Khorchide Mouhanad

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Stellv. Direktor des Centrums für Religiöse Studien, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie und Professor für Islamische Religionspädagogik
4. OG, Raum: 402

Vorzimmer und Administration:
Telefon: +49 251 83-26107 (Vorzimmer)
Vergabe der Sprechzeitentermine:
Telefon: +49 251 83-26107 oder per E-Mail an hilde.mangels@uni-muenster.de

Sprechstunde

Fax: +49 251 83-26111
E-Mail: khorchide@uni-muenster.de

Klarstellung zu aktuellen Vorwürfen aus Hamburg
Kurzvita
Lehrveranstaltungen
Publikationen

Kurzvita
Mouhanad Khorchide, geb. 1971 in Beirut; 1999-2004 Studium der islamischen Theologie an der Al Ozaii-Imam-Fakultät für Islamische Studien im Libanon; 2000-2007 Studium der Soziologie an der Universität Wien; 2008 Promotion im Fach Religionssoziologie an der Universität Wien; 2009-2010 Post-Doc am Institut für Soziologie in Wien; seit 2010 Professor für Islamische Religionspädagogik am Zentrum für Islamische Theologie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster; seit 2011 Koordinator des Graduiertenkollegs Islamische Theologie der Stiftung Mercator sowie Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der WWU Münster. Seit 2013 Principle Investigator des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne" an der WWU Münster und Leiter des Projekts "Historisch kritischer Korankommentar unter Berücksichtigung von Aneignungs-, Transformations- und Abgrenzungsprozessen zwischen Islam und der jüdisch-christlichen Tradition" im Rahmen dieses Exzellenzclusters

Ausgewählte Publikationen von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Monographien:

  1. Scharia - der missverstandene Gott: Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik. Freiburg i.Br. [u.a.]: Verlag Herder. Erscheinungsdatum: 19. September 2013.
  2. Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religion. Freiburg i.Br. [u.a.]: Verlag Herder, 2012.
  3. Der islamische Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft: Einstellungen der islamischen ReligionslehrerInnen an öffentlichen Schulen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009.

Schulbücher:

  1. Miteinander auf dem Weg ½. Islamischer Religionsunterricht. Mouhanad Khorchide (Hg.), Stuttgart: Ernst Klett Verlag. 2012.

Sammelbände:

  1. WerteDialog der Religionen: Überlegungen und Erfahrungen zu Wissenschaft, Seelsorge, Bildung und Sozialarbeit. Josef Freise, Mouhanad Khorchide (Hg.), Freiburg i.Br. [u.a.]: Verlag Herder. Erscheinungstermin: 5. November 2013.
  2. Das Verhältnis zwischen Islamwissenschaft und Islamischer Theologie. Mouhanad Khorchide, Marco Schöller (Hg.), Münster: Agenda Verlag. 2012.
  3. Herausforderungen an die islamische Theologie in Europa - Challenges for Islamic Theology in Europe. Mouhanad Khorchide, Klaus von Stosch (Hg.), Freiburg i.Br. [u.a.]: Verlag Herder. 2012.
  4. Jahrbuch für Islamische Theologie und Religionspädagogik. 1. Band, 1. Jahrgang. Milad Karimi, Mouhanad Khorchide (Hg.), Freiburg i.Br. : Kalam Verlag.  2012/1.
  5. Interreligiosität und Interkulturalität: Herausforderungen für Bildung, Seelsorge und Soziale Arbeit im christlich-muslimischen Kontext. Josef Freise, Mouhanad Khorchide (Hg.), Münster: Waxmann Verlag. 2011.

Aufsätze in Sammelbänden:

