Forum für Autobiographieforschung
"Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler."
(Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften)

Im autobiographischen Erzählen manifestieren sich zentrale Fragen der Literatur(wissenschaft) sowie die Problematik des menschlichen Selbstverhältnisses. Als eine ausdifferenzierte Literaturgattung umfasst Life Writing nicht nur Autobiographie und Biographie, sondern auch Autofiktion, Briefe, Tagebücher, Krankheitsnarrative, testimonials, Memoiren, Reiseberichte, Essays, Interviews, autographics und andere Textsorten. Auch beispielsweise Film, Kunst und Photographie oder soziale Netzwerke sind prominente autobiographische Medien.

Das Forum schafft einen Raum für die intensive Auseinandersetzung mit konkreten Texten und Formaten, aber auch für die theoretisch-methodische Reflexion des Gegenstands. Es greift aktuelle wissenschaftliche Diskussionen und Impulse aus anderen Disziplinen auf und beteiligt sich aktiv an der Entwicklung neuer, auch interdisziplinär ausgerichteter Fragestellungen zum Thema. Die Aktivitäten des Forums umfassen Vorträge, Workshops, Konferenzen sowie gemeinsame Lehrveranstaltungen und Publikationen.

Aktuelles

Save the Date: Internationale Konferenz des Forums für Autobiographieforschung

Autobiographien beschreiben rückblickend gelebtes Leben. Häufig erzählt der Autor sein Leben aus der Perspektive des bevorstehenden Endes: dem Tod. Die Konferenz möchte den Zusammenhang von Autobiographie und Tod genauer ausleuchten und dabei insbesondere der Frage nachgehen, in welcher Weise gerade im autobiographietypischen im Rückblick auf das Leben („past tenses“) Imaginationen des Zukünftigen („future imaginaries“) und zwar über das Ende des Todes hinaus („beyond endings“) möglich werden.

Die internationale Konferenz mit dem Titel „Beyond Endings. Past Tenses and Future Imaginaries“ des Forums für Autobiographieforschung findet vom 26. bis 28. September 2018 statt. Als RednerInnen zu Gast sind Prof. Marlene Goldman (Toronto), Dr. Chiara Nannicini (Brüssel), Dr. Melissa Schuh (Frankfurt am Main), Prof. Dr. Mathias Mayer (Augsburg), Prof. Dr. Volker Depkat (Regensburg) und Prof. Dr. Julia Watson (Ohio).

Reading and discussion: A defiant mind: Ngũgĩ wa Thiong’o’s life-writing

Thursday, 14 June, from 6.00 pm (s.t.), Bezirksregierung, Freiherr-von-Vincke-Haus, Freiherr-vom-Stein-Saal
Poster Ngugi Wa Thiong´o
© Ina Batzke

We warmly invite everyone to a reading and discussion with Prof. Ngũgĩ wa Thiong’o on 14 June 2018. After his highly successful visit in 2015, we are honoured to welcome the critically acclaimed novelist and renowned scholar Ngũgĩ wa Thiong’o (University of California, Irvine) at WWU Münster again. At this event hosted by the WWU’s Forum for Life Writing Research, he will read from, and engage with, his recent memoirs.

Over the past twenty years, life-writing has gained considerable prominence in the literary marketplace as well as in university departments. As a distinct and differentiated literary genre, life-writing encompasses not only (auto)biography but also autofiction, letters, or memoirs and extends to other media including fine art and photography. The Forum for Life Writing Research at WWU Münster creates a space for intensive investigations and explorations of these texts and materials, as well as for systematic theoretical reflections on the genre itself.

Perhaps best known for his seminal Decolonising the Mind (1986) as well as several novels, Ngũgĩ’ wa Thiong’o’s recent work includes several memoirs of extraordinary scope. Detailing a long and eventful life at the pulse of Kenyan history, they stand witness to colonialism and postcolonial resistance, neo-colonialism, activism, and exile. His most recent publication Wrestling with the Devil: A Prison Memoir (2018), based on the 1982 Detained: A Writer’s Prison Diary, looks back on a year of incarceration in a maximum security prison following his severe criticism of the inequalities and injustices of postcolonial Kenyan government and society. Ngũgĩ is the recipient of many honours including the 2001 Nonino International Prize for Literature and numerous honorary doctorates.

