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Während andere Herrscher in Reichtümer schwelgten, so berichtet der englische Kleriker Walter Map, verfüge der römisch-deutsche Kaiser zwar über mächtige Kriegspferde und kampferprobte Männer, "aber weder über Gold und Seidenstoffe noch über anderen Reichtum". Die Ressourcen seines Reiches nämlich lägen gänzlich in der Hand der Kirche. Das Proseminar wird dieses und ähnliche Urteile mittelalterlicher Zeitgenossen auf Basis einschlägiger Quellentexte kritisch hinterfragen und dabei die materiellen und organisatorischen Grundlagen der Reichsgewalt beleuchten. Wie kam es dazu, dass die Könige und Kaiser des römisch-deutschen Reiches ihr "hohes Gewerbe im Umherziehen" (Aloys Schulte) ausübten? Welche Burgen, Pfalzen und Fiskalgüter standen ihnen dabei zur Verfügung und welcher Machtinstrumente und Institutionen bediente sich ihr Regieren "aus dem Sattel"? Mit der Beantwortung dieser Fragen ist zugleich ein grundlegender Überblick über die Techniken und Methoden des fachwissenschaftlichen Arbeitens in der Epochendisziplin der Mittelalterlichen Geschichte verbunden.
Das Proseminar beginnt in der zweiten Semesterwoche am 10.03.2019.
- Lehrende/r: Jan Keupp
In dem Seminar beschäftigen wir uns mit dem Einfluss von Mehrsprachigkeit auf den Erwerb der deutschen Schriftsprache. Der Fokus wird dabei im Bereich Erstschreiben liegen. Illustriert anhand von zahlreichen Schülerschreibungen diskutieren wir allgemeine Stolpersteine der deutschen Schriftsprache, Besonderheiten im mehrsprachigen Erwerb, koordinierte Alphabetisierung in Erst- und Zweitsprache sowie Fördermöglichkeiten für mehrsprachige SuS. Der Erwerb der Studienleistung erfolgt über eine kleine empirische Studie, die in Gruppenarbeit angefertigt und gemeinsam in Form eines wissenschaftlichen Posters im Seminar vorgestellt wird.
- Lehrende/r: Helena Olfert
Die sprachliche Heterogenität der Schülerinnen und Schüler ist im Unterricht eine Herausforderung und Chance zugleich. Zuerst werden in der Lehrveranstaltung diverse Aspekte der Mehrsprachigkeit und des Deutschen als Zweitsprache im Blick auf den Religionsunterricht und seine Spezifik thematisiert. Verschiedene Konzepte zum Umgang mit der sprachlichen Heterogenität werden mit Bezug auf den Religionsunterricht erörtert. In einem weiteren Schritt wird gemeinsam nach Wegen gesucht, die Mehrsprachigkeit der Kinder und Jugendlichen als Ressource im Religionsunterricht zu entdecken und in Lernprozessen aktiv zu nutzen. Die Studierenden werden dabei begleitet, Materialien zum Umgang mit sprachlicher Heterogenität selbständig zu entwickeln.
- Lehrende/r: Yauheniya Danilovich
- Lehrende/r: David Benedikt Wirthmüller
- Lehrende/r: David Benedikt Wirthmüller
An dem neueren Entwurf des Erlanger Systematikers und derzeitigen Vorsitzenden des deutschen Ethik-Rates Peter Dabrock lässt sich die Verbindung von grundsätzlichen sowie angewandten Problemen evangelischer Ethik lernen. Das Buch befasst sich zunächst mit der Frage nach der Grundlegung des Gerechtigkeitsbegriffs im Gespräch mit klassischen Ansätzen der Sozialwissenschaften und der Philosophie. Sodann wird daran anschließend ein eigenes Konzept einer „Befähigungsgerechtigkeit“ erarbeitet und schließlich die mögliche Anwendung des Ansatzes anhand zentraler Fragen des Gesundheitssystems erprobt. Das Proseminar führt so ausgehend von der Lektüre in Grundfragen und Begriffe der Ethik ein. Zudem werden methodische Arbeitstechniken der Systematischen Theologie eingeübt.
- Lehrende/r: Marcel Kreft
Die Lehrveranstaltung bietet eine Einführung zum Thema Informationsstruktur als Teil der Pragmatik. Wir werden uns fragen, welche sprachlichen Mittel das Deutsche einsetzt, um Sätze/Äußerungen an ihren sprachlichen und außersprachlichen Kontext anzupassen und kohärente Diskurse zu erzeugen. Außerdem wird thematisiert, mit welchen Methoden Informationsstruktur und Diskurskohärenz sinnvoll erforscht werden können und wie sich das benötigte pragmatische und grammatische Wissen im Spracherwerb entwickelt. Im zweiten Teil des Seminars werden wir uns insbesondere mit den Modal- und Fokuspartikeln des Deutschen beschäftigen, die sich mit Hilfe informationsstruktureller Kriterien analysieren lassen. Die Studierenden sollen im Rahmen des Seminars eigene empirische Projekte entwickeln.
