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Sommersemester 2026

Prof. Dr. Sarah Albiez-Wieck

Proseminar: Unfreie Arbeit in Lateinamerika
Mittwoch 12-16 Uhr, Raum: F 040, Beginn: 15.4.26
Neben der bekannten transatlantischen Sklaverei gab es in Lateinamerika noch eine Vielzahl anderer Formen unfreier Arbeit: indigene Sklaverei,  indigene Zwangsarbeitsdienste wie mita und repartimiento, Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit von Straftätern. Auch heute noch gibt es Formen sogenannter moderner Sklaverei, etwa bei Hausangestellten. Das Proseminar untersucht exemplarisch verschiedene Formen unfreier Arbeit von der vorspanischen Zeit bis heute und vermittelt dabei einen ersten Einblick in die Sozialgeschichte Lateinamerikas. Im Propädeutikteil werden Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt, inkl. des Umgangs mit KI.
Lektüreempfehlungen:
Vito, Christian G. de (2018): Punitive Entanglements. Connected Histories of Penal Transportation, Deportation, and Incarceration in the Spanish Empire (1830s-1898). In Int Rev of Soc His 63 (S26), pp. 169–189. DOI: 10.1017/S0020859018000275.
Hu-DeHart, Evelyn (2019): Chinese Contract Labor in the Wake of the Abolition of Slavery in the Americas: A New Form of Slavery or Transition to Free Labor in the Case of Cuba? In Amerasia Journal 45 (1), pp. 6–26. DOI: 10.1080/00447471.2019.1623628.
Lucassen, Jan (2014): The History of Work and Labour. In Tijdschrift voor Sociale en Economische Geschiedenis/ The Low Countries Journal of Social and Economic History 11 (2), p. 65. DOI: 10.18352/tseg.132.
Monteiro, John M. (2006): Labor systems. In Victor Bulmer-Thomas, John H. Coatsworth, Roberto Cortés Conde (Eds.): The Cambridge economic history of Latin America. Cambridge: Cambridge University Press, pp. 185–233.
van der Linden, Marcel (2008): Workers of the world. Essays toward a global labor history. Leiden, Boston: Brill.
Zeuske, Michael (2018): Sklaverei. Eine Menschheitsgeschichte von der Steinzeit bis heute. Ditzingen: Reclam Verlag.

Übung: die lange Eroberung Lateinamerikas 
Donnerstags 14-16 Uhr, Raum: F33, Beginn: 16.4.26
Kolumbus, Cortés und Pizarro sind allseits bekannte Akteure der Eroberung Lateinamerikas. Die Übung widmet sich einerseits diesen bekannten frühen Eroberungen im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert, die auch in deutschen Lehrplänen behandelt werden, andererseits weitet sie den Blick auf die lange historische Dauer des Eroberungsprozesses bis über die Unabhängigkeiten im 19. Jahrhundert hinaus. Gleichzeitig nimmt sie auch weniger bekannte Akteur*innen der Eroberungsprozesse in den Blick, wie etwa Frauen und Versklavte aber auch Tiere, Pflanzen und Viren. 
Lektüreempfehlungen:
Cahill, David (2001): The Long Conquest. Collaboration by Native Andean Elites in the Colonial System, 1532-1825. In George Raudzens (Ed.): Technology, disease and colonial conquests, sixteenth to eighteenth centuries. Essays reappraising the guns and germs theories. Leiden: Brill (History of warfare, 2), pp. 85–126.
Matthew, Laura E.; Oudijk, Michel R. (Eds.) (2007): Indian conquistadors. Indigenous allies in the Conquest of Mesoamerica. Norman: Univ. of Oklahoma Press.
Restall, Matthew (2003): Seven myths of the Spanish conquest. New York: Oxford University Press.

Vorlesung (gemeinsam mit Ulrike Ludwig): Einführung in die frühe Neuzeit
Donnerstags 10-12 Uhr, Raum: F2, Beginn: 16.4.26
Diese Einführungsvorlesung zur Geschichte der frühen Neuzeit stellt zentrale Strukturen, Prozesse und Akteure in vergleichender Perspektive anhand Europas und den iberischen Kolonien in Amerika vor. Sie beschäftigt sich mit Herrschaftsstrukturen, Religion, gesellschaftlicher Diversität, Leben und Sterben, demografischem Wandel, Migration, Arbeit und Wirtschaft. 
Lektüreempfehlungen:
Bakewell, P. J. A History of Latin America: Empires and Sequels, 1450 - 1930. The Blackwell history of the world. Malden, MA: Blackwell, 1997.
Maissen, Thomas. Geschichte der frühen Neuzeit. Beck'sche Reihe Band 2760. München: Beck, 2013. https://ebookcentral.proquest.com/lib/kxp/detail.action?docID=1562656.
Restall, Matthew, and Kris Lane. Latin America in Colonial Times. Second Edition. Cambridge: Cambridge University Press, 2018.
Subrahmanyam, Sanjay (2019): Empires Between Islam and Christianity, 1500-1800. Albany: State University of New York Press (SUNY Series in Hindu Studies). Online verfügbar unter https://ebookcentral.proquest.com/lib/gbv/detail.action?docID=5627251.

