Aktuelle und vergangene Lehrveranstaltungen

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026

    Proseminare

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Das Frankenreich der Karolinger (084207)
    Mi. 10-12, Aegidiistr. 5, AE 209 und Do. 10-12, F153 (Fürstenberghaus)

    „Wer heute über Europa redet, muss auch danach fragen, wie dieses Europa als politische Größe entstanden ist und welche Kräfte es am Anfang geformt haben.“ Dies nennt der französische Historiker Pierre Riché als Leitmotiv für sein Buch über die Familie der Karolinger. Ist Europa demnach das Ergebnis einer außergewöhnlichen Familiengeschichte des frühen Mittelalters? Oder resultiert es aus einer Entwicklung, deren gestaltende Ideen sich eher von der Tradition des Imperium Romanum ableiteten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung Europas soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb von Leistungspunkten sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

    Bastian A. Turowski
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Quod verus imperator papa est? Friedrich I. Barbarossa und seine Zeit. (084210)
    Di. 12-14, F029 (Fürstenberghaus) und Mi. 12-14, F029 (Fürstenberghaus)

    "Wie stark kann ein Herrscher sein Selbstverständnis und seine Herrscherwürde sichtbar machen und gleichzeitig so viel mediale Präsenz in der Nachwelt auf sich ziehen? Bei kaum einer anderen Gestalt dürfte wohl die Antwort auf Friedrich I. „Barbarossa“ (1122–1190) fallen. Sei es der legendäre Cappenberger Kopf, das „Unternehmen Barbarossa“ oder eine Ausstellung im LWL-Museum in Münster anlässlich seines 900. Geburtstages. Überall kommt Barbarossa vor. Aber wer war dieser Schwabenherzog, der 38 Jahre lang das Heilige Römische Reich regierte und in seiner Zeit im Nachklang des Investiturstreites und dem Übergang der Herrschaft von der Salier- auf die Staufer-Linie zahlreiche Konflikte ausfocht? Das Proseminar wird sich der Frage nach den Umständen dieser wechselvollen und konfliktreichen Zeit um die Person Friedrich I. Barbarossas stellen. Besonders sollen dabei die Konflikte mit den oberitalienischen Städten (allen voran Mailand mit der Zerstörung 1162), dem Konflikt um die rechte Ordnung in der Welt und das Verhältnis zum Papsttum und auch nach der italienischen Eskapade mit seinem gewaltigen Kontrahenten, Heinrich dem Löwen, behandelt werden.

    Das Seminar führt im propädeutischen Teil in die Techniken, Verfahrensweisen und Grundwissenschaften der Mediävistik ein. Diese Lehrveranstaltung erfordert das Präsentieren eines Referats sowie das Schreiben einer Abschlussklausur. Am Ende soll es durch das Verfassen einer Hausarbeit (10-12 Seiten) absolviert werden.

    Hauptseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Der Orden der Antoniter (084223)

    Di. 14-16, F040 (Fürstenberghaus)

    Der Orden der Antoniter war einer der christlichen Hospitalorden. Im Mittelpunkt seines Wirkens stand die Pflege und Versorgung von Pilgern und insbesondere von Kranken, die an einer Pilzvergiftung, dem „Heiligen Feuer“ (ignis sacer), später „Antoniusfeuer“ oder „Mutterkornbrand“ (Ergotismus gangraenosus) genannt, litten. Zunächst als Laienbruderschaft um 1095 in La Motte-aux-Bois (heute Saint-Antoine-l’Abbaye) in der Dauphiné entstanden, erhielten die Antoniusbrüder 1247 von Papst Innozenz IV. (1243-1254), die Erlaubnis, einen Ordenskonvent zu bilden, der nach den Regeln des Hl. Augustinus lebte, und wurden 1298 durch Papst Bonifaz VIII. (1294-1303), in eine Gemeinschaft regulierter Chorherren umgewandelt. Heilungserfolge, die man den Reliquien des Hl. Antonius (um 251-356) zuschrieb, und Mund-zu-Mund-Propaganda vorbeiziehender Santiago-Pilger führten zu einer raschen Ausbreitung von Präzeptoreien, den Außenstellen des Ordens, im gesamten Gebiet der römisch-katholischen Kirche. Im 15. Jahrhundert verfügte der Orden über etwa 370 Hospitäler.
    Am Beispiel der Entstehung und Ausbreitung des Antoniterordens sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt.

    Übung

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Antoniusfeuer – Mutterkornbrand – Ergotismus: Soziale Folgen einer Vergiftung (084239)
    Mi. 14-16, F030 (Fürstenberghaus)

    Der Orden der Antoniter war einer der christlichen Hospitalorden. Im Mittelpunkt seines Wirkens stand die Pflege und Versorgung von Pilgern und insbesondere von Kranken, die an einer Pilzvergiftung, dem „Heiligen Feuer“ (ignis sacer), später „Antoniusfeuer“ oder „Mutterkornbrand“ (Ergotismus gangraenosus) genannt, litten. Zunächst als Laienbruderschaft um 1095 in La Motte-aux-Bois (heute Saint-Antoine-l’Abbaye) in der Dauphiné entstanden, erhielten die Antoniusbrüder 1247 von Papst Innozenz IV. (1243-1254), die Erlaubnis, einen Ordenskonvent zu bilden, der nach den Regeln des Hl. Augustinus lebte, und wurden 1298 durch Papst Bonifaz VIII. (1294-1303), in eine Gemeinschaft regulierter Chorherren umgewandelt. Heilungserfolge, die man den Reliquien des Hl. Antonius (um 251-356) zuschrieb, und Mund-zu-Mund-Propaganda vorbeiziehender Santiago-Pilger führten zu einer raschen Ausbreitung von Präzeptoreien, den Außenstellen des Ordens, im gesamten Gebiet der römisch-katholischen Kirche. Im 15. Jahrhundert verfügte der Orden über etwa 370 Hospitäler.

    In der Übung sollen verschiedene Forschungsansätze der Medizin-, Rechts-, Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte mittels einschlägiger Texte kennengelernt und an ausgewählten Quellenzeugnissen erprobt werden. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Kolloquium

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Neue Forschungen und Examensarbeiten zur mittelalterlichen Geschichte (084289)
    Di. 18-20 (14-tägig) ab 21.04.2026, F104 (Fürstenberghaus), 09.06./23.06./07.07.2026, F153 (Fürstenberghaus)

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an Promovierende und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Wolfgang Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik.
    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Mi, 16.30-17.30 Uhr, per Telefon oder via Zoom)

     

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2025/26

    Proseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Merowinger – eine "schrecklich nette" Familie (082205)
    Mi. & Do. 10-12, F042 (Fürstenberghaus)

    Die ausgehende Antike und das frühe Mittelalter (5.-8. Jh.) gelten als „Achsenzeit“, weil in dieser Epoche Prozesse in Gang gesetzt und Strukturen entwickelt wurden, die das westeuropäische Mittelalter langfristig geprägt haben: die Christianisierung, die fränkische (Schrift-)Kultur, die Monarchie. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war das Großreich der Franken unter der Dynastie der Merowinger mit seinem Kernraum in Gallien. Aufgrund ihrer stabilen Reichsbildung bezeichnet man die Merowinger als „erste, langfristig erfolgreiche Königsdynastie des Mittelalters“ (Martina Hartmann). Doch konnte ein solches Großreich auf friedlichem Wege gebildet und zusammengehalten werden? Zeitgenossen berichten von zahlreichen militärischen Konflikten mit den Nachbarn und blutigen Auseinandersetzungen innerhalb des Herrschergeschlechts. Wie erwarben und regierten die Merowinger ihr Reich, und wie gelang es schließlich ihren Nachfolgern, den Karolingern, dieses starke Königsgeschlecht dennoch zu entmachten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen und bildlichen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb aller Leistungspunkte sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

    Hauptseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Gewalt und Kriminalität an der mittelalterlichen Universität (082225)
    Di. 14-16. Rosenstr. 9, RS 428

    Kriminalität und Gewalt an einer höheren Bildungseinrichtung wie der Universität? Das scheint auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Doch überall, wo Menschen zusammenkommen und -kamen, werden und wurden auch Gewalt ausgeübt und kriminelle Handlungen verübt, folglich auch an der Universität. Die Frage, was als kriminelle Handlung oder Gewalttat wahrgenommen und bewertet wird, ist in erheblichem Maße kulturell geprägt. Die Antworten darauf variieren im Hinblick auf Geschlecht, soziale Schichtung und Gruppenzugehörigkeit und unterliegen im Laufe der Geschichte einem Wandel. Einblick in die Wahrnehmung und Bewertung von Gewalt und Kriminalität in der „Männerwelt“ (Bea Lundt) der mittelalterlichen Universität gewähren normative Quellen, Verwaltungsschriftgut und Selbstzeugnisse. Anhand von Urkunden, Statuten, Akten, Briefen und Lebensbeschreibungen geht das Seminar Formen, Praktiken und Wahrnehmungen gewaltsamen und kriminellen Handelns von mittelalterlichen Universitätsbesuchern nach. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Ansätze der Kulturgeschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt werden.

    Übung

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Lepra und Leprakranke im Mittelalter (082242)
    Mi. 14-16, F104 (Fürstenberghaus)

    Lepra gilt als eine der ältesten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Bereits seit der Antike lässt sie sich im östlichen Mittelmeerraum nachweisen. Für die Betroffenen war die Krankheit nicht nur mit starken körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch mit erheblichen rechtlichen und sozialen Auswirkungen verbunden. Darauf deutet schon das deutsche Synonym "Aussatz" hin, das auf das Aussetzen der Erkrankten, ihre Absonderung und ihren Sonderstatus in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lebenswelt, verweist. Bis zum Erlöschen der Krankheit in Mitteleuropa zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Leprakranke überwiegend in Leprosorien, auch Siechenhäuser genannt, die aus christlicher Nächstenliebe heraus geschaffen wurden, speziell zur Unterbringung und Versorgung dienten, sich aber stets außerhalb der Städte befanden.

    In der Übung sollen verschiedene Forschungsansätze der Medizin-, Rechts-, Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte mittels einschlägiger Texte kennengelernt und an ausgewählten Quellenzeugnissen erprobt werden. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Im Rahmen der Übung ist eine halbtägige Exkursion zur Anlage des im 14. Jahrhundert gestifteten Leprosoriums in Kinderhaus geplant, auf der sich heute das Lepra-Museum Münster befindet.

    Kolloquium

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Neue Forschungen und Examensarbeiten zur mittelalterlichen Geschichte (082283)
    Di. 18-20 (14-tägig ab 21.10.2025), F073 (Fürstenberghaus)

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2025

    Proseminare

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Königliche Herrschaft ohne Staat: Die Ottonen (080208)

    Mi. & Do. 10-12, F040 (Fürstenberghaus)

    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.

    Bastian Turowski
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: auctoritas in sacro imperio oder Chefsache: Zwischen Kirchenreform und Investiturstreit (080209)
    Di. 14-16, F042 (Fürstenberghaus), Mi. 12-14 F042 (Fürstenberghaus)

    Der wahre Kaiser ist der Papst? In der Zeit des 11. Jahrhunderts verfügte der Archidiakon Hildebrand, später bekannt als Gregor VII., mit dem Dictatus papae ein reformatorisches Schreiben mit universellem Geltungsanspruch des Papsttums, der schlussendlich im Zerwürfnis der zwei Gewalten, Kaisertum und Papsttum, und zum berühmten Gang Heinrichs IV. nach Canossa führte. Halten wir uns an die bismarcksche Sentenz: „Nach Canossa gehen wir nicht“? Nein, denn im Proseminar soll neben dem Ereignisablauf um das Jahr 1077 auch nach den Hintergründen und Vorbedingungen gefragt werden, die zu dem Konflikt, der gemeinhin als „Investiturstreit“ bekannt wurde. Im Fokus stehen die Bestrebungen des Klosters Cluny, die das bestehende Kirchensystem durch innere Reformen zu ändern suchten und den Konflikt erst in Gang setzten. Ausschlaggebend für den Hergang des Konfliktes war die Synode von Sutri 1046 unter Heinrich III., die den Weg in den Konflikt einleitete, bis es schließlich, lange Zeit nach dem Bußgang Heinrichs, zur Beendigung durch das Wormser Konkordat 1122 kam. Die Ereignisse des Investiturstreits prägten nicht nur nachhaltig das Verständnis der Beziehung der beiden Universalgewalten, sondern auch die Auffassungen der modernen Mediävistik.

    Das Seminar führt im propädeutischen Teil in die Techniken, Grund- und Hilfswissenschaften der Mediävistik ein. Diese Lehrveranstaltung erfordert das Präsentieren eines Referats sowie das Schreiben einer Abschlussklausur. Am Ende soll es durch das Verfassen einer Hausarbeit (10-15 Seiten) absolviert werden.

    Hauptseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Luther als Student (080222)
    Di. 14-16, F102 (Fürstenberghaus)

    Der Eintrag vom 23. April 1501 in die Matrikel der Universität Erfurt ist der älteste urkundliche Beleg für Martin Luthers Leben. Warum wählte er Erfurt als Studienort? Wie sahen seine dortigen Studienbedingungen aus? Hat er sich dem erniedrigenden Aufnahmeritual der "Deposition" unterziehen müssen und hat er es später selbst an jüngeren Kommilitonen mitvollzogen? Welche Fächer und welche Inhalte hat er studiert und an welchen Orten? Welche akademischen Grade hat er wie schnell erworben? Wer waren seine Lehrer und wer seine Kommilitonen? Trug sein Erfurter Studienaufenthalt zu seinem späteren Wirken als Reformator bei? Wie hat er selbst sein Studium im Nachhinein reflektiert? Hat er sich etwa an der Universität Erfurt "radikalisiert"?

    Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt werden.

    Übung

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Auf den materiellen Spuren der Hanse (8080238)

    Mi. 14-16 (wöchentlich 09.-30.04.2025)

    Im Mittelpunkt der Übung steht die Auseinandersetzung mit einem Ausschnitt aus der materiellen Überlieferung der Hanse in kulturgeschichtlicher Perspektive. Gegenstände des hansischen Alltags sollen im Hinblick auf ihre Gebrauchsweisen (Funktion) und Bedeutungen (Symbolik) analysiert werden, indem danach gefragt wird, welche sozialen Beziehungen, Mentalitäten und Machtverhältnisse sie vergegenständlichen. Die verschiedenen Arten der Überlieferung (reales, abgebildetes, beschriebenes Objekt) und der Aufbewahrung von Alltagsgegenständen (Archive, Museen) bringen verschiedene Situations- und Nutzungskontexte mit sich, die wiederum verschiedene Perspektiven der Reflexion bedingen. Für die sich daraus ergebenden methodischen Vorteile (direkter Zugang), aber auch Schwierigkeiten (Entkontextualisierung durch Musealisierung) will die Übung sensibilisieren. Mit den Städten Lübeck (Europäisches Hansemuseum), Wismar und Rostock werden im Rahmen der Exkursion per Bahn aufeinanderfolgend drei Schwerpunkte architektonischer, archivierter und musealisierter Überlieferung der Hanse aufgesucht.

    Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus, am 09.04., 16.04., 23.04. u. 30.04., vier einführende Sitzungen durchgeführt. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch der Übung sind die Teilnahme an den einführenden Sitzungen und an der Exkursion sowie das Verfassen eines Essays. Zudem ist ein gewisser Eigenanteil (ca. 50-100 Euro) an den Kosten der Exkursion zu übernehmen. Die Exkursion findet vom 9.-11.5 statt.

    Aufgrund der begrenzten Anzahl von maximal 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist eine Anmeldung über HIS/LSF erforderlich

    Kolloquium

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte (080283)

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an Promovierende und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Eva Stauch und/oder durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Mi, 16.30-17.30 Uhr, per Telefon oder via Zoom)

     

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2024/25

    Vorlesung

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in die Geschichte des Mittelalters: Schwerpunkte der Epoche (088200)
    Do. 10-12, F2 (Fürstenberghaus)

    Die Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über wichtige Ereignisse und Strukturen in der Geschichte Europas im Mittelalter. Sie will Studienanfängern und historisch Interessierten auf verständliche Weise zeigen, welche Probleme und Sachverhalte die „Geschichte des Mittelalters“ bietet. Dabei sollen elementare Kenntnisse vermittelt und zu eigener Lektüre von Quellen und weiterführender Literatur angeregt werden.

    Proseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Kaufleute und Städte in der Hanse (088213)
    Mi. 10-12 & 14-16, F3 (Fürstenberghaus)

    Mit „Hanse“ bezeichnete man seit der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert eine Gemeinschaft von norddeutschen Kaufleuten, die sich Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem Zusammenschluss von zeitweise bis zu 100 Städten wandelte und fast 300 Jahre den europäischen Handel von England bis Nordwestrussland beherrschte, von Nowgorod über Bergen bis nach London, von Danzig, Bremen und Hamburg bis ins Binnenland nach Köln und Hildesheim. Am Beispiel der Hanse sollen Grundlagen der mittelalterlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte erörtert werden, aber auch Aspekte der Seefahrt, des Piratenwesens, der Alltagskultur und der Architektur. Wie entstand und wie funktionierte die Hanse? War die Hanse ein hierarchisch gegliederter Städtebund oder eher ein Verbund von Abenteurern und Egoisten, die sich zur Durchsetzung ihrer Handelsinteressen zusammenschlossen? Anhand dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe von gegenständlichen, urkundlichen, historiographischen und bildlichen Quellen in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

    Seminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Urkundenfälschungen im Mittelalter (088245)
    Di. 14-16. Rosenstr. 9, RS 428

    In allen historischen Epochen wurde betrogen und gefälscht, um sich materiell zu bereichern. Im Mittelalter treten jedoch aus verschiedenen Gründen, die z.B. auf den Stand des Wissens, der Technik oder der kommunikativen und mentalen Bedingungen zurückzuführen sind, aber auch auf eine Rechtsauffassung, die von der modernen abweicht, besonders viele solcher Fälle auf. So entsteht beispielsweise gerade die Urkundenlehre, die mittelalterliche Diplomatik, im späten Mittelalter aus dem Bedürfnis heraus, Echt und Falsch zu unterscheiden. Ein zweites Motiv für Betrug und Fälschungen bestand darin, die eigene Position durch Legenden, gefälschte Reliquien und Ablässe oder durch Rechtserfindungen zu verbessern. Auch diese Fälschungsarten sind symptomatisch für das Mittelalter. Eine dritte Gruppe mittelalterlicher Fälschungen, die ebenfalls zu bestimmten Zeiten Konjunktur hatten, ist durch etwas Anderes gekennzeichnet: Sie hatten Größeres im Auge, denn sie zielten auf das Glaubensgut ab, auf die hierarchische Gliederung der Gesamtkirche, das Rechts- und Prozesssystem, das Verhältnis zur obrigkeitlichen Gewalt etc. Alle drei Motivgruppen und ihre spezifischen Fälschungsobjekte und -arten haben aber eines gemeinsam: Sie offenbaren zugleich „die Wahrheit der Fälscher“ (Horst Fuhrmann): „Fälscher, Fälschungen und ihre Schicksale geben Auskunft über die Beschaffenheit einer Epoche, eines Landes, einer Gesellschaft. Insofern führen sie zur Wahrheit.“

    In der Übung soll das skizzierte Phänomen an verschiedenen Beispielen studiert und anhand der historischen Überlieferung erörtert werden. Die Veranstaltung ist sowohl als grundwissenschaftliche als auch als Übung im Epochenmodul geeignet.

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2024

    Aufgrund eines Forschungsfreisemesters werden im Sommersemester 2024 keine Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner angeboten!

    Proseminar

    Bastian Turowski
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Der steile Weg zur Herrschaft: Der Aufstieg der Karolinger (086205)
    Fr. 10-14, F042 (Fürstenberghaus)

    Zu Beginn des Mittelalters lässt sich der Weg dieser fränkischen Familie verfolgen, der jedoch nicht so einfach und gradlinig ist, wie es uns die späteren Quellen suggerieren. Dieser sorgt wie bei kaum einem anderen Herrschergeschlecht bis heute noch für Faszination unter Historikern, wenn sogar der französische Historiker Pierre Riché zu dem Schluss kommt: „Die Frage nach dem Schicksal der Karolinger bedeutet zugleich also die Beschäftigung mit dem Schicksal Europas“. Aber prägten unmittelbar und ausschließlich die Karolinger den europäischen Gedanken? Oder handelt es vielmehr um transformierende und adaptive Prozesse aus dem römischen Reich, durch die das Geschlecht vom anfänglichen Amt der Hausmeier bis zur Herrschaft unter Karl dem Großen gelangte? Diesen und weiteren Fragen soll im Proseminar nachgegangen werden.
    Das Seminar führt im propädeutischen Teil in die Techniken, Grund- und Hilfswissenschaften der Mediävistik ein. Diese Lehrveranstaltung erfordert das Präsentieren eines Referats sowie das Schreiben einer Abschlussklausur. Am Ende soll sie durch das Verfassen einer Hausarbeit (10-15 Seiten) absolviert werden.

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2023/24

    Proseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Königtum und Königsherrschaft im 10. Jahrhundert (084210)
    Mi. 10-12, Krummer Timpen 5, ULB 1 & Do. 10-12, Schloss, S 10

    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.

    Hauptseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Wahlentscheidungen im Mittelalter (084230)
    Di. 14-16

    Königs- oder Papstwahlen, Abt- und Bischofswahlen, Ratswahlen, Wahlen in den Ritterorden oder Rektorwahlen. Im Mittelpunkt des Seminars sollen die Vorbereitung, Organisation, der technische Ablauf von Wahl- und Losverfahren in ihrem jeweiligen historischen Kontext stehen: Bei welchen Gelegenheiten kamen diese Entscheidungsmodi zum Einsatz? Wer durfte daran teilnehmen? Wie wurde das Ergebnis vermittelt? Wurde die Entscheidung tatsächlich durch den Akt des Wählens getroffen?

    Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Übung

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Lepra und Leprakranke im Mittelalter – Quellenlektüre (084248)
    Mi. 14-16, F040 (Fürstenberghaus)

    Lepra gilt als eine der ältesten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Bereits seit der Antike lässt sie sich im östlichen Mittelmeerraum nachweisen. Für die Betroffenen war die Krankheit nicht nur mit starken körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch mit erheblichen rechtlichen und sozialen Auswirkungen verbunden. Darauf deutet schon das deutsche Synonym "Aussatz" hin, das auf das Aussetzen der Erkrankten, ihre Absonderung und ihren Sonderstatus in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lebenswelt, verweist. Bis zum Erlöschen der Krankheit in Mitteleuropa zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Leprakranke überwiegend in Leprosorien, auch Siechenhäuser genannt, die aus christlicher Nächstenliebe heraus geschaffen wurden, speziell zur Unterbringung und Versorgung dienten, sich aber stets außerhalb der Städte befanden.

    In der Übung sollen verschiedene Forschungsansätze der Medizin-, Rechts-, Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte mittels einschlägiger Texte kennengelernt und an ausgewählten Quellenzeugnissen erprobt werden. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Im Rahmen der Übung ist eine halbtägige Exkursion zur Anlage des im 14. Jahrhundert gestifteten Leprosoriums in Kinderhaus geplant, auf der sich heute das Lepra-Museum Münster befindet.

    Kolloquium

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner & Prof. Dr. Eva Stauch
    Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte (084296)

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Eva Stauch und/oder durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Mi, 16.30-17.30 Uhr, per Telefon oder via Zoom)

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2023

    Proseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die "deutschen" Päpste des Mittelalters (082214)
    Mi. 14-16, Krummer Timpen 5, ULB 101 & Do. 10-12, F030 (Fürstenberghaus)

    "Wir sind Papst!", titelte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, als 2004 ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden war. Der neue Stellvertreter Jesu auf Erden hieß Joseph Ratzinger und war ein Deutscher, ein Bayer. Doch wer war mit "wir" gemeint? Wir Bayern, wir Deutsche oder wir, die Bewohner Deutschlands? Sieben "deutsche" Nachfolger Petri soll es vor Benedikt XVI. gegeben haben, den ersten zwischen 996 und 999, den letzten 482 Jahre vor ihm (bis 1502). Aber waren sie tatsächlich alle "Deutsche"? Ab wann kann man überhaupt von "Deutschen" in der Geschichte sprechen? Wann beginnt die "deutsche" Geschichte? Unter welchen Bedingungen haben die "deutschen" Päpste die westliche Kirche im Mittelalter geleitet? Und hat ihr vermeintliches Deutschsein dabei eine Rolle gespielt? Anhand dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe gegenständlicher, urkundlicher, historiographischer und bildlicher Quellen in grundlegende Fragen, Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

    Hauptseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    „Der Tod der Professoren“: Memorialkultur mittelalterlicher Gelehrter (082230)
    Mi. 10-12

    Im Mittelpunkt des Seminars steht die kulturgeschichtliche Analyse von mittelalterlichen Gelehrtengrabmälern. Erst in letzter Zeit hat die Forschung erkannt, dass der Erkenntnisgewinn aus den Inschriften und Darstellungen auf Grabmälern für die Untersuchung städtischer, klerikaler und adliger Eliten, ihres Wetteiferns um Rang und Status und ihrer religiösen Vorstellungen, erheblich vermehrt werden kann, wenn die Artefakte im Kontext ihrer räumlichen Bezüge und ihrer Einbeziehung in die gottesdienstliche Praxis betrachtet werden. Diese Einsicht verlangt nach einem kombinierten Deutungskonzept, das neben den Darstellungen und Inschriften auf den Grabmälern, auch andere Quellen berücksichtigt: Stiftungsurkunden, Testamente, liturgische Ordnungen, Totenbücher, Inventare und Visitationsrezesse. Erst so werden die Wechselwirkungen zwischen den Grabmälern, ihren epochenspezifischen Deutungen, etwa durch Renaissance und Humanismus, und konkreten objektgebundenen Praktiken in Gottesdienst und Totengedenken nachvollziehbar. Die Analyse umfasst daher sowohl die Biografie der einzelnen Objekte als auch deren wechselnde Kontexte, die Praktiken im Rahmen von Liturgie und Totengedenken (Memoria), Besitzerbiografien sowie räumliche und soziale Konstellationen und Bezüge, um so Sinnzusammenhänge aufzudecken, die über das einzelne Grabmal hinausweisen.

    Die Veranstaltung kann entweder als Epochen- oder als Hilfswissenschaften-Seminar besucht werden.

    Übung

    Hanno Jansen
    Von Pferden, Bögen und Jurten – Die Mongolen in Quellen aus West und Ost (082244)
    Mi. 10-12, Orléans-Ring 12, SRZ 17

    Die Mongolen prägten das Bild von wilden Reiterkriegern aus den Steppen des östlichen Asiens wie kaum ein anderes Volk. Ihre sesshaften Nachbarn sahen in den nomadisch umherziehenden Steppenbewohnern ungehobelte Barbaren, deren Kriegszüge eine ständige Bedrohung darstellten. Um sich vor diesen zu schützen, begannen die chinesischen Kaiser mit dem Bau der Großen Mauer. Und auch in Europa löste der „Mongolensturm“ Entsetzen aus, als mongolische Heere bis nach Schlesien vordrangen. Christliche Chronisten stilisierten die Mongolen, die scheinbar unaufhaltsam vorwärtsdrangen und auf ihren schnellen und wendigen Pferden selbst kampferprobte Ritterheere niederwarfen, zu apokalyptischen Reitern, welche direkt dem Höllenschlund entsprungen waren. Daher rührt auch die Bezeichnung als Tartaren.

    In dieser Übung soll dagegen ein wesentlich differenziertes Bild von den Mongolen gezeichnet werden. Denn Dschingis Khan, dem es gelang, die mongolischen Stämme zu einigen, war weitaus mehr als ein erbarmungsloser Kriegsherr, der auf seinen Feldzügen ein Weltreich eroberte, was in seiner geographischen Ausdehnung einzigartig ist. Er erwies sich als ebenso geschickter Politiker wie Verwalter. Die auf ihn zurückgehende pax mongolica sollte innerhalb seines ausgedehnten Machtbereiches den Grundstein für kulturellen wie wirtschaftlichen Austausch legen; eine Politik, die auch von seinen Nachfolgern fortgeführt wurde.

    Im Zentrum der Betrachtung sollen vier Quellen stehen: Die Historia Mongolorum aus der Feder des italienischen Franziskaners Johannes Plano Carpini, der Reisebericht (Itinerarium ad partes orientales) seines Ordensbruders Johannes von Rubruk über seine Gesandtschaft zur Residenz Möngke Khans in Karakorum, die Mongolengeschichte (Ta'rich-i Ghazanides) des persischen Großwesirs Raschid ad-Din und die Geheime Geschichte der Mongolen. Bei letzterer handelt es sich um die offizielle Hofgeschichtsschreibung der Dschingisiden. Verfasst im Umfeld seines Sohnes berichtet sie vom Aufstieg Dschingis Khans zum Khagan aller Mongolen.

    Kolloquium

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner & Prof. Dr. Eva Stauch
    Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte (082282)

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Eva Stauch und/oder durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Mi, 16.30-17.30 Uhr, per Telefon oder via Zoom)

     

     

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 22/23


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    080207 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Das Frankenreich der Karolinger
    Di. 14-16,  Georgskommende 33, Haus C - Cont BH-5 und Mi. 14-16, F29 (Fürstenberghaus)

    Wer heute über Europa redet, muss auch danach fragen, wie dieses Europa als politische Größe entstanden ist und welche Kräfte es am Anfang geformt haben.“ Dies nennt der französische Historiker Pierre Riché als Leitmotiv für sein Buch über die Familie der Karolinger. Ist Europa demnach das Ergebnis einer außergewöhnlichen Familiengeschichte des frühen Mittelalters? Oder resultiert es aus einer Entwicklung, deren gestaltende Ideen sich eher von der Tradition des Imperium Romanum ableiteten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung Europas soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb von Leistungspunkten sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

     

    080200 Vorlesung: Einführung in die Geschichte des Mittelalters: Schwerpunkte der Epoche
    Do. 10-12, F2 (Fürstenberghaus)

    Die Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über wichtige Ereignisse und Strukturen in der Geschichte Europas im Mittelalter. Sie will Studienanfängern und historisch Interessierten auf verständliche Weise zeigen, welche Probleme und Sachverhalte die „Geschichte des Mittelalters“ bietet. Dabei sollen elementare Kenntnisse vermittelt und zu eigener Lektüre von Quellen und weiterführender Literatur angeregt werden.

     

    080163 Seminar: Hagiographie als historische Quelle in Spätantike und Frühmittelalter
    Mi. 8-10,  F 234 (Fürstenberghaus)

    Hagiographische Texte, ob Märtyrerakten, Heiligenviten, Wunderberichte o.a., machen einen Großteil der spätantiken und frühmittelalterlichen Schriftüberlieferung aus. Sie beanspruchen zwar, die Erinnerung an außerordentliche Personen und Geschehnisse zu bewahren, denn ihre heiligmäßigen Protagonisten waren historische Gestalten oder galten zumindest als solche. Doch stehen die Texte dabei ganz im Dienste der Überhöhung und Verehrung von Heiligen oder Ereignissen und ihrer Wirkung und unterliegen in ihrer inhaltlichen wie formalen Gestaltung literarischen Konventionen. Sie als historische Quellen zu erschließen erfordert daher ein geeignetes methodisches Instrumentarium. Das zu erwerben ist Ziel dieses Masterseminars. Ausgewählte hagiographische Überlieferungen, vor allem Heiligenviten aus Spätantike und Mittelalter, werden dabei im Mittelpunkt stehen.

    Das Seminar richtet sich an Master-Studierende der Geschichte, doch sind auch Magistrierende benachbarter Disziplinen willkommen.

     

    080400 Kolloquium: Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte
    Blockveranstaltung n.V.
    Bei Anmeldung für diese Veranstaltung bitte auch in den Learnweb-Kurs eintragen.