The event will be chaired by Julian Wacker (Univ. Münster). All researchers, students, and those interested in life-writing or African literature are welcome to join in.

Call for Papers - GENDER: Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft

Verwandtschaftsverhältnisse – Geschlechterverhältnisse Mediale Formen, Techniken und Praktiken von Verwandtschaft im 21. Jahrhundert

In lebensweltlichen Zusammenhängen begegnen wir zunehmend Erosionsprozessen und Neuordnungen von biologischen Verwandtschaftsverhältnissen in unterschiedlichen und oft miteinander verbundenen Bereichen: in der Reproduktionsmedizin, in Beziehungs- und Fürsorgeverhältnissen, in der Klein- und Großfamilie. Es entstehen neue biopolitische, soziale und rechtliche Formen des Verwandtseins, die die Geschlechter- und Verwandtschaftsordnungen grundlegend neu definieren und das Ordnungsmodell der Genealogie zunehmend obsolet erscheinen lassen. Anstelle von auf Abstammung und Blutsverwandtschaft gegründeter familiärer Beziehungen, die auf einer dyadischen, patrilinearen Struktur beruhen, sind nun neue plurale soziale
wie biologische Verwandtschaftsformen möglich (gleichgeschlechtliche Elternschaft; Adoptionsrechte; Spenderkinder; Kinder mit dem Erbgut von drei Eltern). Diese emulieren zum Teil die alten familiären Modelle, erproben aber auch neue Allianzen und Netzwerke und justieren dabei die Funktion der Kategorie Gender in Verwandtschaftsbeziehungen neu. Das Themenheft lädt zur Beschäftigung mit neuen Formen von Verwandtschaft insbesondere aus kultur- und sozialwissenschaftlichen und zugleich gendertheoretischen Perspektiven ein. So wird nach experimentellen Imaginationen neuer Verwandtschafts-
formen in den Medien ebenso gefragt, wie nach Verwandtschaftserzählungen, die zu den kulturell stabilsten und ältesten Narrativen gehören. Sie bilden genealogische Ordnungsmuster ab und geben Ängsten, Transgressionen und Affekten Raum, mit denen Verwandtschaft beladen ist. Als Kulturtechnik konstituieren und stabilisieren sie humane Vergesellschaftungsformen, und den Literatur- und Kulturwissenschaften fällt mit der Analyse der medialen Repräsentationen neuer Verwandtschaftsformen eine wichtige kulturhermeneutische Aufgabe zu. Von Interesse ist darüber hinaus jedoch auch der geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Blick auf die Bedeutung und Herstellung von Verwandtschaft, auf rechtliche Aspekte vor allem von sozialen Verwandtschaftsbeziehungen und auf neue Praktiken von Verwandtschaft, in denen die soziale Gruppenzugehörigkeit intime Beziehungen rahmt. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, welche Bedeutung diese Verschiebung für die Geschlechterverhältnisse hat.


Mögliche Themen und Fragestellungen im Einzelnen sind:
• Genealogie als literarisches und kulturelles Ordnungsmuster der Geschlechterverhältnisse
• Interdependenzen juristischer, biotechnologischer und literarischer/medialer Diskurse
• Herstellung und Bedeutung von Verwandtschaftsbeziehungen für die Geschlechterverhältnisse
• Wahlverwandtschaften, Allianzen, Netzwerke: Verwandtschaftsmetaphern
• trans-humane Denkfiguren von Verwandtschaft
• innovative und restaurative Begründungsformeln von Verwandtschaft