- Lehrende/r: Christine Dimroth
- Lehrende/r: Laura Reimer
Diese Veranstaltung im fächerübergreifenden DaZ-Modul richtet sich in erster Linie an Lehramtsstudierende in den MEd-Studiengängen Philosophie/Praktische Philosophie und Praktische Philosophie. Sie soll künftige Philosophielehrerinnen und –lehrer für die sprachlichen Schwierigkeiten sensibilisieren, vor die sich Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache bei der Lektüre deutschsprachiger philosophischer Texte häufig gestellt sehen.
Das Seminar gliedert sich in drei Teile: Im ersten, theoretischen Teil soll der Frage nachgegangen werden, warum im Vergleich zu anderen Fächern die Sprache für die Philosophie nicht nur wichtig, sondern wesentlich ist. Im zweiten Teil folgen praktische Übungen, in denen anhand einschlägiger philosophischer Texte typische sprachliche, insbesondere grammatische Schwierigkeitsbereiche des Deutschen aufgezeigt werden sollen, die ein angemessenes Textverständnis erschweren können. Im darauffolgenden dritten Teil soll das erworbene sprachliche Wissen anhand von gebräuchlichen Unterrichtsmaterialien erweitert, vertieft und durch einige didaktische Überlegungen ergänzt werden.
Hinweis für Studierende in den Master of Education-Studiengängen Lehramt Philosophie/Praktische Philosophie sowie Praktische Philosophie, die zugleich im Master of Arts Philosophie eingeschrieben sind: Das Seminar kann zugleich für das Modul Individuelle Vertiefung anerkannt werden. Bitte wenden Sie sich an die Fachstudienberatung.
- Lehrende/r: Birger Brinkmeier
Inhaltliche Schwerpunkte: Anhand von deutschen Übersetzungen des Neuen Testaments werden in diesem Proseminar die methodischen Arbeitsschritte zur historisch-kritischen Exegese neutestamentlicher Texte erarbeitet und erprobt. Ziel ist es, das Handwerkszeug zur Erstellung einer verantwortlichen und verantwortbaren Interpretation zu kennen und in Grundzügen anwenden zu können.
Das Tutorium zu dieser Veranstaltung wird montags in der Zeit von 16.15 bis 17.45 Uhr stattfinden.
- Lehrende/r: Anne-Sophie Münch
- Lehrende/r: Stefan Zorn
Die Furcht vor einer Zunahme antidemokratischer Tendenzen unter Jugendlichen begleitet die öffentliche und die fachliche Diskussion seit den ersten Exzessen rechtsextremer Gewalt zu Anfang der 90iger Jahre. Aktuell verschärft sich die Situation in vielen Ländern und seit geraumer Zeit kommt es auch bei Jugendlichen in Deutschland zu einer deutlichen Modernisierung rechtspopulistischer Ideologiemuster. Vor allem unter ostdeutschen Jugendlichen erscheinen dabei die Gefahrenpotenziale auf den ersten Blick besonders alarmierend. Im Rahmen der Seminararbeit wird zu prüfen sein, ob dieses Bild stimmt und unter welchen Bedingungen es zu einer Verjüngung rechtspopulistischer bis faschistoider Ideologien kommen konnte. Dabei gilt es, Strukturen extremer Jugendbewegungen zu analysieren und Mechanismen aufzudecken, die Rechtsextremismus unter Jugendlichen begünstigen. Interessant sind dabei natürlich nicht nur die offen agierenden Jugendorganisationen der einschlägigen Parteien, sondern auch jene Jugendkulturen, die sich wie „Skins" und „Hooligans" und „Ultras“ nicht eindeutig verorten lassen und die sich in einer näher zu bestimmenden Grauzone befinden.
- Lehrende/r: Norbert Heimken
Im Jahr des 100-jährigen Jubiläums der staatskirchenrechtlichen Bestimmungen in der Weimarer Reichsverfassung (1919 / 2019) beschäftigt sich das Hauptseminar mit der Frage nach der Zukunftsfähigkeit des damals gefundenen, spezifisch deutschen kooperativen Ordnungsmodells:
„Gewähren die ins Grundgesetz übernommenen Regelungen auch heute allen die gleiche Religionsfreiheit und wie wollen wir künftig regeln, dass religiöse Mehrheiten, Minderheiten und Konfessionslose friedlich beisammen leben?”
Entsprechend widmen wir uns neben religionspolitischen Grundsatzfragen dabei ausgewählten, derzeit politisch und theologisch diskutierten Problemfeldern und wägen die bestehenden Reformvorschläge gegeneinander ab.
Die wöchentlichen Seminarsitzungen legen die Grundlage für die gemeinsame Exkursion nach Berlin, bei der die Begegnung und Debatte mit führenden religionspolitischen Akteuren und der Besuch von religionspolitisch relevanten Orten im Zentrum stehen wird. Dazu zählen das Büro des Bevollmächtigten des Rates der EKD, die von dem Künstler Günther Uecker gestaltete Kapelle im Reichstagsgebäude, die Evangelische Militärseelsorge und anderes mehr.