  1. Die islamische Theologie im Dialog mit der Moderne - Der Beitrag des Islam zur politischen Kultur der Demokratie, in: Karlies Abmeier, Michael Borchard, Matthias Riemenschneider (Hg.): Religion im öffentlichen Raum. Paderborn: Schöningh. 2013, S. 109-126.
  2. Mit Gott im Dialog - die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Islamischen Systematischen Theologie (Kalam) - am Beispiel der Bestimmung des Menschen als Diener Gottes, in: Mouhanad Khorchide, Klaus von Stosch (Hg.): Herausforderungen an die Islamische Theologie in Europa - Challenges for Islamic Theology in Europe. Freiburg i.Br. [u.a.]: Verlag Herder. 2012, S. 66-76.
  3. Welche Religionspolitik verträgt der Islam? - Integration zwischen Anspruch und Zuspruch, in: Daniel Bogner, Marianne Heimbach-Steins (Hg.): Freiheit - Gleichheit - Religion. Orientierungen moderner Religionspolitik, Religion und Politik, Bd. 4, Würzburg: Ergon Verlag. 2012, S. 217-234.
  4. Versuch einer Theologie der Barmherzigkeit, in: Mouhanad Khorchide, Milad Karimi (Hg.): Jahrbuch für Islamische Theologie und Religionspädagogik (JIThR), Band 2012/1. Freiburg i. Br.: Kalam-Verlag. 2012, S. 305-311.
  5. Theologie der Befreiung statt Theologie der Armen. Eine kritische Reflexion aus islamischer Sicht, in: Klaus von Stosch, Muna Tatari (Hg.):  Gott und Befreiung. Befreiungstheologische Konzepte in: Islam und Christentum, Beiträge zur Komparativen Theologie, Bd. 5, Paderborn: Schöningh. 2012, S. 97-113.
  6. Wir und die Anderen. Identitätskonstruktionen junger Muslime in Europa, in: Severin Lederhilger (Hg.): Auch Gott ist ein Fremder. Fremdsein - Toleranz - Solidarität (Linzer Philosophisch-Theologische Beiträge, 24). Frankfurt [u.a.]: Peter Lang. 2012, S. 91-109.
  7. Zwischen Traditionalismus und Modernismus – Orhan Pamuks Roman „Schnee“ religiös gelesen, in: Michael Hofmann, Klaus von Stosch (Hg.): Islam in der deutschen und türkischen Literatur (Beiträge zur Komparativen Theologie 4). Paderborn: Schöningh. 2012, S. 217-229.
  8. Aspekte der islamischen Spiritualität in der religionspädagogischen Ausbildung, in: Hermann Schoenauer (Hg.): Spiritualität und innovative Unternehmensführung. Reihe „Dynamisch Leben gestalten – Innovative Unternehmensführung in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft“, Bd. 3. Stuttgart: Kohlhammer. 2011, S. 356-371.
  9. Die Illusion des Fremden. Angst vor dem „Anderen“ als Zeichen der eigenen Identitätsverunsicherung, in: Christoph Bartmann, Carola Dürr, Klaus-Dieter Lehmann (Hg.): Illusion der Nähe? Ausblicke auf die europäische Nachbarschaft von morgen. Göttingen: Steidl Verlag. 2011, S. 173-179.
  10. "Ich bin dem Menschen näher als seine Halsschlagader" (Sure 50, 16). Gott und Mensch im Dialog, in: Andreas Renz, Mohammad Gharaibeh, Anja Middelbeck-Varwick, Bülent Ucar (Hg.): Der stets größere Gott. Gottesvorstellungen in Christentum und Islam. Regensburg: Pustet. 2011, S. 72-90.
  11. [Koautor: Moussa Al-Hassan Diaw] Verkehrte Bilder – Muslime der zweiten Generation zwischen Klischee und Realität, in: Gregor Maria Hoff, Ulrich Winkler (Hg.): Religionskonflikte. Zur lokalen Topographie eines Globalisierungsphänomens (Salzburger theologische Studien 42 - interkulturell 7). Innsbruck, Wien: Tyrolia. 2011, S. 89-111.
  12. Das Jenseits als Ort der Transformation statt des Gerichts – Eine andere Lesart der islamischen Eschatologie,  in: Jürgen Werbick, Muhammad Sven Kalisch, Klaus von Stosch (Hg.): Glaubensgewissheit und Gewalt. Eschatologische Erkundungen in Islam und Christentum (Beiträge zur Komparativen Theologie 3), Paderborn: Schöningh. 2011, S. 37-48.
  13. Der islamische Religionsunterricht in Österreich - was kann Deutschland aus dem österreichischen Modell lernen? in: Josef Freise, Mouhanad Khorchide (Hg.): Interreligiosität und Interkulturalität. Herausforderung für Bildung, Seelsorge und soziale Arbeit im christlich-muslimischen Kontext. Münster: Waxmann Verlag. 2011, S. 99-118.
  14. [Koautor: Josef Freise] Herausforderungen und Perspektiven für die interkulturelle und interreligiöse Praxis in Bildung, Sozialer Arbeit und Seelsorge, in: Josef Freise, Mouhanad Khorchide (Hg.): Interreligiosität und Interkulturalität. Herausforderung für Bildung, Seelsorge und soziale Arbeit im christlich-muslimischen Kontext. Münster: Waxmann Verlag. 2011, S. 195-210.
  15. Der Beitrag der Imame zur Etablierung einer islamisch-europäischen Identität bei jungen Muslimen, in: Bülent Ucar (Hg.): Imamausbildung in Deutschland. Islamische Theologie im europäischen Kontext. Göttingen: v&r unipress. 2010, S. 339-350.
  16. Auf dem Weg zu einer humanistischen Qur`anhermeneutik, in: Hamideh Mohagheghi, Klaus von Stosch (Hg.): Moderne Zugänge zum Islam. Plädoyer für eine dialogische Theologie. Paderborn: Schöningh. 2010, S. 31-58.
  17. Die Dialektik von Religiosität und Gesellschaft – Zur Identitätskonstruktion junger Muslime in Europa, in: Bülent Ucar (Hg.): Die Rolle der Religion im Integrationsprozess. Die deutsche Islamdebatte. Frankfurt am Main: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften. 2010, S. 365-385.
  18. Die Beziehung zwischen islamischer Lehre und einer modernen Islamischen Religionspädagogik – Zur Notwendigkeit der Ausarbeitung humanistischer Ansätze in der islamischen Ideengeschichte, in: Mizrap Polat, Cemal Tosung (Hg.): Islamische Theologie und Religionspädagogik. Islamische Bildung als Erziehung zur Entfaltung des Selbst. Frankfurt am Main: Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften. 2010, S. 145-158.
  19. Die Bedeutung des Islam für MuslimInnen der zweiten Generation, in: Hilde Weiss (Hg.): Leben in zwei Welten. Zur sozialen Integration ausländischer Jugendlicher der zweiten Generation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 2007, S. 217-242.