Verfahren und Zeitplanung

Wir bitten um die Einreichung eines ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 20.11.2017. Beiträge aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland können gern auch auf Englisch eingereicht werden. Die Redaktion arbeitet mit dem Online-Redaktionssystem OJS. Daher bitten wir Sie, sich auf www.budrich-journals.de/index.php/gender als Autorin oder Autor für die Zeitschrift GENDER anzumelden und Ihr Abstract dort einzureichen und hochzuladen. Einen Leitfaden zum Umgang mit OJS finden Sie unter www.gender-zeitschrift.de/index.php?id=manuskripte. Die Einladung zur Beitragseinreichung erfolgt im Falle einer positiven Einschätzung bis zum 06.12.2017. Der Abgabetermin des fertigen Beitrags im Umfang von max. 50.000 Zeichen ist der 04.06.2018. Alle eingereichten Beiträge durchlaufen ein mehrstufiges Review-Verfahren, auf dessen Grundlage die endgültige Auswahl der Beiträge getroffen wird; dabei sind Hinweise zur Überarbeitung eher die Regel als die Ausnahme. Diese werden den AutorInnen von den Herausgeberinnen zurückgemeldet. Im Falle einer hohen Anzahl von positiv begutachteten Beiträgen behält sich die Redaktion vor, eine abschließende Auswahl vorzunehmen und ggf. Beiträge in einer späteren Ausgabe zu veröffentlichen.

Über GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft

GENDER ist eine 2009 gegründete Zeitschrift, die der Frauen- und Geschlechterforschung sowie den Gender Studies ein übergreifendes Forum für wissenschaftliche Debatten, aber auch für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis bietet. Das Spektrum der Zeitschrift umfasst gesellschaftliche und kulturelle Themen – sozialpolitische Fragen zu Gleichheit und Gerechtigkeit haben ebenso Platz wie Fragen nach den Inszenierungen
und kulturellen Deutungen von Geschlecht. Intendiert ist ein breites Spektrum von Themen und wissenschaftlichen Disziplinen, in denen Frauen-, Männer- und Geschlechterfragen reflektiert werden. Dem multidisziplinären Charakter der Zeitschrift entsprechend sind sozialwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche, naturwissenschaftliche und andere Analysen willkommen, die dem interdisziplinären Charakter der Geschlechterforschung entsprechen.

Die Zeitschrift erscheint dreimal jährlich jeweils mit einem thematischen Schwerpunkt und einem

Jahresumfang von rd. 480 Seiten. Die Beiträge des Schwerpunktthemas und des offenen Teils wer-
den im doppelblinden Peer-Review-Verfahren begutachtet.

Beiträge für den offenen Teil der Zeitschrift sind – unabhängig vom jeweiligen Schwerpunktthema
– jederzeit herzlich willkommen!

Haben Sie noch Fragen?

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Herausgeberinnen des Schwerpunkthef-
tes Prof. Dr. Sigrid Nieberle, Technische Universität Dortmund (sigrid.nieberle@tu-dortmund.de),

Prof. Dr. Barbara Schaff, Universität Göttingen (bschaff@uni-goettingen.de), und Dr. Jenny Bünnig,

Universität Duisburg-Essen (jenny.buennig@uni-due.de), oder an die Redaktion (redaktion@gen-
der-zeitschrift.de).

Die AutorInnenhinweise zur Erstellung von Manuskripten finden Sie unter www.gender-zeitschrift.
de/index.php?id=manuskripte.

Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung"

Ringvorlesung

Die Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung" findet im WS 2015/16 sowie im SoSe 2016 jeweils dienstags von 14-16 Uhr im J1 statt. Die aktuellen Termine finden Sie hier

Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung II"

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Die zweite Ringvorlesung des Autobiographieforums, "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung II" findet im WS 2016/17 jeweils dienstags von 14-16 Uhr im Fürstenberghaus, Raum F2, statt. Die aktuellen Termine finden Sie hier.

Gastvortrag

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Am 7. Februar 2017 findet der letzte Gastvortrag der Ringvorlesung "Life Writing. Neue Ansätze in der Autobiographieforschung II" statt: Prof. Dr. Ulla Haselstein (Berlin) hält ihren Vortrag zum Thema "Talking and Listening: Gertrude Steins Selbstporträts".
Der Vortrag wird in deutscher Sprache stattfinden. Interessierte aller Fachrichtungen sind herzlich eingeladen.