Matthias Schaffrick, M.A.

Matthias Schaffrick, M. A.

Germanistisches Institut

Lebenslauf:

1982  Geboren in Herten (Westfalen)
2003-2008 Studium der Fächer Germanistik, Psychologie und Kultur, Kommunikation & Management an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Stipendium: Cusanuswerk. Bischöfliche Studienförderung)
2005-2008 Studentische Hilfskraft am Germanistischen Institut, Abteilung Neuere deutsche Literatur der WWU Münster (Lehrstuhl Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf)
09-11/2007 Praktikum beim Goethe-Institut Palermo, Italien
07/2008 Magister Artium mit der Arbeit "Räche deinen Nächsten wie dich selbst. Systemtheoretische und psychoanalytische Lektüren der Rache"
2008-2009 Wissenschaftliche Hilfskraft und Doktorand am Lehrstuhl von Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf
seit 04/2009 Assoziiertes Mitglied in der Graduate School "Practices of Literature" der WWU Münster
seit 05/2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand in der Graduiertenschule des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der WWU Münster
seit 02/2010 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes
11/2012 Disputatio und Abschluss der Promotion. Thema der Doktorarbeit: In der Gesellschaft des Autors. Religiöse und politische Inszenierungen von Autorschaft

Promotionsprojekt

In der Gesellschaft des Autors. Religiöse und politische Repräsentationen von Autorschaft im systemtheoretischen Vergleich

Von jeher arbeiten Autorinnen und Autoren mit religiösen Mustern der Inszenierung und beanspruchen zugleich politische Funktionen und politische Autorität. Der Topos vom „Tod des Autors“ (Roland Barthes) bündelt diesen Diskurs mit seinen sowohl religiösen als auch politischen Implikationen. Nur sehr wenige der darauf folgenden literaturwissenschaftlichen Wiederbelebungsversuche, von der „Wiederauferstehung“ des Autors bis hin zu seiner „Rückkehr“, beachten jedoch die religiösen Deutungsmuster oder die vom Diktum des ‚toten Autors‘ seinerseits beanspruchte politische Autorität.

Die Gesellschaft hat es nicht nur in der Literatur mit Autoren zu tun. Literarische Autorschaft ist lediglich ein Sonderfall, kein singuläres Phänomen von Autorschaft. Autorinnen und Autoren sind in allen Bereichen der Gesellschaft präsent. Das Label „Autor/in“ autorisiert zur Präsenz in der Gesellschaft.

Die tradierte religiöse und politische Semantik der Autorschaft (‚Schöpfung‘, ‚Schrift‘, ‚Autorität‘, ‚Repräsentation‘) wird zum Anlass genommen, die Konstitution und Inszenierung nicht nur literarischer, sondern auch nicht-literarischer Autorschaft in der gegenwärtigen Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Das Projekt verfolgt die Frage „Was ist ein Autor?“ – in der Wissenschaft, der Religion und der Politik der Gesellschaft. Gegenstände der exemplarischen Analysen sind dementsprechend religiöse (Benedikt XVI.) und politische (Helmut Schmidt), ebenso wie literarische (Martin Mosebach) und wissenschaftliche Autoren.

Die These ist, dass insbesondere religiöse und politische Medien und Formen der Repräsentation beansprucht werden, um Autor-Inszenierungen erfolgreich zu gestalten und zu legitimieren. Um der Verschränkung der Beobachtungsperspektiven – der Autor ist Beobachter, der ständig beobachtet wird – nachzugehen und sie interdisziplinär sowie vergleichend zu untersuchen, wird auf die Systemtheorie Niklas Luhmanns zurückgegriffen. Die Funktionen, die Autorinnen und Autoren zugeschrieben werden, sagen als Selbstbeschreibungen zugleich etwas aus über die Gesellschaft, in der dies geschieht. Wie beschreiben Autoren die Gesellschaft, in der sie schreiben? Und wie beschreibt sich die Gesellschaft über ihre Autoren?

Die Analyse von Texten, Paratexten, Interviews, Filmen und Internetauftritten führt zu einer Diagnose der modernen Gesellschaft, welche die historischen Entwicklungen und Bedingungen berücksichtigt, unter denen Autorinnen und Autoren schreiben. Das Ziel des Projekts ist es, Dimensionen des Religiösen und Politischen – etwa im Narrativ der Säkularisierung oder der Renaissance der Religion – offenzulegen, die andernfalls zumeist unbeobachtet bleiben.