Insgesamt wirft das Seminar bei der Bearbeitung dieses Themas einen Blick in die Zukunft, indem es insbesondere nach der Perspektive des politischen und theologischen Nachwuchses fragt:
„Welche religionspolitischen Reformen werden aktuell mit welchen Argumenten von den Jugendorganisationen der Parteien gefordert? Welches Religionsverfassungsrecht halten Sie als junge Theologin oder junger Theologe hinsichtlich der aktuellen Herausforderungen am geeignetsten?”
- Lehrende/r: Uta Elisabeth Hohmann
- Lehrende/r: Arnulf von Scheliha
In diesem Seminar wird es darum gehen aus unterschiedlichen Perspektiven die Unterrichtssituation an deutschen Schulen zu diskutieren. Es wird darum gehen, die soziale Herstellung von schulischen Wirklichkeiten kritisch in den Blick zu nehmen. Das Verhältnis von Peerkultur und Unterricht, schulaversives Verhalten, doing-gender im Unterricht, Integration von Jugendlichen mit Migrati-onshintergründen, Gelingen und Scheitern der Inklusion sind mögliche Themen. Methodische Aspekte gelingenden Unterrichtens werden auch erarbeitet werden.
- Lehrende/r: Roland Schindler
Lehrkräfte sind in unserer medial-digitalisierten Welt aufgefordert, ihre Schülerinnen und Schüler dafür zu sensibilisieren, dass Raumdarstellungen über Sprache konstruiert werden und sich kulturelle Merkmale im Sprechen über Raum manifestieren. Die Bildungsstandards der Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG) weisen darüber hinaus Kommunikation als Kompetenzbereich explizit aus und umreißen diesen Kompetenzbereich mit der Fähigkeit, „geographische/geowissenschaftliche Sachverhalte zu verstehen, sich angemessen unter der Verwendung der Fachsprache auszudrücken und damit anderen verständlich zu machen”. Im Seminar sollen zunächst theoretische Grundlagen diskutiert werden, die dann anschließend in Handlungsmöglichkeiten im Rahmen einer sprachsensiblen Unterrichtsgestaltung umgesetzt werden.
- Lehrende/r: Sonja Schwarze
Fotografien und vor allem Filmaufnahmen der nationalsozialistischen Verbrechen an Juden, Zwangsarbeitern und anderen haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis gebrannt. Sie zeigen befreite Lagerinsassen, aber auch Leichen, das Verhören von Tätern und die angeordnete Besichtigung der Verbrechensorte durch Anwohner. Die Alliierten, die diese Bilddokumente aufnahmen, setzten sie nicht nur als Beweismittel in Kriegsverbrecherprozessen ein, sondern auch zur „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung, was sehr zwiespältige Reaktionen hervorrief. Die Übung möchte der Frage nachgehen, unter welchen Umständen diese Bilder entstanden, wie sie zeitgenössisch öffentlich rezipiert wurden und welche Wirkung sie haben sollten und tatsächlich hatten. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf visuelle Zeugnisse gelegt werden, die 1945 in Westfalen aufgenommen wurden.
Gleichzeitig möchte die Übung an diesen Beispielen grundsätzlich Wert und Grenzen von Filmen und Fotografien als Quellen der Zeitgeschichte diskutieren und in den archivischen Umgang mit solchen visuellen Quellen einführen
- Lehrende/r: Markus Köster
Seminarbeschreibung:
Das Sonett gilt als einzige Gedichtform, die über die Jahrhunderte hinweg eine verhältnismäßig feste Struktur behalten hat und sich entsprechend klar erfassen lässt. Entstanden um 1230 am Hof Kaiser Friedrichs II. in Sizilien und schon während des 15. Jahrhunderts auch im deutschen Sprachraum für lateinische Dichtung in Verwendung, wurde es erst 1556 durch den Augsburger Pfarrer Christoph Wirsung in die deutsche Sprache eingeführt. Im Barock stieg es zur beliebtesten lyrischen Form auf und entwickelte sich infolge der vehementen Ablehnung durch die anschließende Poetik der Aufklärung zu einer kontroversen Form par excellence, die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder begeisterte Fürsprache, aber auch erbitterte Ablehnung erfuhr. Die Vielzahl formaler Experimente, die Breite der thematisierten Inhalte sowie die Produktivität der diskursiven Auseinandersetzung, die das Sonett hervorgebracht hat, machen dieses zu einem spannenden, schier unerschöpflichen Forschungsfeld.
Das Seminar vermittelt einen historischen Überblick sowohl über den praktischen Gebrauch des Sonetts als auch über dessen theoretische Bestimmung. Historische poetologische Texte werden zu diesem Zweck in gleicher Weise behandelt werden wie aktuelle Forschungsliteratur, wobei die analytisch-interpretative Auseinandersetzung mit Sonetttexten aus 450 Jahren im Mittelpunkt steht.
Lektüreempfehlungen:
Thomas Borgstedt: Topik des Sonetts. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte. Tübingen 2009.
Walter Mönch: Das Sonett. Gestalt und Geschichte. Heidelberg 1955.
Heinrich Welti: Geschichte des Sonettes in der Deutschen Dichtung. Leipzig: Veit 1884.
