Lebenslauf:
| 14. April 1981 | Geboren in Freckenhorst, Kreis Warendorf |
| 1991-2000 | Besuch des Gymnasiums Laurentianum in Warendorf |
| 2000-2009 | Studium der Sinologie, Allgemeinen Sprachwissenschaft und Politikwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster; Abschluss: Magister Artium, Titel der Magisterarbeit: Gerechter Krieg und Strafen im Lüshi chunqiu |
| Seit November 2004 | Inlandsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes |
| Februar-April 2005 | Praktikum als Deutschlehrer am Goethe-Institut in Ramallah, Palästinensische Autonomiegebiete |
| September 2005-Juli 2007 | Studium der chinesischen Sprache und Philosophie an der Sun Yat-sen-Universität (Zhongshan daxue) in Guangzhou (Kanton), Volksrepublik China, als Stipendiat der chinesischen Regierung, Vollstipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD; bis Juli 2006) und der Studienstiftung (August 2006 bis Juli 2007) |
| Seit 1. April 2009 | Promotion als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Graduiertenschule des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne" an der WWU Münster |
Promotionsprojekt
Zivilreligion, Tradition und Orthodoxie in der Huichang-Ära (841-846). Eine Untersuchung der „Kritiken“ (lun) des Li Deyu
China wird oft und gern als „avant la lettre säkular“ (J. Casanova) angesehen. Doch wie sah das Verhältnis von Religion und Politik in der historischen Realität, z.B. während der Blütezeit des chinesischen Buddhismus unter der Tang (oder T’ang)-Dynastie (618-907), aus? Gab es so etwas wie eine säkulare, ruistische (oder konfuzianische) Orthodoxie/Orthopraxie bzw. „Zivilreligion“ (H. Seiwert), die dem Religiösen in Gestalt von „Ismen“ wie Buddhismus, Daoismus, der fangshi („esoterische Experten“), der Volksreligion oder einer „diffuse religion“ (C.K. Yang) aus Ahnenkult, Jenseitsvorstellungen, Mantik etc. gegenüberstand?
Meine Arbeit ist angesiedelt im Zeitfenster zwischen der Proskription des Buddhismus und anderer als ausländisch eingestufter Religionen unter Kaiser Wuzong (reg. 840-846) und der anschließenden Restitution unter Xuanzong (reg. 846-859). Ihr liegen die 48 „Essays“ oder „Kritiken“ (lun) des Kanzlers Li Deyu (787–ca. 850), enthalten in dessen Spätwerk, den Qiong chou zhi (Aufzeichnungen von Erschöpfung und Gram), zugrunde. Diese Kritiken handeln von fangshi, Totenfolge im antiken China, dem Konvertiten-Kaiser Liang Wudi (reg. 502-549) u.ä. Darüber hinaus verfasste Li Protestnoten an den Kaiser gegen die Berufung von Daoisten an den Hof und die private Ordination von buddhistischen Mönchen und Nonnen, zur Funktion und Struktur des kaiserlichen Ahnentempels – und er beglückwünschte seinen Kaiser zur Zerstörung von Klöstern. Außerdem ist er vermutlich der Autor des Edikts von 845, mit dem Kaiser Wuzong den Höhepunkt und Abschluss der Proskription signalisierte.
Literatur- und kulturvergleichend faszinierend ist Lis Gebrauch von Zitaten aus kanonischen, historiographischen und anderen Quellen wie Zuozhuan (Tradition des Zuo – ein kanonischer „Kommentar“ zu den Frühling- und Herbstannalen) und Hanshu (Buch der Han – ein kanonisches Geschichtswerk zur Dynastie Westliche Han, 202 v.Chr. – 9 n.Chr.), um Ketten von Argumenten zu konstruieren. Fast keines seiner Werke ist in eine moderne Sprache übersetzt.
