Wissen Sie, was die Abkürzungen SoN und MEET bedeuten? Welche Exponate enthält die Anatomische Sammlung und was wächst im Arzneipflanzengarten? Waren Sie schon einmal in der Mitte der Limette und was erzählen die historischen Gebäude der Universität Münster?
Eine Volluniversität wie die Universität Münster bietet viel Wissenswertes, Unbekanntes und so einige Überraschungen: Dies können Sie bei den After Work-Expeditionen (Flyer) erleben. Sie ermöglichen Ihnen den Blick über den Tellerrand Ihres eigenen Tätigkeitsbereiches und geben Einblicke in die Arbeit der über 5.000 Wissenschaftler*innen und knapp 2.000 Beschäftigten in Technik und Verwaltung.
Bei Ausflügen zu abwechslungsreichen, spannenden und einzigartigen Wissenschaftsorten der Universität Münster können Sie sich über aktuelle Forschungsthemen und die Vielfalt der Fachbereiche informieren. Dabei haben Sie die Gelegenheit, mit Kolleg*innen aus anderen Arbeitsbereichen ins Gespräch zu kommen und nebenbei auf ungezwungene Art und Weise Ihr Wissen über Forschung, Lehre und Transfer an der Universität Münster zu erweitern.
Die After-Work-Expeditionen sind eine Initiative Abteilung Wissens- und Technologietransfer (WiT) und der Personalentwicklung der Universität Münster.
Organisatorisches
Die Exkursionen findet ein Mal pro Semester statt.
Dauer: ca. 3 bis 4 Stunden
Teilnehmerzahl: max. 20 Personen
Zielgruppe: Primär in den vergangenen zwei Jahren neu eingestellte Beschäftigte. Sofern noch freie Plätze verfügbar sind, können auch weitere interessierte Beschäftigte teilnehmen.
Über die nächste After-Work-Expedition - voraussichtlich im Frühjahr 2027 - werden Sie hier informiert.
Vergangene Expeditionen
After-Work-Expedition - Oktober 2026
Kunst auf dem Campus – Ein anderer Blick auf Wissenschaft und Forschung
Die sechste After-Work-Expedition (AWE) am 08.10.2026 widmete sich Wissenschaft aus einem anderen Blickwinkel, und zwar in ihrer Verbindung zur Kunst. An der Uni Münster gibt es viele Beispiele für Kunst in und an Gebäuden, bei denen sich genaues Hinschauen lohnt, die jedoch vielen Mitarbeitenden unbekannt sind. Daher führte diese After-Work-Expedition zu drei verschiedenen Stationen, die dazu einluden, mit Kunstwerken einen anderen Blick auf Wissenschaft und Forschung zu werfen. Die Teilnehmer*innen erhielten die Möglichkeit, unter der fachlichen Begleitung von Dr. Eckhard Kluth, Leiter der Zentralen Kustodie und des Kulturbüros der Uni Münster, mehrere in Universitätsgebäuden versteckte Kunstwerke zu entdecken, von ihrer Entstehungsgeschichte zu erfahren und selbst auf Erkundung zu gehen.
Die 20 Teilnehmer*innen trafen sich an der ersten Station, dem Geo I, an der Dr. Eckhard Kluth in das Thema Kunst an der Uni einführte. Beim Bau des Geo I im Jahr 2012 unter der Federführung des BLB NRW wurden im Rahmen des Kunst-und-Bau-Programms mehrere Künstler*innen eingeladen, Vorschläge zur Gestaltung einer hohen weißen Wand im lichtdurchfluteten, modernen Gebäude zu entwickeln. Künstlerin Nicole Schuck, die den Zuschlag erhielt, beschäftigte sich – passend zur dort ansässigen Fachrichtung Geographie – mit der Frage: „Was heißt es, die Erde zeichnend in Besitz zu nehmen?“. Das Kunstwerk „Bewohnen – Zeittiere und 910 Einwohner je km²“ (2012) umfasst zwei Wandzeichnungen mit Bleistift von 6 m x 8 m sowie 2 m x 2 m, die mittels Hebebühnen von drei Leuten angefertigt wurden. „Ich stelle jetzt ein paar Kunstlehrer-Fragen“, witzelte Eckhardt Kluth und ließ die Teilnehmer*innen entdecken, dass die Zeichnungen auf jeder Etage des mehrstöckigen Treppenhauses anders wirken. Das beeindruckende große Werk ahmt das Gefieder einer Bekassine nach, durchzogen von den wichtigsten Straßen im Süden Münsters, wo sich mit dem Venner Moor ein Lebensraum der Bekassine befindet. Vor dem Erstellen der Werke betrieb Nicole Schuck künstlerische Forschung und entwickelte Ideen und Bilder aus Gesprächen mit dem BUND, NaBu und Wissenschaftler*innen heraus.
