Prof. Dr. Martin Kintzinger


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Kontakt

Historisches Seminar
Domplatz 20-22
D-48143 Münster
Raum 143

Tel.: +49 251 83-24331
       +49 251 83-24316 (Sekretariat)
Fax: +49 251 83-24306 (        "       )

E-Mail: m.kintzinger@uni-muenster.de


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/2018

Vorlesung
080202: Das Jahrhundert der Luxemburger. Europa 1308-1437.
Di: 8-10, Raum: F 2,Beginn: 10.10.2017

Kommentar:
Eine bemerkenswerte „Karriere“ gelang dem Haus Luxemburg im Spätmittelalter: Von einem Adelsgeschlecht in der Grenzregion zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich zur Kaiserdynastie im Heiligen Römischen Reich. Von der Grafschaft, später dem Herzogtum Luxemburg bis zum Königreich Böhmen umspannte die Herrschaft der Luxemburger einen weiten Raum. Durch konsequente Interessenpolitik, eine dichte internationale Heiratsdiplomatie und vor allem den Ausgriff auf Ostmitteleuropa sowie die verfassungspolitische (Neu)gestaltung des Deutschen Reiches in der Goldenen Bulle wurden die Luxemburger zu einer gestaltenden Kraft im spätmittelalterlichen Europa. Eine vermeintliche „Siegergeschichte“ ist darin aber nicht zusehen, eher der Erfolg kluger, pragmatischer Politik, von Verhandlungsstrategie und Aushandlungsprozessen, der Vermeidung von Konflikten und der kalkulierten Risiko. Dennoch gab es widersprüchliche Strategien, die bis heute irritieren: Die Spannung zwischen der ritterlichen Kultur und Werthaltung, persönlicher Frömmigkeit und erfolgsorientierter Berechnung etwa, vielfache Seitenwechsel und Spontaneitäten oder, vor allem, das dunkle Kapitel der „Judenpolitik“ Karls IV. In der Forschung sind die Luxemburger in den letzten Jahren wieder zu einem Thema geworden, weil ost- und westeuropäische Wissenschaftstraditionen zusammengeführt werden und damit ein neues Verständnis der Ereignisse und handelnden Personen möglich wird.
Literatur:  Jörg K. Hoensch, Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung, 1308-1437, Stuttgart u.a. 2000; Heilige, Helden, Wüteriche. Herrschaftsstile der Luxemburger (1308-1437) (Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii, 41), hrsg. v. Martin Bauch u.a., Köln u.a. 2017.





Proseminar
080213: Könige und Territorialfürsten: Das römisch-deutsche Reich im Spätmittelalter
Mi:8-12; Raum: F 153, Beginn: 18.10.2017

Der Wahlgang findet statt:
von Montag, 10.07.2017, 10:00 Uhr, bis Donnerstag, 27.07.2017, 12:00 Uhr und von Montag 09.10.2017, 10:00 Uhr bis Donnerstag, 12.10.17, 12:00 Uhr, an der Aufsicht der gemeinsamen Bibliotheken (Keller Fürstenberghaus)
Bekanntgabe der Ergebnisse für den Bereich der Mittelalterlichen Geschichte und der Neueren und Neuesten Geschichte am 28.07.2017 vormittags bzw. am 13.10.2017 vormittags (am Schwarzen Brett des Historischen Seminars im Untergeschoss).

Kommentar: Fürstliche und königliche Herrschaft kannte im Mittelalter weder absolute Macht noch nationale Beschränkung. Sie war durch Konsenshandeln, innerer wie äußerer Abstimmung von Interessen, internationalen familiären Bindungen und somit von europäischer Vernetzung geprägt. An der Biographie einzelner Herrscher in bewegten Zeiten sind diese Zusammenhänge besonders deutlich zu sehen. Sie zeigen Möglichkeiten und Grenzen, Visionen und Zwänge als Herausforderungen des politischen Handelns. Erfolg und Scheitern lagen vielfach dicht nebeneinander und ihre Bewertung folgt heute vielfach anderen Maßstäben als in ihrer Zeit. Exemplarisch wird im Seminar Richard Löwenherz (1157-1199), König von England, behandelt und mit anderen Persönlichkeiten aus anderen Phasen des späteren Mittelalters verglichen, etwa mit Karl dem Kühnen (1433-1477), Herzog von Burgund. Vermittelt über einen aktuellen Zugang kontextbezogener Biographik wird so ein neuer Blick auf die Geschichte Europas möglich.