Aufsätze in Fachzeitschriften:

  1. Ein Fach in den Kinderschuhen. Die islamische Religionspädagogik. In: Herder Korrespondenz Spezial 2/2013: Glauben lehren? Zur Zukunft des Religionsunterrichts, Freiburg: S. 56-60.
  2. Zwischen den Stühlen. Identitätskonstruktionen junger Muslime in Deutschland, in: Herder Korrespondenz, Heft 5/2012, S. 252-256.
  3. Notwendiger Dialog. Der Beitrag islamisch-religiöser Bildung zur Integration, in: Engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule, Heft 1/2012, S. 15-23.
  4. Was wir voneinander lernen können. Religionspädagogik und Lebenswissen, in: Thema Jugend. Zeitschrift für Jugendschutz und Erziehung. Heft 1/2011, S. 14-16.
  5. Eine Frage der Lesart. Islamische Positionen zum religiösen Pluralismus, in: Herder Korrespondenz Spezial Heft 2/2010, S. 17-20.
  6. [gemeinsam mit Klaus von Stosch:] Umma und Kirche, in: ThGl 100/2010, S. 344-360.
  7. Wie viel Staat braucht der islamische Religionsunterricht in Europa? Ein Vergleich der Situation des Religionsunterrichts in Österreich und Deutschland, in: ÖZP Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 4/2008, S. 467-483.
  8. Die Ausbildung von ReligionslehrerInnen für den islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Österreich. Chancen und Herausforderungen, in: MAGAZIN erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs, Ausgabe 5/ 2008.