Vom GEO I führte der Weg weiter ins Multiscale Imaging Centre (MIC), in dem Wissenschaftler*innen mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen und erforschen, wie sich Zellen im Körper verhalten. Hier ließ Doris Niederhoff, Referentin für Wissenschaftskommunikation, die Teilnehmer*innen farbenfrohe Bilder von Körpern und Körperbestandteilen wie Zellen und Geweben interaktiv entdecken – Bilder, die in der Forschung im MIC entstanden sind und die in der Ausstellung „unSICHTBAR“ im Foyer des Forschungsgebäudes zugänglich sind. Von dort aus kam das Gespräch mit den Teilnehmer*innen auf die verschiedenen bildgebenden Verfahren, mit denen diese Bilder entstehen – und nicht zuletzt auf die Verbindung zwischen der Forschung im MIC und der Installation „Auf | Lösung“, die sich dort über eine zwölf Meter hohe Wand erstreckt. Gemeinsam assoziierten die Teilnehmer*innen zu dem Werk der Künstlerin Cordula Hesselbarth, bestehend aus ca. 17.000 organisch angeordneten Löchern und 3D-Elementen, weiß auf weiß, in denen je nach Blickwinkel und im Spiel aus Licht und Schatten die Silhouette eines Menschen sichtbar wird. Im Gespräch wurden verschiedene Analogien zur biomedizinischen Bildgebung deutlich: Ähnlich wie auf dem Relief durch Licht und Schatten entstehen biomedizinische Bilder durch künstlich erzeugte Signale – etwa Licht, Schall oder Strahlung. Diese werden mithilfe unterschiedlicher Technologien gemessen und in Bilder übersetzt. Die Teilnehmer*innen erlebten außerdem, wie sich die Wahrnehmung mit unterschiedlicher Entfernung oder Nähe zum Kunstwerk verändert. In der Nähe sind einzelne Bestandteile deutlich sichtbar, es lässt sich aber nur ein Ausschnitt des Körpers betrachten – wie mit hochaufgelöster Mikroskopie. Aus der Entfernung sieht man den Organismus als Ganzes, aber nicht seine einzelnen Bausteine – wie mit Verfahren der Ganzkörperbildgebung. Erst in der Kombination der unterschiedlichen Dimensionen – die Wissenschaftler nennen dies „multiskalige Bildgebung“ – wird verständlich, wie die Funktion einzelner Zellen und des ganzen Körpers zusammenhängt.
Die dritte Station befand sich in der Fliednerstraße 21, einem Bau aus den 60er Jahren im Stil des Brutalismus – als Sitz der Evangelischen Pädagogischen Hochschule geplant, sind hier heute die psychologischen Institute zuhause. Im Gebäude erkennbar ist noch das ursprüngliche Leitsystem, das über Farbkodierungen funktionierte. Auch hier lassen sich mehrere, ganz unterschiedliche Kunstwerke finden. So zeigt etwa ein goldener, unregelmäßiger großer Farbfleck am Ende eines grauen Korridors, wie sehr er die Wahrnehmung des Ganges verändert. Dazu passend gab es in der Psychologie eine Professur, die sich mit ästhetischer Wahrnehmung beschäftigte. In der Bibliothek ziert ein buntes Buchstabenwerk die Wände, das zum Lesen einlädt, aber unlesbar bleibt und sich der kognitiven Wahrnehmung entzieht. Und sowohl prominent als auch zugleich unscheinbar befindet sich im Treppenhaus das „Modell Fliednerstrasse 21“ von Carsten Gliese: Aus Fotos von Architekturmotiven des Gebäudes entwickelte er kleine Pappmodelle, die er nochmal fotografierte und dann als überdimensionale „Tapeten“ auf Foyerwände im 1. Obergeschoss anbringen ließ. Wo vorher nackte weiße Wände waren, öffnet die perspektivische Wirkung der eigentlich zweidimensionalen Fotos den Raum.
