Adaptivität in Unterrichtsgesprächen des naturwissenschaftlichen Sachunterrichts

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  • Beschreibung

    Die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern gilt als zentrales Ziel von Unterricht (Hardy, 2017). Eine Möglichkeit diese zu realisieren wird zunehmend mit dem Begriff der Adaptivität beschrieben (z.B. Gräsel, Decristan & König, 2017). Adaptives Lehrerhandeln wird als Passung zwischen Lernangebot und individuellen Voraussetzungen von Schülerinnen und Schülern verstanden (Klieme & Warwas, 2011). Um eine solche Passung im Rahmen von Lehrer-Schüler-Interaktionen herzustellen, werden sowohl die Diagnose des aktuellen Verständnisniveaus der Lernenden als auch die Nutzung dieser Informationen für weitere Maßnahmen der Lernunterstützung als relevant angesehen. Theoretisch werden diese Aspekte in Konzepten wie dem Model of Contingent Teaching (van de Pol et al., 2012) oder dem Informal Formative Assessment (Ruiz-Primo & Furtak, 2007) beschrieben. Aufbauend auf entsprechenden Operationalisierungen von Adaptivität konnte in tutoriellen Settings gezeigt werden, dass adaptive Lernunterstützung für das Lernen von Schülerinnen und Schülern bedeutsam ist (z.B. van de Pol et al., 2015; Wischgoll et al., 2015). Bislang fehlt jedoch eine Übertragung von Ansätzen zur Adaptivität auf den Klassendiskurs sowie eine Operationalisierung aus fachspezifisch naturwissenschaftlicher Perspektive.

    Ziel des Kooperationsprojektes mit der Goethe-Universität Frankfurt (Dr. Susanne Mannel, Prof. Dr. Ilonca Hardy) ist es, anhand eines Ratings der Adaptivität in Unterrichtsgesprächen, den Wissenszuwachs von Schülerinnen und Schülern im naturwissenschaftlichen Sachunterricht der Grundschule vorherzusagen und somit die Bedeutung adaptiven Lehrkrafthandelns im Unterrichtsdiskurs näher zu bestimmen.

    Das Rating bezieht sich aufbauend auf theoretischen Konzepten zur Adaptivität insbesondere auf das aktive diagnostische Verhalten der Lehrkraft und die Nutzung diagnostischer Informationen aus Schülerreaktionen im Sinne der Lernunterstützung.

    Die Datenbasis zur Anwendung des Ratingmanuals bilden Unterrichtstranskripte von Lehrkräften, die im Rahmen der Fortbildungsstudie IGEL (Individuelle Förderung und adaptive LernGelegenheiten, Decristan et al., 2015) Unterrichtseinheiten zum Thema Schwimmen und Sinken im Sachunterricht der Grundschule umgesetzt haben. Diese Umsetzung wurde in je einer Unterrichtsstunde videographiert und anschließend transkribiert. Darüber hinaus liegen Daten zum Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler aus einem standardisierten Leistungstest zum unterrichteten Inhaltsgebiet vor. Als Kovariaten wurden die Intelligenz sowie naturwissenschaftliche Kompetenz erhoben.

    Die Ergebnisse sollen Aufschluss über die Ausprägung und Bedeutung eines adaptiven Lehrkrafthandelns in Unterrichtsgesprächen für das Lernen von Schülerinnen und Schülern im naturwissenschaftlichen Sachunterricht liefern.

    Literatur

    Decristan, J., Hondrich, A. L., Büttner, G., Hertel, S., Klieme, E., Kunter, M., Lühken, A., Adl-Amini, K., Djakovic, S.-K., Mannel, S., Naumann, A., & Hardy, I. (2015). Impact on additional guidance in science education on primary students‘ conceptual understanding. The Journal of Educational Research, 108(5). 358-370.

    Hardy, I. (2017). Individuelle Förderung von Lernprozessen: Einführung. In U. Hartmann, M. Hasselhorn & A. Gold (Hrsg.), Entwicklungsläufe verstehen – Kinder mit Bildungsrisiken wirksam fördern. Forschungsergebnisse des Frankfurter IDeA-Zentrums (S. 267-279). Stuttgart: Kohlhammer.

    König, J., Gräsel, C. & Decristan, J. (2017). Adaptiver Umgang mit Heterogenität im Unterricht. Unterrichtswissenschaft, 45(4), 195-206.

    Klieme, E. & Warwas, J. (2011). Konzepte der individuellen Förderung. Zeitschrift für Pädagogik, 57(6). 805-818.

    Ruiz-Primo, M. A. & Furtak, E. M. (2007). Exploring teacher’s informal formative assessment practices and students‘ understanding in the context of scientific inquiry. Journal of Research in Science Teaching, 44(1). 57-84.

    Van de Pol, J., Volman, M., Oort, F. & Beishuizen, J. (2015). The effects of scaffolding in the classroom: support contingency and student independent working time in relationship to student achievement, task effort and appreciation of support. Instructional Sciences, 43(5). 615-641.

    Van de Pol, J., Volman, M., Elbers, E., & Beishuizen, J. (2012). Measuring scaffolding in teacher - small- group interactions. In R. M. Gillies (Ed.), Pedagogy: New Developments in the Learning Sciences (pp. 151-188). Hauppage: Nova Science

    Wischgoll, A., Pauli, C. & Reusser, K. (2015).  Scaffolding – How can contingency lead to successful learning when dealing with errors? Zeitschrift für Didaktik der Mathematik, 47(7). 1147-1159.

Beteiligte Personen des Instituts