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1951 – Louis Ferdinand Prinz von Preussen wird Chef des Hauses Hohenzollern

Am 20. Juli 1951 stirbt Ex-Kronprinz Wilhelm, der Sohn Wilhelms II., an dessen Stelle nun Louis Ferdinand als Chef des Hauses Hohenzollern tritt. Für die Hohenzollern stellt dies einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung dar: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte das Haus mehrere Berater angestellt, um das öffentliche Bild der Hohenzollern positiv zu beeinflussen. So skizziert Stefan Malinowski die Entwicklung eines Narrativs, das Louis Ferdinand als Teil der konspirativen Elite des Widerstands gegen den Nationalsozialismus darstellt und die Familie des letzten deutschen Kaisers sogar in die Nähe der Attentäter des 20. Julis rückt. Wissenschaftlich zwar unhaltbar, wurde diese Selbsterzählung erfolgreich in der Nachkriegsgesellschaft verankert.

Der Ex-Kronprinz konnte dieses Narrativ für sich nicht so recht nutzbar machen. Zwar gab er deutschen und internationalen Zeitungen und Magazinen zahlreiche Interviews, von seinen Gesprächspartner:innen wurde er jedoch meist kritisch betrachtet oder wenig ernst genommen. Hinzu kam, dass sich Wilhelm den Journalist:innen, sogar bei Homestories, nicht mit seiner Ehefrau, sondern verschiedenen anderen Partnerinnen zeigte, womit er sich auch in konservativen Kreisen als Thronanwärter unmöglich machte.

Louis Ferdinand wusste sich nach dem Tod seines Vaters vorteilhafter zu präsentieren. Wie sein Vater waren auch Louis Ferdinand und seine Familie in der Boulevard-Presse sehr präsent. Er betonte aber seine Beziehungen in die USA und seine Freundschaft zu Henry Ford. Einer seiner Söhne heiratete die Tochter der Guinness-Familie, seine Tochter einen amerikanischen Architekten – diese medienwirksam inszenierten Hochzeiten bedienten das Narrativ einer innerfamiliären Zeitenwende.

Gleichzeitig versuchten konservative Milieus in den 1950er Jahren, ein positiv überhöhtes Preußenbild zu etablieren, um den Nationalsozialismus als bloße Episode aus der deutschen Erinnerung zu verdrängen. Die Hohenzollern dienten diesem Narrativ als Darsteller:innen. So fanden auf dem Familiensitz Burg Hechingen – öffentlichkeitswirksam inszeniert – zahlreiche Vortragsabende und Konzerte statt. Von Politik und Wirtschaft zu Veranstaltungen geladen demonstrierte Louis Ferdinand die Vereinbarkeit von Konservatismus und Demokratie, da er einerseits die preußische Vergangenheit, andererseits aber durch seine guten Beziehungen in die USA die „Westbindung“ des Hauses verkörperte.

Trotz des öffentlichen Bekenntnisses zur Demokratie wurde von Seiten der Hohenzollern bis in die 1990er Jahre eine Wiederherstellung der Monarchie nicht ausgeschlossen. Louis Ferdinand stand stets für den Thron bereit. Dies zeigt sich schon Anfang der 1950er Jahre: Die niederländische Regierung hatte nach Ende des Zweiten Weltkriegs deutschen Besitz als „Feindvermögen“ enteignet, so auch Huis Doorn, den Altersitz Wilhelms II. Nachdem sich sein Vater bereits vergeblich um eine Rückerstattung bemüht hatte, machte Louis Ferdinand 1951 einen weiteren Vorstoß und wies – so Jacco Pekelder – in diesem Zusammenhang darauf hin, dass signifikante Kreise in Westdeutschland an der Errichtung einer parlamentarischen Monarchie arbeiteten. Staatsoberhaupt sei in diesem Fall Louis Ferdinand und die Niederlande könnten im Falle einer Rückgabe von Huis Doorn mit besonderen Sympathien seitens des neuen Monarchen rechnen. Die Rückgabe wurde abgelehnt, Huis Doorn ist heute als Museum öffentlich zugänglich. Auch in den folgenden Jahrzehnten spielte Louis Ferdinand – in der Regel mit selbstironischem Unterton – mit seiner herausgehobenen Stellung.

Eher eine Fußnote der Geschichte, aber im Zusammenhang der Namensdebatte der Universität Münster 1950/52 vielleicht interessant, ist, dass sich um Louis Ferdinand Anfang der 1950er Jahre sehr aktive monarchistischen Kreisen scharten, die ihn 1954 sogar als Gegenkandidat von Theodor Heuss bei der Neuwahl des Bundespräsidenten ins Gespräch brachten. Diesen monarchistischen Kreisen ist auch der Erlanger Religionshistoriker Hans Joachim Schoeps zuzurechnen, der, nachdem er 1951 mit seinem Buch „Die Ehre Preußens“ sehr erfolgreich war, 1953 die Schrift „Kommt die Monarchie? Wege zu neuer Ordnung im Massenzeitalter“ veröffentlichte. Dort analysierte Schoeps die bestehende Situation und erläuterte die Umstände, unter denen es zu einer Wiedereinführung der Monarchie kommen könnte. Die von ihm ohne Quellenbeleg angeführte Meinungsumfrage, nach der 30 – 35% der befragten Personen für eine Wiedereinführung der Monarchie stimmen würden (am 3. März 1954 ebenfalls im Schoeps gewidmeten Artikel „Die Ehre Preußens“ in "Der Spiegel", S. 6 abgedruckt), wird seither immer wieder zitiert.

Literatur:

Malinowski, Stefan: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Berlin 2021.

Pekelder, Jacco et al.: Der Kaiser und das „Dritte Reich“. Die Hohenzollern zwischen Restauration und Nationalsozialismus. Göttingen 2021.

Sabrow, Martin: Die Hohenzollern und die Demokratie nach 1918 (II), online aufrufbar unter https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/324802/die-hohenzollern-und-die-demokratie-nach-1918-ii

Schoeps, Hans Joachim: Kommt die Monarchie? Wege zu neuer Ordnung im Massenzeitalter. Ulm 1953.