Ein großer Dank gilt Doris Niederhoff und Dr. Eckard Kluth für das große Engagement bei der Planung und Durchführung der Expedition und die so spannende, kurzweilige fachliche Begleitung sowie den Teilnehmer*innen für ihre interessierten Rückfragen, die damit maßgeblich zum Gelingen der Expedition beigetragen haben.
Die fünfte After-Work-Expedition (AWE) am 07.05.2026 führte zur Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB). Die Universitäts- und Landesbibliothek Münster zählt zu den größten Bibliotheken Deutschlands. Sie versorgt Forschung, Lehre und Studium der Universität mit Literatur und Information. Als Landesbibliothek beschafft, erschließt und bewahrt sie Literatur und Informationen aus und über Westfalen.
Die 17 Teilnehmer*innen trafen sich zur Begrüßung und Vorstellungsrunde vor der ULB, in dessen Rahmen Holger Przibytzin als Referatsleiter Forschung und Entwicklung einige allgemeine Informationen zur ULB gab. Von dort aus ging es zum ersten Teil der Expedition: die Vorstellung der historischen Bestände.
Dr. Henning Dreyling, Leiter des Dez. 3 Historische Bestände, gab einen Abriss über die Geschichte der ULB, die Buchbestände aus den letzten Jahrhunderten und ihre verschiedenen Wege in die ULB sowie und deren historische Bestände. So verfügt die ULB neben Büchern auch über weitere seltene Materialien, u.a. über Gemälde, Nachlässe oder Glasplatten. Ohne den Luftangriff 1945, in dem die Bibliothek zwei Drittel ihrer Bestände verloren hat, wäre die ULB die größte Büchersammlung Deutschlands gewesen. Um eine häufige Nutzung zu verhindern und sie zu schützen, werden die historischen Bestände digitalisiert und grundsätzlich ausschließlich digital zur Verfügung gestellt. Dies galt jedoch nicht für die Teilnehmer*innen der AWE an diesem Tag: Dr. Henning Dreyling hatte mehrere Schätze des Hauses mitgebracht, die in die Hand genommen und bewundert werden konnten. Dazu gehörte eine alte Handschrift, ein Totenbuch aus dem 11. Jahrhundert, ein mit Gold verziertes Messbuch von 1420 – eine sogenannte Prunkhandschrift im Wert von mehreren Millionen Euro, ein Gebetsbuch aus dem 14. Jahrhundert, ein Brief von Goethe, ein signierter Sonderdruck mit einem Aufsatz von Alan Turing, ein Besucherbuch vom Schloss Marienburg mit einer Originalhandschrift von Adolf Hitler und einiges mehr.
Gestärkt mit Kaffee und Keksen folgte der zweite Teil, in dem Dr. Christian Wachter, Leiter des Service Center for Digital Humanities (SCDH), die Arbeiten des SCDH präsentierte. Im SCDH arbeiten Expert*innen aus den (digitalen) Geisteswissenschaften mit Research Software Engineers (Softwareentwicklern) eng zusammen, um DH-Tools zu konfigurieren, zu adaptieren und weiterzuentwickeln. Ziele sind sowohl projektspezifische Lösungen als auch generische, benutzerfreundliche DH-Dienste. Was zunächst schwer zugänglich klingt, wurde verständlich gemacht: Das elfköpfige, interdisziplinär aufgestellte Team des SCDH beschäftigt sich im Kern damit, digitale Verfahren in den Geisteswissenschaften anzuwenden. Dies geschieht u.a. in Projektkooperationen, so auch mit der ULB. Ein anschauliches, spannendes Beispiel dafür ist die Heinrich Scholz Digital Edition. Der umfangreiche Nachlass von Heinrich Scholz umfasst u.a. Vorlesungen, Notizen, Manuskripte, Briefe, Fotos, Rezensionen – allesamt auf Papier. Diese Nachlasssammlung wird mithilfe des SCDH für die Forschung (besser) nutzbar gemacht. Dies umfasst mehrere Arbeitsschritte: Nachlasserschließung, Katalogisierung, Digitalisierung, Texterkennung, Edition bzw. Textannotation und digitale Präsentation. In Zahlen: Der komplette Nachlass umfasst 2.286 Nachlasselemente und 110.000 Scans.
