
Wer erzählt, bestimmt den Blick. Erzählinstanz und Demokratiebildung
Marie Epping | Seminar

Marie Epping | Seminar
Die Lehrveranstaltung geht von der Prämisse aus, dass Erzählen nie neutral ist: Literarische Texte wählen aus, strukturieren und ordnen Wirklichkeit und lenken so Wahrnehmung und Deutung. Diese Lenkung von Wahrnehmung und Deutung zeigt sich insbesondere im Zusammenspiel von Erzählinstanz und Fokalisierung. Durch sie wird vorgegeben, wer spricht, wessen Wahrnehmung das Geschehen prägt und welche Stimmen sichtbar gemacht oder ausgeblendet werden.
Das Seminar führt zunächst in zentrale narratologische Kategorien ein. In den Blick genommen wird unter anderem, wie Perspektive erzeugt oder begrenzt wird und welche Effekte von Nähe, Distanz und Irritation daraus entstehen. Leitende Fragen werden sein: Wer hat die Deutungshoheit im Text? Wie wird die Wahrnehmung gelenkt? Woran zeigt sich unzuverlässiges Erzählen, und inwiefern fordert es dazu auf, Annahmen zu prüfen? Das Besondere literarischer Texte liegt darin, dass sie die Begrenzung und Gemachtheit von Perspektive selbst sichtbar werden lassen. Damit lässt sich das Seminar auch im Kontext der Demokratiebildung verorten, insofern es dazu anregt, Narrative als Konstruktionen zu lesen und Perspektivgebundenheit zu erkennen.