Von der Neuheit zur Norm: Habitualisierung und Internalisierung des Fußnotenjournalismus als Beispiel einer innovativen Transparenzpraxis im Journalismus

Zeitraum: 01.10.2026 – 30.09.2029

Leitung: Dr. Lars-Ole Wehden (Universität Münster) & Dr. Bernadette Uth (Universität Wien)

Finanzierung: DFG (Deutschland) & FWF (Österreich)

Fördersumme: 643.848 Euro (Gesamtvolumen), davon 403.940 Euro im deutschen Projektteil (DFG)

Abstract

Transparenz wird regelmäßig als neue zentrale Norm des Journalismus diskutiert. Während über lange Zeit das Ziel der Objektivität dominierte, setzen Redaktionen in den letzten Jahren inzwischen verstärkt auf die offene Kommunikation der Abläufe hinter den Kulissen z.B. indem Hintergrundinformationen zu den Reporter:innen oder zur Nachrichtenauswahl angeboten werden.

Mit der Forderung nach mehr Transparenz ist oftmals auch die Hoffnung auf mehr Vertrauen durch das Publikum verbunden. Innerhalb der letzten Jahre wird die Vertrauenswürdigkeit in den Journalismus zunehmend öffentlich diskutiert. Transparenz wird in der Praxis und Forschung dabei von Journalist:innen und Wissenschaftler:innen oft als wichtige Komponente der Vertrauensbildung angesehen.

Ein wichtiger Bestandteil, mit dem Journalist:innen ihre Arbeit transparent machen, ist die Benennung der Quellen, die sie für ihre Berichterstattung nutzen. Seit Kurzem ist dabei eine neue Form dieser Quellentransparenz in Deutschland und Österreich beobachtbar: Die Nutzung wissenschaftlicher Quellenangaben in Fußnotenform z.B. unter journalistischen Artikeln oder als Einblendung bei Nachrichtenvideos. Für diese Art der Quellentransparenz wurde der Begriff Fußnoten-Journalismus entwickelt.

Solche neuen Arbeitsweisen und die damit einhergehenden neuen Normen brechen jedoch mit den Erfahrungen und Erwartungen, die das Publikum mit und an den Journalismus hat. Bevor solche Innovationen die Beziehung zwischen Journalismus und Publikum stärken und Vertrauen fördern können, müssen sie daher vermutlich erst einen Prozess der Gewöhnung und Normalisierung durchlaufen, bevor sie schließlich Akzeptanz erlangen können.

Das Projekt will genau diesen Prozess analysieren und untersucht wie neue journalistische Praktiken – am Beispiel des Fußnotenjournalismus – von Journalist:innen und ihrem Publikum verinnerlicht und normalisiert werden.

Um diese Fragen zu beantworten, werden in Deutschland und Österreich mehrere Teilstudien mit Journalist:innen und Publikumsmitgliedern durchgeführt. Um die journalistische Seite zu beleuchten, ist eine Befragung von Journalist:innen in beiden Ländern zu Routinen, Motiven und Hoffnungen mittels Leitfadeninterviews vorgesehen. Um die Normalisierung neuer journalistischer Praktiken durch das Publikum im Zeitverlauf zu analysieren, werden qualitative Interviews und eine Experimentalbefragung zu mehreren Erhebungszeitpunkten durchgeführt, zwischen denen die Teilnehmer:innen mit verschiedenen Formen von Fußnotenjournalismus in Kontakt gebracht werden. Zuletzt soll mittels Eye-Tracking analysiert werden, wie Quellentransparenz gestaltet werden sollte, um deren Akzeptanz durch das Publikum zu stärken.

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag in der Erforschung einer neuen Form der Quellentransparenz und gibt außerdem Auskunft darüber, wie neue journalistische Normen und Praktiken sowohl im Journalismus als auch vom Publikum etabliert und akzeptiert werden.