Klarstellung zu aktuellen Vorwürfen aus Hamburg

Anbei nehme ich Stellung zu den Äußerungen einiger muslimischer Organisationen aus Hamburg, die mich via Presse auffordern, „die Reue (tauba) abzulegen und sich wie ein Muslim zu verhalten“. Mir wird vorgeworfen, in meinem Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ die Glaubensprinzipien des Islam, vor allem den Glauben an Gott und seinen Propheten, aufgeben zu wollen (!), sowie „Unkenntnis über die islamischen Glaubensgrundsätze“. Dazu folgende klare Positionen von mir:

  1. Die sechs Glaubensgrundsätze und die fünf Säulen des Islam sind für den Islam konstituierend und ein essenzieller Bestandteil des muslimischen Glaubens, also meines Glaubens. Das ist meine persönliche Gesinnung und meine theologische Position. Der Gesandte Gottes sagte: „Der Islam wurde auf fünf Tragpfeilern gebaut: dem Zeugnis, dass es keine Gottheit gibt, außer dem einen Gott, und dass Muhammad sein Gesandter ist (šahāda), dem Verrichten des Gebetes (aṣ-ṣalāh), dem Entrichten der sozialen Abgabe (zakāh), die Pilgerfahrt (ḥaǧǧ) und dem Fasten im Monat Ramadan (ṣaum)“ (Bukhari, Nr. 8). Er sagte auch: „Du sollst an Gott glauben, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten, und den Letzten Tag, und an die Göttliche Vorsehung, das Gute und das Böse davon.“ (Die vierzig Hadithe bei an-Nawawī, Nr. 2)
  2. Das ganze Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ durchgehend betone ich den Stellenwert einer engen und aufrichtigen Beziehung zu Gott als Essenz der islamischen Botschaft und mache dabei die koranische Vorstellung einer dialogischen Gott-Mensch-Beziehung, die auf Liebe und Vertrauen basiert (Koran, 5:54), stark. Die Unterstellung, ich würde den Glauben an Gott oder den Propheten Muhammad dekonstruieren wollen, ist eine Verleumdung, die ich auf das Schärfste zurückweise.
  3. Wenn ich im Buch schreibe, dass der Koran unter anderem die Propheten Noah, Abraham, Lot und die Anhänger Jesu als Muslime bezeichnet (S. 125), dann will ich damit darauf hinweisen, dass der Koran unter dem Begriff „Muslim“ nicht nur die Anhänger des Propheten Muhammad bezeichnet. Zitat: „Der Koran nennt diese Hinwendung zu Gott, die sich in der Annahme seiner Liebe und Barmherzigkeit verwirklicht und im Handeln gegenüber den Mitmenschen und Gottes Schöpfung zum Ausdruck kommt, »Islam«: »Die Religion bei Gott ist der Islam.«“ (S. 125) Das ist keine Dekonstruktion des Islam, sondern die Betonung der Kontinuität göttlicher Verkündung.
  4. Wenn ich auf Seite 87 schreibe: „Vielmehr meint er [der Koran] mit Islam die Annahme von Gottes Liebe und Barmherzigkeit und deren Verwirklichung im Handeln, sowohl gegenüber den Mitmenschen als auch gegenüber Gottes Schöpfung“, dann meine ich auch, dass es sich beim Islam um die Annahme von GOTTES Liebe und Barmherzigkeit und nicht irgendeiner anderen Liebe und Barmherzigkeit handelt. Gott wird keineswegs verdrängt. Anschließend führe ich fort: „Nach der oben dargestellten Definition des Islam ist jeder, der sich zu Liebe und Barmherzigkeit bekennt und dies durch sein Handeln bezeugt, ein Muslim, auch wenn er nicht an Gott glaubt, denn Gott geht es nicht um die Überschriften »gläubig« oder »nichtgläubig«.“ Und genau dieser Satz ist der Auslöser der aktuellen Aufregung. Zugegebenermaßen lässt der Satz auch Raum für Missverständnisse, vor allem wenn man den vorhergehenden Satz nicht berücksichtigt, der betont, dass es weiterhin um Gott geht. Daher folgende Ausführung, die ich auch in die nächsten Auflage des Buches aufnehmen werde: Neben uns Muslimen leben auch viele Nichtmuslime, die zwar das Vermögen haben, an Gott zu glauben, bzw. Muslime zu sein – denn, wie der Prophet Muhammad sagte, wird jeder nach „Fitra“ geboren [anthropologischer Zustand, sein Leben auf Gott hin auszurichten] und ist deshalb via Geburt als Muslim zu bezeichnen – diese Menschen haben allerdings den Islam nicht, oder stark verzerrt, kennen gelernt und bekennen sich daher auch nicht zu ihm. Wenn sie gütige Menschen sind, die eine gute Seele haben, was ist dann mit ihnen? Der Koran tadelt Menschen, die die Botschaft des Propheten ablehnten, dies geschah aber erst dann, wenn sie sich mit allen Argumenten des Propheten auseinandergesetzt hatten, sodass sie am Ende dasselbe Wissen über die Wahrheit hatten wie er und diese dennoch verleugneten: „Wenn sie sich aber abkehren, so sag: ‚Ich habe euch gleichermaßen (ʿalā sawāʾ) ermahnt‘“. Exegeten haben den Begriff (ʿalā sawāʾ) so ausgelegt: „Mein Wissen [das Wissen von Muhammad] und euer Wissen stehen auf derselben Ebene.“ (Koran, 21:109; vgl. Tafsīr von Ibn ʿAšūr oder al-Qurṭubī). Ich frage nun, ob alle Nichtmuslime, von denen die Vertreter der muslimische Organisationen in Hamburg erwarten, dass ich sie verdamme, dasselbe Wissen über Gott und den Islam und dieselben Argumente, die für den Glauben sprechen, so verinnerlicht haben, wie ein überzeugter Muslim und trotzdem Gott und den Islam ablehnen. Es würde das Prinzip der göttlichen Barmherzigkeit widersprechen, wenn Gott Menschen, die ein verzerrtes Bild von ihm bzw. vom Islam haben, in die Hölle schicken würde, nur weil sie sich nicht als Gläubige bzw. Muslime deklarieren, obwohl sie im Grunde potenzielle Muslime sind, da sie im Grunde durch ihre Einstellung und ihr Handeln „Ja“ zu Gottes Liebe und Barmherzigkeit, also „Ja“ zu Gott selbst gesagt haben – auch wenn sie nicht wissen, dass es Gott ist, dem sie sich zugewandt haben. Diese meine Position darf keinesfalls dahingehend missverstanden werden, dass es ausreichen würde, allein gütig zu sein, ohne einen Glauben an Gott, also dass der Glaube an Gott und mithin an den Gesandten Muhammad obsolet wäre. Genau das meine ich nicht! Mir ist auch keine einzige islamische Position bekannt, die meint, dass Menschen, die die göttliche Verkündung nicht erreicht hat, verdammt würden. Und genau über diese Gruppe von Menschen, die heute gar nicht so klein ist, mache ich mir die obigen Überlegungen.