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 22


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088245 Übung: Auf den materiellen Spuren der Hanse

    Im Mittelpunkt der Übung steht die Auseinandersetzung mit einem Ausschnitt aus der materiellen Überlieferung der Hanse in kulturgeschichtlicher Perspektive. Gegenstände des hansischen Alltags sollen im Hinblick auf ihre Gebrauchsweisen (Funktion) und Bedeutungen (Symbolik) analysiert werden, indem danach gefragt wird, welche sozialen Beziehungen, Mentalitäten und Machtverhältnisse sie vergegenständlichen. Die verschiedenen Arten der Überlieferung (reales, abgebildetes, beschriebenes Objekt) und der Aufbewahrung von Alltagsgegenständen (Archive, Museen) bringen verschiedene Situations- und Nutzungskontexte mit sich, die wiederum verschiedene Perspektiven der Reflexion bedingen. Für die sich daraus ergebenden methodischen Vorteile (direkter Zugang), aber auch Schwierigkeiten (Entkontextualisierung durch Musealisierung) will die Übung sensibilisieren. Mit den Städten Lübeck (Europäisches Hansemuseum), Wismar und Rostock werden im Rahmen der Exkursion per Bahn aufeinanderfolgend drei Schwerpunkte architektonischer, archivierter und musealisierter Überlieferung der Hanse aufgesucht.

    Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus, am 07.04., 14.04., 21.04. u. 28.04., vier einführende Sitzungen durchgeführt. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch der Übung sind die Teilnahme an den einführenden Sitzungen und an der Exkursion sowie das Verfassen eines Essays. Zudem ist ein gewisser Eigenanteil (ca. 50-100 Euro) an den Kosten der Exkursion zu übernehmen.

     

    088228 Hauptseminar: Die Päpstin – Biographie eines Mythos
    Di. 14-16, F33 (Fürstenberghaus)

    Der amerikanische Roman ‚Die Päpstin’ von Donna W. Cross erschien 1996 sogleich in deutscher Übersetzung und wurde binnen kürzester Zeit zum Bestseller. Der 2009 veröffentlichte Film lockte über zwei Millionen Zuschauer in die Kinos. Noch im selben Jahr war der Film als TV-Mehrteiler im Fernsehen zu sehen. Seit 2011 wird ‚Die Päpstin – Das Musical’ im Schlosstheater Fulda gespielt: „Am Originalschauplatz Fulda”, wie es in einem Werbetext der spotlight Musicalproduktion GmbH heißt.

    Die aus dem Mittelalter stammende Geschichte einer Frau, die auf den Heiligen Stuhl gelangte, vermag offenbar bis heute ein breites Publikum zu faszinieren. Aber lassen sich für diese spannende Erzählung überhaupt historische Fakten finden? Von wem stammt diese in zahlreichen Versionen überlieferte Geschichte? Welche konkreten intertextuellen Bezüge zwischen den mittelalterlichen(!) Textversionen lassen sich nachweisen (Zitat, Anspielung, Plagiat, Hypertextualität)? Warum wurde diese Geschichte in verschiedenen Formen und Zeiten wieder und wieder erzählt? Haben „männliche Autoren versucht, die Geschichte Johannas als Beleg dafür zu zitieren, daß eine Frau unfähig sein muss, Priester zu sein” (Elisabeth Gössmann)? Oder gibt es noch andere Antworten?

    Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt werden.

     

    088208 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Entstehung des deutschen und des französischen Reiches

    Mi. 10-12,  F 29 (Fürstenberghaus) und Mi. 14-16, F40 (Fürstenberghaus)

    Die Frage nach der Entstehung Deutschlands auf der einen und dem Werden Frankreichs auf der auf der anderen Seite wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an diesem Prozess sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterlichen Königsdynastien der Karolinger, Robertiner/Kapetinger und Ottonen soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.

    PROF. DR. Eva Strauch, Prof. Dr. WOLFGANG E. WAGNER
    088402 Kolloquium Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte
    Block, n. V.

     

    PROF. DR. Eva Strauch, Prof. Dr. WOLFGANG E. WAGNER
    08840280 Kolloquium Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte
    Block, n. V.

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Eva Stauch und/oder durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Mi, 16.30-17.30 Uhr, per Telefon oder via Zoom)

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 21/22


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    086280 Oberseminar: Echt und falsch im Mittelalter

    Mi. 14-16, G1 (Georgskommende 14)
    In allen historischen Epochen wurde betrogen und gefälscht, um sich materiell zu bereichern. Im Mittelalter treten jedoch aus verschiedenen Gründen, die z.B. auf den Stand des Wissens, der Technik oder der kommunikativen und mentalen Bedingungen zurückzuführen sind, aber auch auf eine Rechtsauffassung, die von der modernen abweicht, besonders viele solcher Fälle auf. So entsteht beispielsweise gerade die Urkundenlehre, die mittelalterliche Diplomatik, aus dem Bedürfnis heraus, Echt und Falsch zu unterscheiden. Ein zweites Motiv für Betrug und Fälschungen bestand darin, die eigene Position durch Legenden, gefälschte Reliquien und Ablässe oder durch Rechtserfindungen zu verbessern. Auch diese Fälschungsarten sind symptomatisch für das Mittelalter. Eine dritte Gruppe mittelalterlicher Fälschungen, die ebenfalls zu bestimmten Zeiten Konjunktur hatten, ist durch etwas Anderes gekennzeichnet: Sie hatten Größeres im Auge, denn sie zielten auf das Glaubensgut ab, auf die hierarchische Gliederung der Gesamtkirche, das Rechts- und Prozesssystem, das Verhältnis zur obrigkeitlichen Gewalt etc. Alle drei Motivgruppen und ihre spezifischen Fälschungsobjekte und -arten haben aber eines gemeinsam: Sie offenbaren zugleich „die Wahrheit der Fälscher“ (Horst Fuhrmann): „Fälscher, Fälschungen und ihre Schicksale geben Auskunft über die Beschaffenheit einer Epoche, eines Landes, einer Gesellschaft. Insofern führen sie zur Wahrheit.“

    Im Seminar soll das skizzierte Phänomen an verschiedenen Beispielen studiert und anhand der historischen Überlieferung erörtert werden. Daher ist die Veranstaltung sowohl als grundwissenschaftliches als auch als Epochenseminar geeignet.

     

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    086215 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Kaufleute und Städte als Glieder der Hanse

    Mi. 10-12,  KTh IV (Johannisstr. 8-10) / Do. 10-12, F 030 (Fürstenberghaus)
    Mit „Hanse“ bezeichnete man seit der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert eine Gemeinschaft von norddeutschen Kaufleuten, die sich Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem Zusammenschluss von zeitweise bis zu 100 Städten wandelte und fast 300 Jahre den europäischen Handel von England bis Nordwestrussland beherrschte, von Nowgorod über Bergen bis nach London, von Danzig, Bremen und Hamburg bis ins Binnenland nach Köln und Hildesheim. Am Beispiel der Hanse sollen Grundlagen der mittelalterlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte erörtert werden, aber auch Aspekte der Seefahrt, des Piratenwesens, der Alltagskultur und der Architektur. Wie entstand und wie funktionierte die Hanse? War die Hanse ein hierarchisch gegliederter Städtebund oder eher ein Verbund von Abenteurern und Egoisten, die sich zur Durchsetzung ihrer Handelsinteressen zusammenschlossen? Anhand dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe von gegenständlichen, urkundlichen, historiographischen und bildlichen Quellen in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

     

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    086233 Proseminar: Friedrich I. Barbarosse auf dem Dritten Kreuzzug

    Di. 14-16, F3 (Fürstenberghaus)
    „1187: Aus dem Heiligen Land dringt die Kunde von der dramatischen Niederlage der Kreuzfahrerstaaten gegen Saladin. Jerusalem, das Zentrum der Christenheit, in der Hand der Feinde des Glaubens – Papst Gregor VIII. ruft umgehend zum Kreuzzug auf. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa nimmt das Kreuz und bereitet einen großen Zug vor. Er bricht 1189 von Regensburg auf, durchquert Ungarn, das byzantinische Reich mit seinen verschiedenen Völkern vom Balkan bis nach Kleinasien und das türkische Seldschukenreich unter großen Strapazen. Aber das Schlimmste steht dem Heer noch bevor: In Kleinarmenien angelangt, verliert es seinen Anführer – Barbarossa ertrinkt 1190 in einem Gebirgsbach zweieinhalbtausend Marschkilometer jenseits der Grenzen des Reichs.“ (A. Bühler)

    Im Seminar soll ausgehend von der Kreuzzugsidee die gegenseitige Wahrnehmung von Okzident und Orient erörtert werden. Anhand eines überlieferten Augenzeugenberichtes und anderer Quellen sollen zudem die im Proseminar erworbenen Kenntnisse in den Historischen Hilfswissenschaften Paläographie, Urkundenlehre (Diplomatik), Chronologie, Numismatik und Siegelkunde (Sphragistik) vertieft sowie die in der Übersetzungspraxis und Interpretationstechnik mittelalterlicher Zeugnisse erweitert werden.

    Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats und die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit.

     

    PROF. DR. Eva Strauch, Prof. Dr. WOLFGANG E. WAGNER
    086283 Kolloquium: Kolloquium für Masterstudierende und Doktoranden

    Fr. 26.11. und Sa. 27.11.

     

    PROF. DR. Eva Strauch, Prof. Dr. WOLFGANG E. WAGNER
    086397 Kolloquium: Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte

    Blocktermin, steht noch nicht fest

     

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2021

    Proseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Neuanfänge auf karolingischem Erbe: Die Ottonen (084213)
    Mi. 10-12, F153 (Fürstenberghaus) & Do. 10-12, F033 (Fürstenberghaus)

    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.

    Hauptseminar

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Caritas und Memoria: Stiftungen im Mittelalter (084229)
    Di. 14-16, Domplatz 23, DPL 23.102

    Das Studium der Stiftungen eignet sich zur Erkenntnis der mittelalterlichen Gesellschaft in ihren sozialen Zusammenhängen. Geht man von der Einsicht aus, dass der Zweck der Stiftung, das Gebetsgedenken an den Stifter, seine Memoria, oder die anderer von ihm benannter Personen auf Dauer zu sichern, nur durch den Austausch von Gabe und Gegengabe gesichert werden konnte, so ergeben sich vielfältige Hinsichten auf soziale, rechtliche und wirtschaftliche Beziehungen. Der Initiator oder die Verwalter seiner Stiftung und die Empfänger der Stiftungserträge standen in einem Verhältnis gegenseitiger Verpflichtungen, das oft über Jahrhunderte hin durch immer neue Aktualisierungen des Stifterwillens lebendig blieb. Stiftungen des Mittelalters gingen weit über das liturgische Gedenken hinaus und konnten neben Memoria und Caritas auch die Förderung von Kunst, Bildung und Verbreitung des Glaubens als Zwecke verfolgen.

    Im Seminar sollen verschiedene Forschungsansätze der rechts-, kunst-, sozial- und kulturgeschichtlichen Stiftungsforschung mittels einschlägiger Texte kennengelernt und an ausgewählten Quellenzeugnissen erprobt werden. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Übung

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner
    Lepra und Leprakranke im Mittelalter – Quellenlektüre (084250)
    Mi. 14-16, F042 (Fürstenberghaus)

    Lepra gilt als eine der ältesten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Bereits seit der Antike lässt sie sich im östlichen Mittelmeerraum nachweisen. Für die Betroffenen war die Krankheit nicht nur mit starken körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch mit erheblichen rechtlichen und sozialen Auswirkungen verbunden. Darauf deutet schon das deutsche Synonym "Aussatz" hin, das auf das Aussetzen der Erkrankten, ihre Absonderung und ihren Sonderstatus in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lebenswelt, verweist. Bis zum Erlöschen der Krankheit in Mitteleuropa zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Leprakranke überwiegend in Leprosorien, auch Siechenhäuser genannt, die aus christlicher Nächstenliebe heraus geschaffen wurden, speziell zur Unterbringung und Versorgung dienten, sich aber stets außerhalb der Städte befanden.

    In der Übung sollen verschiedene Forschungsansätze der Medizin-, Rechts-, Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte mittels einschlägiger Texte kennengelernt und an ausgewählten Quellenzeugnissen erprobt werden. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Im Rahmen der Übung ist, falls die jetzige Seuche es zulässt, eine halbtägige Exkursion zur Anlage des im 14. Jahrhundert gestifteten Leprosoriums in Kinderhaus geplant, auf der sich heute das Lepra-Museum Münster befindet.

     

    Hanno Jansen
    Speculum regum Früh- und hochmittelalterliche Fürstenspiegel im Vergleich (084248)
    Di. 10-12, F030 (Fürstenberghaus)

    Unter dem Begriff des Fürstenspiegels lässt sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Texte subsummieren. Zu diesen gehören Traktate über Politik- und Staatstheorie wie auch konkrete Ratgeber-Literatur bis hin zu ermahnenden Briefen. Der Begriff wurde zunächst in der Mediävistik sowie in der Forschung zur frühen Neuzeit geprägt und findet heute auch in anderen Zweigen der historischen Forschung Anwendung. Das Konzept wurde insbesondere von der Altertumswissenschaft übernommen. Versucht man sich trotz der großen Bandbreite des Materials an einer allgemeingültigen Definition der literarischen Gattung Fürstenspiegel, so handelt es sich bei diesem um einen in paränetischer Absicht verfassten Text, der sich entweder an einen konkreten Herrscher oder an die soziale Gruppe der Herrschaftsträger im Allgemeinen wendet. Allen Fürstenspiegeln ist gemeinsam, dass sie dem jeweiligen Adressaten den Spiegel vorhalten, woher sich auch der Name ableitet.

    Fürstenspiegel richteten sich zunächst primär an Könige, später auch an Fürsten oder die gewählten Regenten italienischer Stadtkommunen. Stets geben sie Einblicke in das Herrscherideal ihrer Zeit und erlauben eine tiefere Einsicht in das Amtsverständnis eines Monarchen wie auch in die Erwartungen, die an einen mittelalterlichen Regenten herangetragen wurden. Diese Quellenübung soll den Rahmen bieten, um sich näher mit einigen ausgewählten Exempla dieser Literaturgattung zu beschäftigen. Die Beispiele spannen einen Bogen von frühmittelalterlichen Königsspiegeln des karolingischen Frankenreiches über Fürstenspiegel des Hochmittelalters im Heiligen Römischen Reich und in Italien bis hin zu solchen, die im Kontext der englischen und französischen Krone entstanden sind.

    Kolloquium

    Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner & Prof. Dr. Eva Stauch
    Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte (084292)
    Fr. 07.05.2021 & Sa. 08.05.2021

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Eva Stauch und/oder durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Mi, 16.30-17.30 Uhr, per Telefon oder via Zoom)

      

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 20/21


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082200 Vorlesung: Einführung in die Geschichte des Mittelalters: Schwerpunkte der Epoche

    Di, 14-16, (via Zoom, Zugangsdaten im Learnweb)
    Die Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über wichtige Ereignisse und Strukturen in der Geschichte Europas im Mittelalter. Sie will Studienanfängern und historisch Interessierten auf verständliche Weise zeigen, welche Probleme und Sachverhalte die „Geschichte des Mittelalters“ bietet. Dabei sollen elementare Kenntnisse vermittelt und zu eigener Lektüre von Quellen und weiterführender Literatur angeregt werden.
    Die Vorlesung findet zur angegebenen Zeit via Zoom statt. Um die Zugangsdaten zu erhalten, tragen Sie sich bitte im Learnweb in die Veranstaltung ein.

    Literaturhinweise:
    Martina HARTMANN, Mittelalterliche Geschichte studieren, 4. Aufl. (2017); Peter HILSCH, Das Mittelalter – die Epoche, 4. Aufl. (2017); Harald MÜLLER, Mittelalter, 2. Aufl. (2015).