Erika Greber, Evi Zemanek (Hg.): Sonett-Künste. Mediale Transformationen einer klassischen Gattung. Dozwil 2012.
Sara Springfeld, Norbert Greiner, Silke Leopold (Hg.): Das Sonett und die Musik. Poetiken, Konjunkturen, Transformationen, Reflexionen. Heidelberg 2016.
Andreas Böhn: Das zeitgenössische deutschsprachige Sonett. Vielfalt und Aktualität einer literarischen Form. Stuttgart: Metzler 1999.
Hans-Jürgen Schlütter: Sonett. Mit Beiträgen von Raimund Borgmeier und Heinz Willi Wittschier. Stuttgart 1979.
Kemp, Friedhelm: Das europäische Sonett. 2 Bd. Göttingen: Wallstein 2002.
- Lehrende/r: Matthias Hänselmann
Unter dem Begriff „Spielmannsepik“ werden in der Forschung fünf anonym überlieferte Epen zusammengefasst, deren Verfasser der älteren Forschung nach sog. „Spielmänner“ waren: die (pseudo-)historischen Epen ›Herzog Ernst‹ und ›König Rother‹ sowie die Legendenepen ›Oswald‹, ›Orendel‹ und ›Salman und Morolf‹. Im Seminar werden wir unter anderem der Frage nachgehen, inwiefern die Zusammenstellung dieser fünf Epen als eigene Gattung gerechtfertigt ist.
Die Sage um den jungen Herzog Ernst, der wegen einer Verleumdung die Gunst des Kaisers verliert, seine Heimat Bayern verlassen muss und auf der Reise nach Jerusalem im Orient etliche phantastische Abenteuer erlebt (und Kranichschnäblern, Zyklopen, Plattfüßlern, Langohren, Pygmäen und Riesen begegnet), gehört zu den beliebtesten epischen Stoffen des deutschen Mittelalters: Erhalten sind zahlreichen deutsche und lateinische Bearbeitungen in Vers und Prosa vom 12. bis zum 15. Jh., der ›Herzog Ernst‹ wurde als „Volksbuch“ gedruckt und bis in das 19. Jh. immer wieder neu aufgelegt.
Für die vier anderen Epen ist das Brautwerbungsschema, ein international verbreitetes Erzählschema mündlicher Epik, konstitutiv. Beim ›König Rother‹ z.B. handelt es sich um die Variante der gefährlichen Brautwerbung, bei der der Brautvater, König Konstantin von Konstantinopel, die Hochzeit seiner Tochter mit dem westlichen Herrscher König Rother von Bari unter allen Umständen verhindern will. Entführung und Rückentführung, Verkleidungen und gefährliche Seefahrten bestimmen dementsprechend die abwechslungsreiche und zuweilen komische Handlung. In den Königen Rother und Konstantin stehen sich zudem der gute und der böse Herrscher exemplarisch gegenüber.
- Lehrende/r: Heike Bismark
In der Dialektforschung gehören Sprachatlanten zu den wichtigsten und monumentalsten Präsentationen von Forschungsergebnissen. Die Erforschung der Dialekte des Deutschen hat neben dem Deutschen Sprachatlas (Wenker-Atlas), der das gesamte Sprachgebiet umfasst, eine Reihe von Regionalatlanten hervorgebracht, die ebenso im Seminar vorgestellt werden sollen wie zentrale theoretische und methodische Ansätze der jeweiligen Atlasprojekte. Außerdem soll Einblick in ein derzeit am Institut durchgeführtes Atlasprojekt, den „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland“ gegeben werden.
- Lehrende/r: Helmut Spiekermann
In dieser Einführung werden die sprachgeschichtlichen Wurzeln des Hochdeutschen und seine Entwicklung im Laufe des Mittelalters im Vordergrund stehen, eine Entwicklung, die sich grob in die Sprachstufen Althochdeutsch (Ahd.), Mittelhochdeutsch (Mhd.) und Frühneuhochdeutsch (Frnhd.) gliedern lässt. Der Terminus 'hochdeutsch', umgangssprachlich oft als Synonym für die (neuhoch)deutsche Standardsprache gebraucht, steht seiner wissenschaftlichen Grundbedeutung nach in geographisch-systematischer Abgrenzung zum Niederdeutschen (auch 'Plattdeutsch'), auf dessen Eigenheiten hier nur am Rande eingegangen werden kann. Lese- und Übersetzungsübungen insbesondere zu alt- und mittelhochdeutschen Texten veranschaulichen die behandelten Phänomene und vermitteln zugleich die sprachlichen Grundkompetenzen für das weitere mediävistische Studium.
