DFG-Projekt "Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli (1917-1929)"

vor_dem_DHI

Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. (1939-1958), ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts – für die einen „Hitler’s Pope“ (John Cornwell), für die anderen „größter jemals lebender Wohltäter des jüdischen Volkes“ (Pinchas Lapide). Dass Pacelli bereits als Nuntius in Deutschland von 1917 bis 1929 und dann als Kardinalstaatssekretär bis zu seiner Papstwahl am 2. März 1939 die vatikanische Politik maßgeblich mitbestimmte, wird bei der Einordnung seines „Schweigens“ zum Holocaust meist nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei dürften gerade die zwölf deutschen Jahre seine personellen Netzwerke, seine Wahrnehmungs- und Handlungsmuster und damit auch seine Politik als Papst besonders auch gegenüber dem „Dritten Reich“ entscheidend geprägt haben.

Seit Februar 2003 bzw. September 2006 sind im Vatikanischen Geheimarchiv die detaillierten Berichte zugänglich, die Pacelli Tag für Tag, manchmal sogar mehrmals täglich, als Nuntius von München und Berlin – der Drehscheibe vatikanischer Europa- und Weltpolitik – nach Rom sandte. Diese Berichte eröffnen eine neue Perspektive auf die Entwicklung und die Rolle der katholischen Kirche in der Weimarer Republik, aber auch auf Politik und Alltagskultur dieser Jahre in Deutschland und Europa. Pacellis Nuntiaturberichte stellen das wichtigste zusammenhängende Quellenkorpus zum deutschen Katholizismus der Weimarer Zeit dar. Sie sollen in Zusammenarbeit mit dem Vatikanischen Geheimarchiv und dem Deutschen Historischen Institut Rom komplett mit Anlagen erfasst, kritisch ediert, kommentiert, ausgewertet und Wissenschaftlern ebenso wie einer breiteren Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht werden. Die DFG hat das Projekt zum 1. Januar 2008 in seine Förderung für Langfristvorhaben aufgenommen. Die Laufzeit soll zwölf Jahre umfassen.

Weitere Informationen und die Online-Datenbank finden Sie auf der Projekthomepage unter www.pacelli-edition.de.