     

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082211 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Das Frankenreich der Karolinger

    Mi, 10-12, F072 (F-Haus) / Mi, 14-16, F030 (F-Haus)
    „Wer heute über Europa redet, muss auch danach fragen, wie dieses Europa als politische Größe entstanden ist und welche Kräfte es am Anfang geformt haben.“ Dies nennt der französische Historiker Pierre Riché als Leitmotiv für sein Buch über die Familie der Karolinger. Ist Europa demnach das Ergebnis einer außergewöhnlichen Familiengeschichte des frühen Mittelalters? Oder resultiert es aus einer Entwicklung, deren gestaltende Ideen sich eher von der Tradition des Imperium Romanum ableiteten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung Europas soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb von Leistungspunkten sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.

    Literaturhinweise:
    Pierre RichÉ, Les Carolingiens. Une famille qui fit l’Europe (1983; dt. 1987); Rudolf Schieffer, Die Karolinger, 5. Aufl. (2014); Reinhard Schneider, Das Frankenreich, 4. Aufl. (2001); Hans K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter, Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05). Hans-Werner GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter, 4. Aufl. (2014).

     

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082398 Kolloquium: Neue Forschungen und Examensarbeiten zur Mittelalterarchäologie und mittelalterlichen Geschichte

    Fr 20.11.2020 / Sa 21.11.2020
    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit (B.A./M.A.) betreut durch Prof. Dr. Eva Stauch und/oder durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    Voraussetzungen für die Teilnahme: persönliche Anmeldung in der Sprechzeit (Di, 16.15-17.30 Uhr)

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2020

    Aufgrund eines Forschungsfreisemesters werden im Sommersemester 2020 keine Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner angeboten!

    Proseminar

    Hanno Jansen
    Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Der Aufstieg der Karolinger Vom Werdegang einer europäischen Dynastie (080211)
    Mi. 10-12, Krummer Timpen 5, ULB 201 & Do. 10-12, F040 (Fürstenberghaus)

    Die immense Bedeutung des Frankenreiches und der karolingischen Dynastie für die Geschichte Europas ist vielschichtig und wurde in wissenschaftlichen Kreisen oftmals diskutiert. Ihr Aufstieg begann als Hausmeier der merowingischen Könige und fand seinen Höhepunkt mit der Erneuerung des westlichen Kaisertums durch Karl den Großen. Der evangelische Kirchenhistoriker Gerhard Ficker postulierte gar, die Königskrönung Pippins III. im Zuge des Dynastiewechsels von 751 sei die folgenschwerste Tat des ganzen Mittelalters. Über diese weitreichende Aussage kann man geteilter Meinung sein, aber sie verdeutlicht die enorme Bedeutung, die der endgültigen Machtübernahme der Karolinger in der Forschung beigemessen wird; in Deutschland wie auch darüber hinaus. So untersuchte der französische Historiker Pierre Riché in seinem Werk „Die Karolinger – Eine Familie formt Europa“ ihren Einfluss auf die Herausbildung und Selbstfindung des Kontinents und kam dabei zu dem Schluss, sie hätten die europäische Entwicklung nachhaltig geformt.

    Das Proseminar soll den Werdegang der Karolinger nachvollziehen und ihren Aufstieg anhand exemplarischer Meilensteine beleuchten. Wie vollzog sich ihr Aufstieg, was waren die Voraussetzungen dafür und wie gelang es ihnen, die Merowinger abzulösen? Bei der Behandlung dieser Fragestellungen sollen die grundlegenden Methoden, Arbeitstechniken und Hilfsmittel der Mediävistik vorgestellt und eingeübt werden. Darüber hinaus soll im Proseminar erörtert werden, wie die Karolinger ihre gewonnene Macht konsolidierten – etwa in Hinblick auf die Reichsverwaltung – und wie sie ihr neu erlangtes Kaisertum legitimierten; letzteres auch gegenüber Byzanz, dem großen Konkurrenten im Osten.

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 19/20


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088215 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Heinrich I. und Otto der Große – die ersten Könige der Deutschen?

    Mi, 10-12, F153 (F-Haus) / Do, 10-12, F040 (F-Haus)
    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.

    Literaturhinweise:
    G. ALTHOFF, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (2013); H. KELLER/G. ALTHOFF, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (2008); L. KÖRNTGEN, Ottonen und Salier (2013); M. PUHLE (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und Europa, 2 Bde. (2001); H.-K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 4. Aufl. (2014).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088231 Hauptseminar: Aussatz (Lepra) und Aussätzige im Mittelalter

    Di, 14-16, F102 (F-Haus)
    Lepra gilt als eine der ältesten Seuchen der Menschheitsgeschichte. Bereits seit der Antike lässt sie sich im östlichen Mittelmeerraum nachweisen. Für die Betroffenen war die Krankheit nicht nur mit starken körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch mit erheblichen rechtlichen und sozialen Auswirkungen verbunden. Darauf deutet schon das deutsche Synonym "Aussatz" hin, das auf das Aussetzen der Erkrankten, ihre Absonderung und ihren Sonderstatus in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lebenswelt, verweist. Bis zum Erlöschen der Krankheit in Mitteleuropa zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Leprakranke überwiegend in Leprosorien, auch Siechenhäuser genannt, die aus christlicher Nächstenliebe heraus geschaffen wurden, speziell zur Unterbringung und Versorgung der Kranken dienten, sich aber stets außerhalb von Städten befanden.
    Im Mittelpunkt des Seminars sollen Erscheinungsbild und Lebensweise der Erkrankten, ihre Wahrnehmung durch die Gesunden und deren Umgang mit ihnen stehen. Dabei sollen verschiedene Forschungsansätze der Medizin-, Rechts-, Kunst-, Sozial- und Kulturgeschichte vorgestellt und an ausgewählten Quellenzeugnissen erprobt werden. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.
    Im Rahmen des Seminars ist eine halbtägige Exkursion zur Anlage des im 14. Jahrhundert gestifteten Leprosoriums in Münster-Kinderhaus geplant, in der sich heute ein Lepra-Museum befindet.

    Literaturhinweise:
    J. BELKER-VAN DEN HEUVEL, Aussätzige. "Tückischer Feind" und "Armer Lazarus", in: B.-U. HERGEMÖLLER (Hg.), Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft. Ein Hand- und Studienbuch (2001), S. 270-299; R. JÜTTE, Stigma-Symbole. Kleidung als identitätsstiftendes Merkmal bei spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Randgruppen (Juden, Dirnen, Aussätzige, Bettler), in: N. BULST/R. JÜTTE, Robert (Hg.), Zwischen Sein und Schein. Kleidung und Identität in der ständischen Gesellschaft (Saeculum 44, 1993), S. 65-89; K. P. JANKRIFT, Die umgekehrte Schüssel. Gelebte Normen im Alltag rheinischer und westfälischer Leprosorien, in: H. BRAND u.a. (Hg.), Gelebte Normen im urbanen Raum. Zur sozial- und kulturgeschichtlichen Analyse rechtlicher Quellen in Städten des Hanseraums (13. bis 16. Jahrhundert) (2014), S. 119-128; M. UHRMACHER, Kommunale Selbstinszenierung im vorstädtischen Raum. Ein neuer Blick auf Leprosorien des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, in: M. STERCKEN/CH. HESSE (Hg.) Kommunale Selbstinszenierung. Städtische Konstellationen zwischen Mittelalter und Neuzeit (2018), S. 277-298.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088201 Vorlesung: Herrscherbilder des frühen und hohen Mittelalters in ihrem historischen Kontext

    Mi, 14-16. F4 (F-Haus)
    Bildliche Darstellungen von früh- und hochmittelalterlichen Herrschern finden sich vornehmlich auf Münzen und Siegeln, aber auch in prunkvollen Handschriften, die für den Gottesdienst bestimmt waren, sowie in Rechtstexten. Von kunsthistorischer Seite wurden sie lange Zeit vor allem als Glanzleistungen der frühmittelalterlichen Buchmalerei betrachtet. Für den Historiker sind sie indes als Widerspiegelung der Vorstellungen von königlich-kaiserlicher Herrschaft interessant, die die Epoche prägten. Wie ließen sich die Herrscher darstellen oder wie wurden sie dargestellt? Welche Auffassungen vom König- oder Kaisertum werden darin sichtbar? Kann aus der Gesamtkonzeption eines Bildes und der Gestik der Dargestellten auf gesellschaftlich-politische Zustände oder erwartete Verhaltensweisen des Herrschers geschlossen werden? Anhand dieser und ähnlicher Fragestellungen soll in der Vorlesung eine zentrale Überlieferung der hochmittelalterlichen Geschichte vorgestellt und erörtert werden.

    Literaturhinweise:
    P.E. SCHRAMM, Die deutschen Kaiser und Könige in Bildern ihrer Zeit: 751-1190. Neuaufl. hrsg. v. F. MÜTHERICH (1983); J. WOLLASCH, Kaiser und Könige als Brüder der Mönche. Zum Herrscherbild in liturgischen Handschriften des 9.-11. Jahrhunderts, in: Deutsches Archiv 40 (1984), S. 1-20; H. KELLER, Herrscherbild und Herrschaftslegitimation. Zur Deutung der ottonischen Denkmäler, in: Frühmittelalterliche Studien 19 (1985), S. 240-311; L. KÖRNTGEN, Königsherrschaft und Gottes Gnade. Zu Kontext und Funktion sakraler Vorstellungen in Historiographie und Bildzeugnissen der ottonisch-frühsalischen Zeit (2001).

    ROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088289 Kolloquim: Kolloquium für Examenskandidierende (B.A./M.A.) und Promovierende in mittelalterlicher Geschichte

    Di, 18-20, 14-tägl. von 15.10.2019, F229 (F-Haus)

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2019


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    086225 Hauptseminar: Wahlentscheidungen im Mittelalter

    Di., 14-16, SRZ 19 (Orléans-Ring 12)

    Wählen und Losen dienten im Mittelalter als Modi zur Entscheidungsfindung; man denke etwa an Königs- oder Papstwahlen, Abt- und Bischofswahlen, Ratswahlen, Wahlen in den Ritterorden oder Rektorwahlen. Im Mittelpunkt des Seminars sollen die Vorbereitung, Organisation, der technische Ablauf von Wahl- und Losverfahren in ihrem jeweiligen historischen Kontext stehen: Bei welchen Gelegenheiten kamen diese Entscheidungsmodi zum Einsatz? Wer durfte daran teilnehmen? Wie wurde das Ergebnis vermittelt? Wurde die Entscheidung tatsächlich durch den Akt des Wählens oder Losens getroffen?
    Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.

    Literaturhinweise:
    W. MALECZEK, Abstimmungsarten. Wie kommt man zu einem vernünftigen Wahlergebnis? in: Wahlen und Wählen im Mittelalter, hg. v. R. SCHNEIDER / H. ZIMMERMANN (1990), S. 79-134; R. C. SCHWINGES, Rektorwahlen. Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte des Alten Reiches im 15. Jahrhundert (1992); K. SCHREINER, Wahl, Amtsamtritt und Amtsenthebung von Bischöfen. Rituelle Handlungsmuster, rechtlich normierte Verfahren, traditionsgestützte Gewohnheiten, in: Vormoderne politische Verfahren, hg. v. B. STOLLBER-RILINGER (2001), S. 73-117.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    086281 Kolloquium: Kolloquium für Examenskandidierende (B.A./M.A.) und Promovierende in mittelalterlicher Geschichte

    Di., 18-20, 14tägl., F 229 (F-Haus); Beginn: 09.04.2019

    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit betreut durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    086248 Übung: "Auf den materiellen Spuren der Hanse"

    Mi., 03.04.2019, BB 102 (Bispinghof 2)/ Mi., 10.04.2019, S 055 (Schloss)/ Mi., 17.04.2019, S055 ( Schloss)/ Mi., 24.04.2019, S055 (Schloss)

    Im Mittelpunkt der Übung steht die Auseinandersetzung mit einem Ausschnitt aus der materiellen Überlieferung der Hanse in kulturgeschichtlicher Perspektive. Gegenstände des hansischen Alltags sollen im Hinblick auf ihre Gebrauchsweisen (Funktion) und Bedeutungen (Symbolik) analysiert werden, indem danach gefragt wird, welche sozialen Beziehungen, Mentalitäten und Machtverhältnisse sie vergegenständlichen. Die verschiedenen Arten der Überlieferung (reales, abgebildetes, beschriebenes Objekt) und der Aufbewahrung von Alltagsgegenständen (Archive, Museen) bringen verschiedene Situations- und Nutzungskontexte mit sich, die wiederum verschiedene Perspektiven der Reflexion bedingen. Für die sich daraus ergebenden methodischen Vorteile (direkter Zugang), aber auch Schwierigkeiten (Entkontextualisierung durch Musealisierung) will die Übung sensibilisieren. Mit den Städten Lübeck (Europäisches Hansemuseum), Wismar und Rostock werden im Rahmen der Exkursion per Bahn aufeinanderfolgend drei Schwerpunkte architektonischer, archivierter und musealisierter Überlieferung der Hanse aufgesucht.

    Literaturhinweise:
    A. LUDWIG, Materielle Kultur, Version 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 30.05.2011, URL: http://docupedia.de/zg/ludwig_materielle_kultur_v1_de_2011; J. BRACKER/V. HENN/R. POSTEL (Hg.), Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, 4. Aufl. (2006); M. PUHLE (Hg.), Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500. Ausstellung Kulturhistorisches Museum Magdeburg 28. Mai bis 25. August 1996, 2 Bde. (1996); G. GERKENS/A. GRASSMANN (Hg.), Der Lübecker Kaufmann. Aspekte seiner Lebens- und Arbeitswelt vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert [Begleitpublikation zur Ausstellung im Burgkloster zu Lübeck vom 27. Juni bis zum 31. Okt. 1993] (1993).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    086212 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Königtum und Königsherrschaft im 10. Jahrhundert

    Mi., 10-12, F 030 (F-Haus) / Do., 10-12, ULB 1 (Krummer Timpen 5)

    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.

    Literaturhinweise:
    G. ALTHOFF, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (2013); H. KELLER/G. ALTHOFF, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (2008); L. KÖRNTGEN, Ottonen und Salier (2013); M. PUHLE (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und Europa, 2 Bde. (2001); H.-K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 4. Aufl. (2014).