In beiden Teilen zeugten die vielen interessierten, angeregten Nachfragen der Teilnehmer*innen sowie die sich daraus entwickelnden lebhaften Gespräche vom großen Interesse an den historischen Beständen und der Arbeit des SCDH.
Ein großer Dank gilt Holger Przibytzin für die Mitorganisation der After-Work-Expedition, Dr. Henning Dreyling für die spannenden Informationen und die Gelegenheit, wertvolle Werke exklusiv im Original betrachten zu können, sowie Dr. Christian Wachter für den informativen Einblick in das SCDH und die konkrete Projektarbeit.
Die vierte After-Work-Expedition am 29.10.2025 führte in die Welt der Mathematik. Für die 18 Teilnehmer*innen stand als erste Station ein Besuch im Exzellenzcluster „Mathematik Münster: Dynamik – Geometrie – Struktur“ an. Mathematik Münster wird seit 2019 im Rahmen der DFG-Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder als Exzellenzcluster an der Universität Münster gefördert und hat in diesem Jahr die Zusage für die zweite Förderperiode von sieben Jahren ab 2026 erhalten.
Im sogenannten Common Room begrüßten die beiden Clustersprecher Prof. Dr. Thomas Nikolaus und Prof. Dr. Mario Ohlberger die Teilnehmer*innen, die hier direkt ein Gespür für das Wesen des Clusters bekommen konnten: große grüne, eine lange Wand bedeckende und mit mathematischen Formeln beschriebene Kreidetafeln, munteres Treiben und englischsprachige Gespräche rund um die Kaffeemaschine. „Wer sich hier einen Kaffee holt, muss ihn auch hier trinken“, erklärte Prof. Mario Ohlberger. „Wir wollen den Austausch zwischen unseren Mitgliedern, die in verschiedenen Bereichen der Mathematik forschen, fördern.“ In einem anschaulichen Vortrag gaben die beiden Mathematiker spannende Einblicke in Aufbau und Arbeit des Clusters. Der Cluster treibt Spitzenforschung voran, indem er einen integrativen Ansatz verfolgt, um grundlegende Probleme in verschiedenen mathematischen Disziplinen zu lösen. Dazu forschen rund 200 Mathematiker*innen, Internationalität ist zentral: 39 % der Forschenden haben einen internationalen Hintergrund und stammen aus gut 30 Ländern. Mit Erfolg: Der Cluster ist die Nummer 1 im DFG-Förderatlas und im Shanghai-Ranking unter den TOP 100 im Bereich Mathematik weltweit, veröffentlicht jährlich über 150 Publikationen, erhält weitere Förderungen (für einen Sonderforschungsbereich, das Graduiertenkolleg und das Centre for Mathematics Münster/CMM) und in den letzten Jahren konnten mehrere Clustermitglieder renommierte Wissenschaftspreise gewinnen.
Besonderheiten und erklärte Ziele des Clusters sind neben dem ganzheitlichen Ansatz und der großen Bandbreite an erforschten mathematischen Themen die Verbindung verschiedener mathematischer Felder (Brücken bauen zwischen mathematischen Disziplinen – auch durch „Bridging the Gaps“-Professuren), die Nachwuchsförderung von Doktorand*innen und Postdocs sowie das Fördern von Chancengleichheit und Vielfalt, etwa durch das Abbauen von Barrieren mithilfe des Young African Mathematician Programm, Talentförderung sowie Angebote zur Schaffung von Begegnung und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Neben Zahlen und Fakten lernten die Teilnehmer*innen nebenbei auch den Unterschied zwischen dem Rechnen, wie man es aus der Schule kennt, und mathematischer Forschung: „Forschung will zum Beispiel abstrakte mathematische Begriffe verstehen“, erläuterte Prof. Nikolaus, dessen Forschungsbereich in der theoretischen Mathematik liegt. Prof. Mario Ohlberger, Inhaber einer Professur für Angewandte Mathematik, wies zudem auf die enge Verbindung zwischen Natur und Mathematik hin. „Warum haben wir ein Zehnersystem? Weil der Mensch zehn Finger hat“, erklärte er. Anschaulich stellte Mario Ohlberger beispielhafte Forschungsprojekte aus der angewandten Mathematik dar, die in der Medizin und Wirtschaft Anwendung finden. Zudem leistet der Cluster durch Projektkooperationen Transfer in die Wirtschaft und durch vielfältige Wissenschaftskommunikationsangebote auch Transfer in die Gesellschaft.