Zugleich führt das Seminar ein in das Grundwissen und die Arbeitstechniken zur Erforschung der mittelalterlichen Geschichte.

Das Seminar ist verbunden mit einer Exkursion zur Ausstellung „Richard Löwenherz. Ritter-König-Gefangener“ im Historischen Museum der Pfalz in Speyer (http://museum.speyer.de/vorschau/richard-loewenherz-koenig-ritter-gefangener/), zusammen mit dem Hauptseminar von Prof. Dr. Jan Keupp.

Literatur: John Gillingham, Richard Löwenherz. Eine Biographie. Herrsching 1990; Dieter Berg, Richard Löwenherz, Darmstadt 2007; Karl der Kühne von Burgund. Fürst zwischen europäischem Adel und der Eidgenossenschaft, hrsg. v. Rainer Schwinges u.a., Zürich 2010; Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart (4. Aufl.) 2014.



Hauptseminar
080236: Noch kein Luther: John Wycliff und Jan Hus. Reform vor der Reformation.
Do: 8-10 Uhr, Raum: F 102, Beginn: 12.10.2017

Die Anmeldelisten liegen am 17. und 18.7. jeweils 10-12 Uhr in Raum 112, vom 19.7.-28.7.,jeweils 10-12 Uhr im Sekretariat (Raum 144) aus.
Zweite Anmeldephase: Die Anmeldelisten liegen am 25.9., 10-12 Uhr in Raum 112, vom 26.9.-6. 10., jeweils 10-12 Uhr im Sekretariat (Raum 144) aus.

Kommentar: Die inszenierte Erinnerung im „Lutherjahr 2017“ hat zu vielfachen Aktualisierungen und Historisierungen des Reformators geführt. Zwischen den Zuschreibungen des modernen Erneuerers und des mittelalterlichen Mönchs bleiben viele Deutungen möglich. Das Seminar folgt dem auch 2017 noch vielfach übersehenen Ansatz, Luther als gelehrten Ordensmann aus den intellektuellen und reformpolitischen Tendenzen seiner Zeit zu erfassen. Zwischen Gelehrtendiskurs, theologischem Reformprogramm und herrschaftlicher Kirchenpolitik fand sich Luther in ganz ähnlichem Interessengeflecht wie hundert Jahre zuvor der böhmische Reformator und Universitätslehrer Jan Hus und nochmals hundert Jahre früher der gelehrte englische Pfarrer Johan Wyclif. Es war den günstigen Umständen seiner Zeit zu verdanken, dass Luther nicht wie diese als Häretiker zum Schweigen gebracht oder sogar hingerichtet worden ist. Die überraschenden Analogien wie die Abweichungen zwischen den Thesen der drei Reformatoren und die Parallelen und Unterschiede der Zeitumstände ihres Handelns sollen untersucht werden, um die Wirkung gelehrten reformerischen Denkens und Diskurses im Spätmittelalter im Vergleich genauer zu verstehen.
Literatur: Stephen E. Lahey, John Wyclif (Great medieval thinkers), Oxford 2009; A Companion to John Wyclif. Late Medieval Theologian, hrsg. v. Ian Christopher Levy (...), Leiden u.a. 2006; Thomas A. Fudge, Jan Hus between time and eternity: reconsidering a medieval heretic, Lanham 2016; Volker Leppin, Die Reformation, Darmstadt (2. Aufl.) 2017.



Forschungskolloquium
080282: 400-1500. Forschungskolloquium Mittelalter
Mi: 18-20 Uhr, Raum: F 3, Beginn: 1. Vorlesungswoche

 

Eine Gesamtübersicht über die Veranstaltungen von Prof. Dr. Martin Kintzinger findet sich hier ...