     

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    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    084234 Hauptseminar: Gewalt und Kriminalität an der mittelalterlichen Universität

    Di., 14-16, F 102 (F-Haus); Beginn: 09.10.2018
    Kriminalität und Gewalt an der Universität? Das scheint auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Doch überall, wo Menschen zusammenkommen und -kamen, werden und wurden auch Gewalt ausgeübt und kriminelle Handlungen verübt, folglich auch an der Universität. Die Frage, was als kriminelle Handlung oder Gewalttat wahrgenommen und bewertet wird, ist in erheblichem Maße kulturell geprägt. Die Antworten darauf variieren im Hinblick auf Geschlecht, soziale Schichtung und Gruppenzugehörigkeit und unterliegen im Laufe der Geschichte einem Wandel. Einblick in die Wahrnehmung und Bewertung von Gewalt und Kriminalität in der "Männerwelt" (Bea Lundt) der mittelalterlichen Universität gewähren normative Quellen, Verwaltungsschriftgut und Selbstzeugnisse. Anhand von Urkunden, Statuten, Akten, Briefen und Lebensbeschreibungen geht das Seminar Formen und Praktiken gewaltsamen und kriminellen Handelns von mittelalterlichen Universitätsbesuchern nach. Auf diese Weise sollen sowohl zentrale Ansätze der Kulturgeschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt werden.
    Literaturhinweise: Gerd SCHWERHOFF: Kriminalitätsgeschichte, Frankfurt/Main 2010; Rolf SIEFERLE / Helga BREUNINGER (Hrsg.): Kulturen der Gewalt. Ritualisierung und Symbolisierung von Gewalt in der Geschichte, Frankfurt a. M. 1998; Marian FÜSSEL: Gewalt im Zeichen der Feder. Soziale Leitbilder in akademischen Initiationsriten der Frühen Neuzeit, in: Michaela Hohkamp / Claudia Jarzebowski / Claudia Ulbrich (Hrsg.): Gewalt in der Frühen Neuzeit, Berlin 2005, 101-116; Bea LUNDT: Zur Entstehung der Universität als Männerwelt, in: Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung. Band 1: Vom Mittelalter bis zur Aufklärung. Band 2: Vom Vormärz bis zur Gegenwart, Frankfurt/M. / New York 1996, S. 103-118.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    084287 Kolloquium für Examenskandidierende (B.A./M.A.) und Promovierende in mittelalterlicher Geschichte

    Di., 18-20, F 072 (F-Haus); Termine
    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Qualifizierungsarbeit betreut durch Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    082214 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
    Die Herrschaft der Karolinger

    Mi., 10-12, F 029 (F-Haus) / Mi., 14-16, JO 101 (Johannisstr. 1) / Mi., 30.01.2019, 14-16, S 055 (Schloss); Beginn: 17.10.2018
    "Wer heute über Europa redet, muss auch danach fragen, wie dieses Europa als politische Größe entstanden ist und welche Kräfte es am Anfang geformt haben." Dies nennt der französische Historiker Pierre Riché als Leitmotiv für sein Buch über die Familie der Karolinger. Ist Europa demnach das Ergebnis einer außergewöhnlichen Familiengeschichte des frühen Mittelalters? Oder resultiert es aus einer Entwicklung, deren gestaltende Ideen sich eher von der Tradition des Imperium Romanum ableiteten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung Europas soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: Pierre Riché, Les Carolingiens. Une famille qui fit l'Europe (1983; dt. 1987); Rudolf Schieffer, Die Karolinger. 5. Aufl. (2014); Reinhard Schneider, Das Frankenreich. 4. Aufl. (2001); Hans K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05). Hans-Werner GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 4. Aufl. (2014).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    084200 Einführungsvorlesung: Einführung in die Geschichte des Mittelalters: Epochenschwerpunkte

     

    Do., 10-12, F 4 (F-Haus); Beginn: 11.10.2018
    Die Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über wichtige Ereignisse und Strukturen in der Geschichte Europas im Mittelalter. Sie will Studienanfängern und historisch Interessierten auf verständliche Weise zeigen, welche Probleme und Sachverhalte die "Geschichte des Mittelalters" bietet. Dabei sollen elementare Kenntnisse vermittelt und zu eigener Lektüre von Quellen und weiterführender Literatur angeregt werden.
    Literaturhinweise: Martina HARTMANN, Mittelalterliche Geschichte studieren (2010); Peter HILSCH, Das Mittelalter - die Epoche (2012); Harald MÜLLER, Mittelalter (2015).

     

     

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2018


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082285 Masterseminar: Entscheidungsfindung in spätmittelalterlichen Gemeinschaften

    Di., 14-16, F 153 (F-Haus); Beginn: 10.04.2018
    Entscheidungen gehören seit jeher zu den zentralen Aspekten politik- und ereignisgeschichtlicher Betrachtungen. Sie beschreiben historisches Geschehen in der Regel als Aufeinanderfolge von individuellen Entscheidungsmotiven und -folgen. Stillschweigend wird so vorausgesetzt, dass dem Handeln der Akteure Entscheidungen zugrunde liegen, die sich auf nachvollziehbare Motive und Überlegungen Einzelner zurückführen lassen, mithin einer gewissen individuellen Rationalität folgen. Im Laufe des Seminars sollen Verfahren des Entscheidens in verschiedenen mittelalterlichen Gemeinschaften wie Gilden und Zünften, Mönchs- und Nonnenkonvente, Ritterorden, Konzilien, Stadtkommunen, Universitäten und der Hanse einer differenzierten Analyse unterzogen werden. Dabei soll Entscheiden nicht als primär mentales Geschehen, das dem Handeln individueller Akteure vorausgeht, aufgefasst werden, sondern als soziales Geschehen, als eine besondere Form des sozialen Handelns.
    Literaturhinweise: Christoph Dartmann / Günter Wassilowsky / Thomas Weller (Hrsg.), Technik und Symbolik vormoderner Wahlverfahren, München 2010; Jürgen Dendorfer, Inszenierung von Entscheidungsfindung auf den Konzilien des 15. Jahrhunderts. Zum Zeremoniell der 'sessio generalis' auf dem Basler Konzil, in: Jörg Peltzer / Gerald Schwedler / Paul Töbelmann (Hrsg.), Politische Versammlungen und ihre Rituale. Repräsentationsformen und Entscheidungsprozesse des Reichs und der Kirche im späten Mittelalter, Ostfildern 2009, S. 37-53; Hagen Keller, Wahlformen und Gemeinschaftsverständnis in den italienischen Stadtkommunen (12./14. Jahrhundert), in: Harald Zimmermann / Reinhold Schneider (Hrsg.), Wahlen und Wählen im Mittelalter, Sigmaringen 1990, S. 345-374; Barbara Stollberg-Rilinger (Hrsg.), Vormoderne politische Verfahren, Berlin 2001; Barbara Stollberg-Rilinger / André Krischer (Hrsg.), Herstellung und Darstellung von Entscheidungen. Verfahren, Verwalten und Verhandeln in der Vormoderne, Berlin 2010.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    082288 Kolloquium für Doktoranden und ExamenskandidatInnen

    14-tägig Di., 18-20, F 153 (F-Haus); Beginn: 10.04.2018
    Das Kolloquium richtet sich vor allem an PromovendInnen und fortgeschrittene Studierende, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit abfassen. Es soll in erster Linie der Vorstellung und Kritik im Entstehen befindlicher wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aber auch der Diskussion aktueller Forschungsfragen der Mediävistik. Interessenten sind herzlich willkommen, aber die vorherige persönliche Anmeldung in der Sprechzeit ist erwünscht.


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082214 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Ottonen - Königsherrschaft im 10. Jahrhundert

    Mi., 10-12, F 234 (F-Haus) / Do., 10-12, F 33 (F-Haus); Beginn: 11.04.2018
    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.
    Literaturhinweise: H.-K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 4. Aufl. (2014). G. ALTHOFF, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (2012); H. KELLER/G. ALTHOFF, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (2008);L. KÖRNTGEN, Ottonen und Salier (2013); M. PUHLE (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und Europa, 2 Bde. (2001)


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    082256 Übung: Quellenlektüre zu hochadeligen Eheschließungen im Spätmittelalter

    Mi., 14-16, F 042 (F-Haus); Beginn: 11.04.2018
    Im Hochadel des Mittelalters war die Fortpflanzung des Herrschers das einzige Medium, das den unbestrittenen Fortbestand der Herrschaft gewährleisten konnte. Zur Fortpflanzung sind aber zwei nötig, und deshalb bringt schon dieser eine einleitende Satz das ganze Gewicht monarchischer Ehen auf den Punkt. Die Eheschließung war eine (fast) unausweichliche Notwendigkeit von herrschafts- oder besser: dynastietragender Bedeutung. Diese lastete denn auch auf dem heiklen Vorgang der Partnerwahl. An ausgewählten Quellen des hohen und des späten Mittelalters soll rekonstruiert und verglichen werden, wie unter diesen Voraussetzungen das Zustandekommen fürstlicher und königlicher Ehen organisiert worden ist. Dabei sollen Zwänge und Spielräume erkundet werden, Risiken und Absicherungen, Praktiken und Normen.
    Literaturhinweise: Oliver Auge: Heiratspläne und große Politik. Ein kurpfälzisch-mailändisches Heiratsprojekt von 1404 im reichsgeschichtlichen Kontext, in: Die Visconti und der deutsche Südwesten. Kulturtransfer im Spätmittelalter, hrsg. von Peter Rückert / Sönke Lorenz, Ostfildern 2008, S. 185-206; Sonja Dünnebeil, Handelsobjekt Erbtochter. Zu den Verhandlungen über die Verheiratung Marias von Burgund, in: Außenpolitisches Handeln im ausgehenden Mittelalter, hrsg. v. Sonja Dünnebeil / Christine Ottner, Wien /Köln / Weimar 2007, 159-184; Karl-Heinz Spiess: Europa heiratet. Kommunikation und Kulturtransfer im Kontext europäischer Königsheiraten des Spätmittelalters, in: Europa im späten Mittelalter, hrsg. v. Rainer C. Schwinges / Christian Hesse / Peter Moraw, München 2006, S. 435-464; Dieter Veldtrup: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Warendorf 1988.

  • lehrveranstaltungen im Wintersemester 17/18


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    080211 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
    Die Entstehung des deutschen und des französischen Reiches

    Mi., 10-12, DPL 23 426 (Domplatz 23) / Do., 10-12, F 102 (F-Haus); Beginn: 18.10.2017
    Die Frage nach der Entstehung Deutschlands auf der einen und dem Werden Frankreichs auf der auf der anderen Seite wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an diesem Prozess sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterlichen Königsdynastien der Karolinger, Robertiner/Kapetinger und Ottonen soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.
    Literaturhinweise: C. BRÜHL, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker (1995); G. ALTHOFF, Die Ottonen (2012); H. KELLER/G. ALTHOFF, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (2008); J. EHLERS, Die Entstehung des deutschen Reiches (2012); J. FRIED, Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024 (1994); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter (2014); L. KÖRNTGEN, Ottonen und Salier (2014).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    080235 Hauptseminar: Biographie eines Mythos: die Päpstin Johanna

    Di., 14-16, F 3 (F-Haus); Beginn: 17.10.2017
    Der amerikanische Roman ‚Die Päpstin’ von Donna W. Cross erschien 1996 sogleich in deutscher Übersetzung und wurde binnen kürzester Zeit zum Bestseller. Der 2009 veröffentlichte Film lockte über zwei Millionen Zuschauer in die Kinos. Noch im selben Jahr war der Film als TV-Mehrteiler im Fernsehen zu sehen. Seit 2011 wird ‚Die Päpstin – Das Musical’ im Schlosstheater Fulda gespielt: „Am Originalschauplatz Fulda“, wie es in einem Werbetext der spotlight Musicalproduktion GmbH heißt.
    Die aus dem Mittelalter stammende Geschichte einer Frau, die auf den Heiligen Stuhl gelangte, vermag offenbar bis heute ein breites Publikum zu faszinieren. Aber lassen sich für diese spannende Erzählung überhaupt historische Fakten finden? Von wem stammt diese in zahlreichen Versionen überlieferte Geschichte? Welche konkreten intertextuellen Bezüge zwischen den mittelalterlichen(!) Textversionen lassen sich nachweisen (Zitat, Anspielung, Plagiat, Hypertextualität)? Warum wurde diese Geschichte in verschiedenen Formen und Zeiten wieder und wieder erzählt? Haben „männliche Autoren versucht, die Geschichte Johannas als Beleg dafür zu zitieren, daß eine Frau unfähig sein muss, Priester zu sein“ (Elisabeth Gössmann)? Oder gibt es noch andere Antworten?
    Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt werden.
    Literaturhinweise: E. GÖSSMANN, Die Päpstin Johanna. Der Skandal eines weiblichen Papstes (1994); K. HERBERS, Die Päpstin Johanna. Ein kritischer Forschungsbericht, in: Historisches Jahrbuch 108 (1988), S. 174-194; K. HERBERS/M. KERNER, Die Päpstin. Biographie einer Legende (2010); M. IMHOF, Die Päpstin. Wahrheit und Mythos (2011).


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    080254 Übung: Frühmittelalterliche Herrscherurkunden - Formen, Editionen, Auswertungsmöglichkeiten

    Mi., 14-16, ULB 201 (Krummer Timpen 5); Beginn: 18.10.2017
    Die Urkundenlehre (Diplomatik) nimmt unter den Historischen Grund- oder auch Hilfswissenschaften einen besonderen Rang ein, denn sie liefert im wahrsten Sinne des Wortes Basiswissen für Historiker. An der Produktion von Herrscherurkunden waren in der Regel mehrere Personen beteiligt: Bittsteller (Empfänger), Fürsprecher und Intervenienten, Aussteller und Kanzleipersonal (Diktator, Schreiber, Hofkapläne). Anhand der inneren und äußeren Merkmale frühmittelalterlicher Königs- und Kaiserurkunden sowie der Aussagen, die in ihnen getroffen werden, will die Lehrveranstaltung den Auswertungsmöglichkeiten im Hinblick auf den Entstehungsprozess der Schriftstücke, auf Selbstaussagen der Herrscher, auf Hofgeistlichkeit, königliche Verwaltung, Rechtsprechung und Politik, kurz: das Funktionieren mittelalterlicher Königsherrschaft, nachgehen.
    Literaturhinweise: A. v. BRANDT, Werkzeug des Historikers, 18. Aufl. (2012); H. BRESSLAU, Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien, 3 Bde. (1912-1960); O. GUYOTJEANNIN/J. PYCKE/B.-M. TOCK, Diplomatique Médiévale, 2. Aufl. (1997); Th. VOGTHERR, Urkundenlehre. Basiswissen (2008).

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017



    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER / Apl. Prof. Dr. michael sikora
    088233 Hauptseminar: Wen heiratet der Prinz? Hochadelige Eheschließungen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

    Di., 16-18, F 102 (F-Haus); Beginn: 25.04.2017
    In den Monarchien vorkonstitutioneller Zeiten war die Fortpflanzung des Herrschers das einzige Medium, das den unbestrittenen Fortbestand der Herrschaft gewährleisten konnte. Das gilt für mittelalterliche Fürsten und Könige genauso wie für die doch schon so institutionalisierten Monarchien des 18. Jahrhunderts. Zur Fortpflanzung sind aber zwei nötig, und deshalb bringt schon dieser eine einleitende Satz das ganze Gewicht monarchischer Ehen auf den Punkt. Die Eheschließung war eine (fast) unausweichliche Notwendigkeit von buchstäblich staats-(oder besser: dynastie-)tragender Bedeutung. Diese lastete denn auch auf dem heiklen Vorgang der Partnerwahl. An ausgewählten Beispielen vom späten Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert wollen wir rekonstruieren und vergleichen, wie unter diesen Voraussetzungen das Zustandekommen fürstlicher und königlicher Ehen organisiert worden ist. Wir wollen Zwänge und Spielräume erkunden, Risiken und Absicherungen, Praktiken und Normen. Risiken gehen wir dabei selber ein, denn traditionell werden die Ehen der Monarchen entweder umstandslos als archaische Form der Bündnispolitik rationalisiert oder als vermeintliche Individualschicksale dem Klatsch des historischen Boulevards überlassen. Unseren Weg, das Familiäre als Strukturmerkmal vormoderner Politik ernst zu nehmen, müssen wir uns selbst erarbeiten. Das Seminar kann als Mittelalter- oder Frühneuzeit-Seminar abgerechnet werden
    Literaturhinweise: Kulturtransfer im Spätmittelalter, hrsg. von Peter Rückert / Sönke Lorenz, Ostfildern 2008, S. 185-206; Sonja Dünnebeil, Handelsobjekt Erbtochter. Zu den Verhandlungen über die Verheiratung Marias von Burgund, in: Außenpolitisches Handeln im ausgehenden Mittelalter, hrsg. v. Sonja Dünnebeil / Christine Ottner, Wien /Köln / Weimar 2007, 159-184; Karl-Heinz Spiess: Europa heiratet. Kommunikation und Kulturtransfer im Kontext europäischer Königsheiraten des Spätmittelalters, in: Europa im späten Mittelalter, hrsg. v. Rainer C. Schwinges / Christian Hesse / Peter Moraw, München 2006, S. 435-464; Dieter Veldtrup: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen Heiratsprojekten Karls IV., Warendorf 1988; Daniel Schönpflug: Die Heiraten der Hohenzollern. Verwandtschaft, Politik und Ritual in Europa 1640-1918, Göttingen 2013; Stefanie Walther: Die (Un-)Ordnung der Ehe. Normen und Praxis ernestinischer Fürstenehen in der Frühen Neuzeit, München 2011; Ute Essegern: Höfische Ehen als Spielfeld der Interessen, in: mächtig. verlockend. Frauen der Welfen. Begleitband zur Ausstellung Schloßmuseum Celle 14.2.-15.8.2010, hrsg. vom Bomann-Museum Celle, Abteilung Residenzmuseum im Celler Schloß, Redaktion: Kathleen Biercamp / Juliane Schmieglitz-Otten, Celle 2010, S. 44-61; Anne-Simone Knöfel: Dynastie und Prestige. Die Heiratspolitik der Wettiner, Köln u. a. 2009; Judith J. Hurwich: Noble Strategies. Marriage and Sexuality in the Zimmern Chronicle, Kirksville 2006; Evelin Oberhammer: Gesegnet sei dies Band. Eheprojekte, Heiratspakten und Hochzeit im fürstlichen Haus, in: Der ganzen Welt ein Lob und Spiegel. Das Fürstenhaus Liechtenstein in der frühen Neuzeit, hrsg. v. Ders., Wien / München 1990, S. 182-203.


