Orakel und Wettkampf

Archäologe Prof. Dr. Ulrich Sinn über den Kult von Delphi und Olympia

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Prof. Dr. Ulrich Sinn

© bhe

Über das Apollon-Heiligtum in Delphi und das Zeus-Heiligtum von Olympia hat der Würzburger Archäologe Prof. Dr. Ulrich Sinn in der Ringvorlesung „Heilige Orte“ des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ und des Centrums für Geschichte und Kultur des östlichen Mittelmeerraums (GKM) gesprochen. In seinem Vortrag stellte er Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Kultorte heraus. Der Vortrag trug den Titel „Auf der Suche nach den Wurzeln des Erfolgs – Die Rolle von Orakel und Wettkampf im Kult von Delphi und Olympia“.

„Das Apollon-Heiligtum in Delphi und das Zeus-Heiligtum von Olympia galten bereits in der Antike als die bedeutendsten Sakralstätten auf griechischem Boden“, sagte Prof. Sinn. Diese Einschätzung habe bis heute Bestand und finde Niederschlag in zahlreichen vergleichenden Studien, die in der Regel die Unterschiede betonten. Er legte zunächst die Gemeinsamkeiten dar: „An beiden Kultplätzen agierten Seher, beide zogen mit Wettkämpfen Aufmerksamkeit auf sich, und beide setzten die ihnen zugewachsene Autorität ein, um politische Orientierung zu geben.“ In Ruhm und Nachruhm hätten sich die beiden griechischen Heiligtümer jedoch unterschiedlich entwickelt. „Delphi nahm als Orakelstätte mit moralisch-ethischem Anspruch Einfluss auf die individuelle Lebensgestaltung und die Entscheidungen der politischen Verantwortungsträger innerhalb und außerhalb der griechischen Staatenwelt. In Olympia, der Wettkampfstätte, ließen die Städte und Fürsten ihre latente Rivalität stellvertretend durch ihre besten Athleten austragen.“

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Ton-Mitschnitt des Vortrags

Prof. Sinn war bis 2011 Inhaber des Lehrstuhls für Klassische Archäologie an der Universität Würzburg und Leiter der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Funktionen, Ausstattung und Topographie griechischer Heiligtümer, insbesondere Olympia in der römischen Kaiserzeit und Spätantike.

Plakat der Ringvorlesung

Plakat der Ringvorlesung

© Klearchos Kapoutsis

In der Ringvorlesung „Heilige Orte“ untersuchen namhafte Forscher im Wintersemester die historischen Ursprünge und Wandlungen religiöser Stätten wie Delphi, Jerusalem, Medina, Rom und Byzanz. Die Reihe geht auch den politischen und wirtschaftlichen Interessen sowie den Erinnerungskulturen nach, die sich mit den antiken Orten bis heute verbinden. Heilige Stätten entstanden oft an markanten Stellen in der Natur, an Quellen, auf Bergen oder in der Wüste. Religiöse Gemeinschaften verknüpften damit mythische Erzählungen und magische Rituale. Zu Wort kommen Vertreter unterschiedlicher Fächer wie der Altorientalistik, Ur- und Frühgeschichte, Ägyptologie, Alten Geschichte, Klassischen Archäologie und Philologie, Bibelwissenschaften und Byzantinistik sowie Religions- und Islamwissenschaften.
Die Vorträge sind dienstags von 18.15 bis 19.45 Uhr im Hörsaal F1 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22 in Münster zu hören. Den nächsten Vortrag am 3. Dezember hält Archäologe Prof. Dr. Klaus Schmidt von der Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Göbekli Tepe – Ein Bergheiligtum der Steinzeit“. (bhe/vvm)


Heilige Orte. Ursprünge und Wandlungen - Politische Interessen - Erinnerungskulturen

Wintersemester 2013/2014
dienstags 18.15 bis 19.45 Uhr
Hörsaal F1 im Fürstenberghaus
Domplatz 20-22
48143 Münster