Manja Quakatz, M.A.

Manja Quakatz, M. A.

Historisches Seminar

Lebenslauf:

1983 Geboren in Leipzig, Abitur ebd.
2001/02 - 2009 Studium der Geschichte und Religionswissenschaft in Leipzig und Halle an der Saale
2003 Studentische Hilfskraft am Historischen Seminar der Universität Leipzig
2004 Studentische Hilfskraft am Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. im Projekt "Konfessionalisierung in Ostmitteleuropa (1550-1700)"
2006-2008 Studentische Hilfskraft am Universitätsarchiv Leipzig
2006-2009 Studentische Hilfskraft am Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. in den Projekten "Konfessionalisierung in Ostmitteleuropa (1550-1700)" sowie "Osmanischer Orient und Ostmitteleuropa. Vergleichende Studien zu Perzeptionen und Interaktionen in den Grenzzonen"
April 2009 Magisterabschluss, Thema der Magisterarbeit: Osmanische Konvertiten und Zwangsgetaufte. Religiöse und kulturelle Grenzgänger im Alten Reich um 1700
Mai 2009 Aufnahme in die Graduiertenschule des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne" an der WWU Münster als Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin
Februar bis April 2012 Herzog-Ernst-Stipendium der Fritz Thyssen Stiftung am Forschungszentrum Gotha

Promotionsprojekt:

Integration durch Konversion? – Muslimische Osmanen als Sklaven und Kriegsgefangene im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation um 1700

Nach der Niederlage des Osmanischen Heeres vor Wien 1683 begann die Zeit der Rückeroberungsfeldzüge der Heiligen Liga in den osmanischen Territorien Ostmittel- und Südosteuropas, bis zum Frieden von Karlowitz. Während dieser Phase des Türkenkrieges wurden mit Abstand die meisten osmanischen Gefangenen gemacht. Während jene, die in öffentlichen Gefängnissen saßen, nach dem Friedensvertrag von 1699 gegen christliche Gefangene aus osmanischen Gefängnissen ausgewechselt oder gegen eine Geldsumme freigelassen worden sind, wurden andere von Militärs als Sklaven weiterverkauft. Viele der Sklaven wurden nach geraumer Zeit sowohl auf katholischer als auch auf lutherischer Seite im Christentum unterwiesen und später konvertiert.

In meinem Dissertationsprojekt sollen die Phänomene Konversion und Integration näher untersucht werden. Hierbei wird die Konversion als ein Prozess verstanden, in dessen Verlauf der Konvertit als nichtchristlicher Mensch, aus einem fremden Reichsverband in eine neue, in diesem Fall christliche, anderssprachige und kulturell divergente Gesellschaft aufgenommen wird. Nicht nur die Taufe als religiöses Trennungs-, Übergangs- und Einsetzungsritual, sondern auch die Konversion als Teilprozess eines vormodernen Integrationsvorgangs soll erforscht werden.
Räumlich konzentriert sich die Arbeit überwiegend auf das städtische Milieu des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sowohl katholische als auch protestantische urbane Zentren wie Wien, München und Dresden stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Ausgewertet werden Quellen, die einen ausschließlich christlichen bzw. konfessionsspezifischen Blick auf die Problematik geben. Sogenannte „First Person Reports“ oder Ego-Dokumente osmanischer Konvertiten und Sklaven sind für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kaum überliefert und bilden daher eher die Ausnahme im Quellenbestand.

Die Dissertation leistet einen Beitrag zu den Forschungsfeldern der europäischen Sklavereiforschung, der historischen Ritualforschung, der historischen Konversionsforschung und für den Bereich „Integration in der Frühen Neuzeit“. Diese Beschäftigungsfelder werden in den drei Hauptteilen: Gefangennahme, Konversionen von Osmanen und, Integration osmanischer Konvertiten in der Arbeit repräsentiert.

Bei der Untersuchung der Handlungsmöglichkeiten der Konvertiten wird v. a. ein Augenmerk auf die sozialen Aufstiegschancen des historischen Subjekts gelegt. Welche beruflichen Aussichten hatte ein osmanischer Konvertit in der christlichen Gesellschaft an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert? Diese waren offenbar stark abhängig vom Status des Konvertiten. War er an seinen Herren als Sklave bzw. Leibeigener gebunden, verbachte er sein Leben zumeist am Hof oder im Haus des Patrons als Dienstbote, Reitknecht oder in anderen unfreien Berufen. Ließ ihn der Herr nach seiner Taufe frei, standen dem Konvertiten mannigfaltige Möglichkeiten offen – osmanische Handwerker und Pfarrer sind belegt. Hierbei darf der geschlechterspezifische Zugang nicht fehlen. Weibliche Konvertiten waren in der Regel stärker an ihre Herrschaft gebunden und wurden nach ihrer Konversion häufig an dem Patron nahestehende Personen verheiratet.