Kolloquium neuere und neueste Geschichte (gemeinsam mit Fernando Espósito und Olaf Blaschke) 
Mittwoch 18-20 Uhr
Im Forschungskolloquium werden laufende Forschungsprojekte vor- und zur Diskussion gestellt. Neben Vorträgen von auswärtigen Gästen und Münsteraner Wissenschaftler*innen bietet es ausdrücklich auch Studierenden die Möglichkeit, ihre Bachelor- und Masterarbeiten aus der Neueren und Neuesten Geschichte vorzustellen und zu diskutieren.

Arno Robert Holl, M. A.

Übung: Hans Staden und die Menschenfresser
Fr, 10-12 Uhr, Raum F102, Beginn: 17.4.26 
Die „Wahrhaftige Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden / Nacketen / Grimmigen Menschfresser Leuthen / in der Newenwelt America gelegen“ (Marburg 1557) des hessischen Landsknechts Hans Staden war nicht nur einer der ersten internationalen Bestseller des europäischen Buchdrucks. Sowohl der Text als auch die Illustrationen haben das europäische Bild von Südamerika nachhaltig geprägt. Speziell das Thema der Anthropophagie beschäftigte die Phantasie der Menschen und sorgte auch im späten 20. Jahrhundert noch für eine intensive Debatte innerhalb der Wissenschaft. In der Übung beschäftigen wir uns mit dem Originaltext, wissenschaftlicher Literatur zu Staden und Kannibalismus sowie mit der Verarbeitung des Stoffs in der Populärkultur.
Literatur:
Dalton, Heather (2015). “Making Feast of the Prisoner”: Roger Barlow, Hans Staden and Ideas of New World Cannibalism. In: Spinks, Jennifer/Dagmar Eichberger (Hrsg.). Religion, the Supernatural and Visual Culture in Early Modern Europe: An Album Amicorum for Charles Zika. Leiden: BRILL.
Duffy, Eve M./Alida C. Metcalf (2012). The Return of Hans Staden: A Go-between in the Atlantic World. Johns Hopkins University Press.
Harrington, Joel F. (2024). Hans Staden and the Protestant Captivity Narrative: The Origins and Fractured Legacy of a New Literary Genre. In: Journal of early modern history 28, S. 14–38.
Staden, Hans (1557). Wahrhaftig Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden Nacketen Grimmigen Menschfresser Leuthen in der Newenwelt America gelegen… Marburg.

Übung: Die Jesuitischen Missionen im südamerikanischen Tiefland (16.-18. Jahrhundert)
Fr, 12-14 Uhr, Raum F043, Beginn: 17.4.26 
Der angebliche „Jesuitenstaat“ im heutigen Paraguay war einer der Gründe, weshalb der Orden der Societas Jesu von Unternehmern, Herrschern und anderen Orden misstrauisch beäugt und letztlich verboten wurde. Als soziales Experiment sind die Missionen nach wie vor umstritten. Der Versuch, ähnliche Strukturen im westlichen Amazonasgebiet aufzubauen, scheiterte langfristig an von den Europäern eingeschleppten Krankheiten sowie den fortdauernden Sklavenjagden auf die indigene Bevölkerung. Besonders hier waren die Jesuiten auch ein Instrument der spanischen Krone, das portugiesische Territorialgewinne verhindern sollte. In der Übung lesen wir Berichte jesuitischer Missionare vor Ort sowie wissenschaftliche Texte, die sich mit dem Vorgehen der Jesuiten und seinen Folgen auseinandersetzen.
Literatur:
de Carvalho, F. A. L. (2022). Missionizing on the edge: religion and power in the Jesuit missions of Spanish Amazonia (Vol. 37). Leiden, Boston: Brill.
Friedrich, Markus (2021). Die Jesuiten: von Ignatius von Loyola bis zur Gegenwart. 1. Aufl. Bd. 2926. München: C.H. Beck.
Fritz, Samuel, and George Edmundson (1967). Journal of the Travels and Labours of Father Samuel Fritz in the River of the Amazons between 1686 and 1723. Repr. from the ed. publ. in 1922. Nendeln/Liechtenstein: Kraus.
Heister, Hanns-Werner/Deborah Singer (2013). Mimetische Zeremonien und andere gewaltarme Herrschaftsmethoden. Zur Rolle der Musik in den Guaraní-Reduktionen der Jesuiten in Paraguay im 17. und 18. Jahrhundert. In: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music, Vol. 44, No. 2, S. 213-238.