Auf theoretischer Seite vertrete ich die These, dass es im kaiserlichen China spätestens seit der Östlichen Han (9 – 220) nicht ein eigenständiges religiöses Feld, sondern mehrere, von Buddhisten, Daoisten, fangshi etc. ausgefüllte religiöse Felder gab, aber nur ein literarisch-(d.h. durch Schriftlichkeit bestimmtes)politisches Feld, das sich im normativen Dreieck von Kaiser, ruistischem Kanon und Literatenbeamten (und -anwärtern) ausbildete.
In das literarisch-politische Feld drang das zweifellos stets existente Religiöse im Laufe der Geschichte ununterbrochen ein, doch ließ es sich entweder in das literarisch-politische Feld integrieren oder wurde aus diesem exkludiert. Gewalt zwischen der ruistisch gebildeten Literatenbeamtenschaft auf der einen Seite und buddhistischen und daoistischen Klerikern sowie fangshi auf der anderen lassen sich als Schließungsprozesse im literarisch-politischen Feld erklären, nicht als „Konkurrenz um die Verwaltung der Heilsgüter“ (P. Bourdieu).
Beteiligung am Exzellenzcluster:
- Koordination der Arbeitsgruppe Emische und ethische Perspektiven auf Religion und Politik
- Mitglied der Arbeitsgruppe Grenzarbeiten am religiösen Feld
- Mitglied der Arbeitsgruppe Zivilreligion
- Vertreter der DoktorandInnen (Stellvertreter) im Vorstand der Graduiertenschule
- Vertreter des akademischen Mittelbaus (Stellvertreter) im Vorstand des Exzellenzclusters und in der Versammlung der HauptantragstellerInnen (Principal Investigators)
Arbeits- und Interessenschwerpunkte:
- Klassische chinesische Philosophie
- Geistesgeschichte Chinas
- Religionen Chinas, chinesische Religionspolitik
- Elitenbildung und Elitenkonflikte in China
Lehrveranstaltungen:
- Wintersemester 2008/09: „Gerechte Waffen“ im Lüshi chunqiu
- Sommersemester 2009: Klassisches Chinesisch II
- Wintersemester 2010/11: Religion, Staat und Orthodoxie im vormodernen China
Publikationen:
- „Antiklerikalismus und Exklusionsrhetorik in der Tang-Zeit: Religionspolitik im Denken Li Deyus“. In: Bochumer Jahrbuch für Ostasienwissenschaften 34 (2010), im Druck.
- „Gerechte Waffen und die Kunst des Strafens“. In: Monumenta Serica 53 (2010), im Druck.
Vorträge:
- 16. Dezember 2009: „Li Deyu und seine Rolle in der Huichang-Proskription des Buddhismus (841–846)“. Mittagsforum der Fakultät für Ostasienwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum.
- 13. Februar 2010: „‚Glückwunsch zur Zerstörung der Klöster‘ oder: Wie man einem Kaiser gratuliert“. Jahrestreffen der Arbeitsgemeinschaft junger Chinawissenschaftler/Innen (China AG) an der Humboldt-Universität zu Berlin.
- 20. April 2010: “Beamte, Kleriker und Alchemisten. Religiöse Praktiker und politische Machthaber im mittelalterlichen China“. Tag der Graduiertenschule 2010 im Exzellenzcluster "Religion und Politik" an der WWU Münster.
- 16. Juli 2010: „Exclusion and Role Performance: Policies and Polemics against Religious Personnel during the Tang Dynasty”. Biannual Conference of the European Association of Chinese Studies (EACS) in Riga.
- 26. November 2010: „Von Ministern und Herrschern. Variationen eines Motivs in Li Deyus „Beurteilungen der Geschichte“. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Chinastudien (DVCS) in Heidelberg.
- 2. Dezember 2010: „Striving for Orthodoxy: Li Deyu’s (787-850) Stance Toward Religion”. Workshop “Ritual and Scripture in the Formation of State and Religion” in Münster.
Kontakt
Michael Höckelmann M. A.Institut für Sinologie und Ostasienkunde
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