Nach Kaffee und Kuchen und einem angeregten Austausch führte der Weg zur nebenan gelegenen Baustelle des Forschungsbaus des Centre for Mathematics Münster, kurz CMM. Christian Brandner von Dezernat 7.1 (Planen und Bauen) und zuständig für die Betreuung der Baustelle führte die mit Sicherheitsschuhen, Warnwesten und Helmen ausgerüsteten Teilnehmer*innen durch den beeindruckenden Rohbau. Das Forschungszentrum CMM soll im März 2027 eröffnet werden, geplanter Bauschluss ist August 2026, die Kosten belaufen sich auf 39 Mio. Euro. Finanziert wird das Gebäude aus Fördermitteln für „Forschungsbauten“ von Bund und Ländern sowie des Bau- und Liegenschaftsbetriebs Nordrhein-Westfalen (BLB NRW). Im CMM sollen mathematische Kooperationen durch Interaktionsprogramme, Konferenzen und Coworking-Spaces gefördert werden, um mathematische Spitzenforschung nachhaltig in Münster zu verankern. Dass Interaktion und Kommunikation im Vordergrund stehen sollen, spiegelt sich klar in der Architektur und dem offenen Konzept des fünfgeschossigen Gebäudes wider. Besonders eindrucksvoll: Ein großes Atrium mit Sitztreppe im Eingangsbereich, das später eine Glaskuppel bekommt. Gerade in diesem Konzept liegen einige bauliche Herausforderungen, führte Christian Brandner aus: „Durch die ungewöhnlich großen offenen Flächen sieht zum Beispiel der Brandschutz bestimmte Vorgaben vor. Da es wenig Brandschutztüren gibt, ist eine Sprinkleranlage unbedingt notwendig.“ Eine Gruppe von Mathematiker*innen, darunter auch der die Baustellenführung begleitende Prof. Ohlberger, sind eng in die Planung und Gestaltung des neuen Forschungsbaus eingebunden.
Ein großer Dank gilt Victoria Liesche, zuständig für Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit am Exzellenzcluster Mathematik Münster, für die Mitorganisation der After-Work-Expedition, den beiden Clustersprechern Prof. Mario Ohlberger und Prof. Thomas Nikolaus für die kurzweiligen und hochinformativen Vorträge, Christian Brandner für die exklusive Baustellenführung sowie allen weiteren Beteiligten, die den Teilnehmer*innen der After-Work-Expedition diese spannenden Einblicke in die Welt der Mathematik an der Uni Münster ermöglichten.
Die dritte After-Work-Expedition am 5. März 2025 stand unter dem Rahmenthema „Ausbildung an der Uni Münster“. Bei bestem Frühlingswetter trafen sich die 21 Teilnehmer*innen an der ersten Station, der Geowissenschaftlichen Präparationswerkstatt. Thomas Böckenholt führte als stellvertretender Leiter der Abteilung für Personalentwicklung und Zuständiger für alle Belange rund um Ausbildungen an der Uni Münster in dieses häufig unterschätzte Feld ein. „Die Uni wird immer mit Studium und Forschung verknüpft. Jedoch bietet sie auch vielfältige Ausbildungen an – ein Aspekt, der im Wissenschaftsbetrieb häufig wenig Beachtung findet, aber in der heutigen Zeit stetig an Relevanz gewinnt.“ Ganze 22 Ausbildungsberufe mit insgesamt 154 Ausbildungsplätzen bietet die Universität Münster an, die von 104 Ausbilder*innen in 68 Einrichtungen betreut werden. Zurzeit sind 132 Auszubildende beschäftigt.
In der Geowissenschaftlichen Präparationswerkstatt gab Ausbilderin Davina Mathijssen zunächst Hintergrundinformationen zum Tätigkeitsfeld: „Wir sind ein Nischenberuf. Wir sind die, die hinter den Kulissen von Museen wuseln.“ Die Ausbildung zum/zur Geowissenschaftlichen Präparator*in gibt es insgesamt nur drei Mal in Deutschland – und ist in Münster genau genommen keine klassische Ausbildung, sondern es besteht ein sogenanntes Anlernverhältnis. Die jeweils drei parallel arbeitenden Auszubildenden (jeweils eine*r pro Ausbildungsjahr) besuchen keine Berufsschule, sondern nehmen stattdessen an Vorlesungen und Seminaren des Instituts für Geologie und Paläontologie teil. Auch die Abschlussprüfung erfolgt vor Professor*innen des FB 14. Durch diese einzigartige Kombination werden Wissenschaft und Ausbildung vereint, generell ist die Zusammenarbeit mit dem Institut sehr eng. So geben Wissenschaftler*innen ihre Funde an die Werkstatt, die dort je nach Bedarf präpariert werden. Davina Mathijssen und Auszubildende Sarah Knobloch führten die Teilnehmer*innen der Expedition in zwei Gruppen durch die Räumlichkeiten und erläuterten typische Arbeiten wie die Feinpräparation, bei der Fossilien aus Steinen entfernt werden, oder das Erstellen von Dünnschliffen zur Betrachtung unter dem Mikroskop.
