie fundamentaler Bestandteil der mittelalterlichen Lebenswirklichkeit: Ob am Hof des Königs oder an denen der Fürsten, in Stadträten und Zünften – nahezu jeder wichtigen Entscheidung ging eine gemeinsame Beratung voraus. Die historische Forschung hat ihr Augenmerk bislang vor allem auf die Beratungen zwischen dem König und den Großen gerichtet und nach der Funktion dieser Zusammenkünfte im Rahmen mittelalterlicher Herrschaftsausübung gefragt. So wurde zum Beispiel untersucht, ob sich hinter der bekannten Formel „consilium et auxilium“ eher ein Recht oder eine Pflicht der Fürsten verbarg oder inwiefern der konsensuale Ratsbeschluss der Großen nicht nur für diese selbst, sondern auch für den Herrscher bindend war. Im Gegensatz dazu ist der Beratungsvorgang an sich noch nicht umfassend thematisiert worden.

Ziel des Promotionsprojekts ist es daher, Form und Ablauf königlich-fürstlicher Beratungen zu erforschen und so einen Beitrag zu einem eingehenderen Verständnis der politischen Praxis des 12. Jahrhunderts zu leisten.

Den methodischen Ausgangspunkt der Analyse stellt ein interdisziplinärer Ansatz dar, demgemäß nicht nur historiographische Quellen aus dem Heiligen Römischen Reich (wie etwa die ,Gesta Friderici I. imperatoris‘ Ottos von Freising respektive Rahewins) die Grundlage der Untersuchung bilden, sondern auch ausgewählte Werke der höfischen Epik. Unter höfischer Epik wird hier die gesamte weltliche Großepik verstanden – von der Heldendichtung über die sogenannte Spielmannsepik bis zum höfischen Roman. Denn obschon die Heranziehung fiktionaler Zeugnisse für den Historiker in vielerlei Hinsicht problembehaftet ist, stellen Texte wie das ,Rolandslied‘ des Pfaffen Konrad oder die ,Eneit‘ Heinrichs von Veldeke aufgrund der Ausführlichkeit und Genauigkeit, mit der sie über Beratungen berichten, überaus wertvolle Quellen dar, welche nicht übergangen werden sollten.

Der Untersuchungszeitraum der Arbeit – die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts – fällt weitestgehend mit der Regierungszeit Friedrich Barbarossas (1152-1190) zusammen. Dadurch wird die Möglichkeit eröffnet, Regelmäßigkeiten, aber auch Veränderungen im Beratungsvorgang nachzuspüren, die nachweislich nicht in einem Herrscherwechsel begründet liegen.

Im Mittelpunkt des Dissertationsvorhabens steht die Erforschung folgender drei Aspekte:

Durch die Frage nach dem genauen Ablauf königlich-fürstlicher Beratungen soll erstens untersucht werden, ob beziehungsweise in welchem Ausmaß die Beratungen zwischen dem Herrscher und den Großen einem Muster oder gar festen Regeln folgten, welche ihre individuelle Ausgestaltung beeinflussten.
Zweitens soll der Versuch unternommen werden, verschiedene Beratungsformen voneinander abzugrenzen – etwa mittels des Beratungsinhalts, des Teilnehmerkreises oder des Rahmens, in dem die Beratung stattfand (öffentlich-inszeniert vs. informell-vertraulich).
Drittens schließlich interessieren die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die sich bezüglich der Darstellung von Beratung bei einem Vergleich historiographischer und literarischer Zeugnisse ermitteln lassen sowie der Stellenwert, den die Geschichtsschreiber und die Verfasser höfischer Epik der Beratung in ihren jeweiligen Werken beimaßen.
Die Frage nach der poltischen Kultur des hohen Mittelalters wird somit mit der Frage nach den beratungsspezifischen Vorstellungswelten hochmittelalterlicher Autoren verbunden.

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Formen mittelalterlicher Herrschaftspraxis
  • Rang und soziale Ordnung im Mittelalter
  • Symbolische Kommunikation in der Vormoderne 

Beteiligung am Exzellenzcluster:

Publikationen:

Tagungsbericht

  • (zus. mit Daniel Lizius und Kristina Rzehak): Zwischen Fakten und Fiktionen. Literatur und Geschichtsschreibung in der Vormoderne, Münster, 16./17.02.2011, in: AHF-Information 128, 21.07.2011.

Lehrveranstaltungen:

Organisation:

Vorträge:

  • Springschool Geschichte der Ritualwissenschaften (Brescia), Thema: „Ritualisierung im Kontext sprachlicher Rangkonstitution in historiographischen und literarischen Zeugnissen des 12. und 13. Jahrhunderts“ (02.04.2009)
  • Forschungskolloquium 800-1800 (Münster), Thema: „Consilio sapientum rex habito,... Beratung zwischen König und Großen am Beispiel der ,Gesta Friderici I. imperatoris‘“ (21.07.2010)
  • Kolloquium zur mittelalterlichen Geschichte, Prof. Dr. Knut Görich (München), Thema: „At princeps diu cum proceribus maioribusque [...] consultans... Königlich-fürstliche Beratungen im Spiegel der ,Gesta Friderici I. imperatoris‘“ (22.07.2010)
  • Tagung Ritual and Narration (Heidelberg), Thema: „Between Political Practice and Narrative Strategies: Representations of the King’s Council in Medieval Courtly Epic Poetry“ (17.11.2011)

Kontakt

Merle Marie Schütte
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Fax: +49 251 83-23340

Betreuer

Prof. Dr. Gerd Althoff Historisches Seminar Domplatz 20-22 Zimmer 316
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Mentorin

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