
Unser Mitarbeiter Michael Langer berichtet:
Wir sind es heutzutage gewohnt, dass die Wände in Kirchen eher schlicht gehalten sind. Zumeist sind sie weiß gestrichen. Dies war jedoch nicht immer der Fall. Tatsächlich waren mittelalterliche Kirchen in der Regel bunt ausgemalt – vielfach auch mit figürlicher Malerei. Leider haben sich nur wenige dieser Malereien erhalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Manche wurden beispielsweise bei Bränden zerstört, andere wiederum wurden übermalt, da ihr Erhaltungszustand zu schlecht war oder sie nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen.
In St. Cosmas und Damian in Leer wurden 1980 bei den Vorarbeiten für einen neuen Anstrich im Gewölbe des mittelalterlichen Teils der Kirche Reste der einstigen Ausmalung entdeckt, die stilistisch Anfang des 15. Jh. datiert werden konnten. Zu sehen ist ein geflügelter Engel mit Nimbus (Heiligenschein), der in ein langes Gewand gekleidet ist, und einen kleinen unbekleideten Menschen trägt. Dieser kleine Mensch ist die symbolische Darstellung einer Seele, die von dem Engel emporgetragen wird. Es handelt sich um einen gängigen Bildtypus des Mittelalters, der sich damaligen Betrachter*innen sicherlich gleich erschloss. Umrahmt werden die beiden von rankenartigen stilisierten Pflanzen.
Auch wenn die Farben heute verblasst sind, vermitteln sie dennoch einen Eindruck der Pracht, die im Mittelalter selbst kleinere Kirchen im ländlichen Raum entwickeln konnten.

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