Eine klassische Ausbildung stellte Abteilungsleiter Frederik Henrichmann mit Team in der nahgelegenen Feinmechanischen Werkstatt des Instituts für Anorganische und Analytische Chemie vor. Die Ausbildung zum/zur Feinmechaniker*in dauert dreieinhalb Jahre, begleitend wird die Berufsschule besucht. Auch hier besteht ein enger Bezug zum Institut für Anorganische und Analytische Chemie: „Die Chemiker*innen kommen mit einer Idee, die Werkstatt setzt dies dann in enger Zusammenarbeit mit den Wissenschaftler*innen um“, führte Frederik Henrichmann aus. Er demonstrierte einige Gesellenstücke der Auszubildenden. Die Besonderheit hier: Die gebauten Modelle haben einen Forschungsbezug und sind Einzelstücke, die es nicht zu kaufen gibt. Insgesamt gibt es neun feinmechanische Werkstätten verschiedener Institute, der Bedarf an der Uni ist hoch. Auch die Qualität spielt eine Rolle: „Hochwertige feinmechanische Werkstätten haben eine große Relevanz für qualitative Wissenschaft und Forschung“, berichtete Thomas Böckenholt. „Die Ausstattung einer Werkstatt ist auch schon einmal Teil von Berufsverhandlungen.“ Anschließend demonstrierte der Auszubildende Max Wuttke die Arbeit an einer CNC-Drehmaschine, Frederik Henrichmann eine Wasserstrahlschneidemaschine und Mitarbeiter Patrick Pelka eine CNC-Fräse für weiche Metalle.
Als letzte Station besuchte die Gruppe die Schreinerei, in der neben vier Gesell*innen ein/e Auszubildend*in tätig sind. Leiter Stefan Thiemann beschrieb die typischen Abläufe in der Schreinerei, etwa den Zuschnitt von Platten und die Nutzung der Korpuspresse. Das Auftragsspektrum seitens der Universität ist vielfältig und reicht von Schränken für den Hochschulsport über Schallschutztüren und maßangefertigten Teeküchen bis hin zur Innenausstattung des Gästehauses in Rothenberge/Wettringen. „Wir haben sehr viele Aufträge und sind für ein halbes Jahr immer voll ausgebucht, dazu kommen noch spontane Sonderaufträge.“ Die Ausbildung zum/zur Tischler*in dauert drei Jahre und wird in Kombination mit der Berufsschule absolviert.
In allen drei Stationen zeugten die vielen interessierten, angeregten Nachfragen der Teilnehmer*innen an die Ausbilder*innen und Auszubildenden sowie die sich daraus entwickelnden lebhaften Gespräche vom großen Interesse an den Inhalten und Abläufen der jeweiligen Ausbildung; auch das strahlende Frühlingswetter trug zur guten Stimmung während dieser Expedition bei.
Ein großer Dank gilt allen Mitwirkenden, die den Teilnehmer*innen der After-Work-Expedition mit ihren kurzweiligen, hochinformativen Führungen und Kurzvorträgen diese spannenden Einblicke in drei verschiedene Ausbildungsberufe an der Uni Münster ermöglichten.
Von Nähtraining, VR-Brillen, Simulationspatient*innen und Krankenhausbetten
Die After-Work-Expedition (AWE) am 20. März 2024 führte insgesamt 17 Teilnehmer*innen in zwei zentrale Einrichtungen der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Als erste Station stand die „Limette“ auf dem Programm, das seit 2017 bestehende „Lernzentrum für individualisiertes medizinisches Tätigkeitstraining & Entwicklung“. Mit einem Kaffee in der Hand konnten sich die fachfremden Besucher*innen zunächst einen eigenen Eindruck der imposanten Einrichtung schaffen und die modernen Räumlichkeiten auf sich wirken lassen. Dann präsentierten Dr. med. Helmut Ahrens, der medizinische Leiter der Limette, und Raphael Doll von der organisatorischen Leitung die Limette unterhaltsam und anschaulich, unter anderem mit Lautsprecherdurchsagen zur Demonstration der typischen Abläufe.
