Dürfen Laien predigen?
Der Versuch, die Laienpredigt innerhalb der Messfeier offiziell zu etablieren, erscheint insofern fragwürdig, als das kirchliche Lehramt dies wiederholt abgelehnt hat. Vor diesem Hintergrund entsteht der Eindruck, dass weniger eine neue pastorale Perspektive entwickelt werden soll als vielmehr der Versuch unternommen wird, eine Praxis zu legitimieren, die sich an vielen Orten bereits etabliert hat. Die erneute Absage aus Rom macht deutlich, dass sich diese Praxis nicht in einem kirchenrechtlichen Graubereich bewegt, sondern den geltenden Normen widerspricht.
Gleichzeitig wird in der Antwort des Vatikans deutlich, dass Laien außerhalb der Messfeier grundsätzlich predigen können. Daher stellt sich die Frage, warum die Chance nicht stärker genutzt wird, theologisch ausgebildete Laien in Wort-Gottes-Feiern mit der Verkündigung zu betrauen. Bereits das Zweite Vatikanische Konzil hat in Sacrosanctum Concilium (SC 35,4) die Förderung von Wortgottesdiensten angeregt.
Wer stattdessen versucht, innerhalb der Messfeier neue Akzente zu setzen, bewegt sich stets in der Spannung zwischen pastoralen Anliegen und liturgischen Vorgaben. Dies birgt die Gefahr von Normabweichungen und Verstößen gegen das geltende Liturgierecht. Die Ablehnung des beantragten Indults sollte daher Anlass sein, die Diskussion neu auszurichten. Die Deutsche Bischofskonferenz wäre gut beraten, sich intensiver mit der Frage auseinanderzusetzen, unter welchen Bedingungen die Beteiligung von Laien an der Verkündigung im Einklang mit den liturgischen Normen gestärkt werden kann.
Allerdings wird eine solche Debatte häufig dadurch erschwert, dass Wort-Gottes-Feiern nicht selten unter den Verdacht geraten, sie sollten die Messfeiern ersetzen. Solange dieses Missverständnis fortbesteht, bleibt eine ernsthafte theologische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten eigenständiger Formen der Wortverkündigung erschwert. Damit wird zugleich die Chance vergeben, ein Gottesdienstformat weiterzuentwickeln, das die Verkündigung des Wortes Gottes bewusst in den Mittelpunkt stellt und katechetischen Elementen größeren Raum geben könnte.
MX, 23.06.2026
Literaturhinweise:
Pressemitteilung DBK 23.06.2026 | Aktuelle Meldung | Nr. 010
Marco Xu, Heilige Wort-Gottes-Feier. Auf der Suche nach einem neuen theologischen Profil für die Feier des Wortes Gottes – Teile 1 und 2, in: Gottesdienst 1 und 2 (2022), 10–11 bzw. 22–23.
Marco Xu, Die Feier des Nativitas-Mysteriums als Neuprofilierung der Wort-Gottes-Feier, in: Stephan Winter/Arnd Büssing (Hg.): Die Wort-Gottes-Feier. Aktuelle Praxis und Perspektiven einer lebendigen Liturgiereform, Regensburg 2023, 115-152.
Marco Xu, Gottes Wort als Mitte. Ein Plädoyer für die Wort-Gottes-Feier anlässlich des Sonntags des Wortes Gottes, in: Gottesdienst 1 (2025), 10–11.
