Fundstücke des Jahres 2026

Fundstück 2026 - I.

© Universität Münster | Meike Reiners

Manche Objekte geben unserem Team das Gefühl einer richtigen Begegnung: In St. Mariä Himmelfahrt in Appelhülsen stehen wir in Blickhöhe dem Gnadenbild der Muttergottes, der sogenannten 'Weißen Madonna' gegenüber. Sie trägt das Christuskind auf dem Arm, das die Hand zum Segensgestus erhoben hat. Wie groß ihre Verehrung war und ist, zeigen die kostbare Gewandung und die Kronen. Eine kleine eigene Garderobe der Figuren auf Kinderbügeln gibt es hier zu dokumentieren. An der nordöstlichen Ecke des nördlichen Seitenschiffs hängt außerdem eine Wandvitrine, wo Votivgaben ausgestellt werden, die dem Gnadenbild dargebracht wurden. Gläubige drückten damit ihre Hoffnung oder ihren Dank für erfüllte Bitten aus.

Die Datierung der nur teilweise original erhaltenen Holzschnitzarbeit ist nicht klar zu bestimmen. Lokale Quellen sprechen von einer Schenkung des 17. Jh. durch die Familien Schulze Frenking, Schulze Wedemhove und Schulze Backmann als Dank für Genesung nach einer schweren Krankheit. Die Teile der Skuptur und ihre Ausstattungsstücke tragen Jahreszahlen vom 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Madonna war Ziel von Wallfahrten aus Nottuln und wurde bei Prozessionen mitgeführt. 1950 fertigte die Künstlerin Lotte Bach ein weißes Seidengewand, an dem die Votivgaben befestigt wurden. Es befindet sich seit 1990 im Museum RELíGIO in Telgte. 1998 schuf die Appelhülsener Paramentengruppe ein Gewand aus heller Wildseide mit gold besticktem Palmettenmotiv, das Carolin Hemsing sich hier auf dem Bügel hängend ansieht. Die Madonna trägt ein hellblaues Kleid mit einem Mantel, das 2009 durch die Paramentengruppe aus einem alten Rochett hergestellt wurde. Aus diesem wurde auch das Kleid des Christuskindes gefertigt. 

Fundstück 2026 - II.

© Universität Münster | ACHRIBI | Michael Langer | CC-BY-SA 4.0

Unser Mitarbeiter Michael Langer berichtet:

Wir sind es heutzutage gewohnt, dass die Wände in Kirchen eher schlicht gehalten sind. Zumeist sind sie weiß gestrichen. Dies war jedoch nicht immer der Fall. Tatsächlich waren mittelalterliche Kirchen in der Regel bunt ausgemalt – vielfach auch mit figürlicher Malerei. Leider haben sich nur wenige dieser Malereien erhalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Manche wurden beispielsweise bei Bränden zerstört, andere wiederum wurden übermalt, da ihr Erhaltungszustand zu schlecht war oder sie nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen.

In St. Cosmas und Damian in Leer wurden 1980 bei den Vorarbeiten für einen neuen Anstrich im Gewölbe des mittelalterlichen Teils der Kirche Reste der einstigen Ausmalung entdeckt, die stilistisch Anfang des 15. Jh. datiert werden konnten. Zu sehen ist ein geflügelter Engel mit Nimbus (Heiligenschein), der in ein langes Gewand gekleidet ist, und einen kleinen unbekleideten Menschen trägt. Dieser kleine Mensch ist die symbolische Darstellung einer Seele, die von dem Engel emporgetragen wird. Es handelt sich um einen gängigen Bildtypus des Mittelalters, der sich damaligen Betrachter*innen sicherlich gleich erschloss. Umrahmt werden die beiden von rankenartigen stilisierten Pflanzen.

Auch wenn die Farben heute verblasst sind, vermitteln sie dennoch einen Eindruck der Pracht, die im Mittelalter selbst kleinere Kirchen im ländlichen Raum entwickeln konnten.

Fundstück 2026 - II.

© Universität Münster | ACHRIBI | Maximilian Berkel | CC-BY-SA 4.0

Ein Forschungsschwerpunkt unseres Datenkurators Maximilan Berkel liegt auf der Glasmalerei. Diese Arbeit beeindruckt ihn besonders: 

Das 1976 von Joachim Klos für St. Thomas Morus in Münster-Rumphorst (Bauzeit: 1972-1974) geschaffene Fenster wurde von der Werkstatt Wilhelm Derix in Düsseldorf-Kaiserswerth ausgeführt. Als Materialen kamen Antikglas, Opalglas, Blei und Schwarzlot zum Einsatz. Klos Idee von der „Kinetik“ im Glas wird durch dieses Fenster deutlich: Die geometrischen Formen in Kombination mit den außen dunkleren Farben die in der Mitte zum Licht führen, lassen die Betrachter:innen tief eintauchen.