DESMEX-REAL: Reallabor Rohstofferkundung Oberharz

Laufzeit: 01.04.2021 - 31.03.2025

Aufgabenstellung

Für die heimische Rohstoffgewinnung sind die Altbergbaugebiete in Deutschland von herausgehobener Bedeutung. Neue geophysikalische Erkundungsverfahren wie das in DESMEX und DESMEX II entwickelte semi-airborne EM-Verfahren können wichtige neue Kenntnisse über das Rohstoffpotenzial in diesen Regionen liefern und auch tieferliegende Vorkommen erfassen. Das konkrete Ziel des Verbundprojektes DESMEX-REAL bestand darin,

  • die komplette Altbergbauregion Oberharz mit hubschraubergestützten semi-airborne EM-Befliegungen zu kartieren,
  • ein flächenhaftes drei-dimensionales (3D) Modell der elektrischen Leitfähigkeitsverteilung bis in 1000 m Tiefe abzuleiten und
  • diese Modelle im geologischen und lagerstättenkundlichen Kontext für die Bewertung des Rohstoffpotenzials zu nutzen.

Um dieses Ziel erreichen zu können, war es zusätzliche zur geophysikalischen Datenaufnahme und Auswertung notwendig, existierende geologische Daten in einem modernen 3D geologischen Modell zusammenzuführen und lagerstättenkundliche Risswerke aus den Archiven des Bergbaus in ein digitales 3D Modell zu überführen. Ein wichtiger Bestandteil des Vorhabens war es zudem, die Machbarkeit der Explorationsarbeiten in einem realitätsnahen Umfeld – einem Reallabor – zu demonstrieren und dabei die Belange der Öffentlichkeit zu adressieren und zu berücksichtigen.

Ergebnisse

Im Projektverlauf konnten im Oberharz insgesamt 32 überlappende Teilgebiete beflogen werden, sodass der gesamte Oberharz nun unter Einbeziehung früherer Befliegungen in DESMEX mit insgesamt 40 Teilgebieten komplett abgedeckt ist. Pro Teilgebiet wurde ein Starkstromsender mit Dipolauslagen von 2-5 km betrieben und mit Fluggebieten von ca. 7 x 4 km² beflogen. Es handelt sich damit um den größten semi-airborne EM-Datensatz, der jemals erhoben wurde

Übersichtsdarstellung der sAEM Flüge und zughöriger Transmitterauslagen im Oberharz.
© Institut fuer Geophysik

Für die Befliegungen wurden sukzessiv optimierte Schleppkörper eingesetzt. Datenbearbeitungsverfahren sind im Projektverlauf verbessert und erweitert worden, und es steht eine sequenzielle 3D Inversion auf Basis von custEM zur Verfügung, die grundsätzlich geeignet ist, den gesamten Datensatz zu invertieren. Im Projekt wurden auch neue mineralogische und geochemische Analysen an existierenden Bohrproben durchgeführt, die neue Erkenntnisse zur Genese der Gangvererzungen im Oberharz und der SEDEX-Lagerstätte Rammelsberg liefern; es wurden Grubenbaue in ein digitales 3D Modell übertragen, existierende Bohrlochdaten neu bewertet, und ein neues geologisches 3D-Strukturmodell aus teils noch analogen Arbeiten und Daten konstruiert.

Die in dem Reallabor Rohstofferkundung Oberharz gewonnenen Daten und Modelle eröffnen vielfältige Möglichkeiten für die zukünftige Forschung, von der Datenbearbeitung bis zur -integration und Interpretation. Sie sind wesentliche Grundlage für das Verbundvorhaben DESMEX-MinD, in dem die Mineralsysteme im Oberharz und im Erzgebirge mit einem holistischen Ansatz erforscht werden sollen.

Die Arbeiten im Oberharz haben regional durch Pressemitteilungen und Öffentlichkeits-veranstaltungen eine hohe Sichtbarkeit erhalten. Die Resonanz in der Bevölkerung war sehr positiv.

Verbundpartner

Assoziierte Partner