PD Dr. Frederik Schulze

Hauptseminar: Die atlantischen Revolutionen

Fr.    14:00 bis 18:00 am 17.04.2026 (Fürstenberghaus - F 33)                        
Sa.    09:00 bis 15:00 am 09.05.2026 (Fürstenberghaus - F 33)                  
Fr.    14:00 bis 20:00 am 22.05.2026 (Fürstenberghaus - F 33)                            
Fr.    14:00 bis 20:00 am 19.06.2026 (Fürstenberghaus - F 33)                            
Fr.    14:00 bis 20:00 am 03.07.2026 (Fürstenberghaus - F 102)

2026 jährt sich die Unabhängigkeit der USA zum 250. Mal. 1776 war jedoch kein singuläres Ereignis, sondern Teil der atlantischen Revolutionen, also eines umfassenden Revolutionsgeschehens, das vor allem Europa und die Amerikas betraf und zu größeren gesellschaftlich-politischen Veränderungen und der Unabhängigkeit fast aller europäischen Kolonien in der westlichen Hemisphäre führte. Unruhen brachen los etwa in Peru (1780), Neugranada/Kolumbien (1781), Brasilien (1789), Frankreich (1789), Haiti (1791) und ab 1809 in weiten Teilen Lateinamerikas. Das Seminar untersucht Gründe, Ablauf, Folgen und Verflechtungen der einzelnen Aufstände und Revolutionen, um am Ende die Frage zu diskutieren, wie exzeptionell die Grundlagen der USA eigentlich sind.
Literatur: David Armitage, Sanjay Subrahmanyam (Hrsg.): The Age of Revolutions in Global Context, c. 1760–1840, Basingstoke 2010.
Eliga H. Gould, Peter S. Onuf (Hrsg.): Empire and Nation. The American Revolution in the Atlantic World, Baltimore 2005.
Wim Klooster: Revolutions in the Atlantic World. A Comparative History, New York 2009.
Stefan Rinke: Revolutionen in Lateinamerika. Wege in die Unabhängigkeit, 1760–1830, München 2010.
Hans-Ulrich Thamer: Die Französische Revolution 1789–1795, München 2023.

 

Wintersemester 2025/26

Masterseminar (Blockseminar auf Englisch): Gender and Empire. The Philippines under Spanish, US and Japanese rule. Prof. Dr. Sarah Albiez-Wieck, together with Dr. Olivia Anne M. Habana, Ateneo de Manila University. September 8th, 9-11 a.m. via Zoom, October 6-10th, 10-12 a.m. and 2-6 p.m.
This intensive Master Seminar will be held together with Dr. Olivia Anne M. Habana from Ateneo de Manila University. After an (important!) initial meeting via Zoom on September 8th (9-11 a.m.), we will have one week of in-presence-sessions from October 6th-10th, each day from 10-12 a.m. and 2-6 p.m. (on Friday only until 3.p.m.). Access for the initial meeting is via: https://uni-ms.zoom-x.de/j/6603262319?pwd=b3lFWG1iMjBRZjl1czJiZzlvTUxoUT09; Meeting-ID: 660 326 2319; Kenncode: 927216.
The seminar analyzes central strategies of colonial rule in the Philippines under Spanish (1565-1898), US (1898-1946) and Japanese occupation (1942-1945). A special focus in the seminar will be on gender relations. Based on a selection of texts and sources (among them travel accounts and photographs), we will discuss questions of gender norms, family politics, demography,  racism and global connections.
Selection of reading:
Albiez-Wieck, Sarah (2025): Racializing Mestizos and Mestizas in the Philippines - Dean Worcester’s Anthropometric Types in the Early 20th Century. In Histories 5 (2) (23), pp. 1–24. DOI: 10.3390/histories5020023.
Camacho, Marya Svetlana (2007): Woman’s Worth: The Concept of Virtue in the Education of Women in Spanish Colonial Philippines. In Philippine Studies: Historical and Ethnographic Viewpoints 55 (1). DOI: 10.13185/2244-1638.1278.
Coo, Stephanie (2019): Clothing the Colony. Manila: Ateneo de Manila University Press.
Habana, Olivia Anne (2012): Appropriating America: American Schoolbooks in Philippine Classrooms, 1900-1912. In Christian Huck, Stefan Bauernschmidt (Eds.): Travelling goods, travelling moods. Varieties of cultural appropriation (1850 - 1950). Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, pp. 125–142.
Henson, Maria Rosa (1999): Comfort woman. A Filipina's story of prostitution and slavery under the Japanese military. Lanham, Md.: Rowman & Littlefield Publishers.
Scott, Joan Wallach (2010): Gender: Still a Useful Category of Analysis? In Diogenes 57 (7), pp. 7–14. Available online at http://dio.sagepub.com/content/57/1/7, checked on 9/6/2019.

