Vom 7. bis 10. Oktober 2026 fand in Córdoba, Argentinien, der 3. Kongress lateinamerikanischer und deutschsprachiger Theologinnen statt – eine Kooperation des argentinischen Theologinnen-Netzwerks Teologanda mit dem deutschsprachigen Forum für Theologinnen AGENDA. Unter dem Kongresstitel „Würde und Gerechtigkeit für Frauen in Kirche und Gesellschaft“ beschäftigten sich mehr als 100 Teilnehmende von vier Kontinenten in zahlreichen Vorträgen und Diskussionen mit Exklusions- und Diskriminierungserfahrungen, Ekklesiologie und Ämterfrage, feministischen und queeren Theologien, Fragen von Recht und Gerechtigkeit und vielem mehr.
Auch zwei Mitglieder des ICS wirkten an den Panels mit: Prof. Dr. Michelle Becka und Mara Elijah Klein.
Michelle Becka sprach auf dem abschließenden Panel zum Thema: „Frauenrechte als Grundpfeiler der Kirchlichen Soziallehre? Die Geduld der Frauen ist nicht unbegrenzt“. Sie unterstrich einerseits die Forderung nach der Anerkennung von Menschenrechten – insbesondere Freiheitsrechten – innerhalb der Katholischen Kirche und reflektierte andererseits über den befreienden Charakter dieser Rechte: Es genügt nicht, so die These, den Zugang zu denselben Rechte und denselben Ämtern auszudehnen, sondern (im Anschluss an die Juridismus-Diskussion) das Recht selbst verändert sich, wenn es auf einer breiteren Basis aufbaut und die Erfahrungen bislang Ausgeschlossener berücksichtigt.
Mara Klein sprach auf dem queer-theologisch ausgerichteten Panel zum Thema: „All-Gender Gerechtigkeit – Herausforderungen und Chancen für katholische Frauenrechte“. Basierend auf den eigenen Erfahrungen auf dem Synodalen Weg wurden sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen eines Mehr-Geschlechter-Modells (im Vergleich zum Zwei-Geschlechter-Modell) exemplarisch skizziert. Mit Verweis auf die Ergebnisse des am ICS verorteten DFG-Projekts „Prekäre Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt“ wurden zudem insbesondere Begegnung, Bildung und Sichtbarkeit als Faktoren für Wandel hervorgehoben.


Der Kongress zeichnete sich neben der Internationalität v. a. dadurch aus, dass viele Nachwuchs-Theolog*innen mitwirkten. Die „Junge Agenda“ (Netzwerk junger Theolog*innen) wirkte an der Vorbereitung und Gestaltung mit und war mit einer großen Gruppe vertreten. Auch von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster nahmen außer Mara Klein noch vier weitere Promovierende teil: Isabel Höing, Julia Hahn und Robert Renner, die zu unterschiedlichen Themen in den parallelen Sessions vortrugen, sowie Suzanna Moreira, die ganz neu an der Fakultät angekommen ist.
Neben den anregenden und inspirierenden Vorträgen und Diskussionen wurden besonders die vielen Pausengespräche als wertvoll wahrgenommen: das gegenseitige Kennenlernen und die Einsicht in die unterschiedlichen und doch ähnlichen Lebenswirklichkeiten von Theolog*innen in anderen Kontexten waren eine große Bereicherung. Einmal mehr zeigt sich in dieser Erfahrung, wie nötig es auch für die Theologie ist, sehr genau zuzuhören, hinzuschauen und (auch andere) Kontexte wahrzunehmen. Eben weil diese Art der Begegnung sich nicht durch Lektüre ersetzen lässt - so wichtig diese auch bleibt – sind Kongresse wie dieser ein wichtiger Beitrag zum wissenschaftlichen Austausch und Forschen.