- Lehrende/r: Frank Schäfer
Die Vorlesung gibt einen Überblick zur Geschichte der frühneuzeitlichen Städte in einer europäischen Perspektive (ca. 1500-1800). Klassische Themen der Stadtgeschichte (Typologien, Urbanisierung, Rechts- und Verfassungsgeschichte, Sozialgeschichte und Geschichte des Bürgertums, Wirtschaftsgeschichte) stehen dabei ebenso auf der Agenda wie neuere Ansätze, die z.B. symbolische Kommunikation, Geschlechterverhältnisse, Öffentlichkeit, Medialität, Materialität oder Konsumkulturen akzentuieren. Wichtig ist dabei zum einen die europäisch-vergleichende Perspektive, die neben den deutschen Reichs- oder Residenzstädten auch Großstädte wie London, Amsterdam, Paris, Neapel, LIssabon oder Istanbul fokussiert. Zum anderen wird auch nach der Spezifik des europäischen Stadt-Modells gefragt, indem diese mit anderen Formen von Urbanität in globaler Hinsicht verglichen werden. Da die Vorlesung sehr breit angelegt ist, kann sie auch als allgemeine Einführung in die Geschichte der Neuzeit besucht werden.
- Lehrende/r: André Johannes Krischer
Das Seminar dient nicht zur Vorbereitung der Semesterferien. Vielmehr widmet es sich einem Thema, dem in der literaturwissenschaftlichen Forschung bislang kaum Beachtung geschenkt wurde: dem Strand. Schon die Etymologie des Wortes weist den Strand über die Ableitung von ‚Rand‘ als einen Ort der Grenze aus, der Grenze zwischen Land und Meer. Während das mittelhochdeutsche Wort ‚strant‘ auffallend spät erst belegt ist, ist in literarischen Texten meist nur vom Sand die Rede, der gleichsam pars pro toto aber die Grundlage bietet, um den Strand als eigenständigen, nach allen Seiten hin offenen Raum und Schauplatz für ganz unterschiedlichste Handlungen zu etablieren: Am Strand begegnen sich einander fremde Kulturen und Religionen, begegnen sich Liebespaare oder werden getrennt, am Strand wird gekämpft und gejagt, geliebt und vergewaltigt, ins Unbekannte aufgebrochen oder in die Heimat zurückgekehrt. Der Strand firmiert dabei als Ort des Anfangs wie des Endes, als Ort der Begegnung wie der Trennung, der Ankunft, der Umkehr wie des Aufbruchs. Als Ort der Grenze wie des Übergangs ist ihm letzthin eine eigentümliche Dialektik eigen, die sich in und für die unterschiedlichsten Erzählungen als überaus produktiv erweist und ihren Ausdruck zumeist in Ambivalenzen findet, in Situationen der Verzweiflung, der Angst, der Täuschung oder auch der Hoffnung.
Das Seminar möchte ebendieses narrative Potenzial des Strandes in der mittelalterlichen Literatur aufdecken, um nicht zuletzt den Strand als Raum der Grenzerfahrung des Subjekts und immer auch der kulturellen Reflexion begreifen zu können. Als Grundlage für die ebenso theoriegeleiteten wie textnahen Lektüren sollen daher bewusst ganz unterschiedliche Texte herangezogen und Auszüge aus mittelhochdeutschen Heldenepen (Nibelungenlied, Kudrun, Willehalm) gelesen werden sowie aus höfischen wie späthöfischen Romanen (Eneasroman, Alexanderroman, Tristanroman, Partonopier, Magelone), darüber hinaus auch kürzere Erzählungen (Hero und Leander, Der Schwanritter) und legendarische Texte (Gregorius, St. Brandan). Das Seminar richtet sich somit vornehmlich an Studierende, die in eigenständiger Auseinandersetzung mit mittelalterlicher Literatur mitunter Neuland betreten wollen.
Voraussetzung für die Teilnahme am Blockseminar ist die Anwesenheit bei der Vorbesprechung am 6.05.2018, Beginn 19 Uhr s. t. (!), Raum SH06, bei der Arbeitsgruppen eingeteilt werden, sowie die Bereitschaft, sich aktiv am Seminar zu beteiligen. Ein Reader mit Texten zum Seminar (Auszüge mittelhochdeutscher, teils einsprachiger Texte sowie Forschungsliteratur) wird bis zur Vorbesprechung vorliegen.
- Lehrende/r: Ulrich Hoffmann
Das Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft kennt zwei Bedeutungen für Aufklärung: „Kulturgeschichtliche Epoche der europäischen Neuzeit; verallgemeinert: universale vernunftbetonte Haltung in theoretischer und praktischer Absicht.“ (Lemma Aufklärung, S. 160) Dabei handelt es sich um zwei grundsätzlich aufeinander bezogene Größen. Im Seminar soll deshalb der Frage nachgegangen werden, wie der Reformprozess der Aufklärung nachfolgende Autoren beeinflusst hat. Wie werden die damit prominent gewordenen Motive und Denkfiguren aktualisiert, transformiert oder auch abgelehnt? Wie wird aus einem konkreten Programm eine universale Haltung, die sich in ganz unterschiedlichen Texten wiedererkennen lässt, zum Teil als negative Projektionsfläche? Das Theater als Schauplatz menschlicher Komödien und Tragödien ist prädestiniert für die Aktualisierung von grundlegenden Motiven der Aufklärung, wie z.B. dem Vertrauen in die Vernunft, der Hoffnung auf sozialen Wandel oder der Forderung nach Toleranz. Zu fragen ist danach, wie es dabei jeweils zum Theater der Aufklärung im Sinne einer möglichen gesellschaftspolitischen Intention wird. Ist die allmähliche Vervollkommnung der Menschheit mit Hilfe literarischer Texte ein Ideal? Diese Überlegungen sollen beispielhaft an einigen Theatertexten von unterschiedlichen Autoren aus verschiedene Epochen diskutiert werden, die auf dieser aufklärerischen Folie jeweils ihr eigenes reformatorisches Programm vertreten: Gotthold Ephraim Lessing, Georg Büchner, Bertholt Brecht und Elfriede Jelinek.