Für die Etablierung der islamischen Theologie in Deutschland wäre es sehr wichtig, dass Personen und muslimische Organisationen, die Interesse an der Förderung der islamischen Theologie in Deutschland haben, diesen Prozess wohlwollend begleiten. Wenn man meint, dass eine Aussage oder eine theologische Position im Widerspruch zu den Grundsätzen des Islam steht, dann ist es ein islamisches Gebot, die betroffene Person zu kontaktieren und das Gespräch mit ihr zu suchen und nicht via Medien Unterstellungen zu verbreiten. Mediale Polemik von Muslimen gegen muslimische Theologen schadet dem ganzen Prozess der Etablierung der islamischen Theologie in Deutschland. Auch der krampfhafte Versuch einiger Personen und Institutionen, gerade den Standort Münster zu Fall zu bringen, zeugt von keiner islamischen, feinen Haltung. Ebenso wenig die realitätsferne Unterstellung, dem Standort Münster würde ein Staatsislam aufoktroyiert. Von den muslimischen Organisationen erwarte ich, dass sie diesen Prozess der Etablierung der islamischen Theologie weiterhin mit dem islamisch gebotenen Einsatz fördern. Die Muslime, vor allem die jungen, sehen in der islamischen Theologie eine große Chance, sich mit ihrer Religion auf wissenschaftlichem Niveau auseinanderzusetzen. Dass es dabei zu unterschiedlichen Positionen kommen kann, ist Teil der islamischen Tradition, die durch diese Vielfalt immer bereichert wurde. Eine andere Meinung muss nicht zwangsläufig eine schlechte Meinung sein. Kritik ist notwendig, ich möchte aber an meine muslimischen Kritiker appellieren, sich zuerst die Chance zu geben, meine Positionen zu verstehen, bei Unklarheiten, mich direkt zu kontaktieren und wohlwollend, im Sinne der Sache selbst, die uns alle betrifft, das Gespräch zu suchen.

„Unser Herr,
tadle uns nicht für das,
was wir vergessen oder verfehlen.“ (Koran, 2:286)



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