Felix Krämer, M. A.

Felix Krämer, M. A.

Historisches Seminar

Lebenslauf:

Mai 2011 und September - Oktober 2010 Forschungsstipendium des Deutschen Historischen Instituts in Washington DC
2010/2011 Lehrbeauftragter des Instituts für Kommunikationswissenschaft und des Historischen Seminars, WWU Münster
seit Juli 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ der WWU Münster
2007-2008 Lehrbeauftragter der Universität Hamburg; Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fach: Gender Studies)
Werkverträge der Universität Erfurt
2007 Magister Artium der Fakultät für Geisteswissenschaften an der Universität Hamburg, erlangt am 20. 2. 2007 mit der Magisterarbeit „Playboy tells his story. Hegemoniale Männlichkeit und Krisenszenario in den USA der 1970er Jahre“
2001-2006 Studentische Hilfskraft und Büchereiangestellter der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
1999-2006 Studium der Fächer Geschichte, Politische Wissenschaft und Gender Studies an der Universität Hamburg

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Nordamerikanische Kulturgeschichte
  • Diskurs-, Performanz- und Medientheorie
  • Geschlechter- und Körpergeschichte
  • Zeitgeschichte der Religion

Beteiligung am Exzellenzcluster:

Promotionsprojekt:

Screening Moral Leadership. Medien, Religion und Geschlecht in der US-Kultur zwischen 1969 und 1989

Mit dem Bekenntnis Jimmy Carters wiedergeborener Christ zu sein, hatte im US-Präsidentschaftswahlkampf 1976 ein evangelical chic Einzug in eine der repräsentativsten Riegen des Politischen gehalten. Die Liaison zwischen nationalpolitischer und religiöser Führerschaft wurde zur entscheidenden Schaltstelle an der Wende von den 1970er zu den 1980er Jahren. Gegen Ende der 1970er Jahre waren evangelikale Prediger zunehmend in den Fernsehwelten der Vereinigten Staaten aufgetaucht, hatten sich in die neuen Medienlandschaften aufgemacht, um auf verschiedenen Frequenzen die politische Ordnung der 1980er, der erklärten „Decade of Destiny“, zu gestalten. Längst war die sogenannte Christliche Rechte auf unterschiedlichen Feldern am Werke. Pastoren wie Pat Robertson oder Jerry Falwell hatten im Verlaufe der 1970er Jahre Universitäten gegründet, waren Talkmaster und TV-Prediger geworden. Von anderer Seite war die Bewegung eingebettet in eine Hausse an Spekulationen über eine Rückkehr der Religion in die US-Gesellschaft. Dabei verlieh insbesondere die Berichterstattung der drei großen Sendeanstalten ABC, CBS und NBC der Christlichen Rechten mediale Präsenz und produziert den politischen Evangelikalismus auf diesem Wege mit.

Ein weiterer Handlungsstrang, der das kulturelle Terrain seit Mitte der 1970er gestaltete, war die Rede von einer schweren Krise der hegemonialen Männlichkeit. Das ausgebreitete Krisenszenario um die zentrale und dominante Norm des US-Identitätskostüms stellte im Kern eine Problematisierung der Emanzipationsbewegungen dar, die in der ersten Hälfte der 1970er Jahre an kulturellem Gewicht gewonnen hatten. Frauen, Schwarze, Schwule und Lesben hatten auf unterschiedlichen Wegen gegen ihre Unterdrückung protestiert. Die kulturelle Repräsentation marginalisierter Gruppen führte – von vielen Seiten beteuert – zu einer angeblichen Destabilisierung des heterosexuellen, weißen Mittelschichtideals der US-Männlichkeit und seiner symbolischen Vorherrschaft. Die ab Mitte der 1970er Jahre in unterschiedlichen Kontexten problematisierte Identität dieses Männlichkeitsmodells wurde geradezu zu einem Sprungbrett für die evangelikale  Bewegung. Das Krisenszenario um die hegemoniale weiße Männlichkeit schien in die Rückkehr der Religion hineinzuspielen, was sich an der Berichterstattung im Fernsehen exakt rekonstruieren lässt. Die Konjunktur der Krise war begleitet von der ubiquitären Forderung nach Virilität, Mut und angeblich maskulinen Tugenden. Die Verbindung zwischen religiösem Revival und einem Männlichkeitsdispositiv verdichtete sich gegen Ende der 1970er Jahre zu einer Figur, die in der vorliegenden Arbeit als Moral Leadership bezeichnet werden soll. Es war eine neue Predigerfigur entstanden, der sowohl medial präsente Kirchenmänner wie Politiker performativ Tribut zollen mussten. Repräsentanten der Moral Leadership standen paradigmatisch für neue mediale Räume des Politischen.