- Lehrende/r: Vera Mütherig
Wir werden im Kursverlauf ausgehend von heutigen Sprachstand und zeitgenössischer Sprachkritik (Spiegel, Bastian Sick, etc.) verschiedene (scheinbare) Entwicklungstendenzen des Deutschen auf ihren Gehalt hin überprüfen und versuchen, die Phänomene z.B. variationslinguistisch, historisch, oder funktional zu erklären. Dabei werden wir Bezug auf verschiedene Sprachwandeltheorien nehmen und Einzelbeobachtungen immer wieder vor dem Hintergrund der Frage diskutieren, ob man im konkreten Fall von "Verfall" sprechen kann. Außerdem werden wir uns fragen, woher der "Verfalls-Topos" im allgemeinen Bewusstsein kommt.
Die Struktur des Seminars wird sich dabei an den grammatischen Beschreibungsebenen orientieren. So werden wir zum Beispiel lexikalischen Wandel mit Fokus auf Anglizismen besprechen, im Bereich Syntax auf die Tilgung von Präpositionen und Artikeln in jugend- und kiezsprachlichen Kontexten (Ich geh Bahnhof.) eingehen und anhand von „Deppenapostroph“ (Sabine’s Haarstudio) und „Deppenleerzeichen“ (Kokos Blüten Zucker) über Morphologie und orthographischen Wandel sprechen.
Im Seminar werden Kenntnisse auf verschiedenen Ebenen der deskriptiven Linguistik vorausgesetzt. Notwendige Grundlagen werden aber auch zu Beginn jedes neuen Themenblocks gemeinsam aufgefrischt.
In einigen Sitzungen werden wir auf Texte aus
Nübling, Damaris (2006) Historische Sprachwissenschaft des Deutschen. Eine Einführung in die Prinzipien des Sprachwandels. In Zusammenarbeit mit Antje Dammel, Janet Duke & Renata Szczepaniak. Tübingen: Narr
zurückgreifen. Darüber hinaus stelle ich wöchentlich Literatur zur Verfügung, deren eingehende Lektüre ich erwarte.
- Lehrende/r: Andrea Streckenbach
Der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandene und auf einer französischen Quelle beruhende Herzog Herpin ist einer von vier frühneuhochdeutschen Erzählungen, die der Gräfin Elisabeth von Nassau-Saarbrücken zugeschrieben werden und als die frühesten deutschen Prosaromane und somit als Vorläufer der führenden Gattung der Moderne gelten. Das in drei Handschriften und zudem unter dem Titel Der weis Ritter in zahlreichen Drucken überlieferte Werk erfreute sich im ausgehenden Mittelalter und in der Frühen Neuzeit einiger Bekanntheit und Beliebtheit.
Erzählt wird die Geschichte von Herzog Herpin, der auf einem Hoftag Karls des Großen einen Verleumder tötet und dafür gehängt werden soll. Auf Bitten seiner schwangeren Ehefrau Alheit und durch die Intervention der zwölf Räte Karls wird das Urteil in lebenslängliche Verbannung aus Frankreich abgewandelt. Auf dem Weg ins Exil werden Herpin und seine hochschwangere Frau in einem Wald getrennt und unmittelbar nach der Geburt des Kindes wird Alheit durch Räuber entführt. Den Säugling trägt eine Löwin in ihre Höhle und nährt ihn dort. Wenig später wird das Kind von einem Ritter entdeckt, aufgrund seines Fundortes Lewe genannt, adoptiert und ritterlich erzogen. Lewes Mutter kann ihren Entführern entkommen und gelangt, als Mann verkleidet, schließlich an den Hof des heidnischen Königs von Toledo, wo sie als Küchenjunge Dienst tut und sich in ritterlicher Verkleidung in Zweikämpfen und Kriegen große Verdienste erwirbt. Um den Heiratsabsichten der Königstochter Florie zu entgehen, flieht sie vom Hof und lebt unerkannt als Bettlerin in den Straßen von Toledo. Herpin kämpft währenddessen vor Rom im päpstlichen Heer gegen die sarazenischen Feinde des christlichen Glaubens. Während einer vorgeblichen Wallfahrt wird Herpin an sarazenische Kaufleute verkauft, woraufhin er in Gefangenschaft des heidnischen Königs von Cipern gerät, der die christlichen Gefangenen wiederum an den König von Toledo verschenkt. Lewe erwirbt unterdessen die Hand einer Dame, die jedoch kurz vor der Heirat entführt wird. Gemeinsam mit dem weißen Ritter, einem überirdischen Begleiter, kann Lewe seine Geliebte befreien und schließlich seine Eltern wiederfinden. Doch auch die Kinder Lewes müssen verschiedene Abenteuer bewältigen und Verlust und Trennung erfahren.
