Fundstück 2026 - I.

Manche Objekte geben unserem Team das Gefühl einer richtigen Begegnung: In St. Mariä Himmelfahrt in Appelhülsen stehen wir in Blickhöhe dem Gnadenbild der Muttergottes, der sogenannten 'Weißen Madonna' gegenüber. Sie trägt das Christuskind auf dem Arm, das die Hand zum Segensgestus erhoben hat. Wie groß ihre Verehrung war und ist, zeigen die kostbare Gewandung und die Kronen. Eine kleine eigene Garderobe der Figuren auf Kinderbügeln gibt es hier zu dokumentieren. An der nordöstlichen Ecke des nördlichen Seitenschiffs hängt außerdem eine Wandvitrine, wo Votivgaben ausgestellt werden, die dem Gnadenbild dargebracht wurden. Gläubige drückten damit ihre Hoffnung oder ihren Dank für erfüllte Bitten aus.
Die Datierung der nur teilweise original erhaltenen Holzschnitzarbeit ist nicht klar zu bestimmen. Lokale Quellen sprechen von einer Schenkung des 17. Jh. durch die Familien Schulze Frenking, Schulze Wedemhove und Schulze Backmann als Dank für Genesung nach einer schweren Krankheit. Die Teile der Skuptur und ihre Ausstattungsstücke tragen Jahreszahlen vom 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Madonna war Ziel von Wallfahrten aus Nottuln und wurde bei Prozessionen mitgeführt. 1950 fertigte die Künstlerin Lotte Bach ein weißes Seidengewand, an dem die Votivgaben befestigt wurden. Es befindet sich seit 1990 im Museum RELíGIO in Telgte. 1998 schuf die Appelhülsener Paramentengruppe ein Gewand aus heller Wildseide mit gold besticktem Palmettenmotiv, das Carolin Hemsing sich hier auf dem Bügel hängend ansieht. Die Madonna trägt ein hellblaues Kleid mit einem Mantel, das 2009 durch die Paramentengruppe aus einem alten Rochett hergestellt wurde. Aus diesem wurde auch das Kleid des Christuskindes gefertigt.