Um eine Genealogie der Entwicklungsstränge bis zur Geburt des Moral Leader am Jahrzehntwechsel zwischen 1970er und 1980er Jahren zu zeichnen richtet sich der Blick durch die Linse der Nachrichtenberichte zunächst zurück auf die Emanzipationsbewegungen. Feminismus, Schwulen- und Lesbenbewegung wurden in der ersten Hälfte der 1970er Jahre auch in der Welt der Fernsehnachrichten mit bestimmten Bedeutungen aufgeladen. Teile der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung hatten sich in Richtung „Black Power“ radikalisiert, gelangten seit den späten 1960er Jahren auf Bildflächen der Öffentlichkeit. Darüber hinaus schenkte man Aktionen aus dem Umfeld der Nation of Islam in Nachrichten und Dokumentationen ebenso Aufmerksamkeit, wie über eben diese Gruppierung Images des anderen in der Medienberichterstattung (re)produziert wurden. Daneben war die Debatte um Abtreibung und Homosexualität in körperpolitische Diskurse vorgedrungen und wurde am Ende der 1970er Jahre von evangelikalen Führungsfiguren immer wieder aufgerufen. Diese Verschiebungen auf dem körperpolitischen Tableau hatten Einfluss auf die soziokulturelle Ordnung der Zeit zwischen 1979 und 1989. Zwei Beispiele hierfür sind die körperpolitische Spezifik der Debatte um AIDS in den Vereinigten Staaten sowie die außenpolitische Dimension in Ronald Reagans Rede von einem „Reich des Bösen“ bezüglich der Sowjetunion. Solche Entwicklungen müssen vor dem Hintergrund der evangelikalen Bewegung und ihrer Performanz in den Medien interpretiert werden. Die Austauschprozesse zwischen evangelikalen Veröffentlichungen und den sogenannten Mainline-Medien stellen eine Schaltstelle in der Implementierung „moralischer Themen“ in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten dar. In diesem Zusammenhang stand der Moral Leader als die höchste Verdichtung der neuen Religionswelle mit der Restauration einer (angeblich erschütterten) US-Männlichkeit.

In der vorliegenden Arbeit sollen die historischen und medialen Operationen untersucht werden, die Moral Leadership als durchdringenden kulturellen Agenten konstruierten. Die Figur war mehr als die Verkörperung durch einen Präsidenten oder durch evangelikale Prediger sondern wurde durch verschiedene Medien zwischen Religion und Politik hervorgebracht. Im Dissertationsprojekt werden deshalb – über den herkömmlichen Zuschnitt des Massenmedien-Begriffs hinaus – die folgenden drei kulturellen Komplexe als Medien betrachtet: die evangelikale Universität, der TV-Gottesdienst und die Predigerfigur. Innerhalb dieser drei Medienformen vollzog sich politischer Wandel. Als Kulturgeschichte des Politischen sollen dominante Männlichkeitsentwürfe körperhistorisch lokalisiert und deren Zuschnitt seitens unterschiedlicher Medienformen genauer fokussiert werden. Ausgehend von den Fernsehnachrichten wird auf diese Weise eine Ebene hegemonialer Verschiebung zwischen 1970er und 1980er Jahren beleuchtet, die bislang im Schatten der Einteilung in „rechts“ und „links“ im politischen Spektrum unterbelichtet geblieben ist.

Publikationen:

Vorträge:

