Header-Foto Totholz
© WWU Münster
STATION 2

TOTHOLZ BEDEUTET LEBEN UND ARTENREICHTUM

Unter dem Begriff Totholz versteht man stehende und liegende Bäume, die abgestorben sind. Totholz entsteht durch den Alterstod der Bäume, durch Katastrophen wie Waldbrände oder Orkane, durch Blitzschlag, durch Schnee- und Eisbruch sowie durch andere Umwelteinflüsse. Wie der Baumveteran an der ersten Station bereits angedeutet hat, ist Totholz alles andere als tot. Selbst wenn ein Baum abgestorben ist, finden z. B. Käfer, Pilze und Vögel hier einen Lebensraum. Somit ist Totholz ein wichtiger Bestandteil des Waldes und Lebensgrundlage für viele Lebewesen.

Lebensraum für Insekten

Viele Insekten sind auf Totholz angewiesen, das sich in bestimmten Phasen des Zerfalls und der Zersetzung befindet. So finden Ameisen und Schmetterlinge hier ihren Lebensraum. Auch ein großer Teil unserer Wespen- und Bienenarten braucht Alt- und Totholz, um zu überleben. So nutzen Wespen Holz als Material für den Nestbau, und viele Bienen wohnen oder überwintern in abgestorbenen Holzstämmen.

Auch zahlreiche Käferarten leben von Holz in verschiedenen Zerfallsstadien. Hier im Schlossgarten findet ihr zum Beispiel den Echten Widderbock (Clytus arietis), den Scharlachroten Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea) und den Gefleckten Schmalbock (Rutpela maculata). Für eine Reihe von Käfern stellt Totholz zudem ein Winterquartier dar, etwa für viele Marienkäfer.

  • Echter Widderbock
    © Robert Matzke

    Echter Widderbock

    • Hat eine auffällige schwarz-gelbe Färbung
    • Wird bis zu 14 Millimeter lang, Durchmesser ca. 1-Cent-Stück
    • Gehört zur Familie der Bockkäfer (Cerambycidae)
    • Ist die häufigste Art seiner Gattung in Mitteleuropa
    • Wird auch Wespenbock genannt – Fressfeinde können ihn schwer von einer Wespe unterscheiden und meiden ihn deshalb
    • Diese Art der Tarnung nennt man Mimikry – Lebewesen ahmen andere Lebewesen nach, um ihre Feinde zu täuschen oder um Beute anzulocken

  • Scharlachroter Feuerkäfer
    © Robert Matzke

    Scharlachroter Feuerkäfer

    • Deckflügel und Halsschild sind leuchtend rot, der übrige Körper tiefschwarz
    • Ist 14 bis 18 Millimeter lang
    • Hat einen flachen und breiten Körper
    • Ist auf Blüten und in Totholz zuhause
    • Erwachsene Käfer ernähren sich von Baumsäften, Nektar und vom Honigtau der Blattläuse
    • Die Larven leben von anderen Insekten und deren Larven

  • Gefleckter Schmalbock
    © Robert Matzke

    Gefleckter Schmalbock

    • Hat einen schwarzen Körper mit gelben Flügeln, die vorne schwarze Flecken haben, und zum Körperende hin breite, schwarze Querstreifen. Die Antennen sind gelbschwarz geringelt
    • Ist 14 bis 20 Millimeter lang
    • Ist häufig auf Doldenblüten zu finden
    • Ernährt sich neben Nektar auch von Pollen und Staubgefäßen
    • Die Larven bohren sich tief in alte und morsche Bäume
    • Durch Aneinanderreiben von Hinterbeinen und Flügeldecken kann der Käfer zirpende Geräusche erzeugen

Zeichnung Kallus-Ausbildung an einem Stamm
Kallus-Ausbildung an einem Stamm
© Robert Matzke

Verletzungen

Schaut euch die Grafik des Baumstamms einer Rotbuche an. Fällt euch etwas Besonderes auf? Deutlich ist das sogenannte Wundholzgewebe zu erkennen. Könnt ihr euch vorstellen, was hier passiert ist? An dieser Stelle wurde vor ca. 20 Jahren ein dicker Ast abgesägt. Die Rotbuche schottete diese Wunde während des Heilungsprozesses äußerlich durch diesen Kallus, das Wundgewebe, ab. Dieser Prozess zum Schutz vor Keimen ist der Schorfbildung bei Menschen sehr ähnlich.

  • WISST IHR ES?

    1. Welche Tiere und Insekten kennt ihr, die Mimikry anwenden?

    2. Wie viele Tier- und Pflanzenarten sind auf Totholz als Lebensraum und Nahrungsquelle angewiesen?

  • ANTWORTEN

    1. Viele Lebewesen tarnen sich oder ahmen andere Lebewesen nach, um ihre Feinde zu täuschen oder um Beute anzulocken. Hier einige Beispiele:

    • Die Laubheuschrecke sieht aus wie ein Blatt und macht sich so für ihre Feinde unsichtbar.
    • An der Rückenflosse des Anglerfisches wächst ein kleiner Hautfetzen. Dieser zappelt im Wasser hin und her und ähnelt so einem Wurm oder einem kleinen Fisch. Damit lockt der Anglerfisch seine Beute vor sein Maul und schnappt dann blitzschnell zu.
    • Mit ihrer schwarz-gelben Färbung sieht die harmlose Schwebfliege einer Wespe ähnlich und wird deshalb von Fressfeinden gemieden.
    • Raupen und auch Schmetterlinge tragen auf ihrem Körper oft große Flecken, die aus der Ferne aussehen wie Augen. Das schreckt zum Beispiel Vögel ab, die ein anderes größeres Tier vermuten.

    2. Über 6.000 Arten! Dazu gehören rund 1.200 Käfer und 2.500 Pilze.