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088212 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
    Die Karolinger: Familien- oder Reichsgeschichte?

    Mi., 8-10, F 072 (F-Haus) / Do., 10-12, F 072 (F-Haus); Beginn: 26.04.2017
    „Wer heute über Europa redet, muß auch danach fragen, wie dieses Europa als politische Größe entstanden ist und welche Kräfte es am Anfang geformt haben.“ Dies nennt der französische Historiker Pierre Riché als Leitmotiv für sein Buch über die Familie der Karolinger. Ist Europa demnach das Ergebnis einer außergewöhnlichen Familiengeschichte des frühen Mittelalters? Oder resultiert es aus einer Entwicklung, deren gestaltende Ideen sich eher von der Tradition des Imperium Romanum ableiteten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung Europas soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: P. Riché, Les Carolingiens. Une famille qui fit l’Europe (1983; dt. 1987); R. Schieffer, Die Karolinger. 5. Aufl. (2014); R. Schneider, Das Frankenreich. 4. Aufl. (2001); H.-K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05).


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    088251 Übung: Materielle Hinterlassenschaft der Hanse in ihrem westfälischen Quartier

    Mi., 19.04., 16-18, JO 102 (Johannisstr. 4) / Mi., 26.04., 16-18, ULB 202 (Krummer Timpen 5) / Mi., 17.05., 16-18, JO 102 (Johannisstr. 4)
    Exkursion nach Dortmund und Soest: Freitag, 28.04. und Samstag, 29.04.2017 - jeweils ganztägig
    Im Mittelpunkt der Übung steht die Auseinandersetzung mit einem Ausschnitt aus der materiellen Überlieferung der Hanse in kulturgeschichtlicher Perspektive. Gegenstände des hansischen Alltags sollen im Hinblick auf ihre Gebrauchsweisen (Funktion) und Bedeutungen (Symbolik) analysiert werden, indem danach gefragt wird, welche sozialen Beziehungen, Mentalitäten und Machtverhältnisse sie vergegenständlichen. Die verschiedenen Arten der Überlieferung (reales, abgebildetes, beschriebenes Objekt) und der Aufbewahrung von Alltagsgegenständen (Archive, Museen) bringen verschiedene Situations- und Nutzungskontexte mit sich, die wiederum verschiedene Perspektiven der Reflexion bedingen. Für die sich daraus ergebenden methodischen Vorteile (direkter Zugang), aber auch Schwierigkeiten (Entkontextualisierung durch Musealisierung) will die Übung sensibilisieren. Mit den westfälischen Städten Dortmund und Soest werden im Rahmen der Exkursion per Bahn aufeinanderfolgend zwei Schwerpunkte architektonischer, archivierter und musealisierter Überlieferung der Hanse aufgesucht.
    Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus, am 19.04. u. 26.04., zwei einführende Sitzungen durchgeführt. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch der Übung sind die Teilnahme an den einführenden Sitzungen und an der Exkursion sowie das Verfassen eines Essays. Zudem ist ein gewisser Eigenanteil an den Kosten der Exkursion zu übernehmen.
    Literaturhinweise: H. KALTHOFF u.a., Einleitung. Materialität in Kultur und Gesellschaft, in: H. KALTHOFF u.a. (Hrsg.), Materialität. Herausforderungen für die Sozial- und Kulturwissenschaften, Paderborn 2016, S. 11–44; Th. SCHILP, Dortmund als Hansestadt, in: DERS./B. WELZEL (Hrsg.), Dortmund und die Hanse. Fernhandel und Kulturtransfer (2012), S. 57-94; W. EHBRECHT, Soest. „Mutter der Hanse“ – Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Überlegungen, in: G. KÖHN/N. WEX (Hrsg.), Soest. Geschichte der Stadt, Band 1 (2010), S. 521–624.

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    088232 Hauptseminar: Luther als Student

    Di., 14-16, F 072 (F-Haus); Beginn: 19.04.2017
    Der Eintrag vom 23. April 1501 in die Matrikel der Universität Erfurt ist der älteste urkundliche Beleg für Martin Luthers Leben. Warum wählte er Erfurt als Studienort? Wie sahen seine dortigen Studienbedingungen aus? Hat er sich dem erniedrigenden Aufnahmeritual der "Deposition" unterziehen müssen und hat er es später selbst an jüngeren Kommilitonen mitvollzogen? Welche Fächer und welche Inhalte hat er studiert und an welchen Orten? Welche akademischen Grade hat er wie schnell erworben? Wer waren seine Lehrer und wer seine Kommilitonen? Trug sein Erfurter Studienaufenthalt zu seinem späteren Wirken als Reformator bei? Wie hat er selbst sein Studium im Nachhinein reflektiert? Hat er sich etwa an der Universität Erfurt "radikalisiert"?
    Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend behandelt werden.
    Literaturhinweise: D. EMME, Martin Luther. Seine Jugend- und Studentenzeit 1483-1505, 4. Aufl. (1985); J. PILVOUSEK, Martin Luther und Erfurt, in: J. FREITAG (Hrsg.), Luther in Erfurt und die katholische Theologie (2001), S. 13-27; K.-B. Springer, Klaus-Bernward: Luther als Student der Artes und studentisches Leben in Erfurt im Spätmittelalter und zu Beginn der Frühen Neuzeit, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 72 N.F. 19, 2011, S. 73-97.

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 16/17



    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    086230 Hauptseminar: Der Tod der Professoren: Memorialkultur mittelalterlicher Universitätsgelehrter

    Di., 14-16, F 072 (F-Haus); Beginn: 18.10.2016
    Im Mittelpunkt des Seminars steht die kulturgeschichtliche Analyse von mittelalterlichen Gelehrtengrabmälern. Erst in letzter Zeit hat die Forschung erkannt, dass der Erkenntnisgewinn aus den Inschriften und Darstellungen auf Grabmälern für die Untersuchung städtischer, klerikaler und adliger Eliten, ihres Wetteiferns um Rang und Status und ihrer religiösen Vorstellungen, erheblich vermehrt werden kann, wenn die Artefakte im Kontext ihrer räumlichen Bezüge und ihrer Einbeziehung in die gottesdienstliche Praxis betrachtet werden. Diese Einsicht verlangt nach einem kombinierten Deutungskonzept, das neben den Darstellungen und Inschriften auf den Grabmälern, auch andere Quellen berücksichtigt: Stiftungsurkunden, Testamente, liturgische Ordnungen, Totenbücher, Inventare und Visitationsrezesse. Erst so werden die Wechselwirkungen zwischen den Grabmälern, ihren epochenspezifischen Deutungen, etwa durch Renaissance und Humanismus, und konkreten objektgebundenen Praktiken in Gottesdienst und Totengedenken nachvollziehbar. Die Analyse umfasst daher sowohl die Biografie der einzelnen Objekte als auch deren wechselnde Kontexte, die Praktiken im Rahmen von Liturgie und Totengedenken (Memoria), Besitzerbiografien sowie räumliche und soziale Konstellationen und Bezüge, um so Sinnzusammenhänge aufzudecken, die über das einzelne Grabmal hinausweisen. Die Veranstaltung kann entweder als Epochen- oder als Hilfswissenschaften-Seminar besucht werden.
    Literaturhinweise: M. HENGERER, Einleitung – Perspektiven auf die Bestattungskultur europäischer Oberschichten, in: Ders. (Hrsg.). Macht und Memoria. Begräbniskultur europäischer Oberschichten in der Frühen Neuzeit (2005), S. 1-20; L. KOLMER, Erinnert – nicht errettet Der Tod der Professoren, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsschreibung 103, 1995, S. 56-80; A. ZAJIC, Universitäre Bildung als Element inschriftlicher Selbstdarstellung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Eine flüchtige Wiener Skizze, in: C. Gastgeber/E. Klecker, (Hrsg.), Neulatein an der Universität Wien. Ein literarischer Streifzug. Franz Römer zum 65. Geburtstag gewidmet (2008), S. 103-142.


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    086208 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte:
    Herrschaft und Familie um das Jahr 1000: Adelheid, Theophanu und Otto III.

    Mi., 10-12, F 072 (F-Haus) / Do., 14-16, F 072 (F-Haus); Beginn: 26.10.2016
    Das "Zeitalter der Ottonen" wird seit jeher von der Historiographie und ihrem Publikum mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Im Zuge des anhaltenden intensiven geschichtswissenschaftlichen Interesses an dieser Epoche sind in den letzten Jahren vielfach neue Fragestellungen und Methoden erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. Am Beispiel der Herrschaftsausübung durch die frühmittelalterliche Königsdynastie der Ottonen um das Jahr 1000 soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden.
    Literaturhinweise: G. ALTHOFF, Die Ottonen (2012); H. KELLER/G. ALTHOFF, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (2008); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter (2014); L. KÖRNTGEN, Ottonen und Salier (2013); M. PUHLE (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und Europa, 2 Bde. (2001).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    086200 Einführungsvorlesung: Schlaglichter der mittelalterlichen Geschichte

    Do., 10-12, F 4 (F-Haus); Beginn: 20.10.2016
    Die Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über wichtige Ereignisse und Strukturen in der Geschichte Europas im Mittelalter. Sie will Studienanfängern und historisch Interessierten auf verständliche Weise zeigen, welche Probleme und Sachverhalte die „Geschichte des Mittelalters“ bietet. Dabei sollen elementare Kenntnisse vermittelt und zu eigener Lektüre von Quellen und weiterführender Literatur angeregt werden.
    Literaturhinweise: M. HARTMANN, Mittelalterliche Geschichte studieren (2010); P. HILSCH, Das Mittelalter – die Epoche (2012); H. MÜLLER, Mittelalter (2015).

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016



    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    084294 Masterseminar: Theoretische Zugänge zur Geschichte der mittelalterlichen 'nationes'

    Di., 14-16, F 041 (F-Haus); Beginn: 12.04.2016
    Die ab dem ausgehenden 11. Jahrhundert im Vergleich zu früheren Jahrhunderten erheblich zunehmende soziale und räumliche Mobilität ging für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung mit einer Erweiterung des Gesichtskreises einher. Auf den Kreuzzügen konnte man lernen, „daß das Abendland nicht die ganze Welt [war], und sah zugleich, daß es faktisch keine Einheit war“ (Arno Borst). Aber nicht nur Kreuzzüge und Pilgerfahrten, auch Handelsfahrten, Universitätsbesuche und Kirchenkonzile boten vielfältige Gelegenheiten, Erfahrungen im direkten Kontakt mit Personen aus anderen Herkunftsregionen zu machen. Die Konfrontation mit anderen Lebensstilen scheint zunächst eher die Wahrnehmung von Fremdheit zwischen den Teilnehmern gefördert zu haben. Die Konzile und insbesondere die Universitäten waren Ludwig Schmugge zufolge „gerade wegen ihrer internationalen Besetzung zugleich Brutstätte und Multiplikator nationaler Vorurteile“. In diesen Gemeinschaften wurde aus ordnungspraktischen Gründen eine dauerhafte Einteilung der Besucher nach ihrer regionalen Herkunft und Sprache vorgenommen und mit dem Begriff 'natio' belegt, die vor allem in Deutschland den Ausgangspunkt für die Vorstellung von einer „Sprachnation“ bildete. Im Seminar sollen verschiedene theoretische Zugänge zu den skizzierten Phänomenen studiert und ihre Erklärungskraft anhand der historischen Überlieferung erörtert werden. Daher ist die Veranstaltung sowohl als Theorie- als auch als Epochenseminar geeignet.
    Literaturhinweise: R. KOSELLECK, Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe, in: Ders.: Vergangene Zukunft (1979), S. 211-259; L. SCHMUGGE, Über "nationale" Vorurteile im Mittelalters, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 38, 1982, S. 439-459; V. EPP, Die Entstehung eines "Nationalbewußtseins" in den Kreuzfahrerstaaten, in: ebd. 45, 1989, S. 596-604; R. STICHWEH, Universitätsmitglieder als Fremde in spätmittelalterlichen und frühmodernen europäischen Gesellschaften, in: Marie Theres Fögen (Hg.), Fremde der Gesellschaft. Historische und sozialwissenschaftliche Untersuchungen zur Differenzierung von Normalität und Fremdheit (1991), S. 169-191.


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    084211 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die "deutschen" Päpste des Mittelalters

    Mi., 10-12, F 102 (F-Haus) / Do., 10-12, JO 102 (Johannisstr. 4); Beginn: 20.04.2016
    "Wir sind Papst!", titelte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, als 2004 ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden war. Der neue Stellvertreter Jesu auf Erden hieß Joseph Ratzinger und war ein Deutscher, ein Bayer. Doch wer war mit "wir" gemeint? Wir Bayern, wir Deutsche oder wir, die Bewohner Deutschlands? Sieben "deutsche" Nachfolger Petri soll es vor Benedikt XVI. gegeben haben, den ersten zwischen 996 und 999, den letzten 482 Jahre vor ihm (bis 1502). Aber waren sie tatsächlich alle "Deutsche"? Ab wann kann man überhaupt von "Deutschen" in der Geschichte sprechen? Wann beginnt die "deutsche" Geschichte? Unter welchen Bedingungen haben die "deutschen" Päpste die westliche Kirche im Mittelalter geleitet? Und hat ihr vermeintliches Deutschsein dabei eine Rolle gespielt? Anhand dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe gegenständlicher, urkundlicher, historiographischer und bildlicher Quellen in grundlegende Fragen, Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: H. Jakobs, Kirchenreform und Hochmittelalter. 4. Aufl. (1999); W. Hartmann, Der Investiturstreit. 2. Aufl. (1996); K. Mittermaier, Die deutschen Päpste (1991); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 4. Aufl. (2014).


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    084256 Übung: Materielle Hinterlassenschaft der Hanse

    Mi., 13.04., 14-16, ULB 201 (Krummer Timpen 5) / Mi., 20.04., 14-16, ULB 201 (Krummer Timpen 5) / Mi., 27.04., 14-16, F 104 (F-Haus);
    Exkursion nach Lübeck, Wismar und Rostock: Freitag, 29.04. bis Sonntag, 01.05.2016
    Im Mittelpunkt der Übung steht die Auseinandersetzung mit einem Ausschnitt aus der materiellen Überlieferung der Hanse in kulturgeschichtlicher Perspektive. Gegenstände des hansischen Alltags sollen im Hinblick auf ihre Gebrauchsweisen (Funktion) und Bedeutungen (Symbolik) analysiert werden, indem danach gefragt wird, welche sozialen Beziehungen, Mentalitäten und Machtverhältnisse sie vergegenständlichen. Die verschiedenen Arten der Überlieferung (reales, abgebildetes, beschriebenes Objekt) und der Aufbewahrung von Alltagsgegenständen (Archive, Museen) bringen verschiedene Situations- und Nutzungskontexte mit sich, die wiederum verschiedene Perspektiven der Reflexion bedingen. Für die sich daraus ergebenden methodischen Vorteile (direkter Zugang), aber auch Schwierigkeiten (Entkontextualisierung durch Musealisierung) will die Übung sensibilisieren. Mit den Städten Lübeck (Europäisches Hansemuseum), Wismar und Rostock werden im Rahmen der Exkursion per Bahn aufeinanderfolgend drei Schwerpunkte architektonischer, archivierter und musealisierter Überlieferung der Hanse aufgesucht. Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus, am 13.04., 20.04. u. 27.04., drei einführende Sitzungen durchgeführt. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch der Übung sind die Teilnahme an den einführenden Sitzungen und an der Exkursion sowie das Verfassen eines Essays. Zudem ist ein gewisser Eigenanteil an den Kosten der Exkursion zu übernehmen.
    Literaturhinweise: A. LUDWIG, Materielle Kultur, Version 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 30.05.2011, URL: http://docupedia.de/zg/Materielle_Kultur?oldid=88033; J. BRACKER/V. HENN/R. POSTEL (Hg.), Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, 4. Aufl. (2006); M. PUHLE (Hg.), Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500. Ausstellung Kulturhistorisches Museum Magdeburg 28. Mai bis 25. August 1996, 2 Bde. (1996); G. GERKENS/A. GRASSMANN (Hg.), Der Lübecker Kaufmann. Aspekte seiner Lebens- und Arbeitswelt vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert [Begleitpublikation zur Ausstellung im Burgkloster zu Lübeck vom 27. Juni bis zum 31. Okt. 1993] (1993).