Die Limette umfasst insgesamt 24 mit Lautsprechern und Kameras ausgestattete Übungsräume, die auf zwei Etagen um zwei kreisförmige Beobachtungsräume herum angelegt sind. Hier absolvieren Medizinstudierende einen Parcours: In jedem Raum wartet ein anderer medizinischer Fall, in den sich die Studierenden kurz einlesen und den sie dann in einem vorgegebenen Zeitrahmen bearbeiten. Die Räume der Limette sind je nach Fachrichtung flexibel ausstattbar, etwa für chirurgische Übungen. Eingesetzt werden dazu medizinische Gegenstände, aber auch geschulte Simulationspatient*innen.
Im Beobachtungsraum, der durch Spiegelglas abgetrennt ist, können Dozierende die Studierenden beobachten und ihnen anschließend personalisiertes Feedback geben. Anhand von praktischen medizinischen Alltagssituationen erläuterte Helmut Ahrens die Problematik der medizinischen Ausbildung und das daraus resultierende medizinisch-didaktische Konzept der Limette: „Wissen und Sehen reicht nicht aus, die Fertigkeiten müssen geprüft werden.“ Eine Besonderheit der Limette ist, dass sie neben der Überprüfung praktischer Fertigkeiten auch weitere Kernkompetenzen in der Ausbildung angehender Mediziner*innen adressiert und Dozierende diesbezüglich Feedback geben. So geht es etwa auch um emotionales Management (z.B. der Umgang mit Angst), das Sammeln von Erfahrung und Sprechen über Vertrauen und Misstrauen. An einem vollen Tag in der Limette können bis zu 144 Studierende ihre Parcours absolvieren.
Anschließend hatten die AWE-Teilnehmer*innen die Chance, die Übungsräume eigenständig zu erkunden, sich frei zu bewegen und dabei dem Team der Limetten-Führung – Helmut Ahrens, Raphael Doll, Mitarbeiterin Henriette Schulze und Hilfskraft Katja Volks – ihre persönlichen Fragen zu stellen. Henriette Schulze ist Leiterin eines VR-Projektes, das sie den Teilnehmer*innen präsentierte. Die Möglichkeit, unter ihrer Anleitung selbst einmal mit einer VR-Brille den Umgang mit einem Patienten auszuprobieren, fand großen Anklang. Mit der praktischen Demonstration einer Nähübung von Helmut Ahrens endete der erste Teil der After-Work-Expedition in der Limette.
Anschließend ging es unter der Führung von Dr. med. Hendrik Ohlenburg, Ärztlicher Leiter des Studienhospitals, in die nebenanliegende Studienpraxis und das Studienhospital. Die Studienpraxis umfasst mehrere Behandlungszimmer mit angeschlossenen Beobachtungsräumen, die eine übliche Hausarztpraxis simulieren. In ihnen üben Studierende die ambulante Versorgung.
Im Studienhospital werden hingegen Krankenhauszimmer abgebildet, darunter eine Intensivstation; auch dort sind Beobachtungsräume angeschlossen. Studienpraxis und Studienhospital besuchen Studierende ab dem dritten Studienjahr; insgesamt absolvieren sie dort im Laufe ihres Studiums 14 Kurse. Dabei steigert sich die Komplexität der Fälle nach und nach: von Bauchschmerzen bis hin zur Palliativmedizin.