Verschiedene Inklusionsverfahren wie z. B. die Ausbildung sozialer Netzwerke, Einheirat in christliche Familien, Integration auf beruflich-ökonomischer Ebene und unterschiedliche Akteure sowie Institutionen kamen zum Einsatz und hatten daran Anteil, die zum Christentum konvertierten Osmanen in die Gemeinschaft zu integrieren. Neben den geistlichen Akteuren (Pfarrer, Jesuiten, Frauenorden) waren weltliche Akteure, vor allem die Obrigkeit, beteiligt, indem sie als Taufpaten oder geistliche Verwandte und spätere Patrone der Osmanen wirkten und deren Eingliederungsprozesse begleiteten und maßgeblich unterstützten. Die Integration war grundsätzlich erwünscht und wurde von Seiten der christlichen Akteure erwartet.

Trotzdem muss hier natürlich auch jenen muslimischen Osmanen Rechnung getragen werden, die ihren Glauben nicht wechselten und deshalb in der Konsequenz entsprechende Inklusionsprozesse ausblieben. Welche Exklusionsmechanismen (Sozialdisziplinierung/Normierung/Abgrenzung/soziale Isolierung) vollzogen sich stattdessen gegenüber den Muslimen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation? Welchen Beschränkungen waren diesen im Gegensatz zu den „neuen Christen“ auferlegt? Tendenzen der Exklusion zeigen sich hier vornehmlich in den ökonomischen und sozialen Feldern. Berufliche Einschränkungen und gesellschaftliche Ausgrenzungen waren gängige Erscheinungsformen, aber auch Unfreiheit auf der einen Seite und das Abhängigkeitsverhältnis zu einem Patron (soziale Immobilität) andererseits erschwerten oder verhinderten sogar die Eingliederung des Fremden. An dieser Stelle muss auch hinterfragt werden, ob ein Religionswechsel den Sklaven tatsächlich frei machte oder ob ein Statuswechsel keine unbedingte Folge von Konversion gewesen sein muss.

 

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Historische Konversionsforschung
  • Migrationsforschung
  • Christlich-muslimische Beziehungen und Kontakte in der Frühen Neuzeit
  • Neuere Kulturgeschichte der Vormoderne (Ritual Studies) 

Beteiligung am Exzellenzcluster:

Publikationen:

  • Tagungsbericht Religiöse Devianz. Praktiken und Diskurse im konfessionellen Zeitalter. 08.03.2012-10.03.2012, Dresden, in: H-Soz-u-Kult, 12.04.2012.
  • „Gebürtig aus der Türckey“:  Zu Konversion und Zwangstaufe osmanischer Muslime im Alten Reich um 1700. In: Barbara Schmidt-Haberkamp (Hg.): Europa und die Türkei im achtzehnten Jahrhundert / Europe and Turkey in the Eighteenth Century. Göttingen: Bonn University Press / V&R unipress, 2011.
  • „Conversio Turci“ Konvertierte und zwangsgetaufte Osmanen. Religiöse und kulturelle Grenzgänger im Alten Reich (1683-1710). In: Koller, Markus/Spannenberger, Norbert (Hgg.), "Imperiale Koexistenz" im östlichen Europa - Kontakte, Verflechtungen und Konflikte im osmanisch-habsburgischen Grenzraum (in Vorbereitung).
  • Rez. von Reinkowski, Maurus/Kramer, Heinz: Die Türkei und Europa. Eine wechselhafte Beziehungsgeschichte. Stuttgart: Kohlhammer 2008, in: Südosteuropa Mitteilungen, 02/2010, S. 99f.

Lehrveranstaltungen:


Kontakt:

Manja Quakatz M. A.
Domplatz 20-22 Zimmer 340
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-23216
Fax: +49 251 83-23340

Betreuerin

Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger Historisches Seminar Domplatz 20-22 Zimmer 141
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24315
Fax: +49 251 83-24332

Betreuer

Prof. Dr. Markus Koller Ruhr-Universität Bochum Historisches Institut, Lehrstuhl für Geschichte des Osmanischen Reiches und der Türkei Universitätsstraße 150
Zimmer GA 4/xx
D-44780 Bochum
Tel.: +49 234 32–24670
Fax: +49 234 32-14083

Mentorin

Dr. Felicity Jensz

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