Februar 2026
Karlsruher Institut für Technologie
Nach Beendigung der Messarbeiten im Sommer 2025 befasst die Arbeitsgruppe am KIT mit der restlichen Auswertung der Messdaten, wobei besonders die Berechnung des Qualitätsfaktors im Vordergrund steht. Hierfür sind zusätzlich lokale seismische Geschwindigkeitsmodelle (Kompressions- und Scherwellengeschwindigkeit) pro Standort notwendig. Diese wurden aber nicht separat bestimmt, und deshalb werden Literaturwerte bzw. Umrechnungen aus geologischen Modellen recherchiert, getestet und verwendet. Weiterhin wurde mit der Verfassung eines wissenschaftlichen Aufsatzes begonnen, der im Sommer 2026 zum Peer-Review eingereicht werden soll.
Ein weitere Arbeitspunkt ist die langfristige Datenarchivierung und Datendokumentierung. Die seismischen Wellenformdaten und zugehörigen Wellenformdaten sollen an das GFZ Potsdam, GEOFON-Archiv, übergeben werden. Hierfür wurde ein Report erstellt und die Metadaten werden derzeit aufbereitet und geprüft.
Universität Münster
Diese Folien fassen die Ergebnisse einer Dämpfungsstudie in Nordrhein-Westfalen (NRW) im Rahmen des dbMISS-Projekts zusammen. Es wurden zwei Methoden und zwei Datensätze verwendet: die Coda-Wellen-Dämpfung (Qc) und die Coda-Normalisierungsmethode (Q-CN), basierend auf Daten von Erdbeben und Steinbruchsprengungen aus der Untersuchungsregion. Qc wird aus dem exponentiellen Abklingen der späten Coda-Wellen bestimmt und beschreibt hauptsächlich streuungsdominierte Dämpfung. Die Q-CN-Methode bestimmt die pfadgemittelte Dämpfung, indem direkte S-Wellen-Amplituden mit Coda-Amplituden zu einer festen Zeit verglichen werden. Deshalb ist diese Methode besonders empfindlich für flache Krustenstrukturen.
Die Analyse der Frequenzabhängigkeit mit optimalen Coda-Zeitfenstern (5–15 s) zeigt, dass beide Parameter einer Potenzfunktion folgen: Q(f)=Q0 f^n. Qc zeigt eine stärkere Frequenzabhängigkeit (n ≈ 0.9–1.0) und größere Q-Werte als Q-CN (n ≈ 0.6–0.8), was mit dem diffusen Charakter der späten Coda-Wellen zusammenhängt. Dieses Verhalten bedeutet, dass hochfrequente seismische Wellen weniger stark gedämpft werden als niederfrequente Wellen, was typisch für eine heterogene Erdkruste ist.
Erdbebendaten zeigen höhere Q-Werte, weil die Quellen tiefer liegen und die Wellen längere Wege durch kompaktere Gesteine zurücklegen. Steinbruchsprengungen sind sehr flach und zeigen daher stärkere Dämpfung und Streuung in oberflächennahen Sedimenten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse eine tiefenabhängige Dämpfungsstruktur in NRW: Sedimentäre Schichten verursachen starke Dämpfung nahe der Oberfläche, Beckenstrukturen und Störungen verstärken die Streuung bei niedrigen Frequenzen, und das kristalline Grundgebirge zeigt höhere Q-Werte in größeren Tiefen.
Geologischer Dienst NRW
Das 2D-seismischen Geschwindigkeitsmodells für drei TK25-Blätter in Nordrhein-Westfalen; Havixbeck, Kempen und Salzkotten, wurde entlang der vom KIT durchgeführten Messlinien visualisiert und analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Rayleigh-Wellengeschwindigkeit (Vr) und dem Dämpfungsparameter (Qr), um die mechanischen und dissipativen Eigenschaften des Untergrunds zu charakterisieren. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche räumliche Variabilität, die eng mit den lithologischen Unterschieden und dem Konsolidierungsgrad der geologischen Formationen zusammenhängt: hohe Vr und Qr Werte stehen meist mit kompakten und gut konsolidierten Gesteinen (z. B. kreidezeitlichen oder paläozoischen Formationen) in Verbindung, während niedrigere Werte typischerweise in lockeren quartären Sedimenten auftreten. Die Karten und lithologischen Schnitte verdeutlichen somit den Zusammenhang zwischen seismischen Parametern und der regionalen geologischen Struktur. Zukünftige Arbeiten umfassen die Verbesserung der Modellierung in Bereichen mit fehlenden Tiefeninformationen, die Erstellung von Qr Karten für oberflächennahe und mitteltiefe Geothermie in NRW sowie die Bereitstellung der Projektergebnisse im OpenGeodata.NRW Portal des Landes NRW.