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Geschichte und Theorie der Autorschaft
  • Religion und Literatur
  • Literatur- und Kulturtheorien
  • Gegenwartsliteratur
  • Systemtheorie
  • Diskurse des Nationalen
  • Völkerrechtsfiguren (Recht und Literatur)

Beteiligung am Exzellenzcluster:

Aktuelle Projekte:

  • Aufsatz über „Tote Könige. Martin Mosebachs Politische Theologie". In: Autorschaft im Spannungsfeld von Religion und Politik. Hrsg. von Christian Sieg und Martina Wagner-Egelhaaf (erscheint 2013 im Ergon Verlag)
  • Gemeinsam mit Marcus Willand Herausgabe eines Sammelbandes mit den Beiträgen der Tagung „Autorschaft zwischen Intention, Inszenierung und Gesellschaft"  (erscheint 2013 bei de Gruyter)
  • Aufsatz über „Das Interview als Roman. Wolf Haas und Das Wetter vor 15 Jahren" im Rahmen der Tagung „Literatur und Interview", Frankfurt a. M., 26.-28. September 2012

Publikationen:

  • Medialität und Intermedialität von Grabbes „Hermannsschlacht“. Eine systemtheoretische Analyse. In: Grabbe-Jahrbuch 25 (2006). S. 157-179.
  • „Ah – der Hermann!“ Ein Bericht von den „Hermannsschlachten“. In: Grabbe-Jahrbuch 26/27 (2007/2008). S. 15-26.
  • Kontroversen – Bündnisse – Imitationen: Geschichte und Typologie schriftstellerischer Inszenierungspraktiken (Tagung in Göttingen v. 25.–27.6.2009). In: Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge, 20 (2010), H. 2. S. 431-433.
  • [Art.] Georg Martin Oswald. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann. 2., vollst. überarbeitete Aufl., Bd. 9. Berlin/New York: de Gruyter 2010. S. 24.
  • [Art.] Angelika Overath. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann. 2., vollst. überarbeitete Aufl., Bd. 9. Berlin/New York: de Gruyter 2010. S. 51f.
  • Wolken.Heim. genießen. Elfriede Jelineks Nationaltheater. In: Das nationale Imaginäre. Hrsg. von Katharina Grabbe, Sigrid Köhler u. Martina Wagner-Egelhaaf. Bielefeld: transcript, S. 189-220.
  • Literarische Liturgie. Realpräsenz und Realismus in Martin Mosebachs Roman Eine lange Nacht. In: Literatur als Performance. Hrsg. von Ana R. Calero Valera und Brigitte Jirku [22 S., erscheint 2013 bei bei Königshausen und Neumann].
  • Jona, Bloch, Melville. Uwe Johnsons prophetischer Sound. In: Autorschaft und Prophetie. Charisma, Heilsversprechen und Gefährdung. Hrsg. von Christel Meier und Martina Wagner-Egelhaaf [15 S., erscheint 2013 im Akademie-Verlag].

Mitherausgeber der Zeitschrift Textpraxis. Digitales Journal für Philologie

Vorträge:

  • Kapitalismus und Moral. Zur literarischen Darstellung des „kapitalistischen Moralisten“ (Internationale Tagung „Imaginationen des Kapitalismus“, Brecht-Haus Berlin, 18.-20. November 2004)
  • Crisis and Excess: Political Rhetoric in Elfriede Jelinek's Lastest Plays (German Studies Association, 33rd Annual Conference, Washington, D.C., 8.-11. Oktober 2009)
  • Das Interview als Roman. „Das Wetter vor 15 Jahren“ von Wolf Haas (Northeast Modern Language Association, 41st Annual Convention, Montréal, 8.-11. April 2010)
  • „Luhmann / Alltagsplausibilität / Gesellschaft“ (Rainald Goetz): Autoren der Gegenwart - systemtheoretisch betrachtet (Workshop "Doing Contemporary Literature". Praktiken, Wertungen und Automatismen in der Forschung zur Gegenwartsliteratur, Paderborn, 20.-21. Juli 2010)
  • Autorschaft als Liturgie. Zur Performance eines Rituals bei Martin Mosebach (VII. FAGE Kongress Performance / Performanz, Valencia, 16.-18. September 2010)
  • In der Gesellschaft des Autors. Vom Scheitern einer Autoritätskonstruktion unter postsäkularen Bedingungen (Doktorandenforum Kultur der Studienstiftung des deutschen Volkes, Weimar, 28. April - 1. Mai 2011)
  • Liturgie, Souveränität und der Roman. Martin Mosebach (Vortragsreihe „Autorschaft im Spannungsfeld von Religion und Politik“, Münster, 3. Februar 2012)
  • Das Interview als Roman. Wolf Haas und „Das Wetter vor 15 Jahren“ (Konferenz „Echt inszeniert. Interviews in Literatur und Literaturbetrieb“, Frankfurt am Main, 26.-28. September 2012)
  • Vom Glauben und Wissen. Religiöse Autorschaft und Säkularisierung bei Ratzinger/Benedikt (Der Autor Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., Münster, 23. Oktober 2012)

Veranstaltungen und Seminare:


Kontakt

Matthias Schaffrick M. A.
Johannisstraße 1 Zimmer 012
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-23520
Fax: +49 251 83-23500

Betreuerin

Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf Germanistisches Institut Zimmer SH 104
Tel.: +49 251 83-24430
Fax: +49 251 83-25424

Betreuer

Prof. Dr. Niels Werber Universität Siegen Lehrstuhl Neuere Deutsche Literaturwissenschaften I, Fachbereich 3 Adolf-Reichwein-Straße 2
Zimmer AR-K 127
D-57074 Siegen
Tel.: +49 271 740 3243
Fax: +49 271 740 4280

Mentor

Dr. Klaus Große Kracht

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