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Bericht Forschungsaufenthalt an der Universidad de Sevilla
 

Maxime Kops
AG Digitalisierung in pädagogischen Handlungsfeldern
Institut für Erziehungswissenschaft
Universität Münster

Vom 07.02.2025 bis zum 16.03.2025 absolvierte ich im Rahmen meiner Doktorarbeit einen Forschungs-aufenthalt an der Universidad de Sevilla, einer Partneruniversität im Ulysseus-Programm. Während die-ser Zeit war ich Teil der Arbeitsgruppe Interpersonal Aggression and Socio-Emotional Development im Fachbereich Psicología Evolutiva y de la Educación, die von Prof‘in Rosario del Rey geleitet wird.


Neben den wertvollen persönlichen Erfahrungen, die ich während meines Aufenthalts in Spanien sam-meln konnte, ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten, wichtige Kompetenzen für meine weitere wissen-schaftliche Laufbahn zu entwickeln und gleichzeitig die internationalen Beziehungen unserer Arbeitsgruppe weiter zu vertiefen.


Im Hinblick auf meine konkrete Forschungsarbeit hatte ich in Sevilla die Gelegenheit, ein Paper vorzu-stellen, an dem ich im Rahmen meiner Dissertation arbeite. Im Anschluss erhielt ich sehr hilfreiche und anregende Rückmeldungen meiner dortigen Betreuerin (Rosario del Rey), die mir ermöglichten, den Beitrag noch einmal zu überarbeiten und inhaltlich zu schärfen. Darüber hinaus bekam ich die Möglich-keit, mit Daten einer großen Stichprobe von knapp 4000 Schülerinnen und Schülern aus Andalusien zu arbeiten und diese auszuwerten. Dabei konnte ich das Phänomen Desinformation aus einer psychologi-schen Perspektive untersuchen. Diese Perspektive stellt eine sinnvolle Ergänzung zu der politik- und erziehungswissenschaftlichen Sichtweise dar, aus der ich mich bisher mit dem Thema auseinanderge-setzt habe. Gemeinsam mit einer Postdoc-Kollegin entwickelte ich in diesem Zusammenhang ein theo-retisches Modell, das die verschiedenen Prozesse m Zusammenhang mit Desinformation systematisch zusammenführt und miteinander verknüpft. Insbesondere im methodischen Bereich konnte ich dabei zahlreiche neue Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben. Aktuell verfassen wir zu diesem Modell einen wissenschaftlichen Beitrag, den ich auch für meine Dissertation verwenden kann.


Gleichzeitig habe ich die Zusammenarbeit für die Arbeitsgruppe in Sevilla als bereichernd wahrgenom-men, was mir auch rückgemeldet wurde. Im wissenschaftlichen Austausch über das Thema Desinfor-mation ergänzten wir unsere Perspektive sinnvoll und ich konnte auch spannende Einblicke aus meiner bisherigen Forschungsarbeit einbringen. Darüber hinaus arbeiteten wir in der gemeinsamen Analyse mit der Statistiksoftware R. Während ich bereits erste Erfahrungen mit der Anwendung gesammelt hatte, war sie für meine spanische Kollegin zunächst neu. Während der Zusammenarbeit konnte ich sie dabei unterstützen, einen Einstieg in die Nutzung des Programms zu bekommen.

Neben der intensiven Vernetzung mit dem Team an der Universidad de Sevilla erhielt ich zudem die Möglichkeit, mein Promotionsprojekt an der Universidad Loyola in Sevilla vorzustellen. Meine Betreu-erin an der Universidad de Sevilla stellte hierfür den Kontakt zu Prof’in Paula Herrero-Diz her, deren Arbeit ich in meiner Dissertation häufig zitiere. Im Rahmen des Formats „Café con ciencia“ präsentierte ich meine Forschungsvorhaben vor Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Bereichen Kommunikationswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Neben der wertvollen Er-fahrung, meine Forschung in einem internationalen Kontext zu präsentieren, erhielt ich zahlreiche inte-ressante Rückmeldungen sowie hilfreiche Impulse für die Weiterentwicklung meiner zukünftigen Forschung.


Über die konkreten wissenschaftlichen Ergebnisse hinaus konnte ich während meines Aufenthaltes auch umfassende Einblicke in das universitäre System in Spanien gewinnen, insbesondere im Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, als Gast an der offiziellen Ernennung einer Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe zur Associate Professorin teilzunehmen, was mir interessante Einblicke in akademische Karrierewege im spanischen Hochschulsystem ermög-lichte.
Ich nahm zudem wichtige Impulse mit Blick auf Wissenschaftskommunikation mit. Die Arbeitsgruppe in Sevilla legt großen Wert darauf, ihre Forschung öffentlichkeitswirksam nach außen zu kommunizie-ren. So gab beispielsweise meine Betreuerin dem lokalen Fernsehsender ein Interview zum Thema Social Media Verbot. Darüber hinaus ist die Arbeitsgruppe auf verschiedenen sozialen Netzwerken ak-tiv. Besonders eindrücklich war für mich die Teilnahme am Format „Ciencia en el bar“, bei dem meine Betreuerin in informeller Atmosphäre über die Risiken digitaler Medien für junge Menschen sprach. Aus diesen Formaten konnte ich zahlreiche Anregungen für eine öffentlichkeitsorientierte Kommunika-tion wissenschaftlicher Ergebnisse mitnehmen.


Mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Ergebnisse meines Forschungsaufenthalts sowohl für den Fachbe-reich als auch meine Arbeitsgruppe und meine Dissertation sind bereits verschiedene zukünftige Ko-operationen in Planung. Die Zusammenarbeit zwischen unserem Arbeitsbereich und der Arbeitsgruppe Interpersonal Aggression and Socio-Emotional Development wurde gefestigt. In diesem Zusammen-hang werden aktuell Möglichkeiten für zukünftige gemeinsame Projekte diskutiert. Beispielsweise steht die Idee im Raum, gemeinsam ein sogenanntes Blended Intensive Programme (BIP) zu organisieren. Zusätzlich wurde ich beispielsweise von der Universidad Loyola eingeladen, perspektivisch ebenfalls einen Forschungsaufenthalt dort zu absolvieren.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Forschungsaufenthalt für mich eine äußerst wertvolle wissenschaftliche und persönliche Erfahrung darstellte. Er hat nicht nur konkrete Forschungsergebnisse hervorgebracht, sondern zugleich wichtige internationale Kontakte gestärkt und damit den Grundstein für zukünftige Kooperationsprojekte mit unserem Arbeitsbereich gelegt.