  • “God’s Man for The Hour”: Reincarnating Moral Masculinity on TV in the US around 1980, Religions and Masculinities en las Américas, Konferenz, Exzellenzcluster Religion und Politik, 30. September 2011
  • Born Again in Politics: The Rise of Moral Leadership in the U.S. Media at the Turn of the Decades from 1970s to 1980s, Konferenz: Secularization and the Transformation of Religion. The U.S. and Germany after 1945, Deutsches Historisches Institut Washington DC, 18. März 2011
  • Screening Masculinity: Contemporary History from Stonewall to Reagan, Kolloquium Außereuropäische Geschichte, Rothenberge, 15. Februar 2011
  • Assassination Attempt. Medien, Macht und Moralische Führung in den USA 1981, German Historical Institute, Washington DC, 9. September, 2010
  • Gendering Televangelism: The Incarnation of Male Moral Leadership via TV in the US by the late 1970, 7th Conference on Media, Religion and Culture, Ryerson University, Toronto, Kanada, 10. August 2010
  • (mit Nina Mackert) Crisis as a Productive Signifier? The Making of Masculinity, Adolescence, and Hegemony, Konferenz des JFK-Institut für Nordamerikastudien, FU Berlin, “States of Emergency – Interdisciplinary Perspectives on the Dynamics of Crisis”, 12. Juni 2010
  • „We are Ready to Lead!“ Evangelikale Männlichkeit in den USA Ende der 1970er Jahre, Workshop Außereuropäische Geschichte, WWU Münster, 15. Januar 2010
  • Männlichkeit und Krise. Eine Liaison wie vor Jahr und Tag?, Ludwig-Maximilians-Universität München, Gastvortrag am Institut für Soziologie, 11. Dezember 2009
  • "We're Ready to Lead!" Centering Hegemonic Masculinity and Belief in the Course of the 1970s, Workshop "The US-American Family in the Sixties and Seventies: Family Values and Gender Roles", WWU Münster, 1-2. Dezember 2009 
  • Geschlecht, Religion und sozio-kulturelle Ordnung in den USA, 1969-1989, German Historical Institute, Washington DC, 6. August 2009
  • "Take the Helm": Evangelicals on the Move within a Socio-Cultural Gender Order in the United States of the 1970s, Universität Erfurt/WWU Münster, Internationale Tagung "The Spirit and the Flesh: Transregional Perspectives on Religion, Race, and Gender in History" Erfurt 18.-19. Juni 2009
  • Diskurstheoretische Reflexion des Krisenbegriffs in Geschichte und Historiografie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Tagung „Diskursiver Wandel“, 26.-27. März 2009
  • Perspektiven politischer Kulturgeschichte am Beispiel medialer Geschlechter- und Glaubensdiskurse in den USA der 1970er und 1980er Jahre, Universität Erfurt, Workshop „Subjektivierung und Kulturgeschichte des Politischen“, 22.-23. Januar 2009
  • Männlichkeit, Glaube und soziokulturelle Ordnung in den USA von 1969 bis 1989, Universität Erfurt, Projektpräsentation im Kolloquium für Nordamerikanische Geschichte, 26. Juni 2008
  • Genealogie eines Krisenszenarios um die hegemoniale Männlichkeit in den USA der 1970er Jahre, Freie Universität Berlin, Tagung der Studienstiftung des deutschen Volkes zum Thema: „Der Feminismus und die Wissenschaften“, 25. Januar 2008
  • Geschlecht und Medien, Jahrestagung „Junge Presse Nord-West“, Ankum, 27. Mai 2007
  • Playboy tells his story. Hegemoniale Männlichkeit und Krisenszenario in den USA der 1970er Jahre, Universität Hamburg, Vortragsreihe: „Jenseits der Geschlechtergrenzen“, 7. Februar 2007 (gesendet im Radio - „Freies Sender Kombinat (FSK) 93.0“)
  • Geschichte einer schwer gebeutelten Männlichkeit? Die (Wieder)geburt der hegemonialen Norm über die Krisenanrufung in den USA der 1970er Jahre, Universität Hamburg, Gender Studies, 23. Januar 2007
  • (mit Kerstin Lange und Claudia Valenzuela) Performativität und Geschichtswissenschaft, Universität Hamburg, Historisches Seminar, 9. Januar 2007
  • (mit Nina Mackert) Marked by History: Schwarze und Weiße Geschlechtskörper in den USA ab der Mitte der 1960er Jahre, Universität Erfurt, 15. Mai 2006

Wissenschaftliche Übersetzungen:

  • Yntema, Douwe: Die so genannte „Große griechische Kolonisation“ und die Konstruktion einer ehrwürdigen Herkunft, in: Claudia Kraft/Alf Lüdtke/Jürgen Martschukat (Hg.): Kolonialgeschichten. Regionale Perspektiven auf ein globales Phänomen, Frankfurt/M. 2010, S. 95-116
  • Makdisi, Ussama: „Anti-Amerikanismus“ in der arabischen Welt: Interpretation einer jungen Geschichte, in: Claudia Kraft/Alf Lüdtke/Jürgen Martschukat (Hg.): Kolonialgeschichten. Regionale Perspektiven auf ein globales Phänomen, Frankfurt/M. 2010, S. 361-391

Organisation:

Lehrveranstaltungen:

  • (mit Tim Karis und Kathrin Nieder) Von der antiken Münze bis zum World Wide Web: Mediengesellschaften in Geschichte und Gegenwart, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für Kommunikationswissenschaft / Historisches Seminar (interdisziplinäres Seminar) WS 2010/2011
  • (mit Nina Mackert) Felder der Genderforschung und Queer Studies. Zwischen politischer Intervention und theoretischer Reflexion, Universität Hamburg, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fach: Gender Studies) WS 2007/2008

Kontakt

Felix Krämer M. A.
Geiststraße 24-26 Zimmer 120
D-48151 Münster
Tel.: +49 251 83-23552
Fax: +49 251 83-23500

Betreuerin

Prof. Dr. Silke Hensel Historisches Seminar Domplatz 20-22 Zimmer 125
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24356
Fax: +49 251 83-24382

Betreuer

Prof. Dr. Jürgen Martschukat Universität Erfurt Lehrstuhl für Nordamerikanische Geschichte Nordhäuser Str. 63
D-99089 Erfurt

Mentor

Dr. Klaus Große Kracht

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