Im Zentrum der Erzählung stehen die am Beispiel von mehreren Generationen einer Familie in unterschiedlichen, sich überkreuzenden Erzählsträngen durchgespielten Entführungen, Trennungen und Wiedervereinigungen. Der Konflikt zwischen Heiden und Christen, die Themen Gender und Gewalt, verschiedene Erzählverfahren sind nur einige Kategorien, die im Seminar in den Blick genommen werden sollen. Dabei sollen nach einer intensiven gemeinsamen Lektüre des Primärtextes verschiedene Forschungspositionen vorgestellt und kritisch diskutiert werden.
Der Primärtext wird zu Beginn des Seminars in Form eines Readers zur Verfügung gestellt.
- Lehrende/r: Özlem Langer
Die einführende Vorlesung erschließt den Gegenstandsbereich der spanischen Kulturwissenschaft nicht über einen historisch-chronologischen Ansatz und auch nicht über eine landeskundliche/landeswissenschaftliche Systematik, sondern über eine Reihe kulturwissenschaftlicher Basiskonzepte, die sich in den letzten Jahren in der deutschen Forschungslandschaft und universitären Ausbildung als zentral erwiesen haben. Behandelt werden in den einzelnen Vorlesungen unter anderem die folgenden Themen- und Fragenkomplexe: „Was ist spanische Kulturwissenschaft?“, „Der Raum als Zeichen: Territoriale Identitäten“, „Die zeitliche Dimension der Kultur“, „Die Entwicklung der nationalen und kulturellen Identität(en)“, „Spanische Fremd- und Selbstbilder“, „Kulturkontakte: (Post-) Kolonialismus und Migration“, „Geschlechterordnungen und Körperdiskurse“, „Erinnerungskultur(en) und Gedächtnisorte“, „Kulturspezifische Besonderheiten des spanischen Mediensystems“ etc. Der Schwerpunkt der Einführung liegt vor allem darauf, das Problembewusstsein für die unterschiedlichen Dimensionen der spanischen Kultur zu fördern und die Relevanz zentraler Begriffe herauszuarbeiten. Kulturelle Daten und Fakten stehen daher nie für sich, sondern immer im Fokus eines Ansatzes, der die Symbolik kultureller Sachverhalte und Gegebenheiten zur Richtschnur der Darstellung macht.
- Lehrende/r: Christian von Tschilschke
Eine der zentralen Zielsetzungen des NS-Regimes war es, die deutsche Gesellschaft zu einer „Volksgemeinschaft“ im nationalsozialistischen Sinn zu formen. Die Inhalte und Rahmungen wandelten sich dabei im Laufe der Jahre. Das Regime war sich allerdings über die Zustimmung in der Bevölkerung nicht sicher, sondern bemühte sich, Stimmungslagen zu erfahren. Hierzu berichteten insbesondere während der 1930er Jahre untere staatliche Instanzen und Polizei an die NS-Regierung, später kamen Berichte des Sicherheitsdienstes (SD) hinzu. Parallel berichteten illegale Gruppen wie die Sopade oder Neu Beginnen an ihre Verbindungen im Exil über Entwicklungen in der deutschen Gesellschaft und über die Politik des Regimes.
Die Übung will solche internen Berichte, bei Interesse auch ergänzt durch Briefwechsel und Tagebücher, auf Lesarten der „Volksgemeinschaft“ untersuchen. Hierfür wird von den Teilnehmer_innen eine intensive Quellenarbeit mit edierten Quellen und Archivmaterial erwartet.
- Lehrende/r: Matthias Frese
Wiederaufbau, „Wirtschaftswunder“ und Wiedervereinigung sind mehr als nur Schlagworte. Mit diesen Begriffen gelingt es sehr anschaulich – und dies wird ein Schwerpunkt der Vorlesung sein – den Gang der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands nach 1945 chronologisch nachzuzeichnen und dabei wesentliche Entwicklungslinien und strukturelle Brüche herauszuarbeiten. Ein weiterer Schwerpunkt wird zudem auf die bis 1990 parallele, aber sich unter vollkommen unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen vollziehende Wirtschaftsentwicklung in beiden deutschen Staaten gelegt werden, die mit der staatlichen Wiedervereinigung 1990 auch die in vielerlei Hinsicht besondere Aufgabe der Zusammenführung zweier ganz verschiedener Wirtschaftsordnungen mit sich brachte. Schließlich soll die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg in ihrem internationalen Kontext betrachtet werden, und es werden ausgiebig die internationalen Einflüsse auf die Wirtschaftsentwicklung diskutiert werden. Begründet ist dies dadurch, daß sowohl Bundesrepublik als auch DDR wichtige Mitglieder internationaler Wirtschaftsgemeinschaften (EWG/EG bzw. COMECON) waren, daß die Wirtschaftskraft insbesondere der Bundesrepublik sich seit den 1950er Jahren maßgeblich auf den Außenhandel stützte, daß Bundesrepublik und DDR als hochindustrialisierte Volkswirtschaften beide vom internationalen Ölmarkt abhingen und daß die Volkswirtschaft des wiedervereinten Deutschland seit den 1990er Jahren nun den Herausforderungen einer sich beschleunigenden Globalisierung ausgesetzt ist.