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 15/16


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082232 Hauptseminar: "Als Kaiser Rotbart lobesam ..." – Friedrich I. Barbarossa auf dem Kreuzzug

    Di., 14-16, F 102 (F-Haus); Beginn: 20.10.2015
    „1187: Aus dem Heiligen Land dringt die Kunde von der dramatischen Niederlage der Kreuzfahrerstaaten gegen Saladin. Jerusalem, das Zentrum der Christenheit, in der Hand der Feinde des Glaubens – Papst Gregor VIII. ruft umgehend zum Kreuzzug auf. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa nimmt das Kreuz und bereitet einen großen Zug vor. Er bricht 1189 von Regensburg auf, durchquert Ungarn, das byzantinische Reich mit seinen verschiedenen Völkern vom Balkan bis nach Kleinasien und das türkische Seldschukenreich unter großen Strapazen. Aber das Schlimmste steht dem Heer noch bevor: In Kleinarmenien angelangt, verliert es seinen Anführer – Barbarossa ertrinkt 1190 in einem Gebirgsbach zweieinhalbtausend Marschkilometer jenseits der Grenzen des Reichs.“ (A. Bühler) Im Seminar soll ausgehend von der Kreuzzugsidee die gegen seitige Wahrnehmung von Okzident und Orient erörtert werden. Anhand eines überlieferten Augenzeugenberichtes und anderer Quellen sollen zudem die im Proseminar erworbenen Kenntnisse in den Historischen Hilfswissenschaften Paläographie, Urkundenlehre (Diplomatik), Chronologie , Numismatik und Siegelkunde (Sphragistik) vertieft sowie die in der Übersetzungspraxis und Interpretationstechnik mittelalterlicher Zeugnisse erweitert werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats und die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: A. BÜHLER (Hrsg.), Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas. Bericht eines Augenzeugen (2002); E. EICKHOFF, Friedrich Barbarossa im Orient. Kreuzzug und Tod Friedrichs I. (1977); F. GABRIELI (Hrsg.), Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht (1975).


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082215 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Hanse

    Mi., 10-12, F 33 (F-Haus) / Do., 10-12, F 040 (F-Haus); Beginn: 28.10.2015
    Mit „Hanse“ bezeichnete man seit der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert eine Gemeinschaft von norddeutschen Kaufleuten, die sich Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem Zusammenschluss von zeitweise bis zu 100 Städten wandelte und fast 300 Jahre den europäischen Handel von England bis Nordwestrussland beherrschte, von Nowgorod über Bergen bis nach London, von Danzig, Bremen und Hamburg bis ins Binnenland nach Köln und Hildesheim. Am Beispiel der Hanse sollen Grundlagen der mittelalterlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte erörtert werden, aber auch Aspekte der Seefahrt, des Piratenwesens, der Alltagskultur und der Architektur. Wie entstand und wie funktionierte die Hanse? War die Hanse ein hierarchisch gegliederter Städtebund oder eher ein Verbund von Abenteurern und Egoisten, die sich zur Durchsetzung ihrer Handelsinteressen zusammenschlossen? Anhand dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe von gegenständlichen, urkundlichen, historiographischen und bildlichen Quellen in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: J. Bohmbach/R. Sprandel (Hrsg.), Quellen zur Hanse-Geschichte (1982); R. Hammel-Kiesow: Die Hanse (2000); St. Selzer, Die mittelalterliche Hanse (2010); H.-W. Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (2014).


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082250 Übung: CARITAS - Nächstenliebe von den frühen Christen bis zur Gegenwart

    Mi., 21.10., 14-16, F 040 (F-Haus) / Mi., 28.10., 14-16, F 040 (F-Haus); plus 2tägige Exkursion (30.10. und 31.10., jeweils ganztägig) zur gleichnamigen Ausstellung im Diözesanmuseum, Paderborn
    Die Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn veranschaulicht mittels hochkarätiger Exponate aus ganz Europa und den USA, z.B. antiker Sarkophage, Wandmalereien aus römischen Katakomben, mittelalterlicher Buchmalerei und Schatzkunst sowie Gemälden und Zeichnungen namhafter Künstler, die Geschichte der christlichen Nächstenliebe, der Caritas, einer Haltung, die in ihrer kompromisslosen Hinwendung zum Mitmenschen in ihren Anfängen geradezu revolutionär war. Sie thematisiert die vielfältigen Motive, einander zu helfen: Mitleid, soziales Engagement oder religiöse Überzeugung.
    Die Exkursion bietet an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, Freitag, dem 30., und Samstag, dem 31. Oktober, die Möglichkeit, unterschiedlichen Vorstellungen, Motivationen und Formen helfender Zuwendung von den frühen Christen bis zur Gegenwart kennenzulernen und sich wissenschaftlich damit auseinanderzusetzen, wobei der Schwerpunkt auf der Vormoderne liegen soll. In Paderborn wird eine der Kuratorinnen eine Führung anbieten, zudem wird bei einem Gespräch mit Mitarbeiterinnen des Ausstellungsteams in die Planung, Vorbereitung und Durchführung historischer Großausstellungen eingeführt. Darüber hinaus besteht Gelegenheit, die Ausstellung individuell anzusehen. Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus einige einführende Sitzungen durchgeführt.

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2015


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    081857 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Studentisches Leben an der mittelalterlichen Universität

    Mi., 10-12, F 042 (F-Haus) / Do., 10-12, F 042 (F-Haus); Beginn: 08.04.2015
    Wie gelangten Studenten im Mittelalter zu ihrem Studienort? Woher kamen sie? Auf welche Weise wurden sie in die Universität aufgenommen? Was studierten sie und wie lange? Von welchen Einkünften bestritten sie ihren Unterhalt? Wo und wie wohnten sie in der Universitätsstadt? Womit kleideten sie sich? Was aßen und tranken sie? Womit verbrachten sie ihre Freizeit? Wie verhielten sie sich in Konflikten untereinander und mit der Stadtbevölkerung? Welche Vorstellungen hatten sie von sich und ihrer Umgebung? Am Beispiel dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen und bildlichen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer
    schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: R. Chr. SCHWINGES, Der Student in der Universität, in: Geschichte der Universität in Europa, Band. 1, hrsg. von Walter Rüegg, München 1993, S. 181-223; ders., Stiefel, Wams und Studium oder: Wozu hat man einen geistlichen Onkel? Aus Notizen des Kölner Studenten Gerhard von Wieringen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in: Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw, hrsg. von Paul-Joachim Heinig, Sigrid Jahns u.a., Berlin 2000, S. 543-563.; ders., Mit Mückensenf und Hellschepoff. Fest und Freizeit in der Universität des Mittelalters (14. bis 16. Jahrhundert), in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 6 (2003), S. 11-27.


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082011 Hauptseminar: "Als Kaiser Rotbart lobesam ..." – Friedrich I. Barbarossa auf dem Kreuzzug

    Di., 14-16, F 102 (F-Haus); Beginn: 07.04.2015
    „1187: Aus dem Heiligen Land dringt die Kunde von der dramatischen Niederlage der Kreuzfahrerstaaten gegen Saladin. Jerusalem, das Zentrum der Christenheit, in der Hand der Feinde des Glaubens – Papst Gregor VIII. ruft umgehend zum Kreuzzug auf. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa nimmt das Kreuz und bereitet einen großen Zug vor. Er bricht 1189 von Regensburg auf, durchquert Ungarn, das byzantinische Reich mit seinen verschiedenen Völkern vom Balkan bis nach Kleinasien und das türkische Seldschukenreich unter großen Strapazen. Aber das Schlimmste steht dem Heer noch bevor: In Kleinarmenien angelangt, verliert es seinen Anführer – Barbarossa ertrinkt 1190 in einem Gebirgsbach zweieinhalbtausend Marschkilometer jenseits der Grenzen des Reichs.“ (A. Bühler) Im Seminar soll ausgehend von der Kreuzzugsidee die gegen seitige Wahrnehmung von Okzident und Orient erörtert werden. Anhand eines überlieferten Augenzeugenberichtes und anderer Quellen sollen zudem die im Proseminar erworbenen Kenntnisse in den Historischen Hilfswissenschaften Paläographie, Urkundenlehre (Diplomatik), Chronologie , Numismatik und Siegelkunde (Sphragistik) vertieft sowie die in der Übersetzungspraxis und Interpretationstechnik mittelalterlicher Zeugnisse erweitert werden. Voraussetzungen für den erfolgreichen Besuch des Seminars sind regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referats und die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literaturhinweise: A. BÜHLER (Hrsg.), Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas. Bericht eines Augenzeugen (2002); E. EICKHOFF, Friedrich Barbarossa im Orient. Kreuzzug und Tod Friedrichs I. (1977); F. GABRIELI (Hrsg.), Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht (1975).


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082284 Übung: Quellen zur Alltagsgeschichte der mittelalterlichen Universität

    Mi., 14-16, F 104 (F-Haus); Beginn: 08.04.2015
    Im Mittelpunkt der Übung steht die Analyse normativer, urkundlicher, erzählender, bildlicher und gegenständlicher Quellen der mittelalterlichen Universitätsgeschichte aus alltagsweltlicher Perspektive. Das Ziel besteht darin, Regeln und Ordnungen, Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse, Karrieren und Statuskonzepte, rituelle und symbolische Praktiken der mittelalterlichen Universität zu erschließen. Auf diese Weise soll die Universität als Alltags- und Lebenswelt, als ein eigener und zentraler sozialer Erfahrungsraum der gesellschaftlichen Ideen- und Wissensproduktion mit spezifischen Existenzweisen und Lebensstilen begreifbar gemacht werden. Im Interesse einer allseits erfreulichen, Einsichten vermehrenden Veranstaltung ist die Bereitschaft gefragt, wissenschaftliche Texte (auch in Fremdsprachen) zu lesen, Quellentexte aus dem Lateinischen zu übersetzen und beide Textsorten sowie Gegenstände und Bilder erläuternd vorzustellen.
    Literaturhinweise: G. ALGAZI, Geistesabwesenheit: Gelehrte zuhause um 1500, in: Historische Anthropologie 13,3 (2005), S. 325-342; H. BOOCKMANN, Ikonographie der Universität. Bemerkungen über bildliche und gegenständliche Zeugnisse der spätmittelalterlichen deutschen Universitätsgeschichte., in: Schulen und Studium im sozialen Wandel des hohen und späten Mittelalters, hrsg. v. Johannes Fried, Sigmaringen 1986, S. 565-599; Th. MAISEL, Testamente und Nachlaßinventare Wiener Universitätsangehöriger in der Frühen Neuzeit. Beispiele und Möglichkeiten ihrer Auswertung, in: Frühneuzeit-Info 2 (1991), S. 61-75.

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 14/15


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    081859 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Heinrich I., Otto der Große und die Entstehung des deutschen Reiches

    Di., 14-16, F 040 (F-Haus) / Mi., 08-10, F 153 (F-Haus); Beginn: 14.10.2014
    Seit zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Suche nach dem „deutschen Mittelalter“ begann, zählten die „sächsischen“ Könige Heinrich I. (919-936) und Otto I., „der Große“ (936-973), zu den herausragenden Gestalten der deutschen Geschichte. Denn der herrschenden Meinung zufolge standen Sie am Anfang der Geschichte des deutschen Volkes und des deutschen Reiches. In den letzten drei Jahrzehnten sind gerade im Hinblick auf die Zeit der Ottonen neue Fragestellungen und Methoden durch die Geschichtswissenschaft erprobt und dadurch auch bislang stumme Quellen zum Sprechen gebracht worden. So lässt sich das Verhältnis zwischen König und Großen in neuer Weise als ein System von Leistung und Gegenleistung im Rahmen vielschichtiger Bindungen und Bündnisse verstehen und beschreiben. Zudem ist erkannt worden, wie sehr Formen der rituellen Kommunikation das Zusammenleben in einer rangbewussten Gesellschaft prägten, indem sie über Rechte und Pflichten informierten und den Zustand der Beziehungen signalisierten. Am Beispiel der ersten beiden Herrscher aus der Königsdynastie der Ottonen soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, die Abfassung eines Übungstextes, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literatur: G. ALTHOFF, Die Ottonen (2012); H. KELLER/G. ALTHOFF, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (2008); J. EHLERS, Die Entstehung des deutschen Reiches (2012); J. FRIED, Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024 (1994); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter (2014); L. KÖRNTGEN, Ottonen und Salier (2013); M. PUHLE (Hrsg.), Otto der Große, Magdeburg und Europa, 2 Bde. (2001).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082290 Übung: Quellen zur Bischofserhebung im Mittelalter

    Mi., 14-16, SRZ 114 (Orléans-Ring 12); Beginn: 08.10.2014
    Im Mittelpunkt der Übung stehen Vorbereitung, Organisation und technischer Ablauf von Bischofserhebungen. Ausgehend von erzählenden, normativen, bildlichen und liturgischen Quellen soll der Frage nachgegangen werden, welche rituellen Handlungen und welche rechtstechnischen Verfahrensformen die Wahl von Bischöfen und die Übertragung von bischöflichen Amtsvollmachten im Mittelalter bestimmt haben. Anhand dieser und anderer Fragen sollen grundlegende Arbeitstechniken und hilfswissenschaftliche Methoden der Mediävistik eingeübt und vertieft sowie ältere und neuere Forschungsansätze diskutiert werden. Im Interesse einer allseits erfreulichen, Einsichten vermehrenden Veranstaltung ist die Bereitschaft gefragt, wissenschaftliche Texte (auch in Fremdsprachen) zu lesen, Quellentexte aus dem Lateinischen zu übersetzen und beide Textsorten sowie Bilder erläuternd vorzustellen.
    Literatur: B. SCHIMMELPFENNIG, Papst- und Bischofswahlen seit dem 12. Jahrhundert, in: Wahlen und Wählen im Mittelalter, hg. v. R. SCHNEIDER / H. ZIMMERMANN (1990), S. 173-195; F.-R. ERKENS (Hg.), Die früh- und hochmittelalterliche Bischofserhebung im europäischen Vergleich (1998); K. SCHREINER, Wahl, Amtsantritt und Amtsenthebung von Bischöfen. Rituelle Handlungsmuster, rechtlich normierte Verfahren, traditionsgestützte Gewohnheiten, in: Vormoderne politische Verfahren, hg. v. B. STOLLBERG-RILINGER (2001), S. 73-117.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    081715 Vorlesung: Einführung in die Geschichte des Mittelalters

    Do., 10-12, F 2 (F-Haus); Beginn: 09.10.2014
    Die Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Strukturen der Geschichte Europas im Mittelalter. Sie will Studienanfängern und historisch Interessierten auf verständliche Weise zeigen, welche Probleme und Sachverhalte die „Geschichte des Mittelalters“ bietet. Dabei sollen elementare Kenntnisse vermittelt und zu eigener Lektüre von Quellen und weiterführender Literatur angeregt werden.
    Literatur: M. HARTMANN, Mittelalterliche Geschichte studieren (2011); P. HILSCH, Das Mittelalter–die Epoche (2012); H. MÜLLER, Mittelalter (2008).

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2014


    Aufgrund eines Forschungsfreisemesters werden im Sommersemester 2014 keine Lehrveranstaltungen angeboten!

