Gott oder Göttliches III: Historisch-systematische Studien zur Panentheismus-Debatte (abgeschlossen)
Bereits für Thomas von Aquin zeigt sich, dass alles durch Gott ist, sodass Gott partizipations-ontologisch Grund von allem ist und als Grund durch Teilgabe letztlich in allem auf vermittelte Weise gegenwärtig ist. Die Reflexion auf Gott erweist sich für Thomas durch eine Bifurkation bestimmt. Insofern der Mensch eine Vorstellung von Gott ausbildet, stellt er sich Gott notwendig als ein Gegenüber zu sich vor und versteht Gott daher als höchstes oder vollkommenes Seiendes (ens summum). Zugleich weiß er in der Reflexion auf Gott, dass Gott in seiner Unendlichkeit über alles hinaus reicht, was an Vollkommenheit denkbar ist und deshalb eine unfassbare Allheit bezeichnet, die Thomas begrifflich als ipsum esse per se subsistens fasst. Hegel macht dann deutlich, dass die Unendlichkeit nur angemessen gedacht werden kann, wenn sie an der Endlichkeit keine Grenze findet, sondern dieses Endliche in Differenz in sich einschließt. Das Unendliche wäre nicht das Unendliche, wenn es durch ein Endliches begrenzt würde und damit selbst zum begrenzten Endlichen depotenziert wäre.
Die genauere Bestimmung von Gott in Welt und Welt in Gott bildet dann die entscheidende Herausforderung. Zwischen den exklusiven Alternativen von dualistischem Theismus und monistischem Pantheismus eröffnet sich ein Feld des Denkens von Einheit in Differenz. Dieses kann durch die Positionen des partizipationsontologischen Theismus, des freiheitsbestimmt relationalen Theismus, des modal schwachen soteriologischen Panentheismus und des modal starken prozessphilosophischen Panentheismus unterschieden und qualifiziert werden. Der Begriff des Panentheismus wird begrifflich trennscharf, wenn er eine »Feedbackschleife« ausweist, die entweder freiheits-dialogisch oder metaphysisch-ontologisch gedacht wird. Die damit verbundene Rückwirkung auf Gott führt dann zur Unterscheidung von Urnatur und Folgenatur in Gott.
Unter diesem Blickwinkel werden die analoge Gott-Rede, das Gottesprädikat der Unveränderlichkeit, die Positionen des klassischen Theismus von Thomas von Aquin, Nikolaus von Kues, René Descartes, Baruch de Spinoza, Georg F. W. Hegel, Friedrich W. J. Schelling, Hermann Lotze, Alfred N. Whitehead, Jürgen Moltmann, Wolfhart Pannenberg, Philip Clayton, John Bishop, Ken Perszyk, Joseph A. Bracken, Magnus Striet, Saskia Wendel und Thomas Oord untersucht.
Publikationen in Auswahl
Gott – jenseits von Monismus und Theismus? (Beiträge zur Komparativen Theologie 23). (Schöningh) Paderborn 2017. Zusammen mit Klaus von Stosch und Muna Tatari.
Zwischen Theismus und Panentheismus. Historisch-Systematische Skizzen zur Panentheismusfrage (Scientia & Religio). (Karl Alber) Baden-Baden 2023.
