Fächer

Alte Geschichte und Numismatik

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© J. Hahn

Für die Alte Geschichte stellt die Numismatik ebenso wie die Papyrologie und die Epigraphik zunächst eine Hilfswissenschaft dar, welche den unmittelbaren Zugang zu antiken Quellen in ihrer ursprünglichen Materialität erschließt und damit Zugänge zu einer Vielzahl von althistorisch bedeutsamen Themenfeldern eröffnet. Aus Prägerecht und Prägehoheit vermag sie auf politische Machtverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen zu schließen. Die Interpretation von Münzbildern und -legenden vermittelt Erkenntnisse zur Verfassungs-, Religions- und Kulturgeschichte. Geschichtsbilder und kollektive Identitäten werden auf Münzen ausgeprägt, Traditionen bewahrt und neu geschaffen oder Zeitumständen angepasst. Münzfunde bieten unschätzbare Datierungshinweise für die Chronologie von Zerstörungshorizonten, die Okkupationsdauer von Siedlungen, lassen Rückschlüsse auf Kriegsverläufe, innere Wirren, Usurpationen und Expansion zu. Für die antike Wirtschaftsgeschichte ist die Entstehung und Ausbreitung des Münzwesens sowie die Entwicklung des Währungsumlaufes ein entscheidender Faktor, die überregionale Durchsetzung von Währungen der Indikator für die Ausbildung von Wirtschaftsräumen und eine wichtige Bedingung für die Etablierung dauerhafter mediterraner und globaler Handelsbeziehungen und hierüber zugleich ein Motor intensivierten kulturellen Austausches.

Klassische Archäologie und Numismatik

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© R. Dylka

Antike Numismatik ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem antiken Münzgeld. Sie umfasst die Wirtschafts- und Geldgeschichte, die politische Geschichte, die Religionsgeschichte, die Epigraphik sowie die Ikonographie antiker Münzen. Aufgrund dieser vielfältigen Facetten erfordert die Beschäftigung mit antiken Münzen einen interdisziplinären Ansatz. Das Fach Klassische Archäologie mit seinen ikonographischen Methoden, Fragestellungen und Kompetenzen liefert dazu einen entscheidenden Beitrag. Gerade in Münster wird der ikonographische Zugang zu antiken Münzen besonders betont und die Münze als Bildträger in den Fokus genommen. Dabei darf allerdings niemals die Primärfunktion antiker Münzen als Zahlungsmittel vergessen werden und die Münze zum reinen Bildträger reduziert werden. Ein weiteres innovatives Forschungsfeld der numismatischen Klassischen Archäologie ist die Betrachtung der Materialität von Münzen, womit die Gegenständlichkeit betont wird und die Münze nicht auf einen zweidimensionalen Bild- und Schriftträger beschränkt wird.

Byzantinistik und Numismatik

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© LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum Münster (Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif)

In der Byzantinistik werden sowohl die Kultur und die Geschichte als auch die schriftlichen und materiellen Zeugnisse des oströmischen / byzantinischen Reiches von ca. 300 n.Chr. bis ins 15. Jahrhundert untersucht. Dazu treten eine facettenreiche Literatur sowie Theologie und Philosophie. Geographisch umfasst das Forschungsgebiet den östlichen Mittelmeerraum sowie das Schwarzmeergebiet. Zu den Teildisziplinen des Faches gehört die Numismatik, welche durch die systematische Aufbereitung und Veröffentlichung von Sammlungsmaterial auf einer soliden Basis steht. Das byzantinische Geld war bis ins Hochmittelalter die „europäische“ Leitwährung, beeinflusste die Genese sowie Gestaltung einiger Zahlungssysteme und stellte einen wichtigen Faktor der vormodernen Wirtschaftssysteme dar. Aufgrund der langen Dauer des Reiches können sich nicht nur metallurgische Veränderungen, sondern auch ideologische Entwicklungen ablesen lassen.