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 13/14


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    081876 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Merowinger - eine "schrecklich nette" Familie

    Mi., 10-12 / Do., 08-10, jew. im F 102 (F-Haus); Beginn: 23.10.2013
    Die ausgehende Antike und das frühe Mittelalter (5.- 8. Jh.) gelten als „Achsenzeit“, weil in dieser Epoche Prozesse in Gang gesetzt und Strukturen entwickelt wurden, die das westeuropäische Mittelalter langfristig geprägt haben: die Christianisierung, die fränkische (Schrift-) Kultur, die Monarchie. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war das Großreich der Franken unter der Dynastie der Merowinger mit seinem Kernraum in Gallien. Aufgrund ihrer stabilen Reichsbildung bezeichnet man die Merowinger als „erste, langfristig erfolgreiche Königsdynastie des Mittelalters“ (Martina Hartmann). Doch konnte ein solches Großreich auf friedlichem Wege gebildet und zusammengehalten werden? Zeitgenossen berichten von zahlreichen militärischen Konflikten mit den Nachbarn und blutigen Auseinandersetzungen innerhalb des Herrschergeschlechts. Wie erwarben und regierten die Merowinger ihr Reich, und wie gelang es schließlich ihren Nachfolgern, den Karolingern, dieses starke Königsgeschlecht dennoch zu entmachten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen und bildlichen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literatur: Matthias Becher, Merowinger und Karolinger, Darmstadt 2009; Waltraut Bleiber, Das Frankenreich der Merowinger, Wien 1988; Eugen Ewig, Die Merowinger und das Frankenreich, 5., aktual. Aufl., Stuttgart 2006; Patrick J. Geary, Before France and Germany. The creation and transformation of the Merovingian world, New York u.a. 1988 (dt. Ausg.: Die Merowinger. Europa vor Karl dem Großen, 3. Aufl., München 2007); Martina Hartmann, Die Merowinger, München 2012; Reinhold Kaiser, Das römische Erbe und das Merowingerreich, 3., überarb. u. erw. Aufl., München 2004.


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER / Apl. Prof. Dr. michael sikora
    082136 Hauptseminar: Eheschließungen in der Vormoderne zwischen Lust und Frust

    Mi., 14-16, F 104 (F-Haus); Beginn: 16.10.2013
    Aus der Perspektive der politischen Geschichte scheint die Eheschließung im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hochadel in erster Linie bestimmt von Motiven, die auf Machterhalt ausgerichtet sind, also der Chance auf Gebietserweiterung und der Sicherung der dynastischen Nachfolge. So wird etwa die Heiratspolitik der Habsburger durch das bekannte Motto charakterisiert: „Bella gerant alii, tu felix Austria nube! Nam quae Mars aliis, dat tibi diva Venus.” (Kriege lass andere führen, du glückliches Österreich heirate! Denn was Mars den anderen [verschafft], gibt dir die göttliche Venus.) Die z.T. schwer zu greifenden Quellen über hochadlige Ehe - Anbahnungen vermitteln jedoch ein wesentlich differenzierteres Bild. Daher wäre einerseits zu fragen, welche Faktoren überhaupt für die Partnerwahl im Hochadel der Vormoderne ausschlaggebend waren, andererseits sind die Gewichtung dieser Faktoren im jeweiligen Fall und eventuelle Schwerpunktverlagerungen zwischen Mittelalter und Frühneuzeit zu analysieren.
    Literatur: Karl-Heinz Spieß: Familie und Verwandtschaft im deutschen Hochadel des Spätmittelalters, Stuttgart 1993, S. 20-112; Ders.: Unterwegs zu einem fremden Ehemann. Brautfahrt und Fürstenehe in deutschen Fürstenhäusern des Spätmittelalters, in: Fremdheit und Reisen im Mittelalter, hrsg. v. Irene Erfen / Karl-Heinz Spieß, Stuttgart 1997, 17-36; Ute Essegern: Höfische Ehen als Spielfeld der Interessen, in: mächtig. verlockend. Frauen der Welfen. Begleitband zur Ausstellung Schloßmuseum Celle 14.2.-15.8.2010, hrsg. vom Bomann-Museum Celle, Abteilung Residenzmuseum im Celler Schloß, Redaktion: Kathleen Biercamp / Juliane Schmieglitz-Otten, Celle 2010, S. 44-61; Anne-Simone Knöfel: Dynastie und Prestige. Die Heiratspolitik der Wettiner, Köln u. a. 2009; Judith J. Hurwich: Noble Strategies. Marriage and Sexuality in the Zimmern Chronicle, Kirksville 2006; Evelin Oberhammer: Gesegnet sei dies Band. Eheprojekte, Heiratspakten und Hochzeit im fürstlichen Haus, in: Der ganzen Welt ein Lob und Spiegel. Das Fürstenhaus Liechtenstein in der frühen Neuzeit, hrsg. v. Ders., Wien / München 1990, S. 182-203.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082356 Übung: CREDO - Christianisierung Europas im Mittelalter

    Do., 17.10., 10-12, F 102 (F-Haus) / Do., 24.10., 10-12, AVH-Saal (Alexander-von-Humboldt-Haus); plus 2tägige Exkursion (25.10. und 26.10., jeweils ganztägig) zur Ausstellung „CREDO–Christianisierung Europas im Mittelalter“ (Diözesanmuseum, Kaiserpfalz, Städtische Galerie Paderborn)
    Die Paderborner Ausstellung veranschaulicht an drei Ausstellungsorten vermittels hochkarätiger Exponate aus ganz Europa, wie das Christentum nach Europa kam und sich dort in den verschiedenen Ländern, insbesondere in Nord- und Osteuropa ausbreitete. Sie thematisiert die Verbreitung des Christentums im römischen Reich, die Christianisierung Galliens, Irlands und der Angelsachsen, die Bekehrung Skandinaviens, Polens und die Mission im Baltikum. Die Exkursion bietet an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, Freitag dem 25., und Samstag, dem 26. Oktober, die Möglichkeit, die wichtigsten Etappen und kulturellen Veränderungen dieses etwa 1000 Jahre umfassenden, vielschichtigen Prozesses kennenzulernen und sich wissenschaftlich damit auseinanderzusetzen. In Paderborn wird eine
    der Kuratorinnen eine Führung anbieten, zudem wird bei einem Gespräch mit Mitarbeiterinnen des Ausstellungsteams in die Planung, Vorbereitung und Durchführung historischer Großausstellungen eingeführt. Darüber hinaus besteht Gelegenheit, die Ausstellung individuell anzusehen. Vorbereitend werden zu Semesterbeginn im Wochenrhythmus einige einführende Sitzungen durchgeführt.
    Literaturhinweise: CREDO. Christianisierung Europas im Mittelalter. Katalog, hrsg. v. Christoph Stiegemann, Martin Kroker u. Wolfgang Walter, Imhof, Petersberg (erscheint am 26. Juli 2013), ca. 1200 S.

  • Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    082018 Hauptseminar: Wahl- und Losentscheidungen im Mittelalter

    Do., 08-10, F 102 (F-Haus); Beginn: 11.04.2013
    Wählen und Losen dienten im Mittelalter als Modi zur Entscheidungsfindung; man denke etwa an Königs- oder Papstwahlen, Abt- und Bischofswahlen, Ratswahlen, Wahlen in den Ritterorden oder Rektorwahlen. Im Mittelpunkt des Seminars sollen die Vorbereitung, Organisation, der technische Ablauf von Wahl- und Losverfahren in ihrem jeweiligen historischen Kontext stehen: Bei welchen Gelegenheiten kamen diese Entscheidungsmodi zum Einsatz? Wer durfte daran teilnehmen? Wie wurde das Ergebnis vermittelt? Wurde die Entscheidung tatsächlich durch den Akt des Wählens oder Losens getroffen? Am Beispiel der aufgeworfenen und anderer Fragen sollen anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel der Mediävistik vertiefend und forschungsnah behandelt werden.
    Literatur: W. MALECZEK, Abstimmungsarten. Wie kommt man zu einem vernünftigen Wahlergebnis? in: Wahlen und Wählen im Mittelalter, hg. v. R. SCHNEIDER / H. ZIMMERMANN (1990), S. 79- 134; R. C. SCHWINGES, Rektorwahlen. Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte des Alten Reiches im 15. Jahrhundert (1992); K. SCHREINER, Wahl, Amtsamtritt und Amtsenthebung von Bischöfen. Rituelle Handlungsmuster, rechtlich normierte Verfahren, traditionsgestützte Gewohnheiten, in: Vormoderne politische Verfahren, hg. v. B. STOLLBERG-RILINGER (2001), S. 73-117.

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    081910 Kurs: Einführung in die historischen Hilfswissenschaften

    Mi., 10-12, F 229 (Fürstenberghaus); Beginn: 10.04.2013
    Am 08.05.2013 findet der Kurs einmalig im Raum KTh III in der Johannisstr. 8-10 statt!
    Kenntnisse in den klassischen historischen Hilfswissenschaften sind nötig, wenn man die überlieferten Quellen lesen, verstehen und interpretieren will. Sie sind, wie es ein einschlägiger Buchtitel treffend bezeichnet, das „Werkzeug des Historikers“. Zur wissenschaftlichen Analyse einer mittelalterlichen Urkunde z.B. braucht man sowohl Kenntnisse in der Diplomatik (Urkundenlehre) und der Paläographie (Schriftkunde) als auch in der Chronologie (Zeitrechnung) und der Sphragistik (Siegelkunde). Aber auch wer z.B. ein amtliches Dokument aus dem faschistischen Italien der zwanziger Jahre genau datieren will, benötigt aufgrund der von Benito Mussolini versuchten Kalenderreform Kenntnisse der Chronologie. Für jeden Studierenden der Geschichte ist es daher unerlässlich, sich Grundkenntnisse in den wichtigsten Hilfswissenschaften anzueignen. Aus diesem Grund soll im Rahmen des Kurses eine knapp gefasste Einführung in die wichtigsten Hilfswissenschaften gegeben werden. Neben den bereits genannten sollen auch Genealogie (Abstammungslehre), Heraldik (Wappenkunde), Numismatik (Münzkunde) und Epigraphik (Inschriftenkunde) in ihren Grundzügen vorgestellt werden.
    Literatur: A. v. BRANDT, Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften. 16. Aufl. (2007); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 3. Aufl. (2006).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER
    081834 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Entstehung der Universitäten im mittelalterlichen Europa

    Mi., 14-16, F3 (F-Haus) / Do., 10-12, F 102 (F-Haus); Beginn: 17.04.2013
    „Wer sollte sich ihrer nicht erbarmen”, heißt es in dem berühmten Privileg von Friedrich Barbarossa für die Bologneser Scholaren von 1155, „die aus Liebe zur Wissenschaft heimatlos gemacht, sich selbst entäußern, aus Reichen zu Armen werden, ihr Leben allen Gefahren aussetzen und gar von niedrigen Menschen – was kaum tragbar ist – ohne Grund körperliche Gewalt erleiden?” „Liebe zur Wissenschaft“, amor scientiae: War dies tatsächlich das Hauptmotiv, aus dem heraus sich mittelalterliche Scholaren auf den gefährlichen Weg machten, um in fremden Ländern zu studieren? War dies der Hauptgrund für die Entstehung der mittelalterlichen Universitäten in Europa? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung der mittelalterlichen Universitäten in Europa soll anhand von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden.
    Literatur: O. G. OEXLE, Alteuropäische Voraussetzungen des Bildungsbürgertums – Universitäten, Gelehrte und Studierte, in: Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert, Teil 1, hg. von W. Conze und J. Kocka (1985), S. 29 - 78; W. E. WAGNER, Universitäten, in: Oldenbourg Geschichte Lehrbuch. Mittelalter, hg. v. M. Meinhardt/A. Ranft/St. Selzer. München 2007, S. 239 - 244; H. - W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 3. Aufl. (2006).

  • Lehrveranstaltungen im Wintersemester 12/13


    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    081711 Vorlesung: Das Mittelalter – die Epoche im Überblick

    Mi., 10-12, S 1 (Schloss)
    Die als Einführung angelegte Vorlesung gibt einen konzentrierten Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Strukturen der Geschichte Europas im Mittelalter.
    Literatur: M. HARTMANN, Mittelalterliche Geschichte studieren, 2. Aufl., (= UTB basics, 2004); P. HILSCH, Das Mittelalter – die Epoche (= UTB basics, 2006); H. MÜLLER, Mittelalter (= Akademie Studienbücher – Geschichte, 2008)

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    081840 Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa

    Mi., 14-16, F 3 (F-Haus) / Do., 10-12, F 029 (F-Haus)
    “Wer heute über Europa redet, muß auch danach fragen, wie dieses Europa als politische Größe entstanden ist und welche Kräfte es am Anfang geformt haben.” Dies nennt der französische Historiker Pierre Riché als Leitmotiv für sein Buch über die Familie der Karolinger. Ist Europa demnach das Ergebnis einer außergewöhnlichen Familiengeschichte des frühen Mittelalters? Oder resultiert es aus einer Entwicklung, deren gestaltende Ideen sich eher von der Tradition des Imperium Romanum ableiteten? Am Beispiel dieser und anderer Fragen zur Entstehung Europas soll mit Hilfe von urkundlichen, historiographischen, bildlichen und liturgischen Quellen sowohl in zentrale Themenbereiche der mittelalterlichen Geschichte als auch in deren grundlegende Arbeitstechniken, Methoden und Hilfsmittel eingeführt werden. Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsnachweises sind regelmäßige und aktive Teilnahme am Seminar, die Übernahme eines Referats, das Bestehen einer Abschlussklausur sowie einer schriftlichen Hausarbeit.
    Literatur: P. RICHE, Les Carolingiens. Une famille qui fit l’Europe (1983; dt. 1987); R. SCHIEFFER, Die Karolinger. 4. Aufl. (2006); R. SCHNEIDER, Das Frankenreich. 4. Aufl. (2001); H.-W. GOETZ, Proseminar Geschichte: Mittelalter. 3. Aufl. (2006); H.-K. SCHULZE, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Bd. 1-3. 4. Aufl. (2004/05).

    PROF. DR. WOLFGANG E. WAGNER

    082024 Hauptseminar: Das Kaisertum als Ordnungsform im frühen Mittelalter

    Do., 08-10, F 102 (F-Haus)
    Mit der Herrschaft von Caesar und Augustus entstand in der römischen Antike die Ordnungsform des Kaisertums, die im Römischen Imperium seit Konstantin zunehmend vom Christentum umgeprägt wurde. Ab dem 6. Jahrhundert blieb das römische Kaisertum auf das östliche Mittelmeergebiet, das Byzantinische Kaiserreich, beschränkt. Mit der Krönung des fränkischen Königs Karls des Großen zum Kaiser im Jahr 800 durch den Papst in Rom, wurde das weströmische Kaisertum erneuert durch einen Herrscher, dessen Machtbasis nördlich der Alpen lag. Die Kaiserkrönung Ottos des Großen 962 verknüpfte das Kaisertum endgültig mit Herrscherdynastien aus dem Norden. Im Seminar soll der Ordnungsleistung des Kaisertums in der europäischen Geschichte des ersten Jahrtausends nachgegangen werden.
    Bei Interesse kann im November eine eintägige Exkursion zur Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike zum Mittelalter“ in Magdeburg (27. August bis 9. Dezember 2012) unternommen werden.
    Literatur: Kaisertum. Eine Ordnungsform im ersten Jahrtausend, hrsg. von H. LEPPIN u.a. Katalog Kulturhistorisches Museum, Magdeburg 2011; E. BOSHOF, Die Kaiserkrönungen von Ludwig dem Frommen bis Ludwig II., in: Krönungen. Könige in Aachen - Geschichte und Mythos, Bd. 1, hg. von M. Kramp (2000), S. 195-202; H. KELLER, Die Kaiserkrönung Ottos des Großen. Voraussetzungen, Ereignisse, Folgen, in: Otto der Große, Magdeburg und Europa, Bd. 1, hg. von M. Puhle (2001), S. 461-480.