- Lehrende/r: Ulf Christian Ewert
An deutschen Universitäten wird Arabisch weitgehend als Quellensprache unterrichtet. Forschung in arabischer Sprache wird im Rahmen des Studiums selten rezipiert, und das Arabische wird kaum je aktiv praktiziert. Ziel dieses Kurses ist, sich mit Fachliteratur – oder auch mit wissenschaftlichen Vorträgen – in arabischer Sprache vertraut zu machen, auf Arabisch zu diskutieren, vorzutragen und kurze Texte zu verfassen. Die genauen Formate richten sich nach dem sprachlichen Niveau der einzelnen TeilnehmerInnen; möglich sind die Lektüre und Diskussion kurzer oder längerer, einfacher oder komplexerer Texte sowie das Halten von Kurzvorträgen und das Verfassen kurzer Essays. Inhaltlich können, je nach Arbeitsschwerpunkten und Interesse unterschiedlichste Themen behandelt werden (etwa aus der Literatur-, Geschichts- oder den Sozialwissenschaften). Gerne können Sie Texte zur Lektüre und Diskussion vorschlagen – z. B. wissenschaftliche Aufsätze (oder Passagen daraus) oder Zeitschriftenartikel, die für Ihre aktuelle oder geplante Master-, Bachelor- oder Hausarbeit relevant sind –, und/oder Ihre eigene Arbeit bzw. Aspekte daraus vorstellen. Der Kurs soll Werkstattcharakter haben; es werden also keine fertigen, fehlerfreien Beiträge erwartet, sondern jede/r TeilnehmerIn sollte die eigenen Fähigkeiten erproben und erweitern.
Die aktive Teilnahme an diesem Kurs wird mit 2 LP kreditiert; der im Vergleich zu einer Vorlesung höhere Vorbereitungsaufwand wird durch eine geringere Präsenzzeit (1 SWS) ausgeglichen. Es sind keine Prüfungsleistungen zu erbringen.
Der Kurs wird voraussichtlich alle zwei Wochen (zweistündig) stattfinden. Die genauen Termine werden wir in der Vorbesprechung vereinbaren, die am Dienstag, den 09.04., um 18 Uhr stattfinden wird. InteressentInnen werden gebeten, sich vor oder zu Vorlesungsbeginn per E-Mail bei der Dozentin zu melden (barbara.winckler@uni-muenster.de), insbesondere (aber nicht nur) wenn Sie nicht zur Vorbesprechung kommen können. Dies erleichtert die Planung insbesondere der ersten Sitzungen; die Teilnahme ist aber auch ohne Voranmeldung möglich.
- Lehrende/r: Nevine Fayek
- Lehrende/r: Barbara Winckler
- Lehrende/r: Antje Dammel
- Lehrende/r: Sophie Ellsäßer
In dem aktuellen medialen ‚Hype‘ um die Geschichte von „1968“ 50 Jahre danach hat speziell die psychiatriegeschichtliche Bedeutung der damaligen Ereignisse bislang kaum eine Rolle gespielt. Dabei hat der gesellschaftliche Auf- und Umbruch im Übergang von den 1960er zu den 1970er Jahren auch einen grundlegenden langfristigen Klima- und Strukturwandel im Umgang mit seelisch Kranken angestoßen. Es erschienen die Klassiker von Klaus Dörner („Bürger und Irre“), Michel Foucault („Wahnsinn und Gesellschaft“) und Erving Goffman („Asyle“). In Heidelberg bildete sich das weithin beachtete und heftig umstrittene „antipsychiatrische“ Sozialistische Patientenkollektiv (SPK). Vor allem aber formierte sich jetzt (im Zeichen der vom deutschen Bundestag eingesetzten „Psychiatrie-Enquete“) erstmals auch eine breite Reformbewegung zur Überwindung der rückständigen inhumanen „Verwahr-Psychiatrie“.
Drei ‚Kräftefelder‘ traten in ein spannendes dynamisches Wechselverhältnis: die Psychiatrie (als Institution und Profession), ihr allgemeines politisch-gesellschaftliches Umfeld sowie die antiautoritären Programme und Aktionen der 68er Protestbewegung. Dieses dynamische Ineinandergreifen möchte die Übung herausarbeiten. Ziel ist auch ein besseres Verständnis der historischen und aktuellen Besonderheiten im Handlungsfeld der „mental health care“.
Arbeitstechnisch soll sich in jeder Sitzung ein einführendes Überblicks-/Kurzreferat mit der gemeinsamen Diskussion ausgewählter Schrift- und Filmquellen verbinden. Ein Leistungsnachweis kann durch einen Essay erworben werden. Die Veranstaltung wird über „Learnweb“ online begleitet. Zu Beginn erfolgt auch die Bereitstellung einer Auswahlbibliographie zum Thema.
- Lehrende/r: Franz-Werner Kersting