Hauptseminar: Koloniale Fotografie – Prof. Dr. Sarah Albiez-Wieck, Mittwoch 16-18 Uhr
“Visual images fascinate us. They compel us to look at them, especially when the material they show us is unfamiliar or strange. This is particularly true of photography …which exert a cultural claim to represent ‘reality’”. Dieses Zitat von Deborah Poole ([1997] 2001, S. 17) wird besonders interessant, wenn wir es auf koloniale Kontexte anwenden. Denn hier sind die Fotografen häufig – jedoch nicht immer – Kolonialherren, die Fotografie dazu nutzten, um ein bestimmtes Bild der kolonisierten Menschen und Gebieten zu entwerfen. Das Seminar untersucht, welche Funktionen Fotografien in kolonialen Kontexten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert einnahmen. Dabei werden Beispiele aus unterschiedlichen Kontinenten miteinander verglichen und globale Verflechtungen in den Blick genommen. Abschließend werden koloniale Kontinuitäten thematisiert. Eine Exkursion in mindestens ein Münsteraner Archiv wird ebenfalls Teil des Seminars sein. Auch Studierende können Vorschläge für Untersuchungsbeispiele einbringen.
Literaturempfehlungen:
Hight, Eleanor M.; Sampson, Gary D. (Eds.) (2002): Colonialist Photography. Imag(in)ing Race and Place. London: Routledge.
Jäger, Jens (2012): Fotografie als historisches Dokument. In Fotogeschichte (124), pp. 13–18.
Poole, Deborah (2021 [1997]): Vision, Race, and Modernity. A Visual Economy of the Andean Image World. Princeton, NJ: Princeton University Press (Princeton Studies in Culture/Power/History, 13).

Kolloquium für neuere und neueste Geschichte –  Prof. Dr. Sarah Albiez-Wieck u.a., Mittwoch 18-20 Uhr
Im Forschungskolloquium werden laufende Forschungsprojekte vor- und zur Diskussion gestellt. Neben Vorträgen von auswärtigen Gästen und Münsteraner Wissenschaftler*innen bietet es ausdrücklich auch Studierenden die Möglichkeit, ihre Bachelor- und Masterarbeiten aus der Neueren und Neuesten Geschichte vorzustellen und zu diskutieren. Bitte melden Sie sich, falls Sie Ihre Abschlussarbeit vorstellen möchten, zeitnah bei den Dozent*innen.

Proseminar: Einführung in das Studium der neueren Geschichte: Amazonien – Geschichte einer Kulturlandschaft, Arno Holl, Freitag, 10-14 Uhr
Amazonien verbinden die meisten mit entweder romantischen Ideen eines üppigen Tropenparadieses, ökologischen Vorstellungen über die „grüne Lunge der Erde“ oder mit reißerischen Berichten über die „grüne Hölle“ voller Piranhas, Anacondas und Fiebermücken. An eine vom Menschen geprägte Landschaft denken wohl die wenigsten. Jüngere
Forschungen haben allerdings gezeigt, dass die Region vor der Ankunft der Europäer viel stärker besiedelt war als bisher angenommen. Der Mensch hatte im Lauf dieser Besiedlung großen Einfluss auf dieses einzigartige Ökosystem. Mit den europäischen Eroberern begann auch die Zerstörung: Epidemien, Abbau natürlicher Ressourcen, Versklavung der indigenen
Bevölkerung, großflächige Rodung. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden die Rufe nach Erhaltung dieser Region lauter, auch gibt es vermehrt politischen Widerstand der Indigenen. Das Proseminar befasst sich mit Texten zum präkolumbischen Amazonien, seiner Kolonisierung durch verschiedene europäische Mächte und den politischen Entwicklungen jüngerer Zeit.
Literatur:
Bolle, Willi (Hrsg.). Amazonien: Weltregion und Welttheater. Berlin: Trafo Wiss.-Verl., 2010; Clement, Charles A. et al. Domestication of Amazonian Landscapes. Estudos Avançados 38(112), 2024. S. 55-71. DOI: 10.1590/s0103 4014.202438112.004-en; Mann, Charles C. Amerika vor Kolumbus. Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents.
Reinbek: Rowohlt, 2016.

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