Außergewöhnliche Reiseausstattung
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Was von außen aussieht wie ein gebräuchliches Stundenbuch, entpuppt sich beim Aufklappen des Buchdeckels als raffinierte Aufbewahrung für die Reiseausstattung eines katholischen Priesters: In der hölzernen Lade, die sich im Bucheinband verbirgt, finden sich silberne Döschen mit Ölen und eine Hostienschale aus dem gleichen Material. Das seltene Stück, das wahrscheinlich Ende des 18. Jahrhunderts entstand, wurde dem Bibelmuseum der Universität Münster im vergangenen Jahr überlassen, und gehört nun zu den Blickfängen in der Osterausstellung des Museums, die am 17. März startet.
Die Ausstellung, die bis zum 19. April zu sehen ist, steht unter dem Oberthema „Auferstehung“. Da passt die „Chrismatorium“ genannte Reiseschatulle perfekt herein, erläutert Museums-Kustos Dr. Jan Graefe: „Eines der Öle diente der Krankensalbung vor dem Tod, das Hostienschälchen erinnert an das letzte Abendmahl Jesu“. Dass ein Priester diese Ausstattung mit sich führte, war normal, allerdings ist es ungewöhnlich, dass für die Verkleidung ein gebrauchtes Stundenbuch genutzt wurde.
Warum das passierte, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Sicher ist allerdings, dass der frühere Besitzer wohlhabend gewesen sein muss. Denn die Lade, in der die silbernen Behältnisse passgenau eingelassen sind, ist vergoldet. Und auch die beiden Messbücher (lat. „Missale“), die dem Bibelmuseum zusammen mit dem Chrismatorium übereignet wurden, sind Prachtbände, die bereits zur Zeit ihres Drucks um 1830 einiges wert gewesen sein dürften.
Sie sind ebenso wie das Chrismatorium während der Osterausstellung vom 17. März bis 19. April in der Öffentlichkeit zu sehen. Das Bibelmuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am 10. April bis 22 Uhr. Sonntags findet jeweils um 15 Uhr eine offene Führung statt, für die keine Anmeldung erforderlich ist. Über Ostern ist das Museum vom 3. (Karfreitag) bis 6. April (Ostermontag) geschlossen.