Mittelalterliche Geschichte und Numismatik

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© LWL-Museum für Kunst und Kultur / Westfälisches Landesmuseum Münster (Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif)

Materialität, Medialität und Symbolizität mittelalterlicher Münzen rücken sie in den Fokus unterschiedlicher Teildisziplinen der mediävistischen Forschung. So zählt die Beschäftigung mit dem Sachobjekt 'Münze' in den traditionellen Kanon der Historischen Grund- bzw. Hilfswissenschaften. Als Zahlungsmittel ist sie zugleich Bezugsgegenstand wirtschafts- und währungshistorischer Forschung, der Betrieb der Münzstätten vereint rechts-, herrschafts- und technikgeschichtliche Aspekte. Die graphische Gestaltung des Gepräges schließlich macht die Münzen zur ertragreichen Quelle politischer Ikonographie. Doch nicht allein die Vielfalt disziplinärer Zugriffsweisen und Methoden kennzeichnet den "numismatischen Wald des Mittelalters" (B. Kluge). Artenreichtum offenbart auch der Blick auf die Münztypologie der Epoche. Ob karolingische Silberdenare, einseitig geprägte Hohlpfennige des Hochmittelalters oder die rivalisierenden Gold- und Silberwährungen des 14. und 15. Jahrhunderts: Die zunehmende Diversität der Münzprägung spiegelt Monetarisierung und ökonomische Differenzierung, mithin also maßgebliche Entwicklungsprozesse der mittelalterlichen Gesellschaft.

Neuere und Neuste Geschichte und Numismatik

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© Stadtmuseum Münster

Die Münz- und Geldgeschichte der Neuzeit ist ein Zweig der Wirtschaftsgeschichte und allgemeinen Kultur- und Landesgeschichte. Das Arbeitsfeld reicht von der Identifikation und Deutung von Münzen, Medaillen, Marken, Geldscheinen und weiteren numismatischen Objekten über die Auswertung von Quellen zur Münz- und Geldgeschichte – etwa von Münzfunden – bis zu geldgeschichtlichen Fragestellungen etwa zur Währungsgeschichte.
Münzen und Banknoten als staatlich autorisierte oder anerkannte Geldzeichen sind eine wichtige Quelle sowohl für das Herrschaftsverständnis der Herausgeber wie für Währungsgebiete und Wirtschaftsräume. Als Indikatoren von Geldkrisen z.B. bei Münzverschlechterungen können sie auch politische Krisen belegen. Ersatzgeld in jeglicher Form wie z.B. Marken gibt über kleinere Wirtschaftskreisläufe Aufschluss. Medaillen sind ein Medium, das in der Frühen Neuzeit nach dem Vorbild antiker Münzen der Erinnerung vor allem an Personen und Ereignisse diente und damit der Nachwelt Deutungen überliefern wollte. Es konnte zugleich ein ästhetisch anspruchsvolles Geschenk, Auszeichnung, religiöses Andenken oder Schmuck sein.

Islamwissenschaften und Arabistik

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© T. Bauer

Die Islamwissenschaft beschäftigt sich mit Kultur, Geschichte, Politik und Religion islamisch geprägter Kulturen vom 7. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Da sich Islamwissenschaftler mit einem Zeitraum von über 1300 Jahren und einem geographischen Raum von Westafrika bis Indonesien beschäftigen, sind Spezialisierungen unvermeidlich. In Münster steht der arabisch-, persisch- und türkischsprachige Raum von Mauretanien bis Afghanistan im Zentrum von Forschung und Lehre. Vielfältig wie Kultur und Geschichte des Raums ist auch die Geschichte seiner Münzen und die Bedeutung, die Münzen für die Erforschung einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit haben. Von wirtschaftsgeschichtlichem Interesse sind sie immer. Sie helfen, Zeiten des Wohlstands und Krisenzeiten zu verstehen und Handelsbeziehungen (vom Indischen Ozean einerseits bis nach Russland und Skandinavien andererseits) nachzuzeichnen. Da islamische Münzen zwar selten Bilder, aber stattdessen viel Text aufweisen und fast immer Ort und Jahr ihrer Prägung angegeben wird, sind sie auch historische Originalquellen, die die erst im Rückblick auf die Ereignisse verfassten Chroniken ergänzen, korrigieren bzw. bestätigen können. Durch ihre oft kunstreiche und raffinierte Kaligraphie sind sie auch von kunstgeschichtlichem Interesse. Vielfach sind islamische Münzen von Nachbarkulturen nachgeahmt worden und verraten damit viel über interkulturelle Beziehungen.