Für den Monat August 2026 geht das „Paper of the Month“ der Medizinischen Fakultät der Universität Münster an:
Mathis Richter und Prof. Oliver Söhnlein aus dem Institut für Experimentelle Pathologie:
Depth of neutrophil mobilization stratifies survival in ST-elevation myocardial infarction.
Richter, M; von Göwels, J; (…); Soehnlein, O
AUG 2026 | NAT CARDIOVASC RES 5(8), 693-704. [Volltext]
Neutrophile galten lange als einheitliche Population endgültig ausdifferenzierter Zellen. Zunehmend zeigt sich jedoch, dass sie funktionell heterogen und bei Entzündungsreaktionen schnell mobilisierbar sind. Ob bei akuten kardiovaskulären Ereignissen wie dem ST-Hebungsinfarkt unterschiedliche Reifungsstadien der Neutrophilen mobilisiert werden und ob dies mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängt, war bislang kaum untersucht.
Wir zeigen, dass unreife Neutrophile, darunter CD16low/CD10neg-Präneutrophile (preNeus) – die letzte mitotische Vorläuferzelle der Neutrophilen – bei Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall ins Blut mobilisiert werden, wobei die Reaktion beim Herzinfarkt am stärksten ausgeprägt war. Diese Mobilisierung geht mit einem koordinierten Zytokinmuster im Plasma einher. PreNeus lassen sich im Klinikalltag als unreife Granulozyten im Rahmen des Routine-Blutbilds nachweisen und sagten die 30-Tage-Mortalität in zwei unabhängigen Kohorten besser vorher als etablierte Biomarker. Auch nach Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren blieb dieser Zusammenhang mit dem Überleben bestehen.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein einfacher, routinemäßig verfügbarer Blutparameter helfen könnte, Hochrisikopatienten mit ST-Hebungsinfarkt bereits bei Krankenhausaufnahme zu identifizieren und so frühere, gezieltere klinische Entscheidungen zu unterstützen.
Die bisherigen ausgezeichneten „Paper of the Month“ finden Sie hier.
Foto: MFM/Christian Albiker