Gespickt mit persönlichen Erfahrungen als Studierender, als Mediziner und auf Grundlage des regelmäßigen Umgangs mit Studierenden beantwortete Hendrik Ohlenburg die interessierten Rückfragen der Teilnehmer*innen. Des Weiteren erklärte er anschaulich Abläufe und typische Situationen im Studienhospital und gewährte dabei aufschlussreiche Einblicke in die Ausbildung von Medizinstudierenden: So sei es häufig eine große Schwierigkeit für Studierende, eine Entscheidung zu treffen, z.B. für bestimmte Behandlungen. Während die Limette überprüft, welche Fähigkeiten bereits vorhanden sind, ermöglichen es Studienhospital und -praxis Studierenden, sich auszuprobieren und Erfahrung im Umgang mit Patient*innen zu sammeln. Eine Besonderheit in allen drei Einrichtungen ist der Einsatz von Simulationspatient*innen: Limette, Studienpraxis und -hospital greifen auf einen Pool von 180 Schauspieler*innen im Alter zwischen elf und 80 Jahren zu, die bereits Schauspielerfahrung haben. Sie werden zusätzlich von vier Trainer*innen speziell geschult. Die „Darsteller*innen“ simulieren Patient*innen so, dass es sich für die Studierenden wie eine lebensechte Situation anfühlt, und geben zudem Feedback aus ihrer Rolle als Patient*in heraus.
Ein großer Dank gilt dem hochmotivierten Team der Limette und des Studienhospitals, die den Teilnehmer*innen der After-Work-Expedition – die zweite seit Beginn der Neuauflage – diese spannenden und lehrreichen Einblicke in die Ausbildung von Medizinstudierenden und Einrichtungen der Medizinischen Fakultät ermöglichten.
Am 6.9.2023 hat die erste „After Work“-Expedition (AWE) der Universität Münster in ihrer Neuauflage stattgefunden. Bei bestem Spätsommerwetter trafen sich insgesamt 18 Teilnehmer*innen am Center for Soft Nanoscience (SoN). Nach einer Begrüßung durch Dr. Katja Arens und Dr. Thomas Bilda (AFO) führten Dr. Michael Seppi, Geschäftsführer des SoN, und Dr. Alexander Neuhaus in die Geschichte des 2018 eröffneten Forschungsgebäudes und die Arbeitsgebiete der dort tätigen Wissenschaftler*innen ein. In zwei Gruppen wurden den Teilnehmer*innen die Herzstücke des SoN gezeigt – einem hochmodernen Forschungsgebäude, in dem auf knapp 8.000 Quadratmetern Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Chemie, Physik, Biologie und Biomedizin interdisziplinär zusammenarbeiten. Besonders eindrucksvoll waren die Einblicke in die Funktionsweise des ca. drei 3 Meter hohen neuen Hochleistungs-Kryoelektronenmikroskops, das es in dieser Form nur wenige Male in Deutschland gibt, in die 36 technologisch voll ausgestatteten Laborarbeitsplätze und in den sogenannten Reinraum – einem Raum, in dem durch Anlegen von Schutzkleidung sowie durch Luft- und Lichtfilter keine Fremdmoleküle mehr vorhanden sind.
Anschließend führte Lisa Thiesmann, Projektkoordinatorin vom Dezernat 7.1 (Planen und Bauen), die Gruppe auf dem Weg zum Arzneipflanzengarten an interessanten Gebäuden im Umkreis vorbei. Vom SoN ging es zum Center for Nanotechnology (CenTech I) mit einer Raumbesichtigung, vorbei am ‚grünen Gebäude‘ GEO I als best practice-Beispiel der Universität für nachhaltiges Bauen über die Außenterrasse der Institutsgruppe 1 (IG I) mit Blick in die Baugrube des Ersatzneubaus (IG I) und entlang des Gebäudes der Organischen Chemie (OC) zur Correnstraße.
Dort eröffnete Prof. Dr. Andreas Hensel den Teilnehmer*innen die Welt des 2018 neu eröffneten Arzneipflanzengartens des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, in dem sich auf etwa 2.500 Quadratmetern mehr als 200 Pflanzenarten befinden. Mit großem pharmazeutischem Hintergrundwissen und gepaart mit Anekdoten vermittelte Prof. Hensel hochinformative Details zur historischen und zeitgemäßen Anwendung von bekannten Heil- und Giftpflanzen wie Mönchspfeffer, Salbei, Aloe Vera, Cranberries, Lavendel oder Tollkirschen. Aber auch exotische, hochtoxische Samen aus Afrika kamen nicht zu kurz. Dabei hatten die Teilnehmer*innen zudem die Möglichkeit, einzelne Pflanzen anzufassen, an ihnen zu riechen und teils auch zu schmecken.
Insgesamt war dies ein rundum gelungener Auftakt zur neuen Serie der After Work-Expedition, die als Initiative der AFO und der Personalentwicklung fortan zwei Mal